MFG OPEN-AIR: EYE OF BETRAYER   DESPERATE CRY   LOXODROME    ONEWAY    WUNSCHKINDER    BURNING TOO   
07.09.2002 @ Sägewerk Brandstätter, Vorchdorf

An jenem Tag, der eine massive Veränderung in der österreichischen Innenpolitik zur Folge haben sollte, ging auch eines der letzten Open-Airs der Saison in Oberösterreich vonstatten. Eigentlich hätte diese Fest ja schon Mitte August über die Bühne gehen sollen, was aber von dem über die Ufer tretenden Fluss Alm verhindert wurde. An diesem Samstag wurden die Veranstalter allerdings von angenehm sommerlichen Temperaturen beglückt, und somit schien einer erfolgreichen Veranstaltung nichts mehr im Wege zu stehen. Als Veranstaltungsort wurde der geräumige Vor- und Innenhof eines Sägewerkes auserkoren. Auch für Speis und Trank war in Form eines Kebubstandes und einer Bar bestens gesorgt. Zudem war ein zusätzlicher Bereich inkl. Barbetrieb und Musik aus der Konserve installiert worden, welchen man vielleicht treffend als „Chill-Out-Area“ bezeichnen könnte, und von der Mannschaft des Welser Musicpubs Fred Sega bewirtschaftet wurde.

Mit BURNING TOO durfte eine durchaus fähige HC/Punk-Formation aus Vorchdorf das Konzertereignis eröffnen, die auf durchaus kritischen, durchdachte Songtexte setzt, und damit wohl versucht, in die Fußstapfen von KURORT und Co. zu treten, und auf diese Weise die hiesige Tradition solch artiger Gruppen erfolgreich fortführt. Insgesamt ein sicherlich guter Gig einer hoffnungsvollen Jungformation.

Es folgten WUNSCHKINDER, die wohl auch der näheren Umgebung des Orts des Geschehens stammen, und mir bis zu diesem Zeitpunkt komplett unbekannt waren. Die WUNSCHKINDER sind stilistisch wohl auch als Mitglieder der Großfamilie Alternative Rock anzusehen. Eine konkretere Beschreibung ihrer Musik gestaltet sich aber alles andere als leicht, so dass ich mich diesbezüglich nun wirklich nicht festlegen möchte. Allerdings kann festgehalten werden, dass WUNSCHKINDER wohl Mut zur Umsetzung von eher ungewöhnlichen bzw. eher schrägen Ideen , was ihre Arrangements betrifft, beweisen, und zum Teil wohl auch aus dem HC/Metal-Lager so manche Inspiration beziehen dürften. Zudem werden die Leadvocals zum Teil von einer Sängerin übernommen, deren Gesangsstil zwar Anlass zur Kritik von Konzertbesuchern gab, allerdings entstand zumindest bei mir der Eindruck, dass die Art des Gesanges bewusst so gewählt wurde, d.h. nicht unbedingt auf Schönheit ausgelegt, sonder eher emotionsbetont und leicht frustriert, was mich wiederum ein wenig an (Emo-HC-) Bands wie SENSUAL LOVE erinnerte.

Als 3. Band des Abends fungierten ONE WAY aus Reichersberg im Innviertel. Diese konnten bekanntlich beim letzten YBC insofern Aufsehen erregen, indem sie als einer der oberösterreichischen Tagessieger den Sprung ins Semifinale schafften. Die Musik ONE WAYs kann wohl am ehesten in folgende Schubladen gezwängt werden: Grunge/Alternative Rock mit stellenweise auftretenden Punk- und New Metal-Einschüben. Jedenfalls lieferte die Innviertler Partie ein recht ansehnliche, dynamische Show ab. Bei „Kill me in love“ wagte die Gitarristin, die sich mit dem anderen Gitarristen die Gesangsarbeit aufteilt, gar den Griff zu Akustikgitarre, und bewies damit, dass im musikalischen Konzept dieser Band auch ruhigere Töne Platz haben. (Dieser Track ist übrigens auch auf der eben erschienen 2. Demo-CD „Body Art“ enthalten). Als Zugabe wurde noch eine Coverversion von HOLE („Violet“) serviert.

