DEEDS OF FLESH   DISGORGE   MALIGNANCY   GODLESS TRUTH   PYAEMIA   CEPHALIC   
14.05.2002 @ Planet Music

Alleine die Liste der Bands an diesem Abend liest sich schon wie das who-is-who des Brutal Death Metals! Ein wahrlich grandioses Packet, welches hier geschnürt wurde und ein Muß für jeden Fan des „American Way of Death“! Doch dieses Muß relativiert sich angesichts dessen, daß grob geschätzt 60 Leute den Weg zu diesem Ereignis in das Planet gefunden hatten! Die lauteste Kritik betraf die Werbung. Die meisten Konzertbesucher beteuerten nur durch Zufall von diesem Konzert erfahren zu haben. Das mag zwar schon seine Berechtigung finden, aber für was gibt es E-Zines? Doch auch der Umstand, daß dieses Konzert an einem Dienstag stattfand war sicher ebenfalls am Ausbleiben einiger Leute schuld! Man muß ja doch schon um 11 Uhr in die Hapfn um am nächsten Tag ausgeschlafen in die Arbeit bzw. Schule oder Uni gehen zu können – ist doch verständlich, daß man da ein Konzert wie dieses einfach sausen läßt, oder? Deshalb gehen an dieser Stelle ganz besondere Death Metal-hailz an die Truppe aus Oberösterreich und Kärnten/Südtirol!
- martin

Der Reigen wurde von den oberösterreichern CEPHALIC eröffnet, die getrost zur Speerspitze Österreichs gezählt werden können, wenn es um Speed und Brachialität geht! Um es gleich vorweg zu nehmen, es wäre ein würdiger Beginn dieses Abends gewesen, wäre da nicht dieser -ich nenne es mal- Sound gewesen. Dieser war der Sound alles andere als gut, wodurch die (optisch) sehr komplex wirkenden Läufe auf den Saiteninstrumenten (akustisch) fast nicht auszumachen waren. Auch das Drumming, welches sich fast permanent auf absolut hohem Tempo befand und darüber hinaus noch mit oftmaligen Blasts „abgerundet“ wurde, konnte dann gen Ende auch nicht mehr so ganz die Spannung aufrecht erhalten, da der verwaschene Sound wirklich alles zu einem Brei werden ließ - Schade! Zitat Corniger: „...wie wenn man einen Haufen Zinnbecher in die Waschtrommel wirft und dann auf Schleudern schaltet...“ Interessant fand ich, daß der Sänger von CEPHALIC gleichzeitig auch Drummer von BROKEN TORSO ist – die Kombination Schlagzeug/Vocals ist ja doch nicht so die Regel (Seth - SEVERE TORTURE: drums / CENTURIAN: ex-vocals; Anm. Macabre).
- Martin

PYAEMIA betraten als zweite die Bühne - erster optischer Eindruck der drei Frontleute: gross, klein, am muskulösesten, von rechts nach links muhahaha! Die Amis (... sind zwar Holländer, die Amis von PYAEMIA, aber is egal *lol* Anm. Macabre) brachten zum ersten Mal an diesem Abend Songstrukturen und ansatzweise Bühnenshow ins Spiel. Schnelles Schlagzeug raufte mit soundtaktisch langsamen, transistorverzerrten Gitarren und gewann eindeutig.. dennoch konnte man stellenweise Riffs erkennen, die nur wenig kleine Terzen enthielten (seeehr angenehm), zwei Grunzer (der ganz kleine, muskulöse Gitarrist liess es sich nicht nehmen, den Sound des Leadsängers zu "unterstützen"), und obwohl sie "Pulverized" (glaub ich) von CANNIBAL CORPSE coverten gefielen sie mir ganz gut !
- Corniger

Auf GODLESS TRUTH war ich besonders gespannt, da ich einerseits schon einmal einen äußerst gelungenen Auftritt dieser Tschechischen Band sehen durfte und andererseits danach von ihrem Album „Burning Existence“ (im Archiv) eine Enttäuschung erfuhr! Das Review ihrer neuen CD „selfRealization“ (ebenfalls im Archiv) ließ mich dann aber doch wieder Hoffnung schöpfen. Ja, und ich wurde nicht enttäuscht – im Gegenteil, ich verstand sogar warum man GODLESS TRUTH erst nach PYAEMIA spielen ließ. Die neuen Nummern waren wirklich sehr Tight und konnten – um im Neudeutschen zu bleiben - durch Punch und Straightness überzeugen. Sogar die Nummern vom alten Album wußten an diesem Abend zu gefallen. Grund dafür war sicher u.a. das nunmehr absolut ausdrucksstarke Organ des Frontmanns Zdenek, welches sich sehr von den restlichen Vokalisten dieses Abends unterschied - es war viel aggressiver und druckvoller, aber dennoch tief gurgelnd, ein Spagat den kein Death Metal Sänger so leicht bringt! Auch die Bühnenshow war für diesen Abend unkonventionell, da sich besonders der Sänger eher in Metal Core-Manier bewegte – aber was hätte er angesichts seiner weiten Hosen und der Baseballkappe sonst machen sollen? Diese Core Einflüsse, die diese Band übrigens schon seit jeher prägt hatten, waren auch bei diesem Gig deutlich zu vernehmen und mißfielen mir überhaupt nicht! Leider war es mit dem Druck der Saiteninstrumente nicht so gut bestellt. Das hatte auch einen Grund – es wurde nämlich nur mit 2 Gitarren und ohne Baß gespielt! Schade, das wäre das sprichwörtliche Tüpfelchen auf dem „i“ gewesen! Dennoch war dieser Auftritt definitiv mehr als nur gelungen.
- Martin

Gestärkt von der Lärmpause während GODLESS TRUTH wagte ich mich nun an das nächste Brutal Death Massaker heran: MALIGNANCY - und siehe da, zum ersten Mal an dem Abend verspürte ich so etwas wie Genuss, harhar, weil die Jungs echt schwerst abgedrehtes Material boten - ziemlich irrsinnige, originelle Riffs, enorm viel Abwechslung und professionelle Tightness! Der Sänger beschwerte sich permanent darüber, dass nichts los sei und dass alle nur dastünden und redeten - no na, bang mal zu 2-sekündig taktwechselndem Dessgreind, muhahaha, da kannst eh nur ein Moshpit bilden, und das wäre bei den maximal 50 anwesenden Zuschauern echt eine Kunst gewesen! Im Großen und Ganzen echt sehens- oder, naja, zumindest hörenswert - Bühnenshow war durchaus vorhanden und wirklich anständiger, abgedrehter Dessmetl mit coolen Drums (war meines Wissens nach der MORTICIAN-Drummer (um genau zu sein, Roger - Gitarre & Drumcomputer bei MORTICIAN, bzw. Live-Drums; Anm. Macabre)), die nicht nur durch unhörbaren Dauerblast glänzten.
- Corniger

Leider musste ich auch gleich im Anschluss DISGORGE ansehen. Keine Pause und schon recht überanstrengt von meinen permanenten Instrumenten-Differentierungsversuchen musste ich mir jetzt den Overkill geben. Nach zwei Stunden "ÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜH, AAAAAAAAAAH, OOOOOOOOOH und AAAUUUUURGH"-Lauten, die das Verfassen von Texten und Mitgröhlen nun endlich überflüssig gemacht haben, erlag ich der Klospülung DISGORGE. Der Gesang ähnelte einem verstärktem Magenknurren, aber das eines Pottwals (Übrigens ist Jamie auch Grunzer bei den Obersickos von BRODEQUIN! Mit denen hätte Corniger vielleicht eine Freude - Anm. Martin). Der Sänger stand auf der Bühne als müsse er permanent zugleich kotzen und scheissen, wenn es WENIGSTENS SO geklungen hätte, aber naja... Hier waren auch wieder Soundprofis am Werk, die Gitarre schepperte irgendwo dahin, gelegentlich hörte man Flageolet-Gequietsche, der Bass war wiedermal Statist, das Schlagzeug war zwar endlich einmal ordentlich schnell, aber todbringend langweilig wie der gesamte Rest dieser Band. Man kann sich vielleicht daran freuen, das sie so schön schnell spielen, aber nach zwei Stunden schnellen Spielens ist mir das scheissegal und es kotzt mich nur noch an. So auch das Fazit zu DISGORGE - schnell, aber musikalisch weit hinter MALIGNANCY, scheiss Sound und fade Grindmucke. Das hat für mich nix mit Dessmetl zu tun, sowas sollens von mir aus bei Grindcorefestln spielen lassen, weil da geh ich nicht hin.
- Corniger

Ultra brutaler technischer Death Metal mit Atmosphäre – ein Paradoxon? Nicht bei DEEDS OF FLESH! Diese Band schafft es gekonnt diese zwei Dinge zu einem unvergleichlichen Ereignis werden zu lassen. Doch erst das Erscheinungsbild des Gitarristen u. Vokalisten Eriks – einem 1,90 Meter großen Hünen - vervollkommnet den Auftritt dieser Ausnahmeband (ich kann dieses Wort zwar nicht leiden, aber auf DEEDS OF FLESH trifft es nun mal einfach zu!). Einziges "Manko": Nach den vorigen Bands wirkte das Stageacting fast zu schlicht, da DEEDS "nur" in Minimalbesetzung spielten (Drums, Guitar/Vocals, Bass/Vocals). Auch der Druck einer einzelnen Gitarre könnte naturgemäß nicht jenem von zwei Gitarren wie bei den vorigen Bands das Wasser reichen, was aber in der Natur der Sache liegt. Leider mußte ich feststellen, daß das ohnehin schon spärlich anwesende Publikum gegen Ende dieses Auftritts immer weniger wurde und sich somit ein eher trauriges Bild für die Band geboten haben muss. Dennoch spielten DEEDS OF FLESH die volle verlautbarte Stunde, also ihr volles Programm, welches quer durch die Bank alle Alben streifte, wobei der Schwerpunkt schon eher auf das neuere Material gelegt wurde – leider, wie ich meine! Wie bereits angedeutet war diese Band eine Macht, noch nie zuvor konnte ich etwas vergleichbares sehen! Erst nach 30 Minuten stellte ich eine akute Austrocknung meines Mundes fest – war mir doch vor lauter Erfurcht die Kinnlade doch bis zu den Knien heruntergehangen...
Dieser Auftritt war wahrlich Fest, Offenbarung und Katakysmus zugleich – kein weiterer Kommentar notwendig!
- Martin

Fazit:
Der Deathmetal stirbt? Es kommen kaum Leute - anscheinend ist nicht nur mir als Extremfetischisten die permanente Lärmterrorattacke zuviel. Ich finde, im Bestreben, so extrem und schnell und technisch zu spielen wie irgendwie möglich, ohne auch nur ansatzweise Melodien oder gleich nachvollziehbare Songstrukturen zu bieten, zerstört sich der Death Metal selbst. Diese Musik erzeugt weder Atmosphäre, noch Aggression, nur Lärm und visuell erkennbare Technikexzesse, die bei dieser Art Musik einfach nicht durchkommen. Was soll einem Musikfreund das noch geben? Back to the roots, dafür möchte ich plädieren - da gefallen mir manche einheimische Bands weit besser (solang es sich nicht um Hyperblast und Zoomkisterl Gewäsch wie bei CEPHALIC handelt, bei denen ich mich nur fragen konnte "Wos is des?"), weil das noch MUSIK ist! Ich kling schon wie meine Oma, aber ich empfinde es so. Sowas hört man meiner Ansicht nur noch, um besonders oarg und härter als alle anderen zu sein.
GNAAADEEE!!! (Jo sappalot Corniger, du wirst dir von mir no mal a Watschn holn! Anm. Macabre)
- Corniger




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Beitrag vom 23.05.2002
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