Interview mit EDENBRIDGE - Der absolute Augenblick


Die österreichische Symphonic/Gothic Hoffnung EDENBRIDGE legt mit "The Great Momentum" nun ihr neuntes Album in ihrer langen Karriere hin und überzeugen damit die Fans erneut auf voller Linie dank mehr Härte und gleichzeitig auch einem höheren Bombast-Anteil. Nachdem wir damals bei Lanvall auf der Terrasse ein Interview führten, dass in Erinnerung blieb, kontaktierten wir erneut den Mastermind und Gitarristen.


Hi Lanvall, hi Sabine, einmal mehr Gratulation zu eurem neuen Album. Wie zufrieden seid ihr mit dem Ergebnis?


Nun, ich war jetzt praktisch eineinhalb Jahre fast täglich mit den Songs beschäftigt. Gerade der Mix ist dann nochmal eine besonders anstrengende Zeit. Aber die Begeisterung ist immer noch sehr groß, ich bin wirklich unheimlich zufrieden mit dem Album. Ich denke, dass wir sowohl in Sachen Heaviness und Dynamik nochmal gehörig nachgelegt haben. Die Refrains und Orchesterparts kommen noch bombastischer rüber und Sabines Stimme hat unfassbare Kraft und Ausdruck.
Wir waren allerdings in diesen dreieinhalb Jahren nicht untätig. Nach Beendigung von „The Bonding“ reizte es mich etwas gänzlich Neues zu machen und so entstand das Akustikprojekt VOICIANO zusammen mit Sabine. Die Idee wurde eigentlich schon 2010 bei einem gemeinsamen Akustik-Gig in Vietnam geboren. Ziel war es, so viel wie möglich live einzuspielen und fast gänzlich ohne Clicktracks zu arbeiten. Und es durften nur akustische Instrumente sein. 2014 kam also das erste Album „Everflow“ raus, das wir in Eigenregie und über Crowdfunding finanzierten. Im selben Jahr hatte ich die spontane Idee, dass es Zeit wäre für eine DVD, die unsere ersten 15 Jahre abschließt. Aus dieser Idee wurde dann ein volles Jahr Arbeit und „A Decade And A Half... The History So Far“ wurde dann nicht eine, sondern sechs DVDs mit neun Stunden Spielzeit. Als dieses Projekt vollendet war, machte ich mich im Frühling 2015 sofort an die Arbeiten zu „The Great Momentum“. Zudem schreibe ich seit 2014 kontinuierlich in einem Team von sechs Leuten Musik für ein Riesenprojekt, das sich „Über Österreich“ nennt und mein Heimatland mit sensationellen Bildern aus der Hubschrauberperspektive zeigt. Die ersten vier Episoden wurden im Frühjahr 2016 ausgestrahlt, Fortsetzung folgt.





Auch „The Great Momentum“ ist wie einige andere Releases von euch nur zu dem geworden, was es ist, weil ihr euch wieder auf eure Fans verlassen konntet. Wie wichtig ist Crowdfunding heutzutage im Rock-Business?


Die Fans haben einen ganz wichtigen Beitrag geleistet. Den Hochglanzsound und die Breitwandproduktion die wir fahren ist eben nicht gerade billig. Ich denke, das< Crowdfunding eine geniale Idee ist, die wir bereits beim letzten Album „The Bonding“ ausprobierten. Es ist eine Win-Win Situation für Band und Fans und die unterschiedlichsten Packages wurden hervorragend von den Leuten aufgenommen. Es kamen Fans aus der Schweiz nach England ins Sutdio oder auch nach Linz zum Dinner und die handgeschriebenen Lyric Sheets als Unikate waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft.


Was würdet ihr jungen Bands empfehlen, die mit der Idee des Crowdfunding spielen?


Ist natürlich immer schwierig zu sagen, da unbekannte Bands natürlich kleinere Möglichkeiten haben diesbezüglich. Aber generell, seid kreativ was ihr anbietet!


Was steckt hinter dem Titel „The Great Momentum“?


Den Titel hatte ich bereits im Hinterkopf, als wir noch an „The Bonding“ arbeiteten. „The Great Momentum“ bedeutet für mich „Der absolute Augenblick“, „Das zeitlose Jetzt“. Das zieht sich auch wie ein Roter Faden durch viele Texte des neuen Albums.


Was könnt ihr zum schicken Artwork erzählen?


Es war nicht einfach diesen Titel covertechnisch adäquat umzusetzen. Dann kam beim gemeinsamen Brainstorming die zündende Idee mit der Steinfigur in Meditationshaltung und dem Energienetz. Wir beauftragten dann Anthony Clarkson, mit dem wir bereits seit „My Earth Dream“ zusammenarbeiten, für die Umsetzung. Unser neuer Drummer Johannes Jungreithmeier, der selbst 3D Grafiker ist und auch das ganze Booklet Layout gestaltete, baute dann noch unzählige kleine Details ein, die man am Besten auf der Vinylversion und dem Boxset sehen kann. Ich denke, es ist unser bestes Cover bisher!


Gibt es denn für euch in der Produktion oder generell an der Musik große Unterschiede zum Vorgänger?


Der Gitarrensound ist um einiges heavier. Wir haben dieses mal andere Amps verwendet um den tiefen Sound der siebensaitigen Gitarren mehr zu unterstützen. Dadurch blieb frequenztechnisch mehr Raum für Stimme und Orchester. Die Orchesterparts sind meiner Meinung nach noch konsequenter eingesetzt als bisher. Der Bombast bei den Refrains wurde ebenso noch erhöht. Schlagzeugtechnisch klingt alles viel natürlicher, weil wir kaum Samples verwendet haben. Thomas Strübler von Crystallion und Juvaliant hat dieses mal die Backings und Chöre eingesungen, es war eine echte Freude mit ihm zu arbeiten. Sabine singt schlichtweg phänomenal auf dem Album. Und Songs wie „The Visitor“ und „A Turnaround In Art“ gab es in der Form bei uns noch nie. Ansonsten war das Team beim Mischen wieder dasselbe. Karl Groom (THRESHOLD) war für den Mix zuständig, mit dem ich mich nach fünf gemeinsamen Alben blind verstehe, und Mika Jussila für das Mastering.


Mit Erik Martensson habt ihr einen begnadeten Sänger für das wunderschöne Duett auf „Until The End Of Time“ engagieren können. Wie kam es dazu und habt ihr ihn dazu auch persönlich getroffen für die Aufnahmen?


„Until The End Of Time“ hat insofern eine interessante Geschichte, als dass der Song ein Akustiksong auf dem VOICIANO Album war. Ein lieber Freund brachte uns auf die Idee, warum wir daraus nicht eine Rockballade machen. Gesagt, getan und ich denke der Song hat dadurch auch noch um einiges gewonnen. Erik Martensson war schon auf dem Titelsong des letzten Albums mit dabei und es ist schön ihn auch dieses mal wieder an Bord zu haben. Erik ist ein phänomenaler Sänger und ein absolutes Multitalent. Persönlich getroffen haben wir uns leider noch nie.




Auch wenn das Album gefühlt eine Spur härter klingt, als sein Vorgänger, spielt die Orchestration wohl eine der wichtigsten Rollen. Wie läuft der Prozess der Verschmelzung der beiden Welten Metal und Symphonic bei euch ab?


Da ich mit Klassik aufgewachsen bin und erst als Teen zum Metal kam, war die Verschmelzung der beiden Stile immer mein Stil, seit ich Songs schreibe. Ich studierte dann selber viele klassische Partituren speziell von „unserem“ Anton Bruckner, meinem absoluten Lieblingskomponisten. Der Prozess, das Orchester miteinzubinden läuft dabei ganz unterschiedlich ab. Oft steht schon ein Riffunterbau, auf dem ich das Orchester darüber setze, manchmal so wie in „The Greatest Gift Of All“ ist das Orchester der tragende Teil. Das wichtigste ist die Dynamik und die Art der Orchestrierung. Alles muss seinen Platz im Sound finden. Wenn du jedes Riff mit anderem Schickschnack zukleisterst, verlierst du die Heaviness. Wenn du das Orchester permanent einsetzt verlierst du den Bombast.

Wir haben in der Vergangenheit schon immer mit verschiedenen Orchestern aufgenommen, so war das auf „The Bonding“ beispielsweise die „Klangvereinigung Wien“. Das hängt meistens mit zeitlichen Faktoren zusammen, was Musiker und Studio betrifft, sowie natürlich auch vom Budget. Das tschechische Filmorchester nahmen wir beispielsweise komplett in Prag auf, also alle Musiker zusammen. Das macht vom Feeling des Zusammenspiels natürlich mächtig was her, ist aber manchmal im Mix schwer zu kontrollieren. Später gingen wir dann dazu über die Gruppen (Streicher, Holzbläser, Blechbläser, Percussion) getrennt aufzunehmen.



Wäre es ein Traum von euch auch mal eine Show mit Orchester zu inszenieren?


Absolut und es war sogar schon mal im Gespräch, das in Jakarta (Indonesien) zu tun. Leider wurde daraus dann schlussendlich nichts. Vielleicht wird es irgendwann passieren!


Wie geht es mit anderen Projekten voran?


Es steht heuer die zweite Staffel von „Über Österreich“ an, wieder vier Folgen, die Pfingsten auf ORF 3 ausgestrahlt werden. Dafür haben wir im Team wieder fleißig Musik komponiert. Mal sehen was sonst noch alles kommt heuer.


Und kann man ein zweites VOICIANO Album erwarten?


Momentan eher nicht. Ich hab zwar bereits die Klavierparts für zwei neue Songs aufgenommen, aber mehr ist da momentan nicht vorhanden. Es wird aber mit Sicherheit irgendwann ein zweites Album geben. Momentan gilt die ganze Energie EDENBRIDGE. Wir sind gerade in den offiziellen deutschen Charts auf Platz 82 eingestiegen. In England wurde es Platz 85 in den UK Indie Charts und diese Woche können wir noch einen weiteren Chart Entry bekanntgeben. Es könnte nicht besser laufen momentan.




