Interview mit MOONSORROW - Als die Menschen die Religionen entdeckten


[ENGLISH VERSION BELOW]


MOONSORROW können seit vielen Jahren die Hörer mit einem faszinierenden Mix aus großartigen Melodien und harten Sounds begeistern, und das letzte Album „Jumalten Aika“ brachte nicht nur die Medien zum Jubeln, sondern auch in erster Linie die Fans. Leider waren in der Vergangenheit Live-Auftritte der Finnen eine rare Sache, aber Ende 2016 fanden die Jungs den Weg nach Österreich, und wir nützten die Gelegenheit, dem Gitarristen Mitja Harvilahti einige Fragen zu stellen.


Hallo! Schön dich in meinem Heimatland zu treffen! Das letzte Mal trafen wir uns persönlich beim Blastfest in Norwegen. Wie war dieses Konzert mitten in der Nacht für euch?


Nun, ich denke, es war gut. Es war schade, dass nicht jeder zu uns kommen konnte, wegen der Logistik. Das war etwas blöd, aber sonst war es in Ordnung. Es ist immer schön, in Norwegen zu spielen.




Und das letzte Mal auf der Bühne habe ich euch beim Darktroll-Festival gesehen. Warum habt ihr euch für dieses kleine Festival entschieden?


Nun, die wollten uns schon eine sehr lange Zeit haben, und es ist wirklich ein kleines Festival, es hat nicht die größte Bühne oder die besten Lichter, aber sie waren sehr daran interessiert, uns dort spielen zu lassen, also warum nicht? Es ist gut, bei kleinen Festivals zu spielen, das ist es wie ein Mitglied des Publikums zu sein. Ich mag kleine Festivals mehr als größere. Es gibt also keinen Grund, die kleinen Festivals zu diskriminieren. Wir haben so viele Shows gespielt, dadurch hatten wir einen guten Lauf, wir hatten leider ein schreckliches technisches Problem dort, aber ich dachte während der ganzen Show nur an das Publikum. Und es war sehr seltsam, überhaupt nichts zu hören, alles war völlig stumm. Aber wir haben für dieses Festival gespielt und damit war das nicht so wichtig.


Jetzt seid ihr auf einer großen Tour durch Europa mit KORPIKLAANI - mit drei Konzerten in Österreich. Seid ihr das erste Mal in Graz?


Nein, wir haben hier 2008 mit der Paganfest-Tour gespielt, dies war das allererste Mal.


Oh, ich erinnere mich, ich war dort im Orpheum. Ich hatte das vergessen.


Ich vergaß es auch, aber heute, als ich im Stadtzentrum herumspazierte, erkannte ich: Ja, eigentlich haben wir hier schon gespielt!


Hattet ihr ein wenig Zeit für Sightseeing?


Ja, wir sind gerade durch die Innenstadt gelaufen, aber diesmal nicht auf den Schlossberg. Aber wir waren schon einmal dort, und ich musste neue Gitarrenpedale kaufen, weil gestern mein gesamtes Effekt-System zusammengebrochen ist.


Ihr wart schon auf mehreren Touren gemeinsam mit KORPIKLAANI! Wie ist es, mit diesen Jungs auf Tour zu sein?


Es ist sehr unbefangen, weil wir uns schon so lange kennen. Und die Atmosphäre ist immer gut. Wir sind ähnlich gesinnte Menschen, deshalb gibt es keine Auseinandersetzungen zwischen den Persönlichkeiten. Es ist eine Art reisende Familie und wir kennen uns so gut, und es fühlt sich an wie nach Hause zu kommen. Es gibt keine Überraschungen, wenn wir mit ihnen unterwegs sind, im Vergleich zu einigen anderen Bands, wenn man erst einmal schauen muss, wie alles funktioniert, und wie die Persönlichkeiten so sind. Wir hatten noch nie Touren mit Bands, die problematisch waren, die übergroße Egos hatten oder so etwas. Wir wählen unsere Tour-Begleiter immer so, dass wir die Bands gut kennen.


Jetzt ist SKÀLMÖLD mit auf Tour! Kanntet ihr die schon vorher?


