Interview mit LEPROUS - We are not afraid of being different


[ENGLISH VERSION BELOW]

Dank starken Alben und intensiven sowie einzigartigen Live-Shows spielten sich LERPOUS mühelos in den letzten Jahren in die Oberliga des Progressive Metal. Die sympathischen Norweger haben sich das auch redlich verdient und schafften so auch eine Sold-Out Show in Wien, bei der wir Drummer Baard zum Gespräch trafen.



Also, wie läuft die Tour? Überraschenderweise waren viele Shows ausverkauft.


Die Tour läuft gut. Es sieht auch so aus, als wäre die Show heute Abend hier in Wien ausverkauft. Es sind nur noch eine Handvoll Tickets übrig. Manche der Shows sind noch am selben Tag ausverkauft. Das ist ein großer und schöner Meilenstein für uns, plötzlich Sold outs zu haben. Auch weil wir die wunderbare Band AGENT FRESCO mit uns bringen. Vor allem in einigen Märkten sind sie sehr gut. Aber wir haben nicht erwartet, Shows wie die in Paris auszuverkaufen. Wir hatten dort einen größeren Veranstaltungsort als sonst und es ist auch interessant, denn auf dieser Tour hatten wir sieben Shows in Frankreich.




Was denkst du, warum LEPROUS auf dieser Tour so viel mehr Aufmerksamkeit bekommen als vorher?


LEPROUS ist eine Band, die auf 99,9% der Konzerte nicht enttäuscht. Die Leute sind immer glücklich, wenn sie nach einer Show nach Hause gehen und wollen mehr davon. Das ist die eine Seite. Außerdem haben wir dieses Jahr eine sehr erfolgreiche Tour mit DEVIN TOWNSEND gemacht. Es war ein sehr passender Crossover, denn es scheint, dass seine Fans uns wirklich mochten.


Vielleicht ein weiterer Grund ist die neue großartige Platte "Malina". Was kannst du mir über den Titel und das Artwork erzählen?


Beides basiert auf Texten des Titeltracks von Einar. Es basiert auf einer Erfahrung, die er mit einer sehr, sehr alten und kranken Frauen hatte, als er seinen Bruder besuchte. Sie verkaufte Himbeeren und schrie "Malina! Malina! "Die ganze Zeit, auch wenn sie nicht laufen konnte. Das hat ihn in gewisser Weise beeindruckt. Das ist der Titel. "Malina" sind Himbeeren in Georgien.

Und das Artwork basiert auf der gleichen Geschichte. Man kann darauf die alte Frau sehen.



Wie ich bereits sagte mag ich das neue Album, aber ich war ein wenig überrascht wegen der Richtung. Es ist das eingängigste bisher. War das die Absicht dahinter oder ein natürlicher Fortschritt?


Ich denke, man findet vielleicht, dass "The Congregation" eher eingängig ist, weil es auch sehr Refrain-basiert ist. Aber ich stimme zu, "From The Flame" ist für mich das eingängigste Lied aller Zeiten. Ich glaube nicht, dass es unsere Absicht war, aber wir alle fühlten uns danach, dass wir einen richtigen Drumsound und so weiter haben wollten. Das wollten wir auch auf der letzten Platte, aber da und dort gab es ein bisschen Tonersatz und jetzt wollten wir von Anfang an die Kontrolle über alle Sounds übernehmen. Und das war genauso bei der Gitarre, den Synths und allem. Es ist einfach passiert, dass die Gitarre nicht so stark verzerrt ist. Es ist also für die Leute oft schwer zu sagen, es ist Metal, wenn man die Verzerrung herunterdreht. Ist es Metal oder ist es Rock?

Die Aufnahme beginnt sehr sanft und geheimnisvoll. Die ersten Aufzeichnungen waren von Anfang an direkter. Es ist definitiv ein anderes Album und wir haben keine Angst davor, anders zu sein. Aber wir wollen immer noch den LEPROUS-Sound haben. So, jetzt ist es organischer und nicht so "puff" - direkt in dein Gesicht. Also, wenn man ein Die-Hard-Metal-Fan ist, ist es nicht das, was man erwartet.





Also ich denke, es gab sicher einige gemischte Reaktionen?


Natürlich ist das immer so. Die Reaktionen sind gemischt, aber im Allgemeinen sehr gut. Als wir "From The Flame" zum ersten Mal veröffentlichten, sagten die Leute, es ist großartig, aber sie hofften, dass der Rest mehr Prog ist. Dann realisierte jemand, dass es 13/8 im Vers ist und dann ist es so eingängig - wer macht das? Es ist sehr subjektiv. Und dann haben wir "Stuck" ohne das Outro veröffentlicht und ich hatte ein bisschen Angst, um ehrlich zu sein. Das war, weil wir ein Musikvideo machen wollten, aber ein 7 Minuten Musik Video ist nicht so einfach. Die Leute hatten auch Angst, dass wir so viel in unserem Stil verändert haben, aber als sie das ganze Lied gehört haben, war alles in Ordnung. Und dann haben wir "Illuminate" veröffentlicht, was eher typisch und proggy ist.


Du hast das Outro erwähnt ... ihr habt mehr Orchesterstücke in die Songs gesteckt als je zuvor. Wie kam die Idee dazu?


"The Congregation" und "Coal" waren beide sehr künstlich, wenn es um Synthesizer und Instrumente ging. Wir waren uns dessen bewusst. Wir haben den Geigenspieler bereits bei "Contaminate Me" benutzt. Also dachten wir uns, vielleicht könnten wir diesen Kerl noch mehr auf "Malina" einbeziehen. Und dann sahen wir Raph Weinroth-Browne, den Cellisten, der auf dem Album spielt und wir waren begeistert. Er spielte eine Local-Support-Solo-Sache, als wir in Kanada spielten. Er ist einfach ein unglaublicher Musiker. Also wollten wir ihn für die Aufnahmen. Die Platte war bereits fertig geschrieben, es war also nicht so einfach, ihm die Freiheit zu lassen, aber auf "The Last Milestone" improvisiert er. Er ist nicht auf allen Liedern, aber wir wollten ihn auch auf der Live Tour haben.


Manchmal vermisse ich ein bisschen die rasenden Teile mit einem schreienden Einar...


(lacht) Ja, mein Vater vermisst das auch. Er sagt, dass es so großartig ist, dass Einar den sehr hellen Gesang und die hohen Töne der Brust-Stimme sowie auch das Schreien machen kann. Aber diesmal hat es nicht so gepasst, auch weil wir uns nicht wie eine Extreme Metal-Band fühlen. Wir haben "Contaminate Me" in Nance zur Herausforderung gespielt. Dann sagte Einar, dass er sich unwohl fühlte, weil er sagte, dass er nicht mehr so brutal ist. Aber IHSHAN macht die Schreie auf der Platte, was sehr extrem ist. Es ist eine extreme Ausdrucksweise und ich mag es sehr, wie Einar es macht, aber wenn es authentisch werden soll, was du versuchst zu erzählen, die Sprache, die du sprichst, wenn du Musik machst oder singst, dann ist es das nicht mehr authentisch. Ich denke, wenn wir das tun, sollte es auch ernst gemeint sein. Aber du hast Recht, ich finde es auch schade, dass er es nicht mehr macht.


Du hast zuvor "The Last Milestone" erwähnt. Es war für mich die größte Überraschung. Was kannst du mir über dieses Lied erzählen?


Einar hat dieses Lied geschrieben. Wir waren uns nicht sicher, ob wir es aufzeichnen wollen. Einar wusste auch nicht, ob das richtig ist, denn keiner der anderen Jungs von LEPROUS war an diesem Song beteiligt. Aber wir waren uns einig und auch mit dem Produzenten, dass es der allerletzte Song auf dem Album sein muss. Aber lyrisch war es richtig, denn "Bonneville" und "The Last Mile Stone" haben irgendwie die gleiche Stimmung. Ich kann nicht viel dazu sagen, aber es hat dasselbe Thema, also macht es Sinn. LEPROUS ist melancholisch und so können wir auch ohne Gitarre, Schlagzeug und Bass melancholisch sein.




Wenn jemand eure Alben hört und die Live-Shows sieht, hat man nicht das Gefühl, dass in der Vergangenheit einige Line Up Änderungen vorgenommen wurden. Was ist da passiert?


LEPROUS ist eine Band, die fast immer, aber zumindest in den letzten Jahren kompromisslos weitermacht. Das ist das Wichtigste für uns. Wir verwenden viel Zeit mit dem Schreiben der Alben und touren echt viel. Für einige war es am Ende vielleicht zu viel. Es ist bei jedem ehemaligen Mitglied aber anders. Aber zum Beispiel wollte sich der Ex-Schlagzeuger Tobias mehr auf seine andere Band SHINING konzentrieren. Sie waren viel unterwegs, genauso wie LEPROUS. Deshalb wurde ich als Step-in engagiert. Es hat nicht funktioniert, in beiden Bands zu spielen. Oystein, der Gitarrist war lange bei LEPROUS. Er hat ein Kind und dann noch ein zweites bekommen und er hat auch einen sehr wichtigen Job zu Hause. Er kam gerade zu einem Punkt, wo wir für fast jede Show einen Ersatz brauchten. Dann hatten wir den vierten Mann für ihn, also haben wir beschlossen, etwas zu ändern.


Und wie ist das bei dir? Du hast ja auch noch ein paar andere Projekte neben LEPROUS.


Definitiv. Ich versuche alles so gut wie möglich zu kombinieren. Meine Hauptband ist jetzt LEPROUS. Ich versuche, die anderen Dinge danach zu planen. Die Jungs von BORKNAGAR sind gute Freunde, aber es ist keine wirklich aktive Band. Wir machen das seit 20 Jahren und jeder hat eine Familie. Ich bin Vollzeitmusiker, also brauche ich mehr Bands.




Ist es schwer neue Leute zu finden? Ich meine, sie müssen auch diese komplizierten Lieder lernen.


Es ist keine Musik, die jeder so einfach spielen kann. Ich habe ein ziemlich großes Musiker-Netzwerk, also kenne ich all die Leute, die bei uns angefangen haben seit ein paar Jahren.


Also probt ihr viel?


Wir proben sehr viel vor Touren und so. Vor einer Tour machen wir es ohne Ende, aber nach der Tour proben wir nicht für die nächste Tour. Wir wachsen mit dem Material auf der Bühne.


Gab es großartige Höhepunkte, an die du dich auf dieser Tour erinnerst?


Es gibt so viel. Haarlem in den Niederlanden war großartig, weil sie den Veranstaltungsort upgraden mussten. Also haben wir vor einem riesigen Publikum gespielt. Es ist großartig, das zu sehen, besonders wenn sie wegen uns kommen und nicht wegen DEVIN und auch LEPROUS genießen. Sie kommen wirklich wegen uns ... und natürlich AGENT FRESCO. Auch Moskau war großartig, weil wir dort noch nie gespielt haben. Das war Gänsehaut pur, auch weil wir die neuen Songs zum ersten Mal gespielt haben.


Vielen Dank für deine Zeit! Gibt es noch etwas zu sagen?


Checkt das neue Album und verpasst nicht die nächste Show, denn wir sind eine ganz andere Live-Band.








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[ENGLISH VERSION]


So, how is the tour going on? Surprisingly many shows where sold out.


The tour is going well. It also look like the show tonight here in Vienna will be also sold out. There are only a handful of tickets left. So some of the shows are getting sold out in the day. That´s a big and nice milestone for us, to suddenly sell shows out. Also because, we bring the beautiful band AGENT FRESCO with us. Espacially in some markets they do very well. But we didn´t expect to sell out shows like the one in Paris. We had a pretty bigger venue there than usual and, it´s also interesting, because on this tour we had 7 shows in France.


What do you think, why LEPROUS get so much more attention on this tour than before?


Because, LEPROUS is a band, that is on 99.9% not disappointing on concerts. The people always are happy, when the go home after a show and want more of it. That´s on side. Other thing is, we did a very successful tour with DEVIN TOWNSEND as well this year. It was a very fitting crossover, because it seems his Fans really liked us.


Maybe another reason is your new great record “Malina”. What can you tell me about the title and the artwork?


Both is based on lyrics of the titletrack from Einar. It´s based on an experience he had with an very, very old and like sick women when he was visiting his brother. She was selling raspberries and was shouting “Malina! Malina!” all the time, even thou she couldn´t almost walk. That impressed him in a way. So that is the title about. “Malina”, which is raspberries in georgian.

And the artwork is based on the same thing. You can see the old women walking.



As I said, i really like the new record, but I was a little bit surprised because of the direction. It´s the most catchy one to date. Was this your intention or a natural progress?


I thin, someone maybe thinks “The Congregation” is actually more catchy, because it´s also very chorus-based. But I agree, “From The Flame” is form me the most catchy song ever. I don´t think it was our intention, but we all felt very natural to it that we. We wanted a natural drum sound and so on. We also wanted that on the last record, but there was a little bit of sound replacement here and there and now we wanted to take over control over all the sounds from the beginning. And that comes also from the guitar, the synths and everything. So it just happened, that the guitar don´t have so much distortion. So it´s for people often hard to say it´s metal, if you turn down the distortion. “Is it metal, or is it rock?”

The record starts very soft and mysterious. The former records where more straight to the point from the beginning. It´s definitely a different album and we are not afraid of being different. But we still want to have the LEPROUS sound in some way. So now it´s more organic and not so “puff” – straight in your face. So, if you are a die-hard metal fan, it´s not what you expect.



