SUMMER BREEZE-FESTIVAL MIT: HYPOCRISY   EDGUY   TIAMAT   SOILWORK   THE GATHERING   VADER   NIGHTWISH   DIMMU BORGIR   PAIN   BRAINSTORM   SENTENCED   SAMAEL   PARADISE LOST   PRO-PAIN  
22.08.2002 @ Abtsgmünd

Das SUMMER BREEZE – Festival ist weiterhin auf Expansionskurs! Und die Aktien stehen gut für das süddeutsche Event, denn dieses Jahr kamen über 30 000 Metalheads in die kleine, schwäbische Gemeinde Abtsgmünd im Kochertal, um zu insgesamt 64 Bands abzumoshen.

Beim nunmehr fünften “BREEZE“ standen dem Publikum erstmals zwei Bühnen – die Main- & die kleinere Painstage – zur Verfügung, auf denen sich die Bands quasi unterbrechungslos aneinanderreihten. Beide Bühnen bildeten im Verbund mit dem Mischpult ein rechtwinkliges Dreieck, wobei die Painstage den Punkt C beschrieb, die Mainstage den Punkt B und das Mischpult Punkt A. Wenn die Entfernung zwischen Mainstage und Mischpult 60m betrug und die Entfernung zwischen Mischpult und Painstage 20m, wie weit lagen die Bühnen voneinander entfernt?

Wer die richtige Antwort errechnet, emailt diese bitte mit Rechenbeispiel an tobias@earshot.at. Die ersten drei korrekten Ergebnisse werden mit einer CD prämiert!

Weiter im Text: Der Festivalauftakt fand, wie im letzten Jahr, im nahe gelegenen Bangerclub „Heavies“ statt. Terminliche Differenzen verhinderten jedoch meine Anwesenheit an diesem Mittwoch, den 21. August - also einen Tag vor Festivalbeginn - wodurch ich leider Schmankerl wie EDENBRIDGE, BLACKEND (mit Re-unionshow!) oder die kultigen TRACEELORDS um ex-SODOM Gitarrist Andy Brings verpasste.

Im Vergleich mit dem Vorjahr wurde das Festivalgelände erheblich erweitert: Den Organisatoren gelang es eine Vielzahl von Sponsoren zu gewinnen, was die kulinarische Bandbreite vor Ort erheblich vergrößerte. Vom Döner über Alberto-Pizza, vegetarisches oder fernöstliches bis hin zu einem Süßigkeitenstand, war alles am Platze, kredenzt zu vernünftigen bis hohen Preisen. Zu Trinken gab’s das lokale, aber gute Kellerberg Pils-Gebräu respektive Red Bull-Vodka. Letzteres allerdings nie im angebrachten Mischverhältnis. Des Weiteren zog die leichte Gothic-Schlagseite im Billing eine Vielzahl von Abendkleid-Tusneldas zum Summer Breeze und deren Ausstatter natürlich ebenso. Extra-X und der “Hexenkontor“ sorgten dafür, dass niemand ohne Kettenhemd oder Metallbüstenhalter zu DIMMU BORGIR musste. Ein kleiner, hölzerner Saloon belieferte die “Massen“ von BONFIRE-Fans mit Westernklischees und ein Zelt war mit ’nem Metal Market belegt.


Donnerstag, der 22. August


Zu erneut fantastischem Wetter (nach tagelangen Regenfällen im Vorfeld – wie überhaupt jedes Jahr) eröffneten VOLCANO gegen 14 Uhr den ersten von drei Festvaltagen. Wie die Jungs waren, entzieht sich meiner Kenntnis, da ich mit Akkreditieren beschäftigt war, sorry! Und weil ganze Redaktionen vor mir dran kamen, durfte ich die Cyber-Thrasher DRY ROT, die lokalen MR. VADER und BURDEN OF GRIEF ebenfalls nur von der Ferne aus mitverfolgen.

Das chilenisch-britische Konglomerat CRIMINAL vermochte jedoch zu entschädigen. Die aggressiven aber cleveren Songs des Fünfers kommen live erst richtig zur Geltung, was die paar hundert Leute vor der Mainstage ebenso gesehen haben. Leider kam Mr. Mixer mit dem Fear Factory-Sound der Band nicht so gut zurecht und ließ die Bässe dominieren, was an den folgenden Tagen wiederholt negativ zu bemerken war.

Zu den letzten Songs, soundcheckten bereits DEEP INSIDE MYSELF, um quasi übergangslos weiterbeschallen zu können. Der Gig der Gothic-Newcomer ging in Ordnung; es kristallisierten sich allerdings bereits jetzt die Vor- und Nachteile dieses Vorgehens heraus: Nur wer das Billing wirklich pausenlos spielen lässt, kriegt ganze 64 Bands innerhalb von drei Tagen mit zwei Bühnen überschneidungsfrei auf die Bretter - ohne manche Sets kleinerer Bands auf eine Viertelstunde kürzen zu müssen. Jedoch muss dann in Kauf genommen werden, dass das Publikum keinerlei Pause hat, einige Bands wegen strategisch ungünstiger Platzierung völlig untergehen und dass die folgende Band ihren Soundcheck während des regulären Auftrittes der Vorgänger zu absolvieren hat, was wegen der geringen Distanz zwischen den Bühnen speziell die Rollis nervte, deren Aussichtsplatform sich nun mal direkt unterhalb des Mischpultes und ergo genau mittig befand. Wäre zu überlegen, ob man nicht lieber drei bis fünf Gothic-Bands aus’m Billing kickt, um Luft zu schaffen…

SUIDAKRA hatten mit diesen, sicherlich nur zweitrangigen, Querelen kein Problem und bliesen in bester (Spiel)Laune ihr neustes Werk „Emprise To Avalon“ Richtung Zuschauer, die erfreulich zahlreich die Mischung aus Folk- / Black- und Metal verfolgten. Der basslastige Sound verhalf SUIDAKRA hier zum letzten Quäntchen Double Bass Power, um als erster Höhepunkt am Donnerstag durchzugehen. Hey, die Jungs haben’s aber einfach auch verdient!

Ebenso die NIGHT IN GALES, welche inzwischen zum SUMMER BREEZE gehören wie gutes Wetter und kompetente Security. Bereits zum dritten Mal beehrte man Abtsgmünd, wie immer begleitet von enthusiastischen Reaktionen auf den eigentlich “nur“ guten Thrash / Death aus dem Ruhrpott.

Um die, inzwischen recht opulenten, Massen Atem holen zu lassen, spielten die Finnen von ENTWINE ihren Düsterrock im Rahmen einer amtlichen Show, bei der der Sänger weit weniger nasal klang, als auf den bisherigen zwo Alben. Doch; man bot eine hübsche Optik und Songs, die live ganz gut zünden.

Mit schickem „Wundenmann“-Backdrop wurde zur Painstage gewechselt, auf der DIE SCHINDER superb schindeten. Wie noch bei No Return und Vader zu sehen sein wird, ist die kleine Painstage ideal für brutalen Death Metal, siehe Moshpit bei Vader und den Franzosen und Crowdsurfer bei den ostdeutschen SCHINDERn. Wirklich ein Mördergig, was auch an dem Raunen im bangfreudigen Publikum zu spüren war, als Frontschinder Daniel sich mit den Worten verabschiedete, dies sei sein vorletzter Auftritt mit der Truppe.

Die Präsentation BONFIREs entging mir zugegebenermaßen nicht ganz unfreiwillig, da ich beim Anblick des Stars and Stripes-Hemdes von Lessmann spontan den Red Bull-Stand aufsuchen musste. Nicht wenige folgten, zurück blieb die Spreu aus Hardcore-Fans, welche immer noch beachtlich war und die Show ordentlich mitzelebrierte.

Mich vertrieben die pseudo-patridiotischen Ansagen Lessmanns schließlich zur Painstage, wo ich erfahren musste, dass BELPHEGOR im Stau steckten und am Freitag für die gecancelten THORN.ELEVEN auftreten würden. Auch gut.

Somit blieb genügend Zeit sich für HYPOCRISY warmzutrinken, was eigentlich überhaupt nicht nötig war, denn die Schweden rockten die Anwesenden in einen Rausch, wie es kein Alkohol, kein Dope dieser Welt zustande brächte. Tägtgren erwischte mit „Roswell 47“ einen Traumstart und hatte somit schon gewonnen, die restlichen 45 Minuten wurden zum Triumphzug. Der erste Moshpit des Tages wirbelte vor dem Fotograben, die Crowdsurfer crowdeten teilweise im Sekundentakt um butterweich von der Security aufgefangen und höflich gen Ausgang geschickt zu werden – vorbildlich.

Der entspannte Rotzrock von RED AIM kam nach diesem Erdrutsch gerade richtig. Das sehr partytaugliche Material der Deutschen lässt die Wartezeit zur nächsten SPIRITUAL BEGGARS deutlich kürzer erscheinen und der gute Eindruck, den RED AIM letztes Jahr auf dem Festival hinterließen, bestätigte sich erneut.

Die Sonne war am Untergehen, der Stern EDGUYs am Steigen. Die Größe der Mainstage erstmals vollends ausreizend, fuhr man bombastische „Mandrake“-Sets auf, um den letzten Auftritt auf deutschem Boden vor einer längeren Abstinenz angemessen zu inszenieren. Und tatsächlich dauerte es nicht lange und der erste BH flog in Richtung Tobias Sammet, der die Trophäe brüderlich mit dem Mikrofonständer seines Bassers teilte. Trotz der eher härteren Ausrichtung des SUMMER BREEZE feierte man EDGUY gebührend, bleibt anzumerken, dass die hohe Lautstärke den epischeren Stellen von z.B. „The Pharaoh“ nicht sehr dienlich war.

Selbstredend schickten die Veranstalter auch Bands ihres eigenen Labels Silverdust Records auf die Bretter, was grundsätzlich zu begrüßen ist, da die Gruppen der Abtsgmünder durchgängig auf hohem Niveau spielen und stilistisch eine große Bandbreite abdecken, aber die SEPULTURA-Erben EKTOMORF haben die Co-Headlinerposition noch nicht verdient, diese Ehre hätten andere sicher besser ausgefüllt. Egal, die Ungarn fetzten ihren Thrash sauber in die Nacht, die Meute ging gut mit, lediglich das 1:1-Cavalera Posing des Fronters wirkte aufgesetzt.

TIAMAT. Edlund hat oft genug erwähnt, dass ihm intime Clubshows mehr liegen als Open Air-Auftritte, aber sooo statisch erlebt man den Chateau Neuf Du Pape unter den Bandleadern selten. Kommunikation mit dem Publikum gleich Null. Gleichzeitig schaffte es der Schwede trotzdem nicht uninteressiert oder abwesend zu wirken. Das übernahm sein Gitarrist Thomas Petersson, der in täuschend authentischer Ace Frehley/Spaceman-Aufmachung über die Bühne schwebt, genitale Idee! Die repräsentative Setlist bestand u.a. aus dem „Clouds“-Klassikerstandard „The Sleeping Beauty“, dem mächtig popotretenden „The Ar“ (Wildhoney) und neuerem Zeugs a la „Vote For Love“. Songs der „A Deeper Kind Of Slumber“ blieben wie gehabt außen vor. Erschreckend viele verließen noch vor Ende der Show selbige gen Campingside.

Die zweieinhalb Km dahin wollten die meisten selbstredend mit dem Shuttlebus zurücklegen, was allerdings nur jenen Privilegierten glückte, die die zwei Stunden Wartezeit dafür in Kauf nahmen. Dieses Problem sollte die gesamten drei Tage andauern, die Veranstalter geloben Besserung…wie letztes Jahr. Fairerweise sei erwähnt, dass niemand mit der utopischen Zahl von ca. 30 000 Besuchern kalkulierte. Wir werden sehen.


Freitag, der 23. August


Alleine sich die gesamten 64 Acts reinzuziehen ist lediglich theoretisch möglich, praktisch blieb ich bis 14 Uhr im Bett, um noch so eben rechtzeitig zu NO RETURN vor der Painstage aufzutauchen. Dorten wurden mir sogleich die restlichen Sandkörner aus den Augen geblasen, denn die Franzosen und die Französin am Bass nahmen grausame Rache für Verdun an den anwesenden EU-Nachbarn. „Besser als Slayer“ attestierte ein Kriegsberichterstatter im Fotograben neben mir. Nach gerade mal einer halben Stunde ward die Schlacht geschlagen, zwei Rekordposer in der ersten Reihe hissten das blau-weiß-rote Banner der Siegreichen und die Waffenstillstandsverhandlungen wurden aufgenommen…

Die Folgeband LEFT HAND SOLUTION entging mir aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen, vermutlich aber aus Ärger, weil ich BELPHEGOR verschlafen hatte. Schon Scheiße, wenn man für Earshot schreibt und die einzige österreichische Band des Festivals verpasst.

Die HolländerInnen AFTER FOREVER könnten auch als Coverband ihrer Landsmänner und –frauen von THE GATHERING durchgehen, vorausgesetzt man beschränkte sich auf Material von „Mandylion“. Auf Album nicht sonderlich originell, live jedoch die Überraschung des Festivals, denn Frontschönheit Floor Jansen sang, bangte und tobte die Neugierigen vor ihr ins Delirium, was mit den eher durchschnittlichen Songs eine wahre Leistung darstellt.

Die sehr interessanten Briten THE MORE I SEE und MYSTIC CIRCLE gingen mir zugegebenermaßen durch die Lappen, Punktum.

Veni, vidi und auch vici für SOILWORK, die mühelos ihren hochkomplexen Melodic Death / Thrash live umsetzen konnten und auf der Mainstage eine hervorragende Figur machten. Fronterdarbeiter Stig, gewandet im ferrariroten Shirt, interagierte superb mit dem headbangenden Volk und da die Sonne schien wie lange nicht, kam die Securityfeuerwehr mit ihrem Gardena Gartenschlauch und bewässerte die ersten paar Reihen flächendeckend, was allenfalls leise Kritik einiger Damen provozierte. Ausnahmsweise Respekt dem Mann an den Reglern, der den diffizilen Sound der Schweden (Zwischenbemerkung: Schon aufgefallen wie viele Truppen aus dem skandinavischen Raum kamen, einschließlich Dänemark? Also ich habe 12 gezählt, wer mir aber als erster die korrekte Zahl nennt, kriegt ebenfalls eine CD!) ordentlich in den Griff bekam.

Der deutsche Death Metal wird so langsam aber sicher zum Gütesiegel: Ein fantastisches Album jagt das nächste und DISBELIEF sind über die Jahre zu versierten Jägern herangewachsen, die diese Progression mitforcieren. Präzise und unnachgiebig wie ein britisches Bolzenschussgerät wuchteten DISBELIEF ihren Sound gen Moshpit, welcher beim Megakiller „Shine“ ehrerbietig zum Stillstand kam, um im Takt mitzubangen.

Vor dem Auftritt der BL[A]DFLOWERZ spielten die Münchner EMIL BULLS über die ich leider nichts zu berichten weiß (siehe Mystic Circle und Konsorten). So sehr mir das Debut der erfrischenden Blutblumen gefällt, an der Livepräsentation muss noch gearbeitet werden, speziell Chanteuse Kirsten Zahn sollte von ihren Hippieansagen ablassen. Aber auch das wird sich finden und dann steht den Herren und der Dame nichts mehr im Wege, die legitimen Nachfolger der dahinsiechenden Paradise Lost zu werden (siehe deren Show am Samstag)!

Anschließend gaben sich endlich THE GATHERING die Ehre und starteten ihre Performance riskanterweise mit einem Song der brandneuen EP, die natürlich nur den wenigsten bekannt war. Anneke war gewohnt einwandfrei bei Stimme, die Band spielte fehlerfrei nur „Superheat“ kam nicht auf. Die Ausgeglichenheit von neuem und altem Material auf besagter Livescheibe wurde nicht präsentiert, stattdessen dominierten überwiegend die neuen, radikalen Songs, welche sich zwar exzellent zum Chillen eignen, live allerdings nicht recht zünden… zumindest nicht an diesem Freitag.

Einerlei; so konnte man sich zumindest vor VADER noch etwas erholen, was angesichts der Livequalitäten des polnischen Todeskommandos dringend notwendig war. Peter, Doc, Mauser und der andere können live gar nicht abstinken, nicht mit diesen Songs, nicht mit diesem Talent und schon gar nicht mit dieser Tourerfahrung. Bei den „Litany“-Standards „Xeper“ und „Wings“ stand man entweder mit weit geöffnetem Rachen vor der Painstage oder moshte sich halb besinnungslos durch die ersten Reihen. Mir gehen die Superlative aus, glaubt mir einfach Leute!

Bei NIGHTWISH war danach Luftholen angesagt. Mal mit ausreichendem, mal mit leicht undefinierbarem Sound musizierte sich die Band durch ihr Repertoire. Tarja war in jeder Hinsicht bestens aufgelegt und man bot der verdammt großen Crowd einen guten aber keinen Jahrhundertgig. Solide Leistung aber nichts wovon man seinen Enkeln berichten würde.

Inzwischen war der Akku der Kamera, die Dörr und ich mit uns führten, empty und so suchten wir zur Musik von AXXIS nach Energie. Dörr ist übrigens Kameramann und Cutter der kleinen Dokumentation, die wir über das diesjährige SUMMER BREEZE drehten. Das Filmchen könnt ihr in Bälde an dieser Stelle downloaden. Im Zelt des Deutschen Roten Kreuzes fand unsere Bitte nach Elektrizität Gehör, nochmals Danke dafür! Und Entschuldigung für den Kurzschluss, den wir zwei sec nach Aufladebeginn verursachten…

Rechtzeitig zum Ende der AXXIS-Show hatte die Kamera wieder Saft und konnte *aufdenkaminstell*- Fotographien der Sons Of Satan DIMMU BORGIR schießen. Pro: Die Band bot Hammersongs - darunter viel Stoff vom Gassenhauer „Euphoric…“ -, ansehnliche Pyros und ein ambitioniertes Stageacting. Contra: Die Mixingprobleme fanden ihre Fortsetzung und im zeitweisen Soundmatsch ging so manche Feinheit verloren. Das der Auftritt, gemessen an den Zuschauerreaktionen, dennoch ein voller Erfolg war, ist allein der Band zu verdanken, vor allen aber Uncle Fester, der locker als fähigster Drummer der aktuellen Black Metal-Szene durchgeht.

Szenenwechsel zur Painstage, für die – nomen est omen – PAIN als Rausschmeißer engagiert waren. Tägtgrens Elektro Metal begeisterte sogar die Hypocrisy-Puristen, die bereits tags zuvor dem Metalcapo ihre Loyalität demonstrierten. Selbiger bekam seine cleanen Gesangsparts prima auf die Reihe und auch Immortal-Drummer Horgh, der auf dem letztjährigen BREEZE während der Show seiner Stammband kurz kotzen war, blieb auf dem Hocker.


Samstag, der 24. August


Meinen rigorosen Schlafgewohnheiten fielen am letzten Tag Y NOT, FURBISHED FACE, THE BLUE SEASON, MY DARKEST HATE, EWIGHEIM und ASHES YOU LEAVE zum Opfer, die hier der Vollständigkeit halber erwähnt seien.

Immerhin kam ich rechtzeitig, um mich durch die Massen von CRYSTAL BALL-Anhängern gen Fotograben zu kämpfen. Bestimmt 60 Leute standen vor der Pain, um die erste von insg. drei Schweizer Bands an diesem Tag zu begutachten. Den wenigen, die das ganze mitverfolgten, gefiel der glasklare Sound und die mittelprächtigen Melodic-Sounds. Den Stratovarius-Diebstahl „Am I Free“ als „Megahit“ anzukündigen ist dennoch mehr als frech.

Da zündeten die Landsmänner von GURD wesentlich besser. Gespielt wurde ein repräsentativer Querschnitt durch die bisherigen fünf Alben in akzeptabler Qualität. Das Publikum freilich reagierte ob der frühen Zeit etwas verhalten, was aber kaum an der Band gelegen haben kann.

Während die Dänen RAUNCHY und die Deutsche Gothic-Hoffnung FLOWING TEARS Augenzeugenberichten zufolge kompetente Shows abzogen, wurden backstage die Veranstalter Achim und Ingo interviewt. Achim nennt konkrete Zahlen: 35 000 Besucher an drei Tagen wurden gezählt, was im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von 233,3 % bedeutet. Diese Expansion ging heuer allerdings klar auf Kosten des Komforts, in aller Eile mussten mehr Toiletten herbeigeschafft und eine zweite Campingside gepachtet werden. Die schmerzhafte Campinggebühr von 10€ gehe gänzlich für die Müllbeseitigung drauf; die Anwohner seien allesamt glücklich mit dem Festival, Klagen gäbe es lediglich vereinzelt und man beglückwünsche sich zur guten Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Egal, wen wir noch befragen sollten, ob Security, DRK, Anwohner, Fans, Polizei, Behörden, Einzelhandel, alle waren mehr als zufrieden mit dem diesjährigen Ablauf der Veranstaltung.

Die Wikingers von AMON AMARTH bliesen zum Sturm auf das christliche Abendland und siegten nach wenigen Songs. Man dominierte die Crowd vor der Main ähnlich wie Hypocrisy es am Donnerstag vermochten. Die Flagge mit dem gelben Kreuz auf blauem Grund flatterte im Publikum, angetrieben vom unglaublich druckvollen Sound, den die Schweden abfeuerten.

AGATHODAIMON zockten eine kurze aber schmerzvolle Show und konnten auf ein treues Following vor der Bühne bauen. Die Soundprobleme schienen endlich im Griff zu sein.

WITHIN TEMPTATION – eine weitere Gothic-Band – fuhr danach eine opulente Optik auf, indem sie drei, vier Meter hohe, grüne, aufblasbare Plastikpflanzen an die Bühnenränder stellte. Frontfee Sharon Den Adel im roten Dirndl und jede Menge Pyros vervollständigten den Look der Band. Musikalisch bot man Durchschnittsware.

Bei DIE APOKALYPTISCHEN REITER stimmte hingegen wieder alles: Fronteumel barfuß im roten Handtuch, Dr. Pest wie immer keine Miene verziehend mit verschränkten Armen hinter seinem Keyboard als Kontrast zur austickenden Band. Das Publikum quasi willenlos abfeiernd zu den Klängen der „Reitermania“.
Für die Schwaben BRAINSTORM ist das BREEZE, das sie bereits zum zwoten Mal mitbestreiten, eine Art Heimspiel. Dementsprechend gut aufgelegt agierten Band und Fans. Der rast- und ruhelose Fronter schoss wie ein Flummi zwischen Bühne und Fotograben umher und trieb sein Publikum zu Höchstleistungen.

END OF GREEN wirkten daraufhin so kontrastreich als möglich. Der eigenwillige Sound der Silverdust Band tendiert gelegentlich zu Type O Negative, ist ansonsten jedoch völlig autark vor musikalischen Einflüssen und sehr, ich wiederhole sehr, depressiv. Ergo live ein eher zweifelhaftes Erlebnis, doch END OF GREEN können hierzulande auf eine sehr treue und große Fanbasis zurückgreifen, die der Band aus der Hand fraß.

Im Grunde ein angemessener Auftakt für SENTENCED, die vor beeindruckender Kulisse eine fantastische Show spielten, deren Reiz in ihrer Schlichtheit lag: Meist in blau ausgeleuchtet und auf die erstklassigen Songs fixiert, die zudem noch frenetisch mitgesungen wurden. Ville lässig mit Flasche Bier in der Hand und entsprechender Stimme, wirkte souverän und wie zuhause auf der Bühne, von wo aus er auf knapp 10 000 Begeisterte sehen konnte.

Danach durfte die komplett runderneuerte 80zigerlegende STORMWITCH ihr Comeback starten. Alte Supporter und Neugierige bildeten eine ansehnliche Kulisse für den Rüschenhemdsechser, der einen okayen Gig zockte.

Seit dem letzten Album „Eternal“ (1999) herrschte Funkstille um die beste Schweizer Band seit Celtic Frost und Messiah. Zudem machte noch kurz vor dem Festival die Meldung die Runde Gitarrist Khaos sei nicht mehr im Line-Up, sein Nachfolger werde beim BREEZE-Gig vorgestellt. Deswegen wurden SAMAEL mit großer Spannung und wohl auch gemischten Gefühlen erwartet. Wenn ich mich recht erinnere, begann man mit „Rain“, dem legendären Opener von „Passage“, der damals eine neue Ära des Metal einläutete. Ein Einstieg nach Maß in einen nahezu perfekten Auftritt. Unterstützt von einer intelligenten Lightshow, einem intellektuellen Projektor und einem Zaubersound. Beeindruckend auch die Feuertanz / -spuck-Einlage zu den instrumentalen Klängen Xys.

PRIME sth stehen kurz davor ihr Debutalbum zu veröffentlichen und sich aus der Unbekanntheit herauszuwagen. Laut Band hat man dabei speziell den amerikanischen Markt im Auge, was mit Majorvertrag theoretisch auch zu schaffen ist. Ob der Majordeal ebenfalls hilfreich war, die Band auf die Co-Headlinerposition des Samstages zu katapultieren entzieht sich ebenso meiner Kenntnis, wie die Livequalitäten der Schweden.

Eins vorweg: PARADISE LOST enttäuschten auf ganzer Linie. Live war man stets berüchtigt, warum, wurde am Samstag erneut demonstriert: Die Engländer gehen live einfach nicht aus sich heraus, kommunizieren mit dem Publikum allenfalls im arroganten Ton um ihre Nervosität zu kaschieren. Wenn die zweite und dritte Gesangsspur per Playback eingespielt wurde, drehte sich Holmes einfach Richtung Drumpodest, anstatt diesen kleinen, notwendigen Trick einfach zuzugeben. Gesanglich war der Shouter sowieso nicht bei Stimme. Die Ankündigung PARADISE LOST würden wegen der harten Konkurrenz vor Ort auch ältere Sachen spielen, bewahrheitete sich nicht, der Schwerpunkt der Setlist lag auf „One Second“. Ein Album, das ich sehr schätze, mehr noch als „Icon“, allerdings wurden so die alten Fans mit dieser Finte unnötig enttäuscht, noch dazu, weil „Host“ mit mehreren Songs dabei war. Wahrscheinlich als Pause für die Band, da die „Host“-Songs beinahe vollständig vom Keyboard abgerufen werden können. Eine der wenigen Künstler an diesem Wochenende, die Pfiffe hinnehmen mussten.

Dieses Schicksal ereilte die Amis von PRO-PAIN nicht. Kann ja gar nicht passieren, wenn man minutenlang vor Beginn der Show irgendeinen holländischen Schlager aus den 70ern spielt und mit breitestem Grinsen auf der Painstage dazu abtanzt, um dann schlagartig eines dieser Killerriffs aus den Rohren zu feuern. Der Abschluss des diesjährigen SUMMER BREEZE war eine ultralaute Hardcore-Hüpf-Party, die niemanden enttäuschte.

Fazit: Kaum Vorfälle, Feierabendatmosphäre während der gesamten drei Tage, eine hilfsbereite, kumpelhafte Security, tolles Wetter stehen kleineren Problemen in Sachen Hygiene und Transport gegenüber. Schade dass das Billing teilweise nicht das halten konnte, was es versprach.

Eines ist nun allerdings deutlich: Das SUMMER BREEZE 2002 ist fortan eine feste Größe in der Open Air-Saison und dabei den etablierten Veranstaltungen den Rang abzulaufen.

Freuen wir uns gemeinsam auf CHILDREN OF BODOM, THE KOVENANT, PRIMAL FEAR, NAPALM DEATH und SUBWAY TO SALLY im nächsten Jahr, die jetzt bereits bestätigt sind!


FOTOS + E-CARDS
www.summer-breeze.de

Tobias
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Beitrag vom 22.09.2002
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