Nein, haben wir nicht. Wir haben noch nie mit ihnen gespielt und kannten sie nicht persönlich. Aber sie scheinen sehr nette Typen zu sein.


Jetzt zu eurem neuen Album "Jumalten Aika". Du hast es beim Blastfest zu eurem 20-jährigen Jubiläum 2015 versprochen. Warum brauchtet ihr mehr Zeit?


Ich kann mich nicht erinnern. Es muss wegen der Zeit für die Promotion gewesen sein. Die Labels brauchen eine gewisse Zeit, in der Regel zwei oder drei Monate, um das Album zu promoten, und normalerweise ist es nicht sehr klug, das Album in der Weihnachtszeit oder so zu veröffentlichen. So war es einfacher, es ein bisschen hinauszuschieben. Das war das Beste für alle, und wir hatten keine Eile, es rauszubringen. Also drei oder vier Monate später ist nicht so schlimm.


Wie lange habt ihr an dem Album gearbeitet?


Sehr lange, fast drei Jahre, denn wir haben nicht wirklich einen richtigen Weg gefunden, um Musik zu machen. Irgendwann hatten wir beinahe vier Songs fertig, aber wir löschten diese wieder komplett und starteten erneut aus dem Scherbenhaufen. Damit war es der längste Prozess, den wir je beim Schreiben von Musik hatten. Aber das meiste vom Album wurde in einem Jahr geschrieben, und je näher wir zur Deadline kamen, desto mehr Musik brachten wir auch hervor. Aber der Anfang war sehr, sehr schwierig.




Die Reaktionen auf das Album waren fantastisch - ich mag es auch sehr. Der Titel bedeutet „Die Zeiten der Götter". Was war die Grundidee hinter diesem Titel?


Nun, es handelt von der Zeit, als die Menschen die Religionen entdeckten und begannen, ihre Existenz zu erklären, wer sie sind, woher sie kommen, und begannen, dieses System der Welt zu schaffen. Und auch, wie man einander durch Religion kontrollieren kann. Es beginnt mit dieser Zeit, als die Menschen diese Religionen und Götter erschufen. Dieses Album hat ein sehr mythologisches Thema, denn wir sind mittlerweile viel zu weit von den Geschichten entfernt, mit denen wir aufgewachsen sind und von den Geschichten, mit denen wir diese Band begannen. Also dieses Mal wollten wir mehr von diesen Mythen haben. Die Zeit vergeht, und die Menschen hängen tatsächlich von diesen Göttern und Religionen ab. Das letzte Lied bezieht sich mehr auf diese Zeit, in der die Menschen mehr durch Geld zu vielem gezwungen werden, als durch Anbetung.


Das Album klingt nach Natur pur. Bist du häufig in der Natur?


Nicht so viel wie ich möchte. Meine Familie hat ein paar Hütten, eine am Archipel auf einer kleinen Insel, die ich wirklich mag, und eine in den Wäldern. Ich habe immer meine Sommer an diesen Orten verbracht, aber jetzt bin ich so beschäftigt, dass ich nicht mehr kann. Es ist scheiße, weil ich die Natur wirklich genieße, aber wegen all der Arbeiten und Touren ist es ziemlich schwierig Zeit zu finden, um allein in den Wald zu gehen, um zu campen oder so. Ich mache es aber so oft ich kann.


Eure Musik ist nicht so aggressiv wie ihr auf der Bühne ausseht! Warum habt ihr ein Corpsepaint bei euren Gigs?


Ich glaube, das ist seit 2001, als wir eine Cover-Show von BATHORY-Songs gespielt haben, und wir dachten, wenn BATHORY als Band lebendig wäre, wie würden sie auf der Bühne aussehen? Dann stellten wir fest, dass wir für diese Show etwas Blut auf unsere Gesichter schütten mussten. Aber danach hatten wir keine anderen Ideen, deshalb blieben wir zuerst bei diesem Blut. Und dann fügten wir irgendwann ein Make-up hinzu, um mehr Kontrast zu haben.


Ihr habt im Sommer auf mehreren Festivals gespielt. Welches Festival war das Beste für euch?


Hm, warte! Ich denke, das Hellfest war sehr gut, und auch das Summer Breeze war ausgezeichnet. Aber das Unglaublichste, vielleicht das Hellfest. Es war ein wirklich großartiges Festival, und sehr gut organisiert.




2017 seid ihr beim 70.000 Tons Of Metal? Wird dies ein besonderes Erlebnis für euch sein?


Ja, natürlich, wenn man aus Finnland kommt, ist es immer großartig, die karibische Sonne zu genießen. Wir haben dort einmal 2011 gespielt, und wir haben gehofft, es noch einmal zu schaffen. Es war eine schöne Erfahrung. Damals haben wir auch in Mexiko gespielt, nicht nur diese Shows auf dem Schiff.


Gibt es einen besonderen Ort, an dem ihr ein Konzert spielen möchtet?


Überall, wo wir bisher nicht gespielt haben. Es ist immer spannend, in neue Länder zu reisen. Nun, in Asien wäre fein, wir haben in China gespielt und wir hatten zwei Touren in Japan, aber nie in all den anderen Ländern. Und auch Südamerika haben wir noch nie besucht. Es gab einige Gründe, die diese Pläne verhindert haben, so dass wir bis jetzt noch nicht dort aufgetreten sind.


Was sind eure Pläne für die Zukunft?


Wir haben darüber gesprochen, dass es schön wäre, mit dem Schreiben von neuer Musik zu beginnen, aber ich weiß nicht, ob dafür Zeit ist. Wir haben jetzt alle Möglichkeiten offen. Für 2017 haben wir nur ein paar Shows, aber wir wissen es noch nicht. Und es kommt auch auf Henri an, wann er schreiben will. Wir haben nicht so viele Pläne, und wir warten auch auf den Dokumentarfilm. Es gab dieses Crowdfounding für unseren Dokumentarfilm, und den soll es Anfang 2017 geben.


Und zum Abschluss ein paar letzte Worte an eure Fans?


Nun, ich hoffe, euch alle bei unseren Shows zu sehen. Wir haben in Österreich schon lange nicht mehr gespielt, also ist das jetzt eine große Chance, und hoffentlich öfter in der Zukunft. Ich glaube, wir haben dieses Land völlig vernachlässigt, indem wir nicht hier her kamen. Vielen Dank für die große Unterstützung!




Ich danke dir für dieses Interview und hoffe, euch bald wieder auf der Bühne zu sehen!



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ENGLISH VERSION

Hello! Nice to meet you in my home-country! Last time we met was at Blastfest in Norway. How was this gig for you in the middle of the night?


Well, I think it was good. The thing is, that not everybody could some in because on the logistics. That was a little bit terrible, otherwise it was fine. It´s always nice to play in Norway.


Last time I saw you on stage was at Darktroll-Festival. Why did you decide to play here at this small festival?


Well, they wanted us for a very long time, and it´s really a small festival, it doesn´t have the biggest stage or the best lights, but they were very interested playing us there, so why not? It´s good to play small festivals, there is it like to be a member of audience. I like small festivals more than bigger ones. So there is no reason to discriminate the small festivals, on my view. We have been playing so many shows, so we had a good resume, but we had a horrible technical problem, but I think during the show to the audience at all. And it was very strange not to hear anything, it was completely mute. But we played for this festival and didn´t matter that much.


Now you are on a big tour through Europe with KORPIKLAANI - with 3 concerts in Austria? Is this the first time you are in Graz?


No, we played here in 2008 on the Paganfest-tour, this was the very first one.


Oh, I remember, I was there at Orpheum. I forgot it.


I forgot it too, but today when I was walking in the centre I realized “Yeah, actually we played here!”


Did you have a little bit time for sightseeing?


Yes, we were just walking around the city centre, but not at Schlossberg this time. But we have been there before, and we had to buy some guitar-pedals, because my whole effect-system broke yesterday. So I had to invest some new stuff.


You have been on several tours with KORPIKLAANI! How is it to be on tour with this guys?


It´s very natural, because we have known for such a long time. And the atmosphere is always good. We are similar minded people, so there are no clashes of personalities. It´s like a kind of touring family and we know us so well, and it feels like coming home. There are no surprises when we tour with them, compared to some other bands, when you have to see how everything works, and how all the personalities are. We haven´t never toured with bands that are problematical, have really big egos or something like that. We always shows our touring-companions in a way, that we know the bands pretty much.


Now SKÀLMÖLD is on tour with you! Did you know this guys before?


No, we didn´t. We haven´t played with them and didn´t know them in personality. But they seem very nice guys.


Now to your new album "Jumalten aika". You promised it at Blastfest for your 20th anniversary 2015. Why did you need more time?


I can´t remember. It must have been of time for promotion. The labels need certain amount of time to promote the album usually two or three months, and it´s usually not very wise to publish the album in Christmas time or something. So it was easier to push it a little bit further. It was the best for everybody, because there was not any hurry to put it out. So three or four months more is not so bad.


How long did you work at the album?


Very long, three years almost, because we didn´t really find a right way to make music. At some point we had almost four songs ready, but we deleted them completely, and started from the scratch again. So it was the longest process we ever had in writing music. But most of the album was written in one year, and the closer we came to the deadline, the more we got music as well. But starting was very, very difficult.


The reactions to the album were fantastic - I like it also very much. The title means "The times of the gods". What was the basic idea behind this title?


Well, it´s about time when people discovered religions, and started explaining their existence, who they are, where they are coming from, and started forming this system of the world. And also how to control each other through religion. So it starts from this times, when people created these religions and gods. This album has a very mythological theme, because we have gone too far from the stories, with which we grew up, from the stories when we started this band. So this time we wanted to have more of this myths. To the album – the time passes, and people actually depend on the gods and religions. The very last song is more about this time, when people are more forced by money than by worship.


The album sounds like pure nature. Are you often in the nature?


Not as much as I like to. My family has a couple of cabins, one at the archipelago at a small islands, which I really like, and one in the woods. I always spent my summers in this places, but now I´m so busy that I cannot anymore. It sucks, because I really enjoy nature, because of all working and touring it´s quite difficult to get time to go to the forest just by myself, camping or such things. I do that much as I can.


Your music is not so aggressive like you look like on stage! Why do you have a corpsepaint at your gigs?


I think it´s since 2001, when we played a cover-show of BATHORY-songs, and we were thinking of, when BATHORY alive as a band, how would they look on stage? Then we realized that we had to put some blood on our face for this one show. But then, we didn´t have any other ideas, so we kept it this blood-thing at first. And then at some point we added some make-up to give more contrast.


You played at several festivals this summer. Which festival was the best for you?


Hm, wait! I think, Hellfest was very good, and also Summer Breeze was excellent. This both were the most incredible, maybe Hellfest. It was a really big festival, but well organized.


2017 you will play at 70.000 tons of Metal? Will this be a special event for you?


Yes, of course, when you come from Finland to the Caribbean sun, this is always great. We played there once before in 2011, and we have been hoping to get back. It was a nice experience. That time we also played in Mexico, not just these shows on the ship.


Is there a special place where you want to play a concert?


Everywhere we haven´t played before. It´s always exciting to go to new countries. Well, playing in Asia, we have played in China and we had two tours in Japan, but never in those other countries. And also South-America we have never toured. There were some reasons that didn´t work out the plans, so we haven´t played there until yet.


What are your plans for the future?


We have been talking about, that it would be nice to start writing music, but I don´t know, if it´s the time yet. We have all the options open right now. For 2017 we have only a little bit of shows coming, so we don´t know. And it depends on Henri as well, if he wants to start writing new music yet or not. We don´t have that many plans, and we are also waiting for the documentary come out. There was this crowdfounding for our documentary, so it will be early 2017.


And finally some last words to your fans?


Well, I hope to see you all at our shows. We haven’t played in Austria for quite a while, so it´s great opportunity now, and hopefully more in the future. I think, we neglected this counrty completely, by not touring here. Thanks for the big support!


I thank you for this interview, and hope to see you again on stage very soon!




www.moonsorrow.com

Autor: Metalmama

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Beitrag vom 05.04.2017
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