TOTAL ECLIPSE FESTIVAL: OLEMUS   STAND ABLAZE    COCKROACH    AZRAEL    BALSEIA DAEMONIUM  
14.09.2002 @ Volksheim, Windischgarsten

Kurzfristig klappte es doch noch, dass ich runter nach Windischgarsten fuhr, Franz aus Linz war so nett, einen Freund und mich hinzukutschieren und dann wieder heimzufahren. Der Einlass sollte um 19.00 erfolgen, die Uhrzeit wurde auch fast eingehalten, ca. 10 Minuten später öffneten sich die Pforten und die Leute waren wohl froh, der mittlerweile im September auftretenden Septemberkälte entfliehen zu können. Danach kam aber lange nichts, die erste Band BALSEIA DAEMONIUM sollte um 20.00 auftreten, doch sie betraten erst 30 Minuten später die Bühne, da sie sich als Black Metal-band noch schminken mussten, naja. So strömten die Zuschauer erstmal zur Bar, wo es in der Happy Hour Bier für 1.50€ gab, danach für 2, was preislich echt ok war. Für alle hungrigen Leute gabs Würstel. Da das Volksheim wohl eine Art Jugendzentrum ist, waren auch viele Kinder und Jugendliche (ca. 12-15 Jahre alt) anwesend, die aber bei der ersten Band zum Großteil wieder die Flucht ergriffen. *G*

Endlich kamen BALSEIA DAEMONIUM auf die Bühne, von der Optik (umgedrehtes Kreuz am Mikro, Corpsepaint, Nieten, schwarzer Umhang) und vom Bandnamen war es von Anfang an klar, welchen Stil sie spielen würden, dreimal dürft ihr raten! Es war angeblich das erste Konzert der Linzer, was man irgendwie schon merkte, es gab so gut wie kein Stageacting, die Mitglieder knüppelten eher gelangweilt ihren Black Metal herunter. Nur der Keyboarder, den man eigentlich nicht heraushörte, bangte ab und zu. Den mitgereisten Fans aus Linz gefiel es offenbar, mein Ding war es aber nicht, zu monoton, zu klischeemäßig. Natürlich litt die Darbietung auch am Sound, der nicht so besonders war. Nach dem Gig reisten zu meiner Verwunderung anscheinend die meisten mitgekommenen Linzer wieder ab, weswegen sich die Frage stellt, weshalb man eine Stunde nach Windischgarsten fährt, dann eine wieder zurück, um einige Songs einer Linzer Band zu sehen, die man eh sozusagen daheim vor der Haustüre eh hat (ok, Unterstützung)...aber wieso bleibt man dann nicht und schaut sich die anderen Bands an? Aus sowas werd ich nie schlau, Headliner ist sowieso, Leute kommen erst zum Headliner und zahlen für eine Band nur...lassen sich interessante Undergroundacts entgehen...oder kommen wegen einer extrem bösen Black Metalband und danach hauen sie sofort wieder ab, weil danach eine Death metal-Truppe spielen würde, gefolgt von Hardcore und solche Nichtblackmetalbands darf man sich als echter Blackmetaller ja nicht anschauen oder so...tsss...schränkt euch bitte nicht so ein, Leute und blickt mal über euren Tellerrand hinaus!

So, nach einer Umbaupause ging es mit AZRAEL weiter, aus der Steiermark. Ihre Musik würde ich als eine Mischung aus Death- und Blackmetal sehen, wobei die Deatheinflüsse klar überwiegen und die Gitarrenarbeit auch mal groovig ausfällt. Besonders interessant war die theatralische Darbietung, zwei Frauen in Mönchskutten hielten eine Stoffwand, dahinter wie bei einem Schattenspiel der Sänger. Song für Song wurde dieses Szenriao fortgeführt, der Sänger kam dahinter hervor, die Frauen legeten ihre Mönchsklamotten ab...setzten sich links und rechts auf der Bühne hin...WAS sie genau damit bezweckten, kann ich nicht sagen, jedenfalls wurden sie im Lauf des Konzerts quasi von bieder-braven Mönchsgestalten zu Vamps oder so. Allerdings tanzten sie nicht, wie man es erwarten würde, sondern standen und saßen. Besonders positiv fiel mir auch der Sänger auf, welcher von seiner Gestalt eher klein und schmächtig war, aber durch seine brutale Mischung aus Grunts und Gekreische punkten konnte. Der Sound fiel auch besser aus, als zuvor bei BALSEIA DAEMONIUM, obwohl es leichte Probleme gab. Im Großen und Ganzen eine gute Darbietung!

COCKROACH, eine lokale Band, stellte dir dritte Band des Abends dar. Ihre Musik könnte man als Thrash-Nu-Hardcore-Death bezeichen, neben brachialen Double-bass-Passagen und ordentlich Druck setzen die drei Jungs samt Basserin auf cleanen, melodischen Gesang. Anfangs wurden eigene Songs geboten, die wirklich für Stimmung sorgten, von den Fanreaktionen war der Auftritt quasi der Höhepunkt. Ca. 30 Zuschauer sprangen herum, moshten und bangten, der Sound war übrigens ausgezeichnet. COCKROACH konnten im April 2002 ein Bandcontest gewinnen, zwar weiß ich nicht, welche anderen Bands dort mitfochten, aber eines kann man bei COCKROACH klar sagen: Die Musik gefällt und das Quartett verfügt bereits jetzt über Professionalität, sei es, wie sie sich selber on stage geben, sei es das Handling des Publikums. Leadsänger Peter Wilz machte mal einen Ausflug ins Publikum, ging sogar mal stagediven. Seine Gesangsleistung wurde noch von der Bassisten Marion (auch Wilz, keine Ahnung, ob die beiden Geschwister sind oder verheiratet, haha) angereichert, welche mich durch ihren Auftritt sehr begeistern konnte. Hätte ihr schon fast meinen BH auf die Bühne geworfen, haha...oh, ich bin ja ein Mann und habe keinen, schade. Ihre Stimme gibt der Musik von COCKROACH die nötige Abwechlsung und ich schätze sowieso Frauen im Metal, die, so wie sie, mitsingen, den Bass wummern lassen und dazu headbangen. BOLT THROWER oder SACRALIS (Frauen-Death aus Deutschland) lassen grüßen...ich wäre sowieso dafür, dass sich mehr Frauen in Bands wagen würden und dann aber nicht nur das brave, naive Trällerengelchen spielen. Frauenpower, yeah!
Nach eigenen Songs rastete das Publikum fast aus, als es zu Coverversionen kam. Zuerst gabs "Durstige Männer" (keine Ahnung, von wem das ist, aber wohl kaum von COCKROACH selbst), schließlich ein Medley, "Aber bitte mit Sahne", welches fließend in "Country roads" und "Kumbaja" (GUANO APES feat. Mittermaier) überging, um anschließend wieder mit "Aber bitte mit Sahne" endete. Sehr professionell, sehr gut, diese Band kann noch viel erreichen! Achja, Kompliment an den Drummer, welcher trotz Gips (gebrochener Arm) die Sticks schwang!

Zu fortgeschrittener Stunde mussten leider, leider die ganzen Kinderchen heimgehen bzw. waren wohl viele nur wegen COCKROACH gekommen. Vor dem Trollchaos von STAND ABLAZE leerte sich das Volksheim bereits...so waren vor der Bühne nur mehr 10-20 Leute anwesend, als STAND ABLAZE ihr Set begannen. Bei Trollen hätte ich eher auf Black Metal getippt, aber Melodic Metal war der Fall. Ach, falsch, es spielte nämlich nur Hartroll Gitarre, Rottroll erzählte mir, er sei so eine Art Roadie. Jedenfalls fielen die Trolle durch ihre Trinkhörner auf. STAND ABLAZE gefielen mir wirklich gut, ich hatte zuvor noch kein Songmaterial von ihnen gehört. Der Klampfer beherrschte seine sechs Saiten, bei den Soli wurden heftig mitgeklatscht und einem Gitarrenidioten wie mir bleibt da schon mal der Mund offen. Die Haupteinflüsse waren meiner Meinung nach Power/True-Metalriffs, Sängerin Martina verlieh der Musik einen rockigen Touch, während mich die vereinzelten Screams des Bassisten an CHILDREN OF BODOM oder ENSIFERUM erinnerten. Für STAND ABLAZE kann man auch "guter Gig" sagen!

Nun endlich konnte ich wieder einmal OLEMUS live sehen, bei meinen 1.5 Jahren in Deutschland vermisste ich ihre Auftritte schon sehr, sodass ich einfach Nachholbedarf hatte. Da BALSEIA DAEMONIUM zu spät mit ihrem Set angefangen hatten, wurde es schon zeitlich knapp, doch STAND ABLAZE waren so kollegial, ihren Gig zu kürzen. Hut ab, so soll es sein, ein Miteinander und kein "ich spiel mein Set runter und brodel herum, mir doch wuascht, wie lange die Bands nach mir spielen können". Vor der Bühne wartete nur mehr eine kleine Schar Fans, vielleicht 10 oder so. Tat aber der Stimmung nicht weh, vom anfänglichen "Bleeding" bis zum Abschlusssong "Forever" wurde gebangt und angefeuert, was das Volksheim hergab bzw. die Körper der Besucher. Durch den guten Sound kamen die Songs auch optimal herüber, und als Robert die Bühne betrat, sah man sofort, dass er geladen war und bereit, alles zu geben, zum Leidwesen des Mikroständers. Der neue Drummer Martin, kein unbeschriebenes Blatt, sondern durch THIRD MOON und ASTAROTH bekannt, war ebenfalls motiviert und bumm!- war die Snaredrum kaputt. Es folgte ein energetischer Gig, die Setlist war wie auf dem Metalfest in Wien, nur dass eben mehr Songs dargeboten wurden. Trotz knapper Zeit konnten OLEMUS noch ca. 40-45 Minuten spielen, um Punkt eins musste Ruhe sein, so durften sie leider keine Zugabe geben. Doch "Bleeding", "Rising", "Dead heart goddess", "My fakelove", "for god?" (davor gabs die Anfangstakte von IRON MAIDENs "Run to the hills"), "Es ist ich" und "Forever" bewiesen live einmal mehr, wieviel Emotionen in der Musik stecken, bei "Dead heart goddess" und "My fakelove" (welches immer mit "da nächsta Song is ana vadaummten Hur gwidmet" oder so angesagt wird) war ich total intensiv mitgenommen, weil man eben mitkriegt, was Sänger Robert bei diesen Songs fühlt und man eben doch gewisse Erlebnisse teilt. Wenn "Love is dead!" oder "This bullet is for you" durch den Konzertsaal dröhnen, kann ich dies durch meine Erlebnisse, meine Schicksalschläge zutiefst und innig miterleben, was einem bei einer derart emotionalen Darbietung, welche DORNENREICH um nichts nachsteht, schon sehr, sehr nahe und unter die Haut geht...und man fast durchdreht oder in einen Wein- und Schreikrampf ausbricht.
Jedenfalls sind für mich OLEMUS eine DER Bands in Österreich, es hat mich auch gefreut, wie gut sich der neue Drummer Martin schon eingefügt hat...dass er was draufhat, war wohl kaum zu überhören.
Ein Wahnsinngsgig von OLEMUS und überhaupt ein tolles Festival, auch wenn nicht wirklich viele Leute anwesend waren.


Leander
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Beitrag vom 22.09.2002
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