Interview mit SAXORIOR - Die angelsächsische Invasion


Die Sächsische Band SAXORIOR kann bereits auf ein langes Bestehen zurückblicken, ist aber vielleicht außerhalb Deutschlands nicht so bekannt. Anlässlich des Erscheinens des neuesten Albums "Saksen" hatten wir die Gelegenheit der Band einige Fragen zu stellen, die uns Drummer Andy und Sänger Kai ausführlich beantwortet haben.


Hallo! Es freut mich sehr, dass ihr euch die Zeit nehmt, mir einige Fragen zu beantworten.
Erst einmal - wie ist euer Name entstanden?



Andy: Hallo auch. SAXORIOR ist ein Wortspiel aus SAXON und Warrior. Ich nehme mal an, dass der Name MANOWAR Einfluss auf unseren Bandnamen hatte, oder?




Kai: Irgendwie wahrscheinlich schon… „The Triumph Of Steel (1992)“ ist für mich immer noch ein Meilenstein und hatte damals auch einen sehr hohen ideellen (wenn nicht sogar überlebenswichtigen) Stellenwert für mich!


Ihr könnt ja bereits auf viele Jahre Bandgeschichte zurückblicken - wie habt ihr damals zusammengefunden und wie habt ihr es geschafft, die Band am Leben zu halten?


Kai: Es ist einfach das Herzblut zur Musik und zur Band, welche unser Lebenswerk ist. Das ist es auch was uns durch einige Täler gebracht hat. Am besten ich gebe mal eine grobe Zusammenfassung unserer Bandgeschichte:
SAXORIOR wurde im Januar 1994 von Matthias Eschrich (Vocals, Guitars), Kai–Uwe Schneider (Vocals, Guitars), Dirk David (Drums) und Uwe Vogt (Bass) gegründet. Kai-Uwe und Matthias, die früher in der DDR-Band „TITAN“ spielten, produzierten im Juni das erste Demo-Tape „The First Fight“. Im selben Jahr wechselte Timo Pfeifer von CORPSESS als neuer Drummer zur Band. Im Frühjahr 1995 begann die Band mit den Studioaufnahmen zu ihrem ersten Album „Return From The Dark Side”. SAXORIOR kreierten ihren eigenen Stil, angelehnt an Death-Metal – aber doch etwas anders... Leben und Tod, Universum, Entstehen und Vergehen sind Themen der Texte. Mit dem neuen Keyboarder Frank Nitzsche folgten Konzerte unter anderem mit EMINENZ, BENEDICTION und ICED EARTH. Im Frühjahr des Jahres 1999 eröffnete Kai-Uwe sein Tonstudio in Pirna. Im Mai/Juni 1999 wurde dort die Scheibe „Portent Of Eternity“ aufgenommen und im August 1999 auf dem Undergroundlabel G.U.C. veröffentlicht. Man hört darauf das, was heute noch den typischen SAXORIOR-Stil ausmacht. Der Song „Hagen Von Tronje“ wurde auf einem Ablaze-Sampler präsentiert, was der Band viel Anerkennung einbrachte. Die erste Hälfte des Jahres 2001 widmete SAXORIOR fast ausschließlich dem Songwriting, um im Juni im Polygamstudio in Pirna den dritten Longplayer „Saxot“ aufzunehmen. Dieses Album enthält zum ersten Mal eine Coverversion, „Tubular Bells“ von Mike Oldfield. Textlich dreht sich fast alles um die Zeitepoche, in der Sachsen christianisiert wurde. Eine bedeutende Rolle spielen Wittekind und sein Gegenspieler Karl der Große. Zusätzlich wurde ein Teil der Nibelungensage in dem Song „Siegfried“ verarbeitet, wofür die Ouvertüre der gleichnamigen Oper von Richard Wagner umarrangiert wurde. Im Januar 2003 wurde das Album „Von Rache Und Schmerz“ im Polygamstudio eingespielt und erschien im Mai in limitierter Auflage (500 Stück) nur auf Vinyl. Im März 2004 erschien die neue CD „Never Ending Battles“ bei Battlegod-Production (Australien), dem neuen Label der Band. Im Vordergrund stehen die Geschehnisse in Sachsen während des Dreißigjährigen Krieges. Ergänzt wird das Album durch den Song “Dem Meister“, der R. Wagner gewidmet ist und für den einige musikalische Themen seines Schaffens verwendet wurden. Das Jahr 2005 war ausschließlich Liveauftritten gewidmet. Beim SIM EVIL-Bandcontest belegte SAXORIOR den siebten Platz von über 100 Bands, und somit erschien der Song „Never Ending War“ auf dem entsprechenden Rock Hard Sampler. Im Dezember 2007 erschien die neue CD „Völkerschlacht“ und erhielt in der Presse so viele positive Kritiken, dass die Digipak-Version innerhalb kürzester Zeit vergriffen war.
Seit 2008 haben uns Andy von NOISEMASTER am Schlagzeug und Thomas von SCRAPY am Bass live unterstützt. Das erste Konzert in dieser Besetzung wurde beim Interregnum Festival in Gnoien am 05.08.2008 sehr gut absolviert. Somit ist die Besetzung seitdem wieder komplett und zum 15-jährigen Bandjubiläum mit frischer „metallischer“ Energie gestärkt!
Die nächsten Jahre verliefen etwas ruhiger. In dieser Zeit begannen auch die ersten Überlegungen und Recherchen für das neue Album „Saksen“, wobei der Album-Titel und das Konzept relativ früh feststanden. Um so aufwendiger gestaltete sich die „Zeitreise“ um das Thema der sächsischen Völkerwanderung, da alles authentisch und doch unterhaltsam sein sollte. Mit den ersten Demos wurden schon 2013 im heimischen Studio angefangen. Am 27.9.14 gaben SAXORIOR mit einem Open Air in Dresden ihr 20-jähriges Jubiläumskonzert, welches von allen Beteiligten sehr euphorisch gefeiert wurde! Ende 2014 wurde dann mit Einheit Produktionen auch ein neuer starker Vertragspartner gefunden, sodass die Motivation für die Album-Produktion und eine neue musikalische Zukunft wieder gestärkt wurde!





