SIEBENBÜRGEN   EISREGEN   HOLLENTHON   EYE OF BETRAYER   
31.03.2002 @ Alter Schl8hof

Ich lebe ja seit mittlerweile einem Jahr in Deutschland und freute mich umso mehr, wieder einmal ein Konzert im guten, alten Schl8hof erleben zu können. Dass dabei eine meiner Lieblingsbands, nämlich EISREGEN, mit von der Partie waren, stellte einen besonderen Leckerbissen dar. Im Vorfeld dieses Events kam es zu Boykottflugblättern, welche rund ums Schl8hofgelände plakatiert wurden. Es handelte sich um einen Aufruf gegen sexuelle Gewalt an Frauen...schön und gut, nur ging die Aktion in die völlig falsche Richtung los. Auf den Zetteln konnte man "Gegen sexuelle Gewalt an Frauen..boykottiert EISREGEN (bzw. SIEBENBÜRGEN), denn sie verachten die Hälfte der Menschheit" lesen, der Flyer mit dem "Farbenfinsternis"-Cover bzw. dem "Plagued be thy Angel"-Cover geschmückt. Die Kritiker dachten, wobei sie NUR die Cover beurteilten, diese Bands würden zur Gewalt an Frauen aurufen. Aber lieber Leute: Dass bei beiden Bands jeweils eine Frau mitspielt und manche Musiker selber Frau und Kind haben und im Leben, abseits der Musik, alles andere als potentielle Mörder und Frauenschlächter sind, ist euch wohl entgangen. Außerdem könntet ihr mit dieser falschen Kritikweise ohnehin fast alles boykottieren...den ORF, weil er Action-Filme ausstrahlt -> ein Aufruf zur Gewalt. Computerspielefirmen von Games wie "Counterstrike", weil sie das gleiche tun. Und jeder Regisseur bzw. Fan von Horrorfilmen wäre dann ein kranker, mordlüstiger Irrer? Nichtsdestotrotz sind EISREGEN und SIEBENBÜRGEN ja noch gut weggekommen, denn METALLICA (CD "Kill 'em all") rufen ja zu Mord an allen auf und verachten somit nicht nur die halbe, sondern die gesamte Menschheit! :)

Jetzt aber zum Event an sich: Eigentlich war neben EYE OF BETRAYER noch die Linzer Gothic Dark Metal Band PATUNUM angekündigt, welche aber aufgrund eines fehlenden Keyboarders nicht auftreten konnten. Somit machten EYE OF BETRAYER aus Wels den Anfang. Sänger Oliver, der nebenbei noch wie Drummer Clemens bei PEKARI am Werke ist, ging schon sehr professionell zugange und selbst ein doppelter Leistenbruch konnte ihn nicht von seinem Auftritt abhalten. Samt Sängerin und Keyboarder spielte die sechs Musiker im Großen und Ganzen Gothic Metal, welcher aber mit schnellen und härteren Passagen garniert war. Songs wie "Karthasis", "Call to arms" oder "Warlock" kamen ganz gut beim Publikum an. Zwar hatten sie nur ca. 35 Minuten an Spielzeit zur Verfügung, aber die Livedarbietung hatte es in sich, ging voll in Ordnung.

HOLLENTHON erkletterten nach einer Umbaupause die Bühne. Die Mannen rund um den PUNGENT STENCHer Martin Schirenc brachten das Publikum zum Toben, boten eine abwechslungsreiche Mixtur aus ihrem Erstlingswerk und der neuen Scheibe "With vilest of worms to dwell". Die orchestralen Parts, welche genialst à la THERION die Musik von HOLLENTHON auszeichnen, kamen alle vom Band, weil sich wahrscheinlich nicht genug Livemusiker gefunden haben, bzw. es einfach schwerer ist, mit einem gesamten Orchester zu touren. Um einiges heavier, aber dennoch abwechslungsreich und orchestral, konnten HOLLENTHON sicher einige neue Fans für sich gewinnen.

Endlich war es soweit, EISREGEN! Auf dem Mind over Matter, wo ich sie zuletzt sah, mussten sie ohne Bassisten auftreten, aber diesmal waren die Thüringer komplett. Wie zu erwarten, legten sie mit "Meine tote russische Freundin" los, in den vorderen Reihen wütete der Wahnsinn und ich sah, dass nicht nur ich die Texte komplett auswendig mitkreischen konnte. Die Setlist bestand noch aus "Des Heilands Haut", "13", "Dein Blut", "Ein Jahr im Leben des Todes", "Deutschland in Flammen" (welches in "Österreich in Flammen, brenne, deutsches Nachbarland" umgetextet wurde) und dem DEATH-Cover "Born dead", welches M. Roth natürlich dem kürzlich verstorbenden Chuck Schuldinger widmete. Als dann die obligatorischen Kultsongs "Krebskolonie" und "Scharlachrotes Kleid" durch den Schl8hof dröhnten, rasteten die Fans vollkommen aus. Auf Publikumswunsch gab es wie schon beim Mind over Matter "Futter für die Schweine" und zum Abschluss - wie könnte es auch anders sein - DIE EISREGEN-Hymne schlechthin, "Thüringen". Die Flagge hatten sie diesmal nicht dabei - angeblich im Tourbus vergessen - was aber nichts zur Sache tat. Einziges Manko bei diesem großartigen Konzert war der Sound, welcher mal zu leise, mal zu laut war, wobei die Gitarre oft unterging und der Bass zu sehr im Vordergrund stand. Trotzdem, EISREGEN ist und bleibt unvergleichbar unvergesslich!

Danach folgten SIEBENBÜRGEN, welche die Tour bis auf Deutschland, wo EISREGEN der Vorzug gegeben wurde, headlinten. Endlich kamen die jungen angemalten Kiddies, welche zuvor extra wegen den Schweden das Gelände belagert hatten, zum Zug. Ich persönlich ging nach drei Songs, aus Desinteresse, doch wie ich in Foren entnehmen konnte, war die Darbietung diesmal ziemlich energielos. Dennoch ging die Stimmung im Schl8hof bei den ersten Songs in Ordnung, gefallen hat es sicher einigen.


Leander
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Beitrag vom 21.04.2002
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