So I guess there were some mixed reactions?


Of course, it´s always that. It´s mixed, but in general very good. When we first released “From The Flame” people said, it´s great, but they hoped, that the rest is more progy. Then someone realised it´s 13/8 in the verse and then it´s so catchy –who does that? It´s very subjective. And then we released “Stuck” without the outro and I was a little bit afraid, to be honest. That was because, we wanted to make a music video, but a 7-music video is not so easy to do. People were also afraid, that we changed so much in our style, but when they heard the full song, everything was ok. And then we released “Illuminate”, which is more typical and proggy.


You mentioned the outro... you put more orchestral parts in your songs than ever before. How came the idea to use that?


”The Congregation” and “Coal” were both very synthetic, when it comes to synths and also the instruments. We were aware of that. We already used the violin-player on “Contaminate Me”. So we thought, maybe we could include this guy even more on “Malina”. And then we saw Raph Weinroth-Browne, that Cellist, who is playing on the album an where amazed. He played a Local-Support Solo thing, when we played in Canada. He was just an incredible musician. So we wanted him for the record. The record was already written, so it was not so easy to let him freedom, but on “The Last Milestone” he is more improvising. He is not on all the songs, but we wanted him also on the live tour.


Sometimes I miss a little bit the raging parts with Einar Screaming...


(laughs) Yes, my father misses that too. He says that it´s so great that he can do the very lightful singing and the chest-voic high notes and also the screaming. But this time it didn´t feel natural, also because we don´t feel like an Extreme Metal band. We played “Contaminate Me” in Nance for the challenge. Einar then said, he felt awkward, because he says he´s not that brutal dude anymore. But IHSHAN is doing the screams on the record, what is very extreme. It´s an extreme way of expression and I really like it how Einar does it, but if it´s gonna be authentic, kind of what you are trying to tell, the language you speak, when you do music or sing, then it´s not authentic anymore. I think, if you do that, you should mean it. But you are right, I also think it´s a shame, that he doesn´t do it anymore.


You mentioned “The Last Milestone” before. It was for me the biggest surprise. What can you tell me about this song?


Einar wrote this song obviously. We were not sure, if we want to have it on the record. Einar also didn´t know that is right to do it, because none of the other guys of LEPROUS are involved in this song. But we agreed and also with the producer, that it has to be the very last song on the album. But lyricalwise it was right, because “Bonneville” and “The Last Mile Stone” have kind of the same vibe. I can´t say so much about it, but it has the same topic. So it makes sense. LEPROUS is melancholic band and so we can also be melancholic without guitar, drums and bass.


If someone listens to your records and see your live-shows, I don´t think you can feel that you had quite a couple of line-up changes in the post. What is going on with that?


LEPROUS is a band that almost always, but at least the last few years, going on without compromises. It´s the most important thing for us. You need to spend a lot of time in the albums an what we are making and there is so much touring. For some of them it was maybe too much in the end. It´s different to every former member. But for example the ex-drummer Tobias wanted to focus more on his other band SHINING. They were touring a lot like LEPROUS. That was why I was hired as a step-in. It didn´t work out to play in both bands. Oystein, the guitar player was in LEPROUS for a really long time. He got a kid and then a second one and he also has a very important job at home. He just came to a point, where we needed a step-in for almost every show. Then we had the fourth guy for him, so we decided to change something.


So, how is it for you? You have also a few other things going besides LEPROUS.


Definitely. I try to combine everything as good as possibly. My main band now is LEPROUS. I try to schedule the other things around that. The guys of BORKNAGAR are good friends, but it´s not a really active band. They are doing it for 20 years and everybody has a family. I am a full-time musician, so I need more bands.


Is it hard to find new people? I mean they also have to learn these complicated songs.


It´s not music that everyone can play. I have a quite big musician network, so all the people we hired have been through me in the last few years.


So I guess you rehearse much?


We rehearse very much in front of tours and stuff. Before a tour we do it shitloads, but then after the tour we don´t rehearse for the next tour. We grow with the material on stage.


Were there great highlights you remeber on this tour?


There is so much. Haarlem in the Netherlands was great, because they had to upgrade the venue. So we played for such a big, big audience. It´s great to see that, espacially when they come for us, and not like to see DEVIN and also enjoy LEPROUS. They really come because of us ... and of course AGENT FRESCO. Also Moscow was great, because we never played there. That was goosebumps, also because we played the new songs for the very first time.


Thank you very much for your time! Is there anything left to say?


Check out the new album an make sure not to miss the next show, because we are a pretty different live band.

www.leprous.net

Autor: maxomer

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Beitrag vom 23.12.2017
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