INFERNO-FESTIVAL: THE KOVENANT   TAAKE   VADER   PERISHED   ENTOMBED   GRAND ALCHEMIST   BELPHEGOR   LOST AT LAST   1349   ALSVARTR  
17.04.2003 @ Rockefeller/John Dee, Oslo

Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und frühlingshafte 16 Grad würden einen Unwissenden nicht vermuten lassen, welches Inferno sich am Osterwochenende in Oslo abspielen würde: DAS Inferno schlechthin, das größte Metal-Festival in ganz Norwegen. 30 Bands aus dem In- und Ausland gaben sich hier die Ehre. Bereits am Vormittag spukten die ersten schwarzgekleideten Gestalten in der Stadt herum. Gegen Mittag machten wir uns, vom Vorabend noch etwas erschöpft, zum Festivalgelände auf, das sich nur etwa 5 Gehminuten vom Zentrum befand. Erstaunlich, wie freudig man dort empfangen wurde. In 2 Minuten war ich um einen Pressepass und die Information, wenn mir der Sinn nach einem Besäufnis stände, mich nur bei der Akkreditierungsdame melden zu müssen, reicher. Da es ja noch relativ früh war, verschlug es uns erst mal ins legendäre Elm Street. Gegen 17 Uhr fanden wir uns guter Laune wieder am Veranstaltungsort ein, als ich jedoch die Schlange von wartenden Leuten erblickte, die sich vom Eingang einmal um den halben Block zog, war ich nicht sehr erfreut. Doch entgegen meinen Befürchtungen waren wir nach maximal 20 Minuten drinnen. Erst wurde einmal alles inspiziert: Das Rockefeller, also die große Halle, bot 2 Lounges zum Ausrasten, eine zweistöckige Gallerie mit toller Aussicht, genügend saubere Toiletten und ein paar Bars. Um Alkohol zu erstehen, bekam man gegen Vorlage eines gültigen Ausweises ein knallrotes Armband ausgehändigt, das besagte, dass man eben über 18, also laut Gesetz alt genug um Alkohol zu erstehen war. Eine brilliante Idee, hätte man nämlich jedes Mal beim Kauf eines Getränkes den Ausweis vorzeigen müssen, wären wohl fürchterliche Staus an den Bars erstanden. Durch die zweite Lounge ging’s dann über eine Stiege hinunter ins John Dee, das um einiges kleiner war. Nachdem wir schon etwas spät dran waren, verpassten wir leider die erste Band dort unten, nämlich ALSVARTR. Doch zügig gings oben schon weiter, 1349 eröffneten im Rockefeller. Bereits im Vorjahr hatten die Mannen rund um Schlagzeuger Frost (SATYRICON) schon am Inferno gespielt. Ein würdiger Opener, man legte sich voll ins Zeug und sparte auch nicht mit so manchem Feuerwerk. Ich war hin und weg vom Sound, eine Lokalität mit vergleichbar guter Qualität wäre mir in Österreich noch nicht untergekommen. Kristallklar, jedes einzelne Instrument war zu hören, alles war perfekt abgemischt. Wahnsinn. Da die Halle auch relativ hoch war, kam auch die Lichtshow super rüber, was ein jedes Konzert natürlich noch ansehnlicher machte.
Kaum waren die letzten Töne verklungen, hatten im John Dee auch schon LOST AT LAST begonnen, „the world’s greatest heavymetal band“. Nicht schlecht, recht eingängig, teilweise etwas an W.A.S.P. erinnernd, spielte man souverän im Anzug.
Dann ging’s auch schon wieder auf nach oben, immerhin spielten ja als nächstes bereits BELPHEGOR, was wir natürlich nicht verpassen durften, denn wann bekommt man sonst im hohen Norden schon mal Landsmänner zu sehen? Beträchtlich viele Leute warteten schon.
BELPHEGOR kamen sehr sehr gut beim Publikum an und prügelten ihr Set herunter, es war irgendwie schon sehr faszinierend zu sehen, dass auch Österreicher sehr wohl etwas im Ausland erreichen können.
