DIE BÖSLINGE    FRONTAL   
01.11.2002 @ Fred Sega

Als „Dinosaurier des Punks“ firmierte diese Veranstaltung am Allerheiligentag im Welser Musicpub Fred Sega. Einen passenderen Namen hätte man diesem Event nun wirklich nicht verpassen können, da an diesem Abend wohl die dienstältesten Punkrockbands Österreich gemeinsam ein Stelldichein gaben.

Als 1. Band betraten die Lokalmatadore FRONTAL die Bretter. Diese formierten sich Anfang der 80er, und sind nach einer über 10-jährigen Schaffenspause seit rund 5 Jahren wieder aktiv. Keine Frage, dass FRONTAL mittlerweile auf einen beachtlichen großen Fundus an Song zurückgreifen können. Und genau dies taten sie auch, indem sie das Konzert für eine musikalische Reise durch alle wichtigen Phasen der Bandgeschichte benutzten. Neben Punksongs der 1. Stunde wie „Keine Ahnung“, eher poppig klingende Nummern wie „Halb acht“ oder „Kalt“, oder neuer Songs wie „Wir sind keine Engel mehr“ oder „“Viel zu viel“, wurden auch eine Handvoll Coverversions wie „Der Passagier“ (IGGY POP – „The passenger“), „Tina ist ein Punkrocker“ (RAMONES „Sheena is a punkrocker“), sowie das unvermeidliche KFZ-Cover „Folta für John Travolta“. Umrahmt wurde die gelungene Show von einer imposanten kleinen Lasershow. Alles in allem eine recht gute Performance einer Band, die sich allerdings schon lange nicht mehr einzig und allein auf Punk versteift, sondern durchaus gewillt war und ist, ihr Soundspektrum mit Einflüssen u.a. aus den Bereichen NDW, Deutschrock , oder der typischen Popmusik der 80er Jahre usw. zu erweitern.

Es folgten DIE BÖSLINGE aus Wien, die zum ersten Mal überhaupt in Oberösterreich aufgeigten, und in mancherlei Hinsicht (Karriereverlauf) markante Gemeinsamkeiten mit FRONTAL aufweisen. DIE BÖSLINGE entstanden übrigens 1979 als eine der ersten Punkbands in Österreich. Zwischenzeitlich kam es zum Split, ehe man sich anno 2000 wieder zu einem Comeback entschloss. Was DIE BÖSLINGE allerdings deutlich von FRONTAL unterscheidet, ist das Faktum, dass sie ihren Stil treu blieben und noch heute eben so rauen und ungeschliffen Punk spielen. Wobei bei dieser Band die Texte eine wesentliche Rolle spielen. Diese sind in Wiener Mundart verfasst, und ausgesprochen derb und kritisch gehalten. Auf textlicher Ebene werden typische Feindbilder der Punkszene wie die Exekutive („Scheiß Kibarei“, „Polizeistaat“), Politiker („Hump Dump“), das Bundesheer („gegn`s militär“) oder Rechtsradikale („Nazis raus“) angeprangert. Diese Art von Texten brachte natürlich mit sich, dass die Performance (v.a. wegen der eigenwilligen Ausdrucksweise) einen fast schon kabarettistischen Charakter innehatte. Auch einige Coverversion wurde zum besten gegeben, allerdings beschränkte man sich vorwiegend auf Bands der Wiener Punkszene wie DIRT SHIT („Discoscheissa“) oder MORDBUBEN AG („Heimatland“). DIE BÖSLINGE kamn schlußendlich derart gut beim Publikum an, dass sie einfach als Zugaben zwei Songs noch einmal spielen mußten. Insgesamt ein durchaus interessanter und vor allem amüsanter Abend. In naher Zukunft wird es beide Bands im Doppelpack auch in Wien live zu sehen geben.


Hutti
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Beitrag vom 17.11.2002
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