HOMIMO FEST: FATALITY   DOOMED ERA    BETHRAYER   DESTROYING DIVINITY   U.A.  
31.08.2002 @ Zidlochovice, Tschechien

Burschn - und Madls - ich sags euch, lustig wars! Man möge mir verzeihen, wenn meine Erinnerungen an das undergroundigste Festival, das ich jemals miterleben durfte - das Homimo Fest in Zidlochovice, Tschechien - etwas lückenhaft sind, aber wer schon einmal in Tschechien war, der weiß, dass das Bier dort hinterhältig billig ist, und obwohl es nicht die Qualitäten von einem guten Wieselburger, Villacher oder Ottakringer erreicht, das Bier in der guten alten Arena dennoch um Längen schlägt...
Angefangen hat mein Weg ins Verderben damit, dass mich DOOMED ERA (die kaputte Maria, "Jock" Owen, der schiache Wurf Haberl und Jan-Chri von Audi Enterprises) dazu eingeladen haben, mit ihnen nach Tschechien zu düsen - und da ich sowieso in Wien weilte, hatte ich auch nichts großartig dagegen einzuwenden. So trafen wir uns am Samstag gegen Mittag bei der Arena, vor der wir dann noch ein paar Schnappschüsse in Boxershorts machten (Maria weigerte sich leider, sich ebenfalls so weit zu entkleiden haha), um uns die Wartezeit auf krasny zena Tommi (SEEDS OF SORROW-Zeugler) inklusive Begleitung zu verkürzen, welcher dazu auserkoren war, an diesem Wochenende den Dolmetscher für uns zu spielen. Nebst steirischer Fangemeinde (u.a. DELETE-Eunuch Luiserl) gesellten sich dann auch noch PARENTAL ADVISORY-Tieftöner Marathon sowie Spitz Hirsch zu uns (von denen später noch intensiv die Rede sein wird...) und in brütender Hitze (die den CD-Player ebenso erfasste wie die Biervorräte) gings untermalt mit DEN HINICHEN (passend zu Wien: Führts de Oide nieder, führts de Oide zam,...) gen Tschechien, wobei wir dem österreichischen Grenzposten vorschlugen, ihn gratis aufs Konzert mitzunehmen, sollte er eine Einfuhr von mehreren Stangen Zigaretten (ebenfalls schweinisch billig - fuck the EU!) genehmigen - er winkte allerdings leider ab, nachdem er erfuhr, dass es sich nicht um Ö3-taugliche Musik handeln werde...
Gegen 16 Uhr kamen wir dann am Ort des Geschehens an - und nachdem uns Compremesis-Boss und FATALITY-Shouter Radim mehr als nur herzlich begüßt hatte, genehmigten wir uns ob der teuflischen Hitze mal ein paar dieser hinterhältigen Biere und begutachteten die grandiose Stage, von der DOOMED ERA-Zeugler Dani schon befürchtete, sie würde seinem Doublebass-Gewitter nicht stand halten und er würde plötzlich während des Gigs im "Backstage-Raum" darunter sitzen - was aber gegen aller Erwartungen nicht eintrat.
Da Bier bekanntlich hungrig macht, machten wir uns hierauf auf dem Weg in ein überaus exklusives Lokal, um vor dem Konzert noch ein wenig zu schnabulieren - allerdings wurde mir beinahe der Eintritt verwehrt, da ich aufgrund der Hitze nur in kurzen Hosen (und somit oben ohne) unterwegs war, Tommi konnte den Kellner jedoch überreden, einmal ein Auge (oder zwei) zuzudrücken - danke dafür! - und somit stand einer hervorragenden "Schlachtplatte" (katuv schlech) von immensen Ausmaßen und einem kühlen Bier nichts mehr im Wege. Allerdings werden sich die restlichen Gäste über uns doch etwas gewundert haben, da wir ... nun, sagen wir mal so: nicht sonderlich zum Ambiente passten - und ständig nach Tommi schrien, damit er uns die Speiseplatte übersetzte.
Mit äußerst geringem finanziellem Aufwand gestärkt machten wir uns dann auf dem Weg zurück zum Festivalgelände, auf dem das Konzert schon in vollem Gange war - die ersten beiden Bands (ABSURD CONFLICT und FREEDUMB) haben wir leider versäumt, wurden mit DESTROYING DIVINITY aus Ratiskovice aber gebührend entschädigt. Das Quartett lies ein gewaltiges Death-Gewitter über die morschen Bühnenbretter sausen, dass es nur so eine Freude war. Irgendwo zwischen älteren MORBID ANGEL, IMMOLATION und DEAD INFECTION angesiedelt, präsentierte sich die Band live äußerst tight und wusste mich live ob extrem aggressiven Stageacting, toller Performance und immenser Spielfreude etwas mehr zu überzeugen, als auf der anschließend umgehend besorgten Demo-CD (Review siehe ebenfalls diese Ausgabe).
MINCING FURY AND GUTTURAL CLAMOUR OF QUEER DECAY aus Brno konnten an diesem Abend leider nicht spielen, da der Drummer (wenn ich mich recht erinnere) aufgrund übermäßigem Alkohol- und Graskonsum an den Vortagen seine Zeit momentan lieber am Klo als hinterm Kit verbrachte. Statt dessen entschädigten uns die psychopatischen Grinder STRUKTURA VLADY aus Oslavany mit hektischem Noise-Geprügel - allerdings bekamen wir erst nach etwa zehn Minuten (und somit etwa 20 Songs) mit, dass es sich hierbei bereits um den Auftritt der Band und nicht um den Soundcheck handelte. Zu unserer Entschuldigung muss ich aber sagen, dass wir einerseits in den Verkaufsstand von Copremesis Records vertieft waren (CDs á 8 EUR, jessas) als auch anderseits damit beschäftigt waren, Marathon und Hirsch beizubringen, wie man auf tschechisch eine Frau aufreißt - Tommi und ich haben unser bestes gegeben, aber aufgrund des immensen Alkoholkonsums der beiden gneißten die den einfachen Satz irgendwie nicht ("Also Tommi - Pek natschgnaaaa... äh ... wie gehts weiter?") und wurden somit von jeder in Betracht gezogenen Dame nur milde belächelt. Auch die spätere Unterstützung seitens Radim - auf die ich noch zu sprechen kommen werde - hat nicht wirklich gefruchtet...
PSYCHICAL FAMILY mussten - wenn ich mich recht erinnere - ebenfalls absagen, allerdings habe ich Radim nicht genau verstanden, warum. Somit bestiegen BETHRAYER aus Napajedla als nächste Partie die Stage, die mich stellenweise sogar mitreißen konnten - auch wenn sie mit ihrem KORN-lastigen Hardcore etwas aus der Reihe tanzten. Das Publikum ging nun - ebenfalls reichlich abgefüllt - ordentlich mit und nicht wenige küssten während wüstem Gebange und Gemoshe den Asphalt.
AHUMADO GRANUJO aus Prahy sind irgendwie aus meinem Gedächtnis verschwunden - oder war das die Partie, die nicht erscheinen konnte? keine Ahnung... - kommen wir also gleich zu Radims Partie, FATALITY. Im Vorfeld hatte Radim versprochen, dass wir heute unser blaues Wunder erleben würden und er hatte nicht zu viel versprochen; Die Partie wurde durch Radims kleinen Stiefsohn und Neffen (dürften so zwischen fünf und zehn gewesen sein) an den Vocals unterstützt, wobei eigentlich nur der Neffe wie verrückt ins Mikro kreischte (und wie wild mit SLIPKNOT-ähnlicher Maske herum poste), während der Stiefsohn eigentlich nur einem Durcael-Hasen auf Drogen gleich auf der Bühne herum hüpfte und ab und zu mit seiner hellen Kinderstimme ins Mikro kreischte. Stilistisch würde ich FATALITY am ehersten mit den irischen Grind-Göttern DROGHEDA vergleichen, wobei aber die Tschechen um einiges "technischer" zu Werke gingen und Radim sich nicht nur auf durch Mark und Bein gehende Kreischer beschränkte, sondern vorwiegend in den tieferen Vokalebenen unterwegs war. Zwischendurch gabs einige lustige Ansagen auf Tschechisch, die uns Tommi freundlicherweise übersetzte - so gabs mit "Rectal boogie" einen Song, der "den Österreichern" gewidmet wurde und an die heimischen Götter PUNGENT STENCH (--> "Klyster boogie") erinnern sollte; Tommi und ich ließen es uns daher nicht nehmen, gemeinsam mit ein paar Tschechen einen Circlepit zu bilden und in Höllentempo im Kreis herumzusausen - es ist ein Wunder, dass bei gleichzeitigem Weiterreichen der Cola-Rot-Flasche nichts zu Bruch ging... Anschließend bat Radim (und jetzt kommts!) die "Tunten im Publikum, es den zwei notgeilen Österreichern (gemeint waren Marathon und Hirsch) in ihrem Auto ordentlich in den Arsch zu besorgen", woraufhin Marathon und Spitz lautstark und deutlich angeheitert jubelten, was ihnen einige Lacher seitens des Publikums bescherte. Als Einleitung zum letzten Song der extrem kranken Partie lieferten die beiden Kinder noch eine mehr als herzige (man verzeihe mir diesen Ausdruck) Einlage - während der Jüngere (vermutlich mit Spritzpistole) ins Publikum "onanierte" schrie der andere auf Tschechisch "Wir wixen auf die Welt!" und schon gings bei FATALITY in die letzte Grind-Runde, bevor der Österreich-Export DOOMED ERA die Bühne betreten durfte.
Was ich dann erlebte, hat mir beinahe die Sprache verschlagen - nicht nur, dass Frontfrau Maria erstmals (?) nicht zu besoffen war, zu bangen (der geliebte Whiskey blieb an diesem Abend zuhause), flippte auch das Publikum komplett aus. Gemeinsam mit DELETE's Luiserl unterstützte ich wacker bangend Maria und Co., als ich plötzlich von nem Tschechen hochgerissen wurde und wie wild im Kreis herumgeschleudert wurde - nun gut, dachte ich mir, mach ich eben mit - und kaum hatte ich mich versehen, bildeten sich meherere weitere Circle-Pits, wobei man vom einem zu anderen weitergestoßen wurde - sowas hab ich in Österreich bisher noch nie erlebt, einfach unglaublich! Somit bekam ich von der restlichen Show nur mehr akustisch was mit - und da der Sound durchwegs äußerst amtlich war, kamen sowohl die alten als auch die neuen Songs (unter anderem "Bind, torture, kill" und "Legion of the deeeeeeeeaaaaaaad") extrem wuchtig und aggressiv rüber, was unter anderem auch dem enorem Doublebass-Drumming von Dani zuzuschreiben ist, der trotzallem aber die Stage nicht zertrümmert hat. Nebst fleißiger Unterstützung seitens Jo (der wiederum Liter von Schweiß vergoss) und Jan-Chri (Alex Webster gleich permanent in Bewegung), lieferte auch Grunzerin Maria an diesem Abend nicht nur eine akustische Meisterleistung sondern auch (soweit ich dies mitbekommen habe) eine sehr gute Show. Das Publikum war jedenfalls begeistert und johlten dem Quartett (das am heutigen Tag übrigens ohne neuen zweiten Gitarristen agieren musste) lautstark zu - allerdings konnte ich nicht raushören, ob das Johlen der Musik oder nur Maria galt haha ;) Ich war jedenfalls froh, dass ich die höllischen Pits ohne Verletzungen überlebt habe - und ein Danke von meiner Seite aus an alle verrückten Maniacs da unten.

Im Anschluss an den Auftritt von DOOMED ERA war zwar noch die eine oder andere Band zugange, allerdings erlebten wir die nicht mehr mit und fanden deren Namen auch nicht auf dem Festivalplakat vor - ich nehme mal an, in Tschechien wird das nicht sooooo eng gesehen, wer da ist, spielt eben auch haha...
Gemeinsam mit Radim begaben wir uns gesammelt zum Bierstand, wo wir uns mit dem einen oder anderen Bier belohnten und unter anderem auch Reef von MINCING FURY AND GUTTURAL CLAMOUR OF QUEER DECAY kennen lernten, der Maria über eine Stunde hinweg dazu bewegen wollte, einmal "seine" Vokaltechnik zu versuchen - deeeeeeeep from the stomach, two years of practice, try - c'mon, try, deep from the stomach uuuuuuuuuuuuuuuuuurgh... Während wir uns köstlich amüsierten, war Maria nach geraumer Zeit sichtlich genervt, zumal sie von der Show ziemlich fertig war und es auch noch zu regnen anfing - aber Reef wollte einfach nicht aufhören. Schlussendlich wandte er sich dann aber doch Jo und mir zu und wir diskutierten über verschiedene Bands, wobei Reef uns auch großzügig mit CDs, Magazine und Promo-Flyern eindeckte (und ich ihn sowie Radim im Gegenzug deto) - und für sein qualitativ äußerst hochwertiges und professionelles Printmagazin Antitrend mit Jo ein Mail-Interview über DOOMED ERA ausmachte. Wir konnten Reef übrigens auch einreden, Maria zu fragen, ob sie auch mit ihren ... ehm ... Geschlechtsteilen grunzen kann - eine "Gruntcunt", sozusagen...
Maria, Luiserl und ich genehmigten uns dann noch ein exzellentes Gulasch, welches ich zusammen mit einer äußerst attraktiven Tschechin selber zubereiten durfte (lecker lecker ... das Gulasch ;)) - allerdings konnten wir auch diesmal nicht unsere Ruhe haben, da uns einerseits Reef wieder entdeckte und Maria während dem Essen zum Grunzen bringen wollte (sie brach stattdessen in einen Lachkrampf aus und verspuckte Teile des Gulasch), als andererseits ein weiterer Tscheche seine beachtlichen Deutschkenntnisse loswerden wollte. Da wir alle schon etwas durchgenässt waren, erklärten wir ihm, wir seinen "Fische im Wasser", woraufhin er einen gelben Schlatzer in sein halbvolles Bier spuckte und strahlend verkündete, dass da jetzt auch ein Fisch drinnen sei. Hierauf konnte Maria nicht anders und rülpste lautsark, woraufhin wir ihm erklärten, dass Maria eine "Sau" sei, und er auf sie zeigte und dauernd "Fisch-Sau, Fisch-Sau!" sagte...
Die Bier hatten anscheinend auch schon auf Zeugler Dani eingewirkt, immerhin versuchte er, eine Tschechin anzugraben, und als ihr Freund dazu kam, beschimpfte er ihn frustriert und keppelte dem Opa aus dem "kleinen Arschloch" gleich permanent vor sich hin - uns amüsierte dies natürlich köstlich, was Dani allerdings nicht wusste, war, dass die Freundin eben jenes Tschechen (und sein begeehrtes Objekt) Deutsch konnte hahaha... Überlebt hat er es trotzdem, vermutlich war er ihr doch irgendwie sympathisch ;)
Marathon samt Begleiter hingegen pennten (ohne den versprochenen Tunten) in ihrem Auto, und auch wir machten uns auf den Weg ins Hotel. Allerdings dauerte der Weg etwas länger, da Marias Arbeitskollege Max noch einen Baum herzen musste und uns zu erklären versuchte, dass der Baum keine Wurstsemmel essen wolle (Alf Poier lässt grüßen) - und rauchte dabei eine nicht angezündete Zigarette. Dani - vermutlich frustriert - bestieg inwzischen ein Verkehrszeichen.
Nach kurzer Besichtigung der Zimmer entschlossen wir uns zu schauen, ob wir noch irgendwo etwas Bier auftreiben konnten - was uns allerdings nicht gelang. Wieder beim Hotel angelangt, bekamen wir anfangs - trotz mehrerer Versuche - die Schlüssel nicht ins Schloss, sodass wir schon befürchteten, auf der Straße pennen zu müssen (die Schlüssel für die Autos hatten wir ja intelligenterweise bereits in den Zimmern deponiert). Schlussendlich gelang es uns doch, die Türe aufzubekommen (nachdem nach zehnminütigem Hämmern an der Türe kein Personal den Weg zur Türe gefunden hatte) und gegen vier in der Früh fielen wir alle in unsere Betten - und mützten mehr oder weniger gemütlich dahin, bis uns ein unglaublich ausgeschlafener Dani um neun in der Früh weckte und wir uns nach einer erfrischenden und aufbauenden Dusche über das Frühstück (inklusive lustiger Spielfiguren aus dem Kaugummiautomaten von 1985) hermachten.
Gegen 10:30 entschlossen wir uns, auch Tommi zu wecken, was uns aufgrund intensiven Hämmern an seiner Türe inklusiver aufgebrachter "Policia!"-Rufe auch mehr oder weniger gelang - ein "Geh scheißeeeeeeeeeeeeeee!" folgte, Tommi war wach...
Nach Begleichung der Zimmerrechnung trafen wir uns noch mit Radim samt Frau und Stiefsohn auf ein wiederum hervorragendes Mittagessen und nachdem ich mein restliches Geld dem Kleinen für seine Meisterleistung am Vortag zugesteckt habe, gings dann auch wieder gen Österreich - diesmal in strömendem Regen, der etwa bei der Grenze aufhörte - und diesmal wurden wir vom tschechischen Beamten genauerstens gemustert haha...
Über Wien und kurzem Zwischenstopp in Leoben gings dann für mich wieder gen Kärnten - und hiermit ist meine Geschichte beendet, ich hoffe, es hat euch genau so gut gefallen, wie mir... Und nochmals ein herzliches Danke an Meisterübersetzer Tommi, den Kinderrrrrrrrrrrrrfickkkerrrrrrrrrrrrr und ein zwet-zwat-zwudelzwut zwetzwet-hurrrrrrraaaa an sämtliche Beteiligten.


Macabre
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Beitrag vom 22.09.2002
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