DANSE MACABRE   FINAL APHORISM    MISANTHROPIC MIGHT    DECOMPOSED CRANIUM    DIABOLICA      
28.03.2003 @ Planet Music

An einem erstaunlich lauen Märzabend machte ich mich auf gen Planet Music, um zu hören was der - an diesem Abend hauptsächlich Wiener - Underground so zu bieten hat.
Empfangen wurde ich von DIABOLICA, einer bis dato unbekannten Wiener Combo. Die 3 Herren und 2 Damen wussten die rund 60 bis 70 Anwesenden mit ihren melodischen Weisen durchaus zu erfreuen, vor allem da sie einen für einen Opener ausgesprochen annehmbaren Sound genossen. Aber die Fünf wussten nicht nur durch technische Gegebenheit zu begeistern, sondern lieferten einen mehr als passablen Einstieg zum angepriesenen "Melodic Sound Martyrum", denn melodic war, was sie den Anwesenden da vorstellten. Trotz des - ob der frühen Stunde - noch nicht besonders zahlreichen Publikums wurde munter aufgespielt und die solide Leistung der jungen Band wurde sehr wohlwollend aufgenommen. So kam's, dass das Publikum die Band nach rund einer halben Stunde mit einem eindringlich vorgebrachten Zugabe-Wunsch am Verlassen der Bühne hinderte. Man/frau kam der Aufforderung gern nach und konnte nach einem letzten Lied unter wohlverdientem Applaus die Bühne verlassen.
Als nächstes durften die Herren von DECOMPOSED CRANIUM ran, die extra aus dem fernen Wolfsberg angereist waren um das ansonsten rein Wiener Band Line-Up zu verstärken. Die 3 Kärntner erklärten mit ihrer Mischung aus Deathmetal und Grindcore kurzerhand "Melodic" für vorübergehend abgesagt und widmeten sich eher dem "Sound Martyrum", denn das Dargebotene wollte so gar nicht lieblich anmuten. Umso mehr wurde geknüppelt, gekreischt und geshoutet, was das mittlerweile auf gut 100 Leute angewachsene Auditorium sehr positiv aufnahm, denn wir wollen es ja schließlich mit den Mottos nicht so genau nehmen. Nicht weiter negativ fiel das Fehlen eines Bassisten auf und wenn man bedenkt, welchen unbändigen Bewegungsdrang sowohl Gitarrist als auch Sänger an den Tag legten, wäre wohl auch kein Platz für einen 4. Mann auf der Bühne gewesen. Es war fast schon beängstigend mitanzusehen, wie brutal der Herr an der Gitarre sein Instrument würgte und ich fürchtete, dass der Fronter sein Mikro jeden Augenblick endgültig schlucken würde. Aber die drei hatten nicht nur showmäßig was drauf, sondern lieferten auch eine musikalisch einwandfreie Leistung ab, die - abgesehen von einigen Midtempo-Parts - durchwegs auf höheren Geschwindigkeitslevels angesiedelt war. Einzig der - im Vergleich zum Opener DIABOLICA - etwas verwaschenere Sound störte ein bisschen und die vom Gitarristen beigesteuerten Gesangseinlagen gingen ziemlich unter, was aber natürlich nicht Schuld der Band ist. Bereits nach einer knappen halben Stunde verließ man die Bühne, nicht ohne jedoch - verstärkt durch einen sehr kurzfristig engagierten zweiten Gitarristen - eine Interpretation von Mayhem's "Deathcrush" zum Besten zu geben.
Auch die nächste Band MISANTHROPIC MIGHT nahm es mit dem "Melodic" nicht so genau und die 3 Wiener prügelten ihren kompromisslosen Black Metal à la MARDUK in die inzwischen doch recht zahlreiche Menge. Hier zeigte sich, dass es immer von Vorteil ist einen Tieftöner an Bord zu haben, da der Sound naturgemäß etwas voller und abgerundeter rüberkam als bei ihren Vorgängern - was deren Leistung natürlich nicht schmälern soll. Aber wenden wir uns wieder MISANTHROPIC MIGHT zu: In knappen 40 Minuten Spielzeit gönnten die drei weder sich noch dem Publikum nur die geringste Verschnaufpause und setzten mit ihren blas(t)phemischen Hymnen geschwindigkeitsmäßig dort fort, wo DECOMPOSED CRANIUM aufgehört hatte. Zwischendurch eingestreute Midtempo-Parts lockerten die tighte und sehr routiniert wirkende Performance gekonnt auf und auch das Image wurde durch die grimmigen Posen des Bassisten/Vokalisten durchaus gepflegt. Zu guter Letzt verabschiedete man sich mit einer sehr eigenwilligen Interpretation von "Metal Warriors" von MANOWAR.
FINAL APHORISM gingen es dann zwar nicht weniger technisch, aber doch um einiges melodischer und nicht mehr ganz so brutal an. Es wurde aufgespielt, dass es eine rechte Freude war und die eingängigen und sehr variablen Songs ließen einen nicht lange still stehen. Still stehen konnte auch der sehr agile Sänger nicht, der trotz der doch arg beengten Platzverhältnisse sehr umtriebig war. Hier fielen leider die Nachteile der seltsamen Gerüstkonstruktion, die angeblich für irgendein Clubbing am darauffolgenden Tag bereits vorbereitet worden war und fast die ganze Bühne einnahm, erstmals wirklich ins Gewicht: Während DIABOLICA das Platzproblem recht geschickt gelöst hatten und DECOMPOSED CRANIUM und MISANTHROPIC MIGHT einfach durch die geringere Anzahl an Akteuren im Vorteil waren, mussten sich die 5 Herren von FINAL APHORISM den Platz auf der Bühne schon sehr gut einteilen. Überhaupt fast ganz abgemeldet war leider die Keyboarderin der Band, die im hinteren Teil der Bühne die Tasten bediente und zu allem Überfluss auch vom Tontechniker anscheinend vergessen wurde. Somit war sie vom Publikum weder optisch noch akustisch wirklich wahrnehmbar. Aber das alles soll die Leistung der Band wirklich nicht schmälern, die unter diesen Umständen eine außerordentlich solide Leistung gebracht hat. Ich wurde dann gegen Ende des über 30 Minuten langen Programmes von einem Bekannten (Ich hab leider vergessen wer's war! Peinlich, peinlich, aber danke trotzdem!) durch dessen Hinweis auf gewisse Ähnlichkeiten zu alten IN FLAMES von dem nagenden Gefühl erlöst, den Stil näherungsweise von irgendwo zu kennen.
Als Headliner des Abends fungierten DANSE MACABRE und sie machten ihre Sache ausgesprochen gut. Aus einem mir unverständlichen Grund war das Auditorium inzwischen wieder geschrumpft, aber all jene, die sich auch nur eine Band an diesem Abend haben entgehen lassen, sind sowieso selber schuld. Der verbliebenen Hundertschaft wurde von DANSE MACABRE eine sehr extravagante Show geboten. Die fünf Herren rund um den neu rekrutierten Sänger heizten nochmal ordentlich ein, zwar melodisch aber ausgesprochen versiert und eingängig. Diesmal hatte der Tontechniker das Keyboard glücklicherweise nicht vergessen, was weitaus verheerender gewesen wäre als bei FINAL APHORISM und auch insgesamt kam mir der Sound noch um einiges gediegener vor. Wie dem auch sei, es machte auf jeden Fall sehr viel Spaß den Herren beim Werken zuzusehen und der Kontrast zwischen dem doch sehr emotional agierenden Sänger und den beiden Gitarristen, die mit ausdruckslosen weißen Masken spielten gab dem ganzen einen ganz eigenen Touch - sehr extravagant, wie gesagt! Als man nach ca. 35 Minuten Spielzeit bereits aufhören wollte, war das verbliebene Publikum so gar nicht damit einverstanden und so wurde noch ein Gusto-Stückerl in Form eines SEPULTURA-Covers serviert. Danach fiel leider endgültig der "Vorhang" und die weiteren Zugabe-Wünsche verhallten ungehört.

Fazit: Ein rundum gelungener Abend mit doch recht abwechslungsreichem Band-Line-Up! Wieder einmal wurden all jene Lügen gestraft, die behaupten, dass der österreichische Underground nichts zu bieten hat. Von der Professionalität und der Begeisterung mit der die Bands an diesem Abend zu Werke gingen, könnten sich einige bekannte Bands etwas abschneiden, vor allem solche, die glauben gute Live-Auftritte mittlerweile nicht mehr nötig zu haben. Ich bin mir sicher, dass man von allen 5 Bands die sich hier präsentiert haben noch hören wird und es ist erfreulich zu sehen, dass Großveranstaltungen wie das „Kaltenbach Open Air“, „Metal to the Metals“ usw. jungen Bands die Möglichkeit bieten, zusammen mit bekannten Bands vor (hoffentlich) großem Publikum aufzutreten. Aber Großveranstaltungen allein machen's nicht aus und viele Bands, die anderswo nur als Support zu sehen sind, sind es auf jeden Fall wert auch im Rahmen kleinerer Konzerte vor einer größeren Anzahl Leute zu spielen, also SUPPORT THE UNDERGROUND!

P.S. Vielen Dank an Kami, dass sie mir ihre Digitalkamera zur Verfügung gestellt hat!


Christoph
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Beitrag vom 02.04.2003
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