JUDGEMENT NIGHT-FESTIVAL MIT: INFERNAL   SHOTGUN WEDDING    ON WINGS TO KASHMIR    COCK THE GUN    THE COINS    RAMPAGE    DAYZERO   LS IM D-LAND  
01.06.2002 @ Buchkirchen bei Wels

Nachdem Wels und Umgebung in letzter Zeit kaum mehr als Austragungsort von Rockmusikkonzerten bzw. gar Open Airs herhalten durfte, ging eine Gruppe von engagierten Menschen heran und stellte dieses Festival auf die Beine, das quasi mitten im Grünen, auf einem Bauernhof in Buchkirchen bei Wels vonstatten ging. Und schon sehr früh war eigentlich klar ersichtlich, dass dieses Konzept aufgehen würde, denn die Anzahl der anwesenden Musikfans konnte durchaus als respektabel gewertet werden. Abseits vom musikalischen Programm, warteten die Veranstalter mit angenehmen Rahmenbedingungen wie einem eigenen Chill-Out-Bereich auf. Auch die faire Preispolitik bei den flüssigen Nahrungsmitteln (2 € pro Getränk) dürfte so manchem potentiellen Besucher die Entscheidung sicherlich erleichtert haben, bei diesem Ereignis mit von der Partie zu sein.

Als Opener traten LS IM D-LAND in Erscheinung. Eine noch relativ junge Kombo aus der Stahlstadt, welche die Audienz mit einer ordentlichen Ladung Alternative Rock/Metal versorgen durfte. Leider hielt sich die Schar der Anwesenden zu diesem Zeitpunkt noch stark in Grenzen. Insgesamt aber eine doch annehmbare Show, die mit dem schon oft gecoverten R.A.T.M.-Klassiker „Killing in the name of“ beendet wurde.

Es folgen die „Local Heroes“ DAYZERO aus Wels. Eine Formation, welche die Grundbedeutung des Stilbegriffes „Crossover“ wörtlich nimmt, was bedeutet, dass es ein schwieriges Unterfangen darstellt den Sound der Jungs konkret und absolut treffend zu beschreiben, da die Palette an Einflüssen von (New-) Metal, Grunge bis hin zu HC/Punk zu reichen scheint. Nichtsdestotrotz war die Darbietung der Band, der übrigens mit dem Bassist Stefan Jedinger seit kurzem ein Mitglied von EYE OF BETRAYER angehört, keinesfalls von schlechten Eltern, da auch der Sänger sich nicht nur auf genretypisches Gegröle limitiert, sondern auch melodische Passagen passabel beherrscht.

Es folgten RAMPAGE aus Grieskirchen. Talentierte Nachwuchshoffnungen im Bereich Alternative/New Metal, die schon auf eine beachtenswerte Anzahl von Gigs zurückblicken können, und auch an diesem Tag (trotz wohl nicht so optimaler Soundbedingungen) eine gute Performance hinlegten. Auch das Stageacting deutete auf gewonnene Routine hin. Von den Jungs wird man sicher noch so manches Mal hören, die schon länger angekündigte CD soll in naher Zukunft Realität werden.

Die nächste Gruppe fiel etwas aus dem musikalischen Rahme. THE COINS aus Traun nämlich, welcher erst seit runden einem Jahr existieren., dennoch aber musikalisch absolut zu überzeugen wissen. Musikalisch tendieren sie eindeutig in Richtung OASIS und Konsorten, d.h. leicht verdaulicher, aber dennoch gefühlvoller Brit-Pop/Rock vom Allerfeinsten. Wahrlich beeindruckend! Eine Demo-CD namens „As time goes by“ ist bereits bei der Band erhältlich.

Es folgten wieder eine Band, die den Status eines Lokalmatadores innehatte. Nämlich COCK THE GUN aus Wels, die keine Schwierigkeit hatten, die Stimmung im Publikum auf ein wesentlich höheres Level zu heben. Musikalisch sind die Messestädter schlicht als Rockband zu beschreiben, die spieltechnisch und kompositorisch einiges auf dem Kasten hat, und über eine versierte Sängerin verfügt. Bei einigen Songs, die einen (für diese Band) ungewöhnlich hohen Groove- und Härtefaktor beinhalteten, konnte zum Teile eine gewisse Nähe zu Bands wie DIE HAPPY ausgemacht werden. Getextet wird bei COCK THE GUN übrigens in Deutsch und Englisch, und alles in allem ging der Gig der Band, die bereits eine CD mit dem Titel „Psycho Cowboy“ auf dem Markt hat, mit Sicherheit in Ordnung.

Der Namen der nächsten Band, ON WINGS TO KASHMIR, mutete an diesem Tag etwas makaber an, wurde doch (ob der Kriegsgefahr zwischen den Atommächten Pakistan und Indien) gerade zum Zeitpunkt dieses Festivals allerorts die Empfehlung erteilt, Kashmir nicht zu bereisen. Aber dies nur am Rande. ON WINGS TO KASHMIR waren mir persönlich natürlich vom YBC bekannt, wo sie die oberösterreichische Vorausscheidungen gewonnen hatten, und danach scheinbar auch in der Bundeshauptstadt die Juroren nachhaltig beeindrucken konnten, was zur Folge hatte, dass der fulminante Siegeszug der Formation aus Feldkirchen im Finale auf der Praterwiese mit einem Gesamtsieg endete. Einer der Gründe für diesen unglaublichen Aufstieg einer vorher noch relativ unbekannten Gruppe dürfte wohl deren stilistische Festsetzung darstellen. Den rockigen Soul mit Geigen- und Keyboardbegleitung hört man bekanntlich nicht alle Tage. Auch dem Publikum schien das Können dieser Band nicht entgangen zu sein und honorierten deren Leistung mit angemessenen Feedback.



Im Anschluss daran betraten SHOTGUN WEDDING die Bühne, und ein mittelschwerer New Metal-Orkan brach über das Publikum hernieder. Das Quartett schafft es immer wieder, eine einmalige Energie zu entfachen, die sofort auf das Publikum übergeht. Auffallend war einmal mehr die Tatsache, dass auf Songs der aktuellen Scheibe „Cross your way“ fast gänzlich verzichtet wurde, und man das Augenmerk vielmehr auf die Präsentation von neueren Stücke („None of your business“; „True Lies“ etc.) richtete. Auf alle Fälle eine starke Darbietung, mit welcher man bei den Fans wieder voll punkten konnte. Gegen Ende dieses Gigs wurde mit COCK THE GUN-Gitarrist und Mitveranstalter des Festivals, Didi Minichmayr, ein Gast auf die Bühne gebeten, der dem Quartett bei einem Stück unter die Arme greifen durfte.

Somit neigte sich das Festival schon wieder dem Ende zu, und die letzte Band INFERNAL begannen ihre Show. Diese Band aus Pettenbach hat in den letzten Jahren eine beachtenswerte Entwicklung durchgemacht. Unzählige Gigs vor Szenegrößen wie MACHINE HEAD, PRO-PAIN sowie FARMER BOYS sowie ein Gig vor PUDDLE OF MUDD in Hamburg. (Inkl. einem Bericht auf Viva Plus!) kann die Band für sich verbuchen. Trotz offensichtlicher Troubles mit dem Monitorsound und für meinen Geschmack etwas zu hoher Lautstärke, konnte das Almtaler Trio den Fans wieder eine große Portion an New Metal der eigenständigen und anspruchsvollen Art servieren. Naturgemäß stammte ein Großteil der gespielten Song vom 2000er Proberaumdemo („Silent sadness“; „Unfulfilled“), aber auch einige brandneue Stücke, die allesamt eher melodischer ausfallen, durfte nicht fehlen. Auch an diesem Tag wurden INFERNAL den (hohen) Erwartungen mehr als gerecht.

Fazit: Das JUDGEMENT NIGHT-Festival ist sicher als gut organisierte und vermutlich auch ganz erfolgreiche Veranstaltung zu bezeichnen, und soll lt. Veranstalter auch im nächsten Jahr wieder stattfinden. Angesichts der idyllischen Umgebung, in der das Festival stattfand, und vor allem der damit verbundenen Minimierung von möglichen Anrainerbeschwerden, was so mancher Open-Air-Veranstaltung im Raume Wels das Genick brach, stehen meiner Meinung nach die Chancen, dass diese Veranstaltung für einige Zeit einen festen Platz im (ober-)österreichischen Festivalkalender einnehmen könnte, ganz gut.
www.judgementnight-festival.at

Hutti
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Beitrag vom 11.06.2002
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