Wie wichtig ist Sachsen und seine Geschichte für euch?


Andy: Sehr wichtig, schließlich wohnen wir hier und es ist der Quell unserer Texte. Es hat sich mit der Zeit so ergeben, dass Geschichte das Thema von SAXORIOR ist. Und natürlich singen wir von unserer Geschichte. Wir könnten auch von den Wikingern erzählen. Aber warum sollten wir? Es gibt schließlich genug Schweden und Dänen die das tun.


Kai: Geschichte allgemein hat mich schon immer sehr interessiert. Wo kommen wir her, wie hat alles angefangen und wie war das damals… In einigen geschichtlichen Quellen ist übrigens auch die Rede davon, dass die Sachsen die Vorgänger der Wikinger gewesen sind.


Sind alle von euch Geschichte-Fans?


Andy: Mehr oder weniger. Uns interessieren allerdings auch andere Themen, nur passt Geschichte am besten zu unserer Musik.


Ich habe gelesen dass ihr aus Pirna stammt - also quasi sächsische Schweiz. Wie sehr hat euch diese einzigartige Landschaft in Bezug auf eure Musik beeinflusst?


Kai: Die meisten Menschen entwickeln doch früher oder später ein ausgeprägtes Heimatgefühl, verbunden mit Erinnerungen, Erfahrungen, Mitmenschen, Natur, Veränderungen und natürlich auch Nostalgie. All das beflügelt mich und ich hole daraus auch meine musikalische Energie. Aber nicht nur musikalisch… ich liebe meine Heimat mit all den Bergen und Wäldern und es gibt nichts schöneres als an einem sonnigen Tag mit der Familie einen Ausflug zu machen und auf der Fahrt durch unsere Gegend „Hergest Ridge“ oder „Ommadan“ von Mike Oldfield zu hören.


Nun zu eurem neuen Album "Saksen"! Bei früheren Alben habt ihr euch der englischen Sprache bedient, nun seid ihr doch bei eurer Muttersprache angelangt. Warum habt ihr euch dafür entschieden?


Kai: Wir hatten schon seit „Portant Of Eternity“ (1999) immer einen deutschsprachigen Song auf jedem weiteren Album. Aber diesmal bot es sich einfach an, alles in unserer Muttersprache zu machen.




Wie lange habt ihr daran gearbeitet, und gibt es nur einen einzelnen Songwriter oder arbeiten alle daran?


Andy: Von der ersten Idee bis zur fertigen Scheibe dauerte es etwa zwei Jahre. Kai (Gitarre/Gesang) hat diesmal den Großteil der Lieder und Texte geschrieben. Eschi (Gitarre/Gesang) und Thomas (Bass) haben jeweils ein Lied geschrieben. Frank (Keyboard) haben wir wie immer einige Texte zu verdanken. Der Einzige den man in den Credits nicht finden wird bin ich. Aber ich denke ich hab durch meinen Stil dennoch Einfluss auf den Sound von "Saksen" genommen. Erwähnen sollte ich außerdem noch T. Jähne . Ein Freund von uns, der uns wieder bei zwei Texten behilflich war. So wie G.F. Händel, von dem wir uns für einen Teil des Stückes "Rückkehr" eine Komposition geborgt haben.


Auf dem Albumcover sieht man zwei Kämpfer und die sind von Runen umkränzt. Was bedeuten die?


Andy: Hier handelt es sich um Hengist und Horsa, welche die angelsächsische Invasion auf Britannien anführten und später das erste Königreich auf der Insel errichteten.


Kai: In den Runen kann man den Refrain des Titel-Songs lesen. Auch optisch hatte sich das angeboten, oder…?


Was bedeutet für euch "Irminsul"?


Andy: Nur damit wir uns nicht falsch verstehen... Wir interessieren uns zwar sehr für Geschichte und Mythen, aber wir sind keine Paganisten. Wir benutzen Stromgitarren für unsere Musik und ich glaube bestimmt nicht an Naturgötter. Irminsul war ein Heiligtum der Sachsen und somit ein Symbol für den germanischen Glauben. Symbolhaft war auch dessen Zerstörung durch die Franken/Christen. So etwas gab es damals und gibt es heute. Beispielweise wenn der IS Keilschrifttafeln zerstört oder die Hauptstadt Europas angreift. Strategisch gesehen völlig sinnlos, aber symbolhaft! Irgendwie stehen diese religiösen Spinner auf so etwas.




Vom „Blutbad Von Verden“ hatte ich zuvor nie gehört, hab aber dann nachgelesen welche Grausamkeiten es dort gab. Warum habt ihr dieses Thema in euer Album aufgenommen?


Andy: Bei "Saksen" handelt es sich gewissermaßen um ein Konzeptalbum. Es geht um die Geschichte der Altsachsen. Einerseits um die Völkerwanderung andererseits um die Sachsenkriege gegen die Franken. Von daher wäre es eigentlich unerhört das Blutbad außen vor zu lassen. Wie schon oben erwähnt, versuchen Religionen oder Ideologien im Allgemeinen, die Vorangegangenen in Vergessenheit zu bringen. Das ist jedoch noch nie gelungen, oder wenn doch und wir wissen es eben aus diesem Grund nicht... (haha). Wir versuchen jedenfalls dafür zu sorgen, dass nichts in Vergessenheit gerät und wie ich an deinem Beispiel sehe ist das uns auch zum Teil gelungen.


Möchtet ihr ganz allgemein noch etwas über dieses Album sagen?


Kai: Unser neues Album „Saksen“ ist ein episches Gesamtwerk und erzählt von der Völkerwanderung der heidnischen Altsachsen von Anbeginn ihrer ersten Nennung bis zur Christianisierung. Es wird Ruhm und Leid besungen, von Hengist und Horsa, Widukind, dem Blutbad von Verden, bis hin zum letzten großen Aufstand gegen das christliche Joch. Es hat viel Zeit und Kraft gekostet und wir sind stolz darauf!


Ihr werdet im Sommer auf einigen Festivals spielen (ich werde euch am Darktroll sehen). Freut ihr euch schon darauf und gibt es genug Auftrittsmöglichkeiten für euch?


Andy: Wir freuen uns tierisch darauf. Einige behaupten ja, dass es das schönste Festival überhaupt ist. Mal sehen... ich war noch nie dort. Vielleicht können wir ja ein paar neue Fans dazu gewinnen. Was die Auftrittsmöglichkeiten angeht... Es gab schon bessere Zeiten. Ich denke du kennst das. Das Masseverhältnis zwischen Bands und Fans stimmt nicht. Außer dem gibt es zu viele Leute die meinen, Zeit im digitalen Paralleluniversum zu verbringen, macht mehr Sinn als zu einem Konzert zu gehen. Wie dem auch sei... wir machen weiter.


Kennt ihr eigentlich Österreich ein bisschen oder habt ihr hier schon einmal gespielt?


Kai: Ja, 2005 haben wir beim „Devil Days Festival“ in St. Leonhard gespielt. Ich bin auch jedes Jahr im schönen Österreich, aber nicht zum Ski fahren. Ich hab einen Onkel in Bischofshofen.


Gibt es einen besonderen Ort wo ihr gerne einmal auftreten würdet?


Andy: Wir spielen überall, wo wir willkommen sind und die Umstände stimmen. Leider liegt in Punkt zwei auch das Problem. Wir haben einige interessante Angebote bekommen, die wir leider aus kapitalistischen Gründen ablehnen mussten. Zum Beispiel Australien, wo wir noch durch unser altes Label (Battlegod Productions) einige Fans haben. Das wäre schon geil gewesen, aber man muss auch seinen Kühlschrank irgendwie voll bekommen. Die meisten von uns haben Familie oder sind selbstständig oder beides. Wir sind so zusagen aus dem Alter raus, wo man alles auf eine Karte setzt.


Welche Pläne habt ihr für die Zukunft?


Andy: Wir sind dabei ein paar Auftrittsmöglichkeiten an Land zu ziehen evtl. sogar eine kleine Tour.


Und zum Schluss noch ein paar Worte an unsere Leser?


Kai: Bleibt euch selbst treu und wechselt trotzdem mal die Biersorte um zu erkennen, wie gut doch das „Lieblings-Bier“ schmeckt ;)
Metal rules!





Ich danke euch und wünsche euch viel Erfolg!


Andy: Danke dir, wir sehen uns.


Kai: …und trinken mal was zusammen!


www.saxorior.de

Autor: Metalmama

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Beitrag vom 31.05.2016
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