Danach waren LOXODROME aus Pettenbach an der Reihe. Jene ehrgeizig an sich arbeitende Band also, die immer als Garant für kraftvolle Shows anzusehen ist. Und das war an diesem Tag nicht anders. Die Gruppe, die sich vor einiger Zeit um einen weiteren Gitarristen verstärkt hat, boten einmal mehr einen gelungenen Querschnitt ihres bisherigen Schaffens. Neben einigen Nummern vom empfehlenswerten „Willed“-Werk („Walk“; „Willed“; „c.i.“), wurden auch jede Menge neuer Songs wie „Justify“ präsentiert, die eine Weiterentwicklung zu äußerst groovigem New Metal verdeutlichen. Alles in allem eine äußerst gekonnte Show der Fünf, wenn auch das Publikum mit Feedback geizte.

Als vorletzte Band dieses Tage enterten DESPERATE CRY die Bretter, die bekanntlich die Welt bedeuten,. Und es wurde schnell erkennbar, warum das Quintett als eine der besten HC-Bands Österreichs und als eine der heißesten Livebands der heimischen Szene gehandelt wird.
Grooviger und abwechslungsreicher Hardcore at it`s best quasi. In naher Zukunft soll auch der langerwartete neue Longplayer erscheinen. Einige Nummern wie „Super Sonic“, die sich auf diesem wiederfinden werden, wurden den Fans, die endlich halbwegs aus der Reserve gelockt werden konnten, auch vorgestellt. Begleitet von den gewohnt witzigen Ansagen ihres Frontmanns Simon vergaßen die Jungs von DESPERATE CRY auch nicht darauf, das Publikum mit einigen alten Gassenhauern zu verwöhnen, was mit u.a. „Psycho“ oder auch „Desperado“ geschah. Auf alle Fälle ein weiterer super Gig einer der führenden Bands des alpenländisches HC-Genres.


Mittlerweile war schon längst ein neuer Tag angebrochen, als sich das Welser Gothic/Dark Metal-Sextett EYE OF BETRAYER auf die Bühne begab. Vor dieser hatte sich bereits eine Schar von Metallern versammelt, die gespannt der Ereignisse harrten. Dann begann endlich die Show der Gruppe, die sich wieder als weiteres Zeugnis für die Klasse dieser Band erweisen sollte, und nach nur 3 Songs ihr plötzliches Ende fand. Die örtliche Exekutive hatte nämlich das Ende der Veranstaltung mit 1.30 Uhr festgelegt, da bereits Anzeigen wegen Lärmbelästigung eingegangen waren, wobei es sich hierbei um keine Anrainer, sondern um Beschwerden von Personen aus u.a. einem Nachbarort gehandelt haben soll, die empört zum Hörer griffen. Tja, Pech für EYE OF BETRAYER, die sich bestimmt von diesem Gig einiges erwarten hätten, und somit bitter enttäuscht das Feld räumen mussten. Nichtsdestotrotz könnte dieser schwarzer Tag auch einen positiven Nebeneffekt bewirkt haben. Denn getreu dem alten Grundsatz „Any promotion is good promotion“ könnte der Name der Band gerade durch dieses unangenehme Ereignis besonders fest im Gedächtnis so mancher Konzertbesucher verankert worden sein.

Fazit: Ein äußerst gelungenes, musikalisch interessantes Happening, wo eine faire Preispolitik Ehrensache war, und somit auch von Erfolg gekrönt wurde. Nur die Tatsache, dass der Zeitplan für die Bands nicht konsequent eingehalten werden konnte, begeisterte weniger. Dennoch soll dies nicht als Kritik an dem wirklich engagierten Veranstalter gewertet werden, da ich die Panne um den Gig von EYE OF BETRAYER auch als eine Verkettung von unglücklichen Umständen ansehe, und es bei Gott nicht einfach ist, ein Fest in dieser Größenordnung aus dem Bode zu stampfen Zudem ist es bekanntlich denkbar einfacher nachträglich mit besserwisserischer Belehrung aufzutrumpfen, als selbst ein solches Event auf die Beine zu stellen.


Hutti
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Beitrag vom 22.09.2002
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