MILWAUKEE METAL FEST XVI  
26.07.2002 @ U.S. Cellular Arena

Gleich mal vorweg: 140 Bands an zwei Tagen sind zuviel - man übersieht einfach zuviel bei je zwei Bühnen in zwei Räumen, d.h. je ca. 35 Bands pro Tag in auf jeder Bühne. Wir haben uns dann eigentlich dafür entschieden, uns in die Haupthalle zu begeben, da es dort erstens angenehm kühl war und zweitens auf den anderen Bühnen die extrem derbe Abteilung zu finden war, also extremer Death, Black und Grindcore.
Auf jeden Fall muss man sagen, dass auch der US-Underground bei weitem mehr Masse als Klasse zu bieten hat. Von den ca. 70 Bands, die ich gesehen habe, hat es gerade mal eine Handvoll geschafft, herauszustechen. Der Großteil der Bands hatte sich dem Death Metal verschrieben und es waren fast alle stark MORBID ANGEL-beeinflusst.
Die ersten beiden Bands, die sich von der Masse abhoben waren NIHILIST und MIDGARD. NIHILIST, eine sehr junge Band aus Kalifornien, überzeugte mit stark SLAYER-beeinflussten Thrash, der zwar stellenweise noch sehr holprig wirkt, aber durchaus großes Potential hat. MIDGARD wussten mit einer sehr melodischen Variante des Death Metals zu überzeugen. Die ebenfalls noch sehr junge Band aus Colorado wusste auch in Punkto Stageacting zu überzeugen. Wenn sie so weitermachen, könnte durchaus etwas aus ihnen werden.
Sehr überzeugend war auch der Auftritt von HATE ETERNAL, der Band rund um MORBID ANGEL-Gitarrist Eric Rutan. Professionell, gutes Stageacting und auch guter Sound. Der einzige Minuspunkt ist, dass man doch fast 1:1 wie MORBID ANGEL klingt.
Abseits des Death Metals wussten eigentlich nur zwei Bands so wirklich zu überzeugen: PREMONITION und HAVOC HATE. Die Floridianer PREMONITION begeisterten die Menge mit purem Heavy Metal. Ihr aktuelles Album "Prozac and razor blades" promotend überzeugten sie mit Spielfreude und extremer Power. Der charismatische Sänger hatte die Menge von Beginn an im Griff und der Rest der Band spielte alles in Grund und Boden. Das ist wahrer Metal, dagegen sind all diese italienischen "True Metal Bands" und sogar HAMMERFALL oder auch PEGAZUS nur ein müder Abklatsch. Die zweite Band – HAVOC HATE – aus New York zelebrierten eine Mischung aus Metal mit Speed- und vereinzelten Westcoast-Metal-Einflüssen. Live sehr energiegeladen und druckvoll kann man schon auf das kommende Album gespannt sein.
Sehr erfolgreich verlief auch der Auftritt des einzigen österreichischen Vertreters – SPEARHEAD. Die Eferdinger wussten in 25 Minuten das Publikum mit älterem Material ("Bloody Ways") als auch mit ganz neuem ("Highscore") zu überzeugen und die Leute vor der Bühne zum Bangen zu animieren. Die Mischung aus Death und Thrash kam sehr gut an - daraus resultierend auch der Deal mit Crash Music, der in den nächsten Tagen wohl unterschrieben wird .
Kommen wir nun zu den bekannteren Acts: Auch wenn sie nicht so mein Fall sind, bewiesen ARCH ENEMY, dass sie zur Zeit zur Oberliga im Death-Bereich gehören. Die Band rund um die Amott-Brüder zelebriert technisch perfekten Death und Ex-MERCYFUL FATE Bassist Sharlee D’Angelo ist ein echtes Tier. Sängerin Angela Gossow gröhlte, dass es nur so eine Freude war. Dagegen war Sabina Claassen richtiggehend harmlos.
Dafür enttäuschten die hochgelobten NILE auf ganzer Linie. 08/15 Death, der irgendwie so an allen vorbeiging. Genial dagegen waren DEW SCENTED. Stark SLAYER-beeinflusst waren die Deutschen das eigentliche Highlight des Events. Spielfreude, gepaart mit technischer Perfektion und einer Wahnsinnspower. Thrash at it’s best!!
Ganz netten Metal spielten dann JAG PANZER. Leider wurde der eigentlich sehr gelungene Auftritt von schlechtem Sound begleitet und der Gesang war zum Ende zu auch schon ziemlich nervend.
Positiv überraschten mich dagegen SEVEN WITCHES. Hatte ich bisher ein Problem mit dem Gesang wurde ich live dann doch eines Besseren belehrt. Gut gemachter Metal, der die Meute zum Bangen animierte. Der Gesang kam klar und druckvoll, so wie es sein soll, und instrumental war man eh schon immer top.
Sehr interessant war dann der Auftritt von den Bay Area Thrashern VIO-LENCE. Lange hat man nichts von ihnen gehört, aber die Jungs um Phil Demmel wissen noch immer wo es langgeht. Songs wie "Phobophobia", "Calling the coroner" und "Kill on command" knallen noch immer so wie damals. Man fühlte sich 30 Minuten lang in die Zeit zurückversetzt, als die Bay Area Bands das Maß aller Dinge waren. Man kann nur hoffen, dass dies kein einmaliges Auftreten war, sondern dass es weitergeht, auch wenn am Bass MACHINE HEADs Adam Duce für den verhinderten Deen Dell einspringen musste.
Danach präsentierten uns EXODUS eine weitere Portion Bay Area Thrash. 45 Minuten "good friendly violent fun" in Erinnerung an den verstorbenen Paul Baloff. Vor der Bühne bildete sich ein großer Moshpit und die Leute gaben so richtig Gas - hab ich bei uns schon ewig nicht mehr gesehen. EXODUS spielten sich durch ihr gesamtes Material und hatten auch einen brandneuen Song im Programm ("Blood Red"? Habs nicht so genau verstanden...), was Anlass zur Hoffnung gibt, dass doch wieder ein neues Album kommt. Sie haben es immer noch drauf, die Leute live mitzureißen – Bonded by blood forever!!!!!!!
Den Abschluss des Festivals bildeten DRAGONLORD, die Band um TESTAMENT-Gitarrist Eric Peterson. Angesagt wurden sie von niemand geringerem als Chuck Billy persönlich, der sich am zweiten Tag des Festivals sehr publikumsnah zeigte. Nächstes Jahr kann man wieder mit TESTAMENT rechnen. Leider war es auch die Enttäuschung des MMF. Zum schlechten Sound gesellte sich neues Songmaterial, das eigentlich komplett nichtssagend ist und keineswegs im Ohr hängen bleibt, dafür ist der Black Metal-Einfluss noch mehr geworden. Auch wurde angekündigt, dass man einige TESTAMENT-Songs mit Chuck Billy spielen würde, woraus leider nichts wurde. Sehr zum Leidwesen vieler Anwesender, die eigentlich nur deshalb bis zum Schluss blieben. Schade eigentlich.

Fazit: Ein perfekt durchorganisiertes Festival mit viel zu vielen Bands. Leider war es heuer das schlechtbesuchteste MMF seit langem. Jeden Tag nur etwa 2000 Besucher. Hätte sich mehr verdient. Liegt vielleicht auch daran, dass einige Namhafte Bands im Vorfeld absagen mussten, wie CANDLEMASS, BRUCE DICKINSON oder ROB HALFORD. Wenn man gerade in den USA ist wenn dieses Festival stattfindet, sollte man aber trotzdem hinschauen - es lohnt sich allemal!
www.metalfest.com

Thomas Bauer

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Beitrag vom 22.09.2002
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