Interview mit ELVENPATH - Steelistisch hat sich nicht viel geändert


ELVENPATH brauchen zwar immer etwas um ihre Alben fertig zu stellen, dafür liefern die deutschen Heavy/Power Metaller auch immer ab. So gibt es auch beim neuesten Werk "The Path Of The Dark King" wieder Value for Money. Ganz Old-School im DIY-Style ist auch dieses Album entstanden. Erneut durften wir mit Till Oberboßel über die Hintergründe des neuen Werks sprechen.



Hi Till, schön wieder mit dir sprechen zu können. Wie geht es dir und was tut sich aktuell in deinem musikalischen Leben?


Hallo Max, danke der Nachfrage. Soweit ist alles gut. Die Musik nimmt eine Menge Raum ein, aber so soll es ja auch sein. Mit ELVENPATH sind wir, nachdem wir nun das neue Album veröffentlicht haben, live wieder ziemlich aktiv, parallel dazu bastle ich am neuen LUCID DREAMING-Album. Es gibt auch für beide Projekte schon weiterführende Ideen, also langweilig wird es garantiert nicht.




Es hat zwar wieder vier Jahre gedauert, aber vor einiger Zeit habt ihr euer nun fünftes Album mit ELVENPATH veröffentlicht. Wie fühlt ihr euch immer in der Zeit nach der Veröffentlichung?


Das ist dann schon immer ein Brocken, der von einem abfällt. Vor allem die Endphase der Produktion ist normalerweise ziemlich nervenaufreibend, bis wirklich alle Details stimmen. Wenn dann die fertige Master-CD in der Hand liegt, ist das daher eine Erleichterung. Aber natürlich sind wir auch immer sehr gespannt, wie das Album so bei den Kritikern und Fans ankommt. Man ist ja nach all der Mühe immer überzeugt, dass man gerade das Hammeralbum des Jahrhunderts zur Welt gebracht hat, haha. Bislang sind die Kritiken und die Rückmeldungen des Publikums allerdings auch fast durchweg positiv, das ist dann eine schöne Bestätigung.


Habt ihr euch wieder bewusst so lange Zeit gelassen um das Material fertig zu stellen oder gab es auch andere Gründe für die Wartezeit?


Von allem ein bisschen – wir haben uns in der Tat viel Zeit genommen, um an den Songs zu arbeiten. Manche der komplexeren Nummern haben wirklich eine gut zweijährige Detailarbeit hinter sich und sind ausgiebig gereift. Ansonsten haben wir wie immer viel live gespielt, was natürlich Kapazitäten bindet, die man nicht fürs Arbeiten an neuem Material aufwenden kann. So im Herbst 2017 wurde uns auch klar, dass das nicht alles parallel laufen kann. Wir haben daher in Bezug auf Konzerte die Reißleine gezogen und für 2018 nichts mehr angenommen, um uns ganz aufs Studio zu konzentrieren. Das war schon ungewohnt, da wir üblicherweise immer so 20-25 Gigs im Jahr spielen, so waren es hingegen nur zwei Konzerte, die bereits bestätigt waren. Hat sich aber auch ausgezahlt, finde ich. Und die Freude, jetzt wieder die Bühnen der Welt unsicher machen zu können, ist umso größer, hehe.


Ihr konntet euch in vielen Belangen nochmal steigern, doch zunächst war ich etwas überrascht. Ihr beginnt ja ungewohnt wuchtig mit „Combat Zone Europe“. Wie ist der Song entstanden und worum geht´s dabei?


Vielen Dank erstmal! Der Einstieg mit Blastbeats, thrashigem Riffing und einer Schreiorgie ist natürlich eine Überraschung, war aber auch volle Absicht, hehe. Ich stehe sehr auf CAGE und wollte mal was in deren Richtung schreiben. Ihren Song „Planet Crusher“ habe ich immer als eine Art Fortsetzung zu „Painkiller“ empfunden und wollte meinerseits da nochmal einen draufsetzen und auch gerne Blastbeats verarbeiten. Dragutin wiederum wollte mal einen Song so richtig fies zusammenschreien – das haben wir alles gebündelt und in diese Nummer gepackt.

Aufgrund unseres Namens werden wir ja gerne erstmal in die Happy/Tralala/Symphonic/Luschi-Metal-Ecke gesteckt, jedenfalls steht das in jedem zweiten Review. Wir wollten den Leuten gerne eine Überraschung um die Ohren hauen und haben den Song daher mit voller Absicht an den Anfang gestellt. Soll mir keiner sagen, wir würden immer nur das Gleiche machen und immer nur den X-fach gehörten Standard runterspielen.

Der Text ist aus der politischen Schublade und behandelt den maroden Zustand Europas angesichts der Bedrohung durch den Islamismus. Hier hat sich in den letzten Jahren viel verändert – religiös motivierte Terroranschläge kannte man eher aus anderen Ecken der Welt, Sicherheitsmaßnahmen in bislang unbekannter Höhe werden notwendig. Der Kontinent ist unsicherer geworden und nicht mehr so friedlich, wie ich ihn jahrzehntelang kannte. Ich sehe hier durchaus einen Konflikt niedriger Intensität – also die erste Stufe eines Krieges. Der Titel „Combat Zone Europe“ ist daher keineswegs übertrieben.



Wo siehst du denn selbst wieder die Unterschiede zum Vorgänger?


Stilistisch hat sich nicht viel geändert, glaube ich. Wir sind unserer Linie treu geblieben, haben aber auch neue Elemente einfließen lassen. Wir haben zum ersten Mal einen richtigen Chor verwendet und eine Violine eingebaut. Mit „Combat Zone Europe“ haben wir unseren bislang schnellsten und wahrscheinlich auch härtesten Song veröffentlicht, mit „The Mountain Curse“ den längsten. Generell sind wir etwas epischer und ausladender geworden, finde ich. Und die Produktion ist nochmal etwas besser und ausgewogener. Es gibt also immer neue Bausteine bei uns zu entdecken, auch wenn die grundsätzliche Ausrichtung dieselbe bleibt.




Vielleicht kommt es mir nur so vor, aber der Sound wirkt für mich roher und direkter als beim Vorgänger, was kannst du mir zur Produktion und dem Mix erzählen?


„Roher und direkter“ – mag sein. Ich finde den Sound im Vergleich zum Vorgänger im Gesamtbild einfach nochmal ausgewogener, aber das sind auch immer Nuancen. Eine wirklich üble Produktion hatten wir zuletzt auf unseren Demos, glaube ich.
Wir sind zwar schon lange dabei, es ist uns aber trotzdem wichtig, dass ein Produzent mit an Bord ist, der nochmal mit einem externen Paar Ohren zuhört. Außerdem können wir von einem alten Hasen wie Uwe Lulis in mancherlei Hinsicht noch lernen. Wir sind immer bestrebt, uns zu verbessern.
Was den Mix angeht, da läuft es generell so, dass Uwe nach den Aufnahmen erstmal einen Grundmix anfertigt. Den können sich dann alle in Ruhe anhören, beim nächsten Termin hat dann jeder eine Liste mit Änderungswünschen dabei und es gibt wilde Diskussionen, haha. Da geht es sowohl um kleine Details als auch um Änderungen am grundsätzlichen Soundbild. Und dann wird wieder testgehört, dann wieder nachgebessert etc. Ich glaube, Uwe hat diesmal insgesamt sechs Mixe angefertigt, bis wirklich alles gepasst hat.
Diese Phase ist schon ganz schön nervenaufreibend und man möchte die Songs am liebsten nie wieder hören, haha. Aber bislang haben wir es immer zu einem guten Ende gebracht und ich glaube, das Ergebnis spricht einmal mehr für sich.



Wie kam es zu dem Titel „The Path Of The Dark King“, gibt es ein Konzept und wer ist eigentlich der dunkle König?


Der Titel war Dragutins Idee. Der dunkle König steht symbolisch für all das Schlechte in der Welt – gerade auch für Dinge, welche erstmal verführerisch scheinen, vor welchen man sich aber hüten sollte. Das ist leider der Weg, für den sich Menschen häufig entscheiden, wenn er einfacher erscheint. Der Weg des geringsten Widerstands eben. Im Gegenzug finden wir es wichtig, den moralisch gesehen richtigen Weg zu gehen und sich für die richtige Seite zu entscheiden, auch wenn damit Mühen verbunden sind.

Ein Konzeptalbum ist es nicht geworden, die Texte handeln von allen möglichen Themen – aber wenn man will, läßt sich diese Grundfrage der Entscheidungsfindung natürlich auf viele Bereiche übertragen. Man kann also durchaus Parallelen zu den Texten ziehen, die mitunter Fragen aufwerfen, was richtig und falsch ist. z.B. in „The Sword Of Gideon“, wo es um eine Vergeltungsaktion der israelischen Armee gegen palästinensische Terroristen geht (Google: Operation Frühling der Jugend) oder in „About Nightmares And Kings“, welches die Rebellion eines Volkes gegen einen Tyrannen behandelt, der sich keiner Schuld bewusst ist, weil er seine brutale Herrschaft als gottgegeben und gerechtfertigt sah. Man kann dieses Thema also auf viele Texte übertragen.



Und wie ist das Artwork dazu entstanden?


Angefertigt wurde es erneut von Markus Vesper, der ja mittlerweile unser Stammzeichner geworden ist. Wir haben ihm unsere Idee beschrieben und er hat mal wieder etwas Tolles daraus gemacht. Die Coverszene zeigt die oben angesprochene Fragestellung – unser Metaller, der ja auch schon von den beiden letzten Covern bekannt ist, muss sich entscheiden, welchen Pfad er einschlägt. Auf dem scheinbar hellen und einfachen Weg wartet der dunkle König, um ihn mit materiellen Schätzen zu verführen – der andere Weg erscheint dunkel und steinig, führt aber, wenn man ganz genau hinsieht, zu dem ebenfalls von den letzten Covern bekannten Drachen, welcher wiederum symbolisch für ein erstrebenswertes, positives Ziel steht.




Das Album kommt auf über 73 Minuten – ihr reizt also den kompletten Platz auf der CD aus. Ihr wart also verdammt kreativ. Ist euch noch Material übrig geblieben?


Das Album ist tatsächlich unser bislang längstes. Der Fan bekommt also wirklich einen ordentlichen Gegenwert fürs Geld, zumal ich trotz der langen Spielzeit nicht glaube, dass das Album ermüdet. Dafür ist es einfach zu abwechslungsreich und vielschichtig ausgefallen. Aber man muß sich eben auch darauf einlassen wollen.

Wir haben allerdings in der Tat noch was in der Hinterhand – da möchte ich vorab noch nichts verraten; es wird aber in den nächsten anderthalb Jahren noch was von uns zu hören geben.



Ihr habt mit „The Devil´s Game And God´s Masquerade” und „The Sword Of Gideon” auch zwei überlange Songs. War es geplant, hier epische Stücke zu schreiben, oder ist das im Prozess einfach passiert?


Vergiss nicht den längsten Song „The Mountain Curse“! Diesmal haben wir wirklich drei Songs am Start, die die zehn Minuten überschreiten oder zumindest daran kratzen. Geplant ist sowas nicht vorab. Wir basteln immer an einem Song, bis er seine optimale Form erreicht hat. Das können dann wie bei „Combat Zone Europe“ vier Minuten sein oder eben das vier- bis fünffache, haha. Aber wir neigen ja generell zum Detailreichtum und packen gerne viele Ideen in unsere Stücke, entsprechend werden diese dann auch häufig recht lang.


Ihr habt das Album erneut im DIY Style realisiert. Ihr bleibt euren Prinzipien also dahingehend treu? Sind denn Kickstart-Geschichten für euch in Zukunft eventuell ein Thema um die Fans direkt in die Entstehung zu integrieren?


Bislang gab es noch keine finanzielle Hürde, die wir nicht alleine hätten nehmen können. Wir mussten also noch nicht die Fans anbetteln und ihnen ominöse Summen für signierte CDs, Meet-And-Greets oder Plektren aus der Tasche ziehen. Autogramme und Fotos gibt’s umsonst und wer mit uns ein Bier trinken will, kann uns auch einfach in der Kneipe treffen. Wer uns finanziell unterstützen möchte, was uns selbstverständlich immer freut, kann sich gerne eine CD und ein Shirt kaufen. Da sind wir ganz alte Schule.


Sehr löblich. Wie sieht es mit Live-Plänen aus?


Seit der CD-Veröffentlichung am 9.3.19 sind wir endlich wieder live aktiv. Macht nach der langen Bühnenabstinenz wieder richtig Spaß! Insgesamt werden wir dieses Jahr wohl wieder an die 20 Gigs spielen und dabei Deutschland von Kiel bis Augsburg abgrasen. In Luxemburg waren wir letzten Monat ebenfalls und im September geht’s erstmalig nach Italien. Wir kommen also ganz gut rum. Und ich hoffe, dass es 2020 nicht viel anders weitergeht. Es wäre schön, mal etwas mehr im Ausland zu spielen, aber das klappt leider nur gelegentlich. Wir sind jedenfalls für alle Angebote offen.


Und was tut sich bei „Lucid Dreaming“ – wann geht deine Metal Oper weiter?


Aufgrund der Arbeiten am ELVENPATH-Album und anderer Faktoren kam das Projekt in letzter Zeit sehr langsam voran – die Aufnahmen zum dritten Album haben ja bereits vor anderthalb Jahren begonnen. Nun geht es aber wieder weiter und ich glaube, dieses Jahr wird die Scheibe fertig werden. Eine Veröffentlichung 2020 erscheint also realistisch. Es wird thematisch erneut nach Prydain gehen, einige bekannte Stimmen werden zu hören sein, einige neue werden dazukommen. Ihr dürft euch auf jeden Fall auf ein amtliches drittes Album freuen.


Ich danke dir vielmals für deine Zeit. Möchtest du noch etwas loswerden?


Vielen Dank, daß ich Elvenpath hier vorstellen durfte! Wer Interesse bekommen hat, kann uns auf www.elvenpath.com und www.facebook.com/elvenpathmetal besuchen. Ich hoffe, das neue Album gefällt euch und wir sehen uns mal bei einem Konzert. Hörns up! m/




www.elvenpath.com

Autor: maxomer

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Beitrag vom 28.05.2019
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