Interview mit MÄNNI - Selbstzweifel, Arbeit & Disziplin


Mit seinem neuen Album "Mir Tut Alles Weh" wird sich MÄNNI wohl noch einiges mehr an Fans erspielen. EARSHOT.AT im Gespräch mit Mastermind Samuel Dickmeis:


Hey Jungs, kannst du dich und die Band kurz vorstellen, für die Leser, die euch eventuell noch nicht kennen?


Hm ja „Band“ da fängt es schon an. Also MÄNNI hab ich erstmal solo angefangen und mache auch jetzt noch einen Großteil alleine. Live gibt es einen Pool aus lieben (musikalisch fähigen) Menschen, die am Bass und Schlagzeug immer am Start sind, wenn sie Zeit & Bock haben. Mir ist dabei einfach wichtig, dass ich von niemandem abhängig bin und gleichzeitig meine Anforderungen kein Zwang für die anderen sind. Ich will soviel spielen wie aktuell möglich und gebe auch sonst Vollgas was die Musik angeht. Das kann und will ich nicht von allen erwarten. Es fügt sich aber mittlerweile eins zum anderen und es gibt schon eine Art „harten Kern“ bei MÄNNI. Das Lied „Krasseste Gang“ vom neuen Album greift das Thema auf und schließt auch die Menschen ein, die zu den Shows kommen.




Gratulation zum neuen Album. Was unterscheidet „Mir Tut Alles Weh“ vom Vorgänger „Alkohol & Melancholie“?
>

Lustigerweise war eines der ersten Feedbacks, dass es bei „Mir Tut Alles Weh“ anscheinend mehr um das Thema Alkohol geht als bei „Alkohol & Melancholie“. Während des Entstehungsprozesses merke ich sowas alles ja nicht, sondern wie auch beim Vorgänger gucke ich einfach, dass ich mit den Songs und Texten zufrieden bin. Ich denke also das neue Album ist eine sehr logische Fortsetzung. In Sachen Songs, Produktion etc. sehe ich schon eine Weiterentwicklung (sorry ist jetzt leider so der Standard-blabla wenn man von neuen Album erzählt). Wer also mit „Alkohol & Melancholie“ etwas anfangen konnte wird sicherlich vom neuen Album nicht enttäuscht sein. Die Rezensionen und das allgemeine Feedback sind jedenfalls sehr gut und ich freue mich, dass es so Vielen gefällt. Live kommen die neuen Songs auch sehr gut an (sorry noch mehr Standard-blabla, aber bin echt happy, dass es gerade gut läuft).


Da hast ja da Album wieder im Alleingang eingespielt. Wie kann man sich einen Tag im Studio einer One-Man Band vorstellen?


Heutzutage spielen die meisten Bands ja auch alles nacheinander ein. So hab ich das auch gemacht - geht ja alleine auch nicht anders. Da am Anfang noch nicht ganz klar war wo die Reise hingehen wird, habe ich erstmal sieben Songs am Schlagzeug im Studio eingespielt und die dann im Proberaum zu Ende aufgenommen. Irgendwann war dann klar, dass daraus ein Album werden könnte und ein halbes Jahr später habe ich dann noch mal sieben Songs aufgenommen. Und dann kam die für mich schwerste Zeit der Produktion. Ich war dann jeden Abend bis spät in die Nacht im Proberaum und habe alles ausprobiert, Texte geschrieben und immer das aufgenommen was gerade anstand. Alles sehr chaotisch. Weil ich jederzeit alles wieder ändern kann ist es ein schwieriger Prozess mit einer Menge Selbstzweifel und viel Arbeit & Disziplin. Der Track „Einsam-Skit“ ist da eine Momentaufnahme von einem Abend, wo ich echt enttäuscht war, weil nix geklappt hat und noch soviel anstand um das Album fertig zu kriegen. Manchmal braucht es einen Schubs und in diesem Fall kam er durch einen Facebook-Chat, der mir in diesem Moment sehr geholfen hat.


Auf dem Album greifst du verschiedene Themen auf und versucht auch sehr ernste Themen ironisch auf den Punkt zu bringen, wie z.B. in „Ibuprofi“. Wie funktioniert den Schreibprozess hierfür und was sind deine größten deutschsprachigen Einflüsse sowohl textlich als auch musikalisch?


Mein Kumpel Mari hatte oft betont, dass er den „Humor“ in meinen Songs sehr gut finde und ich doch beim neuen Album da noch mehr machen solle. Daran habe ich mich immer etwas orientiert, wenn ich Ideen verfolgt habe. Meist fällt mir der Refrain ein und dann gucke ich immer, wie ich das Thema möglichst bizarr oder absurd anpacken kann. Und mir fällt es leichter gerade ernste Themen mit Ironie oder Zynismus zu behandeln. Da kommt dann einfach alles zusammen. Am Ende kann ich dann gar nicht mehr sagen, ob die Texte lustig oder peinlich sind, aber zum Glück war dann irgendwann Abgabe des Albums. Naja und ich höre halt schon sehr lange sehr viel deutschen Punk. Alle Bands da haben sicherlich einen Einfluss.




Wenn man so die politische Stimmung in Deutschland und Österreich oder gar ganz Europa verfolgt, bist du der Meinung dass die Punkbands (sozial-)kritisch und laut genug sind?


Ja ich hab schon das Gefühl, dass gerade in diesem Genre alle laut sind. So ziemlich alle Bands äußern sich zum Rechtsruck oder haben zumindest eine Haltung die nach außen klar wird. Es gibt Initiativen wie „Kein Bock auf Nazis“ mit dem erweiterten „Protest Sounds“ Netzwerk (in dem wir auch vertreten sind). Also den Punkbands werfe ich am wenigsten etwas vor. Sehr schwer tue ich mich allerdings mit den Bands, die glauben sich politisch in der absoluten Mitte zu verorten. Da ist mir dann auch egal welche Musik die machen. Ich hab einfach keinen Bock auf Menschen die sich nicht klar vom rechten Rand distanzieren.


Und können Bands und deren Message auch heutzutage in unserer schnelllebigen Social Media-Zeit, noch so einen Einfluss haben wie noch in 70ern, 80ern und 90ern? Genau aufzuzeigen und dagegen anzuschreien gäbe es ja.


Mach aus „Bands“ mal KünstlerInnen und dann sag ich ja! Musik bewegt so viel in Menschen und der Einfluss ist dadurch enorm. Da kommt es dann ganz darauf an, was ausgesagt und vermittelt wird. Ich sehe aber politische Aktionen aktuell als noch wichtiger an. Sich zusammentun und auf die Straße gehen bewirkt glaube ich einiges. KünstlerInnen können da einen wichtigen Impuls geben und darin bestärken was man macht und auch viele Aktionen.


„Mir Tut Alles Weh“ hast du ja auch selbst produziert, und so viel sei mir gestattet zu sagen, äußerst knackig noch dazu. Ist es geplant, dass du auch andere Bands bei der Produktion bzw. den Aufnahmen unterstützt? Oder machst du das gar schon?


Ui - Danke für diese lieben Worte. Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich zwar alles aufnehme und somit produziere, aber ohne Michael Czernicki von den RockOrDieStudios, der meine Aufnahmen gemischt und gemastert hat, würde das Album jetzt auch nicht so klingen. Was ich ansonsten immer gerne mache ist, wenn jemand Hilfe oder Tipps bei Aufnahmen braucht, ich mir alles anhöre und meine Meinung abgebe. Ansonsten nehme ich immer mal etwas auf, wenn konkrete Anfragen kommen. Zuletzt habe ich zB mit einer sehr talentierten Aachener Rapperin Vocals für zwei Songs aufgenommen. Zeitlich komme ich aber bei MÄNNI kaum mit allem hinterher, so dass ich viel mehr gar nicht schaffe.


Was steht im Jahre 2019 an? Führt dich eine Tour bei Zeiten auch nach Österreich?


Dieses Jahr wird soviel gespielt wie nur geht (nächstes Jahr übrigens auch). Bisher gibt es leider noch keine Show in Österreich. Ich würde mich aber sehr über eine Konzertanfrage freuen: booking@mnni.de




Wie wird sich denn bei den Live-Gigs die „Krasseste Gang“ zusammensetzen?


Wie oben schon geschrieben ist es ein bunter Haufen von Leuten die generell Lust haben mit mir die Songs zu spielen und sobald Shows feststehen frage ich rum wer wann gut kann. Ansonsten zählt für mich als „Krasseste Gang“ auch das Publikum dazu. Es freut uns auf der Bühne immer sehr, wenn Leute mitsingen und öfters mal auf Shows auftauchen. Was ich auch sehr gut finde ist, dass es ein bestimmter „Schlag Von Menschen“ ist mit denen es sich auch nach den Shows gut ein Bierchen trinken lässt.


Wird es in absehbarer Zeit wieder eine Kollaboration mit der ANTILOPEN GANG geben?


Aktuell ist nix geplant. So gerne ich auch noch mal ein Punkrock-Bonusalbum für die ANTILOPEN machen würde oder wie bei „Baggersee“ einen Track im Punkrock-Stil mitgestalten, so wenig „Sinn“ macht es aber auch. Das Ding ist quasi durchgespielt und der Gag auserzählt. Die drei wissen natürlich, dass ich jederzeit am Start bin, wenn etwas ist.


Gibt es noch eine Message von MÄNNI an deine Hörer in Österreich?


So letzte Worte-mäßig finde ich immer schwierig. Ich mach mal den Klassiker: Hört in das neue Album rein, guckt die Videos, streamt die Songs und wenn jemand eine Show in Österreich machen möchte meldet euch sehr gerne: booking@mnni.de



www.mnni.de

Autor: tsunemoto

Weitere Beiträge von tsunemoto


Zurück

Beitrag vom 24.05.2019
War dieses Interview
interessant?

1 Stimme(n)
Durchschnitt: 7

Diesen Beitrag bewerten:
  
Diesen Beitrag per E - Mail verschicken:
An:
Von:
Kommentar: