CANNIBAL CORPSE   DEW-SCENTED   SEVERE TORTURE   VIU DRAKH  
11.10.2002 @ Arena

Death Metal-Gewitter, die dritte - nach DYING FETUS und VADER in den Wochen davor, machten diesmal Altmeister CANNIBAL CORPSE mit der grandiosen neuen EP "Worm infested" sowie hochkarätigem Support in der Arena halt, um etwas Abwechslung in den Alltag zu bringen. Im Schlepptau hatten die Amis neben ihren kleinen Brüdern SEVERE TORTURE aus Holland - Review zum grandiosen "Misanthropic carnage" übrigens ebenfalls diese Ausgabe - auch noch die deutschen Thrashgötter DEW-SCENTED sowie VIU DRAKH, die sich zwar im Underground schon einen guten Namen erspielen konnten, mich aber bisher noch nicht so richtig begeistern konnten.
Angeblich boten eben jene deutschen Extremdeather aber diesmal eine hervorragende Show als auch das Material live um einiges druckvoller und aggressiver als auf Platte rüber kam - ich verpasste VIU DRAKH jedoch, kann man auch nix machen.
Auf jeden Fall wurde ich durch SEVERE TORTURE mehr als gebührend entschädigt, welche ihren Vorbildern aus Florida nicht nur songwriterisch immer ähnlicher werden: kürzlich wurden die äußerst sympathischen Holländer vollständig aus der Schweiz gebannt, "zu extrem, zu obszön, zu abstoßend" seien ihre Texte und grafischen Darstellungen - das haben nicht einmal CANNIBAL CORPSE geschafft...
Auf die Frage, ob man das auf Platte mehr als nur starke Material live auch derart wuchtig und tight umsetzen konnte, kann ich nur mit einem eindeutigen "Ja!" antworten. Dank eines wieder einmal hervorragenden Sounds (obwohl für so manche die Bass zu stark im Vordergrund stand) sowie perfekt aufeinander eingespielten, äußerst talentierten Musikern konnten sie auch bei ihrem bisher erst zweiten Auftritt in Österreich (erster mit MACABRE, BROKEN HOPE und den APOKALYPTISCHEN REITERN im Jänner 2001, wenn ich mich recht erinnere) einen Großteil der Anwesenden mitreißen. Die Bühnenshow war ebenfalls hervorragend - einzig und allein Zeugler Seth musste zwangsläufig auf seinem Platz verweilen, während der Rest der Partie ständig in Bewegung war und vor allem Basser Pat mit Webster-ähnlichem Stageacting begeisterte sowie der beinahe permanent breit grinsende Fronter Dennis äußerst stark an die seeligen Zeiten, als noch Chris Barnes bei den Kannibalen das "Sagen" hatte, erinnerte...
Im Prinzip wäre es eigentlich egal gewesen, ob SEVERE TORTURE nur alte, nur neue Songs oder einen Querschnitt aus allen bisherigen Veröffentlichungen geboten hätten (letzteres war übrigens der Fall) - wie auch CANNIBAL CORPSE zu ihren Anfängen ähneln sich die einzelnen Tracks zwar sehr, Schwachpunkte finden sich aber bei keinen der Partien wirklich. Somit waren die Holländer ein passender Support für den Headliner, der der Meute so richtig schön einheizte...
Hierauf gings mit äußerst gutem Thrash aus dem Hause DEW-SCENTED etwas ruhiger - oder zumindest geradliniger - an die Sache heran, sozusagen als kleine Verschnaufspause (welche aber auch nicht wirklich genützt werden konnte haha)...
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als ich die Deutschen DEW-SCENTED (zur "Ill-natured"-Zeiten) als DISMEMBER-Ersatz im Vorprogramm zu ANNHILATOR und OVERKILL in Salzburg gesehen habe - schon damals ist mir die Kinnlade bis zum Boden gesackt und schon damals war die Stimmung mehr als nur wüst, diesmal setzte man aber noch deutlich einen drauf. Verstärkt durch Hendrik an der zweiten Gitarre und mit einem unbarmherzigen Mördersound gings durch das komplette Programm der mittlerweile schon beinahe zehn Jahre andauernden Bandhistory - und das merklich tighter und spielfreudiger als am diesjährigen Metalfest in Wien (wo ich die Jungs leider verpasst habe), da auch das Publikum diesmal deutlich besser drauf war und der Funke gleich bei den ersten Tönen sofort rüber sprang. Leider musste man die Spielzeit etwas kürzen, sodass das geplante (und auf "Inwards" befindliche) SLAYER-Cover "War ensamble" nicht zum Besten gegeben werden konnte, aber dennoch gabs ne mehr als nur gute halbe Stunde feinsten Thrash in Reinkultur, hie und da leicht melodisch, größtenteils aber unbarmherzig und mit einer immensen Durchschlagskraft - ähnlich wie SLAYER zu göttlichen "Reign in blood"-Zeiten, nur etwas moderner vielleicht... Hervorragend!
Als dann CANNIBAL CORPSE die Bühne betraten, war klar, weswegen der Großteil der Anwesenden an diesem Abend erschienen war - klar, die Mannen um Basswunder Alex Webster sind nachwievor vor allem live eine top Partie, aber in unseren Gefilden doch auch keine Ausnahmeerscheinung mehr. Wie gewohnt mit einem Mördersound und einer brachialen Präzesion, wie es nicht viele Partien zu Stande bringen, gings kreuz und quer im Eilzugstempo durch die komplette Discographie der Floridaner, wobei man sich diesmal eher auf älteres Material konzentrierte, was mich persönlich besonders freute - zumal mit "Addicted to vaginal skin" ("Our love song for the ladies in here...") ein Song gespielt wurde, der bisher nur selten seinen Platz im Liveprogramm der Kannibalen fand.
Auch sonst gab man sich jegliche erdenkliche Mühe, die alten Anhänger zufrieden zu stellen - eröffnet wurde wie (fast) immer mit "Staring through the eyes of the dead", und auch Übernummern wie "A skull full of maggots", "I will kill you", "Devoured by vermin", "Pounded into dust", "Hammer smashed face" und natürlich "Disposal of the body" durften nicht fehlen - ganz ehrlich, mir tun die Deutschen herzlich leid, die zumindest live auf die besten Nummern verzichten müssen...
Natürlich gabs auch einige neuere Nummern von "Gore obsessed", die aber beim Publikum nicht minder gut ankamen - kein Wunder bei derart fantastischen Highspeed-Nummern wie "Pit of zombies", "Dormant bodies bursting" oder "Mutilation of the cadaver", allerdings musste man sich schon in Acht nehmen, dass man nicht von wie von der Tarantel gestochenen Irren "über den Haufen gesprungen" wurde. Dennoch herrschte wieder jenes unausgesprochenes Einverständnis, jedem, der hingefallen war, seine Hand zu reichen, Stagediver aufzufangen und auch mal lachend ein drübergeschüttetes Bier zu akzeptieren - ist ja auch verständlich, denn CANNIBAL CORPSE hatten schon lang nicht mehr ein derart gutes Programm, welches nicht nicht nur wie gewohnt tight runtergespielt wurde, sondern auch noch weit über eine Stunde dauerte - und sogar Steinsäule Jack hie und da zum deutlich merkbaren Bangen anregte.
Erstaunlicherweise versuchte Corpsegrinder erstmals offensichtlich, wie Chris Barnes zu klingen, auch wenn er etliche seiner kennzeichnenden Schreie einbaute. Mittlerweile dürfte sich der sympathische Fronter aber genug etabliert haben, sodass vereinzelte "Fuck you Corpsegrinder!"-Rufe meiner Meinung nach nicht sonderlich angepasst waren. Gut, Chris Barnes war großartig - aber ich denke kaum, dass er das neue Material ähnlich passend wie George untermalen hätte können.

Um den eh schon perfekten Abend noch gemütlich ausklingen zu lassen, gings wie sonst auch noch kurz ins Beisel - aus einem Bier wurden mit der Zeit aber immer mehr, da sich nach und nach nicht nur Hendrik und Leif (DEW-SCENTED - Danke fürs Bier!) zu unserer kleinen Runde dazu gesellten, sondern auch noch SEVERE TORTURE in voller Größe sowie auch George und Alex von den Kannibalen, mit denen natürlich auch noch mehr als nur ein paar Worte geplaudert werden mussten.
Da auch die Musik passte, gabs bis kurz vor sechs in der Früh jedenfalls eine hervorragende Stimmung - mal wurde nur gemütlich ein Bier nach dem anderen getrunken, mal sprang man wie verrückt zu zweit oder zu dritt zu den Klängen von SEPULTURA, WASP oder PANTERA im Kreis herum, mal alberte man einfach nur (merklich angeheiertert) wie die Blöden herum oder stand laut singend am Klo und pinkelte gemütlich vor sich hin... Irgendwann bin ich dann wohl auch kurz mal eingenickt, weil als ich wieder aufwachte, fand ich mich mit Flyern dekoriert - wenigstens haben sich Pat und Thijs (Bass, beziehungsweise Gitarre - SEVERE TORTURE) köstlich amüsiert hehe...
In Arscheskälte gings dann kurz vor Sechs jedenfalls wieder heim ins warme Bettchen - das war wohl doch etwas gemütlicher als die Bank im Beisel...

Herzlicher Dank geht diesmal an:
- Alex Wank, wie immer für großartige Unterstützung
- Hendrik und Leif von DEW-SCENTED für die Biere
- Alex von den Kannibalen für die CD


Macabre
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Beitrag vom 20.10.2002
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