SEEDS OF SORROW    PUNISHMENT    PARENTAL ADVISORY    FATALITY   MINCING FURY  
07.02.2003 @ Zu-Ga-Be

Attackment – ein Wortspiel, dass allen Anschein nach im „Attachment“ seinen Ursprung hat. Was ein Attachement ist, wissen wir ja – das was bei vielen E-Mails stets mitzusenden vergessen wird. Also ein „Anhang“ oder eine „Beifügung“. Mit diesem Wissen ausgestattet können wir auch die Bedeutung des Wortes Attackment herleiten: Attackierung in etwa. Ja, und eine Attackierung auf Lauscher und Nacken sollte es auch werden.

ATTACKE!!!

PARENTAL ADVISORY durfte als erste Band dieses Abends das Auditorium gehörig attackieren. Wie immer hatten sie eine Extraportion groovigen Death/Grind im Depot und das gefiel nicht nur mir, sondern auch den deutlich über 100 Konzertbesuchern, die sich zeitgemäß eingefunden hatten. Sie schafften es im Nu, gute Stimmung zu erzeugen – kein Wunder, so wie diese Deathwalze dahinrollt. Dazu kommt noch, dass man den Jungs den Spaß am Spielen sofort ansieht - da wird geposed, gesprungen, in die Saiten gehauen was das Zeug hält. Bei der vorletzten Nummer, just als ein sehr Hardcore-lastiger Riff angestimmt wurde, brach es dann endlich aus: Das Moshvirus war frei und die Stimmung sollte meiner Meinung nach schon jetzt ihren Höhepunkt erreicht haben! Auch das Hauptthema aus EMINEMs „Without Me“ wurde kurz während einer Nummer angespielt – sehr cool! Nach dem letzten Song wurden die vier Jungs nochmals mit Zugabe-Rufen auf die Bühne gebeten und es folgte eine Anti-Black Metal Grindcore-Nummer mit Widmung an einen wohl nicht sehr beliebten Black Metaller der Szene. Gitarrist Otto durfte Hand ans Mikro anlegen und gab daraufhin Vollgas. Ich denke, so schnell werde ich seinen Gesichtsausdruck nicht vergessen können.
Gerüchten zufolge, sollen die PARENTALS demnächst einen Silberling aufnehmen...na da sind wir doch schon Feuer und Flamme wir sehr das Teil fetzen wird!

Fetzen ist auch gleich das passende Stichwort zu MINCING FURY (eigentlich MINCING FURY AND GUTTERAL CLAMOUR OF QUEER DECAY (thanks to Eugen@Resurrection), was man u.a. so übersetzen könnte: affektierter Zorn und gutturales Geschrei einer schwulen Verwesung, denn die Burschen polterten dahin wie ein 300km/h schneller, entgleister ICE und viel anders hörte es sich auch nicht an. Extremer Grindcore ... extrem krank, extrem wild, extrem extrem. Für mich wurde es erst interessant, als sie nach etwa vier Nummern zumindest Teilweise das Tempo drosselten und sich dann und wann fette, satte Riffs als gelungener Kontrast zu dem erbarmungslosen Bebolze gesellt hatten. Aus einer gebrochenen Mischung aus Deutsch und Englisch („We don’t speak sprechen sie deutsch...“) vernahm ich das Wort Psycho, wo wir auch schon beim nächsten Stichwort sind. Der Sänger KANN nicht normal sein! Ich vermute, er bedient sich inverser Vocals (Luft geht beim Schreien rein statt raus). Jedenfalls hörte sich das, was er von sich gab so an, wie wenn man einen fetten Hamster langsam mit einem Stabmixer bearbeitet (nein, ich habs nicht ausprobiert, aber das hört sich bestimmt so an!). Ein Quietschen und Grunzen sondergleichen (Tipp von mir, einfach das Review zum HOMIMO FEST im Sommer 2002 durchlesen; Anm. v. Macabre)! Und dann noch die dazupassende Mimik und Bühnenshow (Fotos!) – echt arg der Typ! Der zweite Sänger, der für die tieferen Vokalen Frequenzen zuständig war mutierte daneben zum Statisten... Für zwei Nummern wurden auch Gastsänger auf die Bühne zitiert. Einmal ein Mädel, das einen fünf Sekunden langen, von Gitarren u. Drumkit begleiteten Schrei los lies (= erste der zwei Nummern) und einmal ein Typ, der wieder mit Begleitung einen Grunzer inhalierte (also wieder inverse Vokals, das war übrigens der zweite Nummer mit Gastgrunzer). Also auch bei MINCING FURY kam der Spaß keinesfalls zu kurz.

Dann war es auch schon für SEEDS OF SORROW soweit! Schon beim letzten Mal, als ich sie sah (nämlich beim Metalfest Vienna) war ich von der Wandlung dieser Band sehr begeistert. Verschnörkselte, oft undurchblickbare Songs wurden entflochten und geradliniger arrangiert, was einfach direkter ins Ohr geht und live ja absolut kein Nachteil ist, und außerdem dadurch viel mehr treibt! Das Gute dabei ist, dass das hohe technische Niveau immer erhalten bleibt und so jede Nummer für sich eine anspruchsvolle Komposition darstellt. Besonders die durchdachten Übergänge und Breaks machte den Auftritt der „SEEDS“ zum besonderen Vergnügen. Auf SKULL CRUSHER-Niveau ist man zwar noch nicht ganz, doch hat SEEDS OF SORROW meiner Meinung als eine von wenigen österreichischen Bands das Potential, einen ähnlichen Status zu erreichen. Doch es gab bei Gesprächen nach dem Konzert auch ein paar kritische Kommentare, die keinesfalls unberechtigt waren. Diese betrafen einerseits die teilweise schwache Bühnenshow und andererseits, dass die Nummern allesamt sehr gut sind, aber es ihnen untereinander dann doch wieder ein wenig an Unverkennbarkeit fehlt. Während der zweite Punkt sehr subjektiver Natur ist, ist der erste leider Faktum - auch wenn es sicher nicht zutrifft, scheint es zumindest so, als ob die einzelnen Nummern nicht wirklich mit Begeisterung gespielt wurden. Dass sich das natürlich auch auf das Auditorium auswirkt ist klar. So kam leider auch nur bei dem gelungenen MEGADETH-Cover von „Symphony of Destruction“ richtig Stimmung auf, was nicht heißen soll, dass die Fans vor der Bühne nicht mit rhythmisch nickendem Haupt ihr gefallen am übrigen Dargebrachten bekundeten. Lediglich Sänger „Aig“ war permanent in Bewegung und auch sein Gesang war an diesem Abend von besonderer Güte. Mir schien, dass er nicht ganz so tief runter ging mit seinen Gegrunze, dafür jedoch den gewonnen Spielraum für etwas mehr Ausdruck und Aggressivität nutzte, und das sehr gut! Außerdem erinnern mich seine Gesangsrhythmik nach wie vor an jenen von Dave Ingram (ehem. BENEDICTION, jetzt BOLT THROWER). „Immortal Junkies“ war jene Nummer, die mir während den 55 Minuten Spieldauer am besten gefiel und „Immortal Junkies“ soll auch das neue Album betitelt werden, welches ab 15.3. in den Wiener Metarmorphosis-Studions aufgenommen werden soll!

Mit dem „Knight Raider“-Thema begann auch schon der Auftritt von PUNISHMENT. Dieses Intro passt im Nachhinein betrachtet ohnehin viel besser zur Band als das alte, düstere. Eigentlich bin ich ja dafür, dass sich diese Band umbenennt, und zwar von PUNISHMENT auf Groovement, denn das ist es was diese Band auszeichnet: Groove, Groove und nochmals Groove ... bis zum Horizont nur Groove. Da prallt ein fetter treibender Riff auf den anderen, auf den Bass kann dabei sowieso zurecht geschissen werden, so fett wie Groovement ... aehm PUNISHMENT mit den zwei Gitarren klingt. Das Tempo hält sich fast immer in gemäßigten Regionen auf – man soll ja all dem Groove auch durch Headbanging Ausdruck verleihen können! Dass simple, fette Riffs im Midtempobereich nicht zwangsweise einen Gähnreflex hervorrufen müssen, haben ja schon Bands wie SIX FEET UNDER sehr gut vorgemacht, und genau so verhält es sich (noch) bei PUNISHMENT, denn die zwei Gitarreros können (noch) einen geilen Riff nach dem anderen vom Stapel lassen. Umso mehr spitzte man dann trotzdem die Ohren, wenn es Tempowechsel oder sogar einen Gitarrenpart mit Melodie gab. Besonders „Bullet Time“ war hier mein Favorit, der gleich mit einem ordentlich Blast eröffnet wurde. Dabei kam auch noch Fredl von PARENTAL ADVISORY als Co-Sänger auf die Bühne um mit Andi um die Wette zu grunzen. Dieses Duett war absolut gelungen und hätte ruhig noch länger dauern können. Auch gestagedived (ich liebe dieses Neudeutsch...) wurde ganz ordentlich, was ja stets ein Anzeichen von guter Stimmung ist. Wie auch schon bei den PARENTALS wurden einzelne Nummern „gewissen Elementen“ der Szene gewidmet. Ohne auf den Inhalt dieser Differenzen eingehen zu wollen, finde ich persönlich es schade, dass es in einer ohnehin schon so kleinen Szene noch zu solchen Auseinandersetzungen kommen muss.
Auch im Hause PUNISHMENT soll es bald Zuwachs in Form einer CD geben. Bitte „Bullet Time“ mit dem Fredl aufnehmen (Wird es auch... Anm. v. Macabre)!

Da es mittlerweile schon 10 nach Mitternacht war, als PUNISHMENT ihren Gig beendet haben, waren schon einige Konzertbesucher zur letzen U-Bahn geeilt, was natürlich für FATALITY eine nur mehr 1/2- bis 1/3-gefüllte ZU-GA-BE bedeutete. Kein Wunder, dass – zumindest wirkte es für mich so – FATALITY nicht mehr voll auf die Tube drückten. Dennoch boten die Tschechen (Death)Grind allererster Klasse: Straight, extrem aber dennoch sauber und kontrolliert. Der beleibte Frontgrunzer zog anfangs die Blicke mit einer Maske auf sich, mit der er die bösesten Fratzen zog. Aber ich finde, die hätte er gar nicht gebraucht, denn sein Organ sollte schon Aufmacher genug für ihn sein: Erstens zeigte er eindrucksvoll wie viele verschiedene Geräusche und Töne man aus seinen Stimmbändern hervorzaubern kann und zweitens kamen die tiefen Gruntz simpel und einfach gesagt nur unendlich gewaltig geil rüber: Mit einer Tiefe und gleichzeitigen Aggressivität, die ich noch selten wo anders gehört hatte, die seinesgleichen suchen *Neid*. Zu guter Letzt gab es auch noch ein Cover, bei dem nochmals ein quäntchen Stimmung in die ZU-GA-BE einkehren sollte: BRUJERIA (Sprich: Brucheria!), bei dem ja der ex-FEAR FACTORY Klampfer am Werken ist. Mit diesem kleinen Highlight endete auch diese Death/Grind-Attacke.

Zusammenfassend muss man dem Veranstalter Tom (der auch die Sticks bei SEEDS OF SORROW rührte) ein großes Lob für die Organisation aussprechen – die Pausen waren kurz und die Bands allesamt sehr gut, wobei mir MINCING FURY musikalisch am wenigsten zusagten – Geschmackssache! Auch der Sound war in Ordnung, obwohl ich mir persönlich ja (wie immer) eine lautere Kick sowie Druckvollere Gitarren gewunschen hätte.
Weiters erwarten uns von drei berühmtberüchtigten Szenebands hoffentlich bald Outputs – es tut sich also wieder ordentlich was und wir sind ordentlich gespannt!
Außerdem hat es mich sehr gefreut, wieder einmal ein Konzert in der ZU-GA-BE zu erleben. Diese Location vereint einfach faire Preise, relativ gute Bühne und Sound sowie gute Erreichbarkeit. Ich hoffe, dass die ZU-GA-BE für die Metalszene jetzt wieder lange offen ist und nicht wieder die Schotten dicht macht, was vermutlich größtenteils in den Händen der Veranstalter (gut organisierte Gigs mit guter Promotion und interessanten Band) und der Fans (zahlreiches Erscheinen und adäquates Benehmen (siehe TüWi)) liegen wird...

In diesem Sinne – auf bald in der ZU-GA-BE bei einem ebenso gelungenen Gig!


FOTOS + E-CARDS
www.seedsofsorrow.com

Martin
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Beitrag vom 16.02.2003
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