FM4 SOUNDPARK LIVE MIT FACELIFT   WEDEKIND    JUGENDSTIL   POGO   GUANAKO    JULIA    MUDFUZZ   KONTRUST    SIN AFTER SIN   
09.05.2002 @ Planet Music

Der „FM4 Soundpark“ ist eine Plattform für Musik aus Österreich, die ihre Heimat auf der FM4-Homepage und teilweise im täglichen FM4 Radioprogramm gefunden hat. FM4 bietet dabei den Künstlern die ihre Musik ins Netz stellen wollen redaktionelle Unterstützung und Betreuung und die Gelegenheit ihre Musik, Samples, Demos oder Rohmaterial von anderen Usern bearbeiten bzw. bewerten zu lassen.
Im Zuge des 3tägigen Events präsentierten sich 26 heimische Bands im Planet Music und buhlten um die Gunst des Publikums und der Jury. Die stärksten Acts aus diesem Dreitages-Programm der Pubklikumswertung und die drei besten Bands lt. Jurywertung werden vom 21. bis 23. Juni auf der FM4-Planet Music-Bühne beim Wiener Donauinselfest auftreten.
Wir von Earshot konnten uns dieses Ereignis natürlich auch nicht entgehen lassen und waren am Tag Zwei (9. Mai) dabei:

FACELIFT aus Graz war die erste Band und betraten so gegen 19:30 die Bühne. Leider waren im Publikum noch kaum mehr als 30 Leute anwesend. Wirklich schade, da sich FACELIFT als eine der besten Bands des Abends herausstellen sollte. Ihre Musik bezeichnen sie selbst als "Alternative Hard/Heart-Pop". Wer sich darunter nichts vorstellen kann soll sich gleich einmal ihren Song "Believe" runterladen. Weiters sind FACELIFT gerade im Studio und spielen neue Songs ein und es laufen auch Verhandlungen mit einem Label – na hoffentlich klappt alles wie gewünscht, zu gönnen wäre es ihnen auf jeden Fall.
Leider konnte die Band rund um Frontfrau Andrea beim Publikum nicht den verdienten Anklang finden – aber als Nr. 1 der Jurywertung ist ihnen ein Platz beim Donauinselfest fix.

Nach FACELIFT war das Wiener Trio WEDEKIND an der Reihe. Ihr Look, ganz in schwarz aber mit weißen Schuhen, erinnerte irgendwie an THE HIVES. Laut Frisur haben die drei Herren anscheinend den gleichen Coiffeur wie Brian Molko von PLACEBO. Also habe ich eins und eins zusammengezählt und WEDEKIND als Kopien ebendieser Bands abgestempelt. Aber bereits nach dem zweiten Song mußte ich meine Meinung revidieren. Ihre Musik könnte man im Großen und Ganzen in die Schublade Brit Pop mit ein wenig mehr Elektro Einfluss stecken. Der Aufbau der Songs erinnert irgendwie an MUSE, PLACEBO oder die alten RADIOHEAD aber in Kombination mit den wunderschönen Keyboard Melodien, den Samples sowie den Keyboard Bass Lines und den ausdrucksstarken Gesang von Frontmann Rainer entsteht etwas sehr Innovatives und vorallem Eigenständiges. Noch dazu sollte bemerkt werden, daß WEDEKIND sehr viel Augenmerk auf ihre genialen, teilweise sehr stark verschlüsselten, Texte legen (siehe zB „cosmological impotence“ oder "semi-transparent curtain"). Anscheinend hatten die Jungs von WEDEKIND einen schlechten Tag, denn ihr Konzert tags darauf im Chelsea war um einiges besser und zeigte das wahre Potential dieser Band. Warum sie noch immer kein Album veröffentlicht haben und noch ungesignt sind ist mir ein Rätsel, denn WEDEKIND gehören zu den wohl besten österreichischen Alternative-Bands!

Mit JUGENDSTIL war auch eine Fun-Punk-Band vertreten. Oder besser gesagt Soft-Punk-Band. Ihre Musik kam teilweise sehr roh und rotzig rüber, erinnerte aber einfach zu stark an die schnelleren Stücke von HEINZ, TOCOTRONIC oder den ÄRZTEN. Ihre Ohrwürmer "Nicht wirklich mehr.." und „Gestern war schöner“ haben sie leider nicht gespielt, deshalb war das Interessanteste an dieser Band noch ihre Bühnenshow bzw. das Herumgehüpfe und Gepose des Gitarristen.

POGO gibt mir musikalisch noch immer ein Rätsel auf. Mir fallen dazu einfach keine vergleichbaren Bands an. Ihre Musik ist sehr gut arrangiert und professionell dargeboten worden, aber irgendwie ging ihre Performance „bei einem Ohr rein und beim nächsten wieder raus“. Für mich war noch das Aufregendste dieser Band die Tatsache, daß sie als einzige eine Schlagzeugerin hatten und den wahrscheinlich „Best Dressed Frontmann“ *g* (siehe Fotos). Ein Freund von mir bildete sich ein, daß ihn POGO stark an die Band in der Harald Schmid Show erinnert und ich wurde das Gefühl nicht los POGO schon mal als Bordband in einer Traumschiff Folge gesehen zu haben. Aber egal, den restlichen Publikum scheint’s gefallen zu haben, da POGO bei der Publikumswertung Platz 2 einheimsen konnte.

GUANAKO war für mich eigentlich eine weitere Überraschung des Soundpark live Tages. Ich finde Vergleiche mit RAGE AGAINST THE MACHINE und den alten SUCH A SURGE nicht sehr weit hergeholt, aber ihr „Alternative Rock mit elektronischen Elementen“ besticht vor allem durch ihre zwei Sänger, den sehr guten und wohl durchdachten Lyrics und durch die zusätzlich eingebauten Instrumente - angefangen vom Didgeridoo und den E-Drums bis hin zur simplen Triangel. (Achtung: der Song „Silikon“ auf der Soundpark Homepage ist weder von guter Qualität noch gibt er ein realistisches Bild des Könnens dieser Band wieder)

Mit JULIA aus Wien war die erste Nu-Metal Band am Start. Sehr gelungen fand ich gleich ihr Eröffnungsstück, eine Cover Version von JAMIROQUAIs „Deeper Underground“. Ansonsten klingen sie nach KORN (vom Gitarrengequietsche), DEFTONES (vom weiten Gesangsspektrum des Sängers) und nach STATIC-X (ähnliche Kopfbewegungen des Sängers wie Wayne Static). Aber dem Publikum gefiel es und es wurde schon ordentlich abgerockt und herumgebangt und immerhin mit Platz 3 der Publikumswertung belohnt.

MUDFUZZ eröffnete anschließend den Nu-Metal – Soultribe Reigen. Der Sound war zwar sehr dicht und die Gitarren sehr fett und im Allgemeinen waren sie auch eine Spur härter als ihre Vorgänger JULIA, wirkten aber weniger Eigenständig und „als hätte man diese Musik schon irgendwo gehört“. Ach ja, es soll ja bereits eine Band gegeben haben, die auch mit Bongos und Buschtrommeln herumexperimentierte. Der einzige Unterschied: SEPULTURA tat dies bereits 1996 auf ihrem Album „Roots“! Aber es war ja nur eine Frage der Zeit, bis dieser Hype auch auf Österreich überschwappt. *g*

Wirklich anstrengend wurde der ganze Soundpark Abend dann bei KONTRUST, da man nach den ersten Minuten musikalisch absolut keinen Unterschied zu MUDFUZZ entdecken konnte. Dieselben Nu-Metal - Tribcore Einflüsse. Genauso leichte eingängige Herum-Hüpf-Musik. Einziger Unterschied: die Buschtrommeln wurden „künstlich“ per Trigger Modul erzeugt, während MUDFUZZ publikumswirksam auf echten Bongos herum klopften – macht aber im Endeffekt keinen Unterschied, klingt ja genauso! Trotzdem, oder gerade deswegen, schien KONTRUST das Publikum auf ihrer Seite zu haben, denn es wurde ordentlich herumgemosht und dafür haben sie von den Fans Platz 1 der Publikumswertung bekommen und werden daher nochmals am Donauinselfest zu sehen sein.

Den Abschluss des zweiten „FM4 Soundpark Live“ Tages machten SIN AFTER SIN die ihren Stil selbst als Britpop meets Punk meets Metal bezeichnen. Teilweise sind Ähnlichkeiten mit HELMET nicht ganz von der Hand zu weisen aber SIN AFTER SIN waren ein guter und würdiger Abschluss des Tages. Ihre letzte Nummer war das STEVE MILLER BAND Cover von „The Joker“. Obwohl der Großteil des Publikums bereits nach dem Auftritt von KONTRUST das Planet Music verließ, konnte SIN AFTER SIN bei der Publikumswertung noch den 2. Platz abräumen (ex equo mit POGO)

Kurz nach halb zwei wurde von den FM4 Moderatoren Daddy D. und JoeJoe, welche auch durch das Programm führten, noch die Sieger der Jury- und Publikumswertung präsentiert.

Nochmals zwecks Überblick:
Jurywertung: FACELIFT
Publikumswertung: 1. KONTRUST, 2. POGO gleichauf mit SIN AFTER SIN, 3. JULIA
fm4.orf.at/soundpark

Stiga
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Beitrag vom 23.05.2002
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