Kurze Zeit später, eine Etage tiefer: GRAND ALCHEMIST waren an der Reihe. Was da bereits auf der Treppe an mein Ohr drang, hörte sich sehr sehr vielversprechend an. Symphonisch, melodisch und dennoch genug Härte aufweisender, keyboardlastiger Black Metal, ähnlich EMPEROR oder auch DIMMU BORGIR vor ein paar Scheiben. Nach einem dringendem WC-Besuch war das John Dee leider schon so überfüllt, dass es nur mehr schwer möglich war, sich in den Saal zu drängen. So lauschte ich eine Weile begeistert von draußen, um mich dann für eine Weile zum Ausrasten in die Lounge zurückzuziehen. Von GRAND ALCHEMIST, so bin ich mir sicher, wird man jedoch in Zukunft noch einiges hören. Hoffentlich. Bis dahin möchte ich jedoch die Downloads auf www.grandalchemist.com wärmstens empfehlen.
Als nächstes waren die alten Hasen von ENTOMBED an der Reihe. Bis jetzt hatte ich relativ wenig davon bemerkt, dass sie auch heute noch sehr beliebt sind, doch als es dann wirklich so weit war, wurde klar, dass es dennoch so ist, da sich niemand den Auftritt entgehen lassen wollte. Den Höhepunkt bot eindeutig der Klassiker „Left Hand Path“. Kein Album kam zu kurz, von ganz alt bis ganz neu war alles vertreten.
Szenenwechsel zum Rockefeller, wo PERISHED aus Trondheim loslegten. Als erstes stach einem gleich der zweckmäßig zum Bierhalter umfunktionierte Mikroständer ins Auge.
Die Burschen legten sich voll ins Zeug, bangten wie die Wahnsinnigen und lieferten eine tolle Show ab. Besonders die Zugabe, eine Coverversion von DARKTHRONE's "Transilvanian Hunger", soll sehr eindrucksvoll gewesen sein, da der Sänger im Skelett-Kostüm erschien, aber meine Wenigkeit verpasste dies natürlich wie immer, da sich das lange Stehen und Herumgerenne langsam schmerzhaft in den Beinen bemerkt machte, und ich es nach einigen Songs vorzog, mich in der Bar niederzusetzen. Da im Rockefeller VADER als nächstes spielten, und diese Herren uns ja gar so selten in Österreich besuchen, verzichteten wir darauf dankbar und widmeten uns dem Flüssigkeitsausgleich. Die Lounge war erstaunlich leer, da jeder VADER sehen wollte. Klar dass die Begeisterung groß war, da die Norweger sie nie oder nur sehr selten zu Gesicht bekommen, wenn VADER drei Mal im Jahr in Deutschland, Österreich und unseren Nachbarländern auf Tour gehen.
Bei den anschließend auftretenden TAAKE war es dann wirklich unmöglich, sich ins John Dee zu quetschen, also resignierten wir und warteten oben auf THE KOVENANT. Das Publikum lichtete sich langsam, was aber klar war, da THE KOVENANT nicht unbedingt die gleiche Zielgruppe hat wie die anderen Bands. Wirklich schlecht waren sie nicht, allerdings war ich doch enttäuscht, da mir bis inklusive „Animatronic“ alles bis heute noch gut gefällt.
Lex Icon wirkte etwas benebelt wie immer, und obwohl man sich doch Mühe gab, wirkte alles ein bisschen dünn und dürftig. Die weiblichen Gesangsparts fehlten entweder ganz, was die Songs etwas lasch wirken ließ, oder wurden durch minderwertige Effekte ersetzt. Bei manchen Songs nicht so drastisch, doch wenn der ganze Song eben auf einer weiblichen Gesangslinie aufbaut und diese nicht vorhanden ist, klingts schon recht fad. Trotzdem, alles in allem ganz ok, obwohl ich nicht verstehe, warum der Frauengesang nicht wenigstens vom Band kam. GRAND ALCHEMIST wären mir als Headliner fast lieber gewesen.
Als Ausklang gings dann noch auf ein Getränk ins Elm Street, bevor wir todmüde ins Bett fielen.

Für alle, die's verpasst haben, gibt's hier ein paar Video-Streams.


FOTOS + E-CARDS
www.infernofestival.net

Anita

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Beitrag vom 28.04.2003
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