Zuletzt gab es ein paar Veränderungen im LineUp, was könnt uns dazu erzählen?


Unser vorheriger Drummer Max Pointner hat uns Anfang letzten Jahres mitgeteilt, dass er generell die Lust am Drumming verloren hat und sich beruflich und privat neuen Aufgaben widmen möchte. Da wir schon kurz vor den Aufnahmen standen war Eile geboten und so war Johannes mein erster Ansprechpartner. Er spielt mit Dominik in der Death Metal Band THIRDMOON. Bei den ersten Treffen war mir schon klar, dass das gut funktionieren könnte und er erklärte sich erstmal bereit das Album einzuspielen. Nach einiger Bedenkzeit, ob er EDENBRIDGE mit seinen anderen Projekten unter einen Hut bringt, sagte er dann zu. Von Bass Wolfgang Rothbauer mussten wir uns leider ebenso trennen. Das hat aus verschiedenen Gründen, auf die ich nicht näher eingehen möchte, überhaupt nicht funktioniert. Wir hätten das auch auf Tour zuerst mal testen sollen und ihn nicht gleich als Bandmitglied integrieren sollen.
Mit Stefan Gimpl von der bayerischen Band CRYSTALLION haben wir fantastischen Ersatz gefunden, sowohl von der spielerischen als auch von der menschlichen Seite. Es herrscht eine tolle Energie und macht ungeheuren Spaß in der jetzigen Besetzung, wie schon seit unseren Anfangszeiten nicht mehr.



Wie waren die Aufnahmen zum schicken Clip von „The Moment Is Now“? Sieht nach viel Green-Screen aus...


Ja, das war komplett Greenbox. Wir wollten dieses Mal etwas anderes ausprobieren und da die Jahreszeit (Dezember) ihr Übriges dazu tat, nicht unbedingt im Freien zu drehen, waren wir happy die Greenbox in der FH Hagenberg zu nutzen. Unser Regisseur Reinhard Schmid hat tolle Arbeit geleistet, das Gestalten der Videowelten war ganz schön viel Arbeit. Ich denke, dass der Look toll geworden ist.


Wie kam die Idee das Album nochmal komplett instrumental beizulegen?


Wir hatten schon beim letzten Album die instrumentale Version als Bonus CD dabei und ich finde die Idee aus mehreren Gründen gut. Einerseits kann man noch detaillierter die Feinheiten im instrumentalen Bereich hören, die natürlich oft zu Gunsten der Vocals und Chöre in den Hintergrund treten müssen. Zudem werden im Fernsehen die instrumentalen Versionen als Untermalung bevorzugt. Unsere Musik wird beispielsweise häufig bei den Formel 1 Übertragungen im ORF gespielt. Und als Karaoke Versionen macht es natürlich auch Sinn.


Ihr wart kürzlich zum ersten Mal am 70.000 Tons Of Metal. Wie seit ihr zu dem einzigartigen Gig gekommen und wie wars?


Der absolute Hammer. Thomas Caser, der CEO von Napalm ist ein langjähriger Freund von uns. Wir hätten bereits letzten jahr spielen können, das ging sich zeitlich aber nicht aus, da die Bestätigung zu knapp kam, heuer war es immerhin ein Monat vorher.
Ich denke, das ist DAS Festival, das jede Band mal mitgemacht haben muss. Eine Superparty auf dem drittgrößten Kreuzfahrtschiff der Welt. Dieses Mal gings von Fort Lauderdale nach Labadee (Haiti). 60 internationale Bands, 3800 Fans. Der einzige Wehrmutstropfen war der, dass unsere Gitarren lieber einen Tag länger in London Heathrow bleiben wollten und so nicht rechtzeitig auf dem Schiff eintrafen. Das war insofern problematisch, da wir 7-Saiter spielen und noch dazu einen Halbton tiefer gestimmt sind. Die US-Death Metal Band REVOCATION war dann so nett und stellte uns ihre zur Verfügung. Den Bass borgten wir uns von Frank, dem HAGGARD Bassisten aus. So konnten wir beide Gigs spielen.





Ihr hattet in Traun kürzlich eine Release-Party, wie war es?

War super, auch der Gig in Wien. Schade, dass jetzt erstmal wieder Pause ist.


Danke für eure Zeit und alles Gute mit dem neuen Werk. Möchtet ihr noch etwas loswerden?


Danke an unsere Fans für ihren tollen Support!


www.edenbridge.org

Autor: maxomer

Weitere Beiträge von maxomer


Zurück

Beitrag vom 06.03.2017
War dieses Interview
interessant?

0 Stimmen
Diesen Beitrag bewerten:
  
Diesen Beitrag per E - Mail verschicken:
An:
Von:
Kommentar: