Interview mit BELPHEGOR - Ich war für Stunden bereits tot


BELPHEGOR sind nicht zu unrecht einer der erfolgreichsten Metal-Exporte Österreichs. Mit dämonischem Black/Death Sound erspielten sich die mittlerweile zur internationalen Band avancierte Truppe eine große Fanbase und veröffentlicht regelmäßig heftiges, neues Songmaterial. Das aktuelle Werk hört auf den Titel "Totenritual" - dementsprechend sprachen wir mit Bandboss Helmuth unter andrem über Nahtoderfahrungen, den Tod selbst und norwegische Schamanen.


Hi Helmuth. Gratulation zu diesem mächtigen neuen Album! Was tut sich gerade bei dir, abgesehen von der Promo zum Album?


Danke für Würdigung. Alles unter Kontrolle, Album ist veröffentlich und Feedback ist enorm, weltweit. Wir haben gerade die neue Setlist für die kommenden Touren in einer intensiven Probewoche tight geklopft im Rehearsal Bunker zu Abtenau.




Mit „... Hexenwahn“, „Pestapokalypse“ und „Blutsabbath“ habt ihr nun schon das vierte Album mit deutschem Titel. Was war da immer der ausschlagegebende Faktor, einen deutschen Titel zu verwenden, obwohl ein Großteil der Texte in Englisch gehalten sind?


Wir haben deutsche Lyrik das erstemal auf „Obscure And Deep", der 7" in unseren Sound involviert, also lange bevor es trendy wurde. Das war 1994, als doch ein paar Jahre her.
Wir haben seitdem eigentlich in jedem Album deutsches Liedgut, mal weniger, mal mehr. Der Sound dieser Sprache ist hart, und perfekt um Befehle zu geben und für Grunts etc. wie geschaffen, viele Phrasen kann man auch schwer ins Englische übersetzen, darum benutzen wir viele Original Chants / Spells auch in Latein, ein BELPHEGOR Trademark diese drei Sprachen in unseren Sound einzubinden.



Und wie bist du auf diesen Titel gekommen und was wollt ihr mit dem Artwork ausdrücken?


Der Titel ist archaisch und erhaben und repräsentiert den lyrischen Inhalt und die Texte. Verfall und Erneuerung, der Tod ist überall und wartet und die Dämonen schweben über uns.


Das ist nun schon das dritte Artwork von Sprios Antoniou. Wie seit ihr damals auf ihn gekommen und was schätzt ihr so an seiner Arbeit, dass ihr ihn wieder engagiert habt?


Genau, das erste Album als wir ihn rekrutiert hatten war „Pestapokalypse VI“ (2006), „Conjuring The Dead" (2014), unsere letzte LP und jetzt auch für „Totenritual". Er war sofort begeistert, als ich ihm meine Visionen und Vorgaben beschrieb und ja, das haben wir dann in ca. zwei Monaten Step by Step verwirklicht und ins kleinste Detail gearbeitet. Ich würde nie ein fertiges Cover nehmen, ich will alles mit dem Albumprozess von Null beginnen und entwickeln, außerdem weiss ich genau was ich will, da ich auch für die Texte verantwortlich bin.


Auf dem Album behandelst du verschiedenste Themen – von ägyptischen Göttern über Hexen bis hin zu Dämonen. Vieles handelt aber vom Tod. Was fasziniert dich an dem Thema?


Der Tod ist in unserer Massenkonsum-Society ein Tabuthema geworden, viele Menschen definieren sich über Materialismus und Markenkleidung, teure Autos und anderen wertloser Verfall.

Wie auch immer, alles passt perfekt zur Stimmung von diesem brachial – obskuren, bessessenen Werk. Ich war für Stunden bereits tot und bin an Maschinen gehangen, als ich aufwachte war ich zwei Tage blind und geläutert - man nimmt da einiges mit wenn man sowas überlebt und es kommt einen vor wie wenn man Monate weg gewesen wäre.

Ich weiß wovon ich spreche, ich bin noch immer hier und sehe das alles was jetzt ist / kommt als eine Art Zugabe. Nach einer Nahtod Erfahrung verändert sich dein ganzes Leben, deine Einstellung zu einigen Dingen. Mehr will ich dazu nicht sagen, ich schaue das ich sehr privat bleibe, und nicht diese billige Attention-Schiene fahre wie so viele Bands. Im Endeffekt geht es nur darum was ich, und meine Bandsoldaten mit BELPHEGOR verkörpern. Der Rest ist nicht so wichtig.





Wo lässt du dich sonst normalerweise für die Texte inspirieren und wie tief dringst du für diese dann in die Materie ein?


Seit einigen Jahren arbeite ich immer mit interessanten Persönlichkeiten zusammen, diesmal hatte ich die Ehre mit einem Schamanen aus Norwegen das Liedgut lyrisch zu kreieren. Mr. Espen Dyngen lebt in den Bergen Norwegens, alleine und eins mit der Natur und schläft im Freien in einem Wigwam bei jedem Wetter, den Rest verbringt er in einer Holzhütte abseits dieser dahinsiechenden Gesellschaft. Grossartig und war mir eine Ehre mit ihm 4-5 Texte gemeinsam zu schreiben.
„Swinefever - Regent Of Pigs“ hat unser alter Gitarrist Sigurd geschrieben, wie immer offensive – blasphemische Ketzereien. Musikalisch, der wohl brutalste – attacking Track auf dem neuen Album.



Ein weiteres Highlight für mich das bereits erwähnte „Apophis“, erzähl auch zu diesem Song bitte etwas.


„Apophis - Black Dragon“, Ruler der Dunkelheit und Chaos, unzerstörbar der schwarze Schlangen Drache Dämon. Sehr interessantes Thema, eigentlich der Ur- Sathan der Ägyptischen Epoche, und allerseits gefürchtet. Wenn du zu lange in seine Augen schaust stirbst du. Er kann nicht getötet werden und kommt immer wieder, unbesiegbar. Der älteste Feind des Sonnengottes RA [RE], geboren aus dem „Speichel“ der Göttin Neth. Heavy Chorus, Melodien und eisige Kälte kollidieren mit schweren Death Metal Riffing und vier Sprachen und Flüchen aus einem alten Ägyptischen Buch [Toth]. Ich war einige Male auf Urlaub in Ägypten und hab mir da alles angesehen, war auch in den Pyramiden etc., hat mich damals begeistert.
Spielen dürfen wir da ja nicht, die würden uns wahrscheinlich köpfen, Freedom of Speech wird in Ägypten nicht wirklich zelebriert was mir bei meinen Reisen aufgefallen ist. Wie auch immer diese Plätze sind magisch und kann ich nur weiterempfehlen sich dieses interessante Land anzusehen und deren Sehenswürdigkeiten.





Wo siehst du die Unterschiede zum direkten Vorgänger?


Ich vergleiche keine Alben, für jedes Projekt schauen wir, dass wir das Beste rausholen, oft gelingt es, einige Male nicht, das ist menschlich. Sicher ist, dass wir mit „Totenritual“ das brutalste und obskurste Album bis dato veröffentlich haben und das war der Masterplan als wir starteten das Album zu komponieren. Auch die besessene Ritual-Atmosphäre, die sich durch alle neun Songs zieht, hatten wir den ganzen Prozess im Auge behalten.
Wir haben das beste Line up am Start seit Gründung der Truppe, so konnten wir unseren Trademark Sound auf die nächste Stufe hochschrauben. Auch wollte ich einen neuen Low-end Tone haben im Gitarrenbereich und wir haben die Äxte noch viel weiter runtergestimmt um das zu erreichen, was uns eine neue Welt eröffnete. Wie immer verlassen wir unsere Komfortzone und experimentieren. Das ist super gelaufen und hat uns nur noch mehr angestachelt, als wir das Liedgut zu Fleisch werden ließen.



Nachdem Simon aus Deutschland stammt und Serpenth aus Tschechien, wie oft kommt ihr zusammen um Songs zu schreiben und zu proben, beziehungsweise wie entstehen die Songs dann eigentlich in erster Linie?


Wir proben wie immer soviel wie möglich, meist treffen wir uns ca. zwei Wochen und dann proben wir zwei Sessions am Tag und das haben wir drei mal gemacht für das Album, also an die fünf Wochen insgesamt, intensives Rehearsing jeden Tag zwischen Konzerten / Touren und so entsteht der größte Teil des Materials. Wir haben ja bereits Mitte 2015 angefangen das Album zu entwickeln.
Prag sind sechs Stunden von hier, kein Problem. Und wir sind mehr als froh Serpenth in unsere Reihen zu haben, seit 2006 bereits marschieren wir weltweit gemeinsam ein. Vor Shows, Touren proben wir natürlich auch 2-3 Tage bis alles tight ist, wir spielen andauernd, also sind wir immer gut eingespielt um den Leuten ein brachiales Ritual zu bieten, das hat absolute Priorität. Live Zeremonien sind die Essenz von BELPHEGOR.



Im vergangen Jahr hattet ihr ja ein paar Probleme mit christlichen Fanatikern in Russland. Was ist da passiert und gibt es solcherlei Vorfälle öfter bei BELPHEGOR?


Wo gehobelt wird, fallen Späne. Wenn solche Leute an die Macht kommen werden Bücher, Kunst generell wieder in Flammen aufgehen und noch mehr beschnitten werden.
Diese scheinheiligen Degenerierten werden sich nie ändern.



Wie erklärt ihr euch, dass BELPHEGOR trotz des extremen Stils eine wenn nicht die international erfolgreichste und bekannteste Metal Band Österreichs ist?


Ich kümmere mich nicht um Szenen, noch wer in welchem Land erfolgreich ist, und wer nicht, keine Zeit meine Energie an wertlosen Dingen zu verschwenden. Musik kennt keine Grenzen. Auf unserer Europa Tour machen wir auch in Wien (21.10. - Szene) und Graz (20.10. - Explosiv) Stopp um teuflische Death/ Black Metal Besessenheit mit unseren Supportern in Österreich zu glorifizieren (
Ich bin äußerst stolz darauf, dass uns mittlerweile auch in Österreich viele Leute aus der Metal Community unterstützen, verstehen und respektieren was wir präsentieren und was wir seit 24 Jahren darstellen. Hails und vielen Dank an euch alle, eine Ehre - dieser Horror!!!





Zu guter Letzt: Ihr habt dieses Jahr euer 25. Jubiläum – wird das abgesehen vom aktuellen Album noch irgendwie gefeiert?


Genau. Erstmals hat es Priorität die nächsten Jahre wieder weltweit einzufallen. Wir haben bis Ende 2017 noch ca. 55 Rituale zu zelebrieren und sind schon heiss darauf die neuen Tracks in die Horden zu Trümmern in einer Live Situation. Des weiteren werden wir über Season Of Mist die ersten drei Werke, „The Last Supper“ (1995), „Blutsabbath“ (1997) und „Necrodaemon Terrorsathan“ (2000), die schwer zu bekommen sind, und wenn oft zu horrenden Preisen, als 3 CD Set veröffentlichen. Ein Geschenk an unsere Supporter zum Spezialpreis. Auch sind wir bereits für einige Open Airs 2018 bereits gebucht, hoffe auch das wir in Österreich für mindestens ein Open Air eingeladen werden.


Danke für deine Zeit. Möchtest du noch etwas sagen?


Holt euch „Totenritual“ und supportet unsere Legacy. Man sieht sich on the Road to Hell im Oktober. Hail Death! Hail Magick!


www.belphegor.at

Autor: maxomer

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Beitrag vom 22.09.2017
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