3 FEET SMALLER   SHLONG   PRIDE & SHAME   SIDE EFFECT  
01.02.2002 @ Posthof

Der Februar jedes Jahres ist nicht nur als die Hochzeit des Faschings anzusehen, sondern auch immer jener Zeitraum, in dem die Crew des Linzer Posthofes die mittlerweile längst als Tradition anerkannte Heimspielserie präsentiert, wo jungen Künstlern jeglicher Art die Chance gewährt wird, ihr Können auch einem unter Umständen größeren Publikum vorzustellen.

Diese Veranstaltung läutete also diese bewährte Serie ein, und der Andrang war überraschenderweise sehr groß. Die Ehre das Ereignis zu eröffnen wurde SIDE EFFECT aus Wien zuteil, die seit geraumer Zeit unter dem Banner "Punkrock" durch die österreichische Musiklandschaft tingeln. Im Gegensatz zu manchen Kollegen schränkt sich das Quartett allerdings stilistisch nicht zu sehr ein, was zur Folge hatte, dass man sich keineswegs über aufkommende Langeweile während des Gigs beschweren musste. Die Zuseher, die von der Darbietung angetan wirkten, wurde auch gekonnt in die Show miteinbezogen, und auch die Animationen fruchteten, so dass SIDE EFFECT mit ihrem Punkrock mit leichtem Pop-Appeal sich über ansprechendes Feedback freuen konnten.

Musikalisch in eine ähnliche Richtung ging die nächste Band PRIDE AND SHAME, für welche der Name der Veranstaltung an diesem Abend Programm war, denn sie kommen aus Linz. In Kürze ist der Release des mittlerweile 3. Werkes der Combo (auf Suspect Records) geplant, und im Laufe der Jahre scheinen sich die Jungs eine ansehnliche Menge an Fans erkämpft haben, denn die Stimmung war geradezu sensationell. Sänger Christian Gerber feuerte die Menge noch zusätzlich an, indem er diese zum Stage Diving animierte, was dazu führte, dass ein besonders akrobatisch veranlagter Typ einen Salto vorwärts von der Bühne herab schlug. (Dear kids, don`t try this at home!!) Der äußerst melodiöse Punkrock der Stahlstädter traf also voll und ganz den Nerv des Publikums. Und dies ist insofern eigentlich erwähnenswert, da dieses nicht wirklich aus „real Punks“ bestand, wie man sie bei Konzerten im Ann & Pat oder in der Kapu antrifft, sondern eher um jugendliche MTV- und FM-4-Konsumenten, die mit Punkrock ideologisch nicht viel am Hut haben, aber dennoch ein Faible für solche Art von Musik besitzen.

Die nächste Band hörte auf den Namen SHLONG (Tirol), und ist im Gegensatz zu den anderen aufspielenden Bands nicht so eindeutig mit der Stiletikette "Punkrock" zu versehen, denn ihre Musik ist meiner Ansicht nach vielmehr als Mischung aus Indie Pop, Alternative Rock und Punkrock zu verstehen. Weiters stellte sich rasch heraus, dass die Band nicht wirklich "zum Lachen in den Keller geht", denn extremste technische Schwierigkeiten ( am Bass) konnte mit pointierten Meldungen im schönsten Tiroler Dialekt sowie allerlei anderer witziger Aktionen erfolgreich entdramatisiert werden. Aber auch rein musikalisch gesehen war die Darbietung bei Gott nicht von schlechten Eltern, und man hinterlies zumindest bei mir einen sehr guten Eindruck.

Als Abschlußact hatten sich 3 FEET SMALLER aus der Bundeshauptstadt angesagt, und diese wurde von der Meute so sehr abgefeiert, dass man meinen könnte, eine international agierende, renommierte Band stünde auf der Bühne. Der Sound der Jungs entpuppte sich als (no,na) melodischer Punkrock amerikanischer Prägung und die Herren konnten sich sogar Anfeuerungsversuche erlaubten, die für 80 % der heimischen Bands tabu sein dürften, denn nicht jeder hat das Glück so eine große, begeisterungsfähige Menschenmenge auf seiner Seite zu haben, und ansonsten besteht eben jederzeit die Gefahr der Blamage, wenn die jeweilige Aktion von den Fans boykottiert wird. Ihre Stücke, die auch schon mal auf FM 4 zu hören waren, wurden also äußerst euphorisch aufgenommen. Bei einem Song der einige Rap-Parts enthielt, wurde kurzerhand die Kollegen von SIDE EFFECT auf die Bühne gebeten, die eben dann diesen Teil des Gesanges übernahmen. Wenig später konnte mit einem weiteren Gaststar aufgewartet werden: Der Sänger von SHLONG lieferte unter dem Pseudonym "Ernst(l) aus Osttirol" eine gelungene DJ ÖTZI-Parodie (!) ab, indem er dessen Hit Hit "Hey, Baby!" intonierte und auch sonst dessen typische Ansagen bzw. Bewegungen perfekt imitierte. Abschließend sei erwähnt, dass ich hoffe, dass der Zuschauerboom bei Heimspielveranstaltungen weiter anhält, damit auch die letzten Zweifler davon überzeugt werden, dass es auch in hiesigen Gefilden durchaus talentierte Gruppen gibt, auch wenn dies bekanntlich in den größeren Medien gerne bestritten wird.


Hutti
Weitere Beiträge von Hutti


Zurück

Beitrag vom 25.02.2002
War dieser Bericht
interessant?

344 Stimme(n)
Durchschnitt: 5.35
Diesen Beitrag bewerten:
  
Diesen Beitrag per E - Mail verschicken:
An:
Von:
Kommentar: