INFERNO FESTIVAL: IMMORTAL   RUNEMAGICK   OPETH   AUDIOPAIN   RED HARVEST   NCO   RAGNAROK   LUMSK   SIRENIA   KOLDBRANN  
18.04.2003 @ Rockefeller/John Dee, Oslo

Auf ein Neues! Der Tag begann wieder mit zum Festival eigentlich unpassendem herrlichen Wetter. Ausgerüstet mit guter Laune und bereits leicht angeheitert fanden wir uns pünktlich im John Dee ein, wo KOLDBRANN eröffneten. Nachdem ich noch nie etwas von ihnen gehört hatte, erwartete ich mir typisches kompromissloses Geprügel von ein paar böse posierenden Typen mit Corpsepaint und von oben bis unten mit Nieten behangen. Gar so falsch lag ich nicht, zumindest beim Outfit: Nietenbestückt und ein bisschen mit Blut bekleckert, wie sich das eben so für norwegischen Black Metal gehört, spielten die grimmigen Herren jedoch überraschenderweise verdammt guten Black Metal, der Lust auf mehr machte. Obwohl KOLDBRANN noch eine relativ junge Band sind (2001), die sich dem Oldschool-Zeugs verschrieben haben, kamen sie doch gar nicht so unmelodiös rüber, und das Publikum fand ebenso wie ich guten Gefallen daran.

Szenenwechsel: Als Kontrast wurde im Rockefeller dann durch SIRENIA eröffnet, deren Musik ja aus einer ganz anderen Ecke kommt. Für mich als Softie eine willkommene Abwechslung nach all den vorhergegangenen Blastbeat-Attacken. Als erstes stach einem gleich die bezaubernde Sängerin ins Auge, die neben einem äußerst attraktiven Äußeren auch noch durch ihre wunderschöne Stimme punkten konnte, die nicht wie bei TRISTANIA durch tausend Effekte verfälscht wurde: Bei SIRENIA handelt es sich ja um die Band von Ex-TRISTANIA-Mitglied Morten Veland, und die Frage, welche der beiden Bands mehr zu bieten hat, kann man wirklich eindeutig mit SIRENIA beantworten. Bei weitem sind sie nicht so kitschig wie TRISTANIA, sondern dunkler und auch irgendwie anspruchsvoller. Es war wirklich nett anzusehen, wie selbst die grimmigsten Gestalten hingerissen waren, ihren nietenbesetzen (na ja war übertrieben, Nieten wurden einem am Eingang abgenommen) Arme und Hände in die Luft erhoben und mitklatschten. Ein Wahnsinnskonzert, dass durch den bereits erwähnten überdurchschnittlich guten Sound echt Eindruck schinden konnte.

Bei LUMSK und RAGNAROK musste ich passen, da sich langsam der Hunger bemerkbar machte, und einem Festival mit knurrendem Magen beizuwohnen, macht ja auch nicht viel Spass. Nach einem kurzen Abstecher in die Stadt drängten wir uns mit vollem Magen die Stiegen runter ins John Dee, wo NCO gerade loslegten, und ihr neues Album „Pure Black Disease“ präsentierten.

Teilweise wirkten sie etwas unsicher, doch den Leuten gefiel ihre schwedische Black/Death-Mischung trotzdem, und speziell bei „Death Manifesto“ schien es, als wäre der Song so ziemlich jedem geläufig. Als ich jedoch darauf aufmerksam gemacht wurde, dass es noch einen Stock tiefer unter dem John Dee ein Pub gäbe, in dem immer TNT gespielt wurde, war die Verlockung groß und so gönnte ich meinen Füßen und Ohren eine kleine Erholpause im schummrigen Pub.

Als es dann langsam wieder Zeit wurde, sich die nächste Band anzusehen, dröhnten einem auf der Stiege schon von aller Weite von RED HARVEST produzierte Lärmgewitter entgegen, denen ich allerdings nicht allzu viel abgewinnen konnte, da brutales Geprügel ohne irgend etwas Herausragendes nie so ganz mein Ding ist. Den Zuschauern gefiel es jedoch, die Köpfe flogen und schön langsam machte sich das ewige Herumgestehe und Gerenne erneut wieder in meinen Beinen bemerkbar. Im John Dee waren AUDIOPAIN an der Reihe, die früher noch den vielversprechenden Namen HÆ? trugen, doch da ich nicht mehr motiviert genug war, mich wieder den ganzen Weg hinunter und nach vorne zu kämpfen, statteten wir der VIP-Lounge wieder mal einen Besuch ab.

Sie trug ihren Namen zu recht, fand sich doch hier so ziemlich alles ein, was dort oben Rang und Namen hat: Bekannte Gesichter wie von SUSPERIA, MAYHEM, DIMMU BORGIR, OLD MAN’S CHILD, SATYRICON, GORGOROTH, ENSLAVED, etc.... füllten den Raum. Und bereits kurze Zeit später kam eine der meisterwartetsten Bands: OPETH. Ich will gar nicht allzu viele Worte verlieren, kurz und bündig, es war bezaubernd wie immer. OPETH schafften es wie jedes mal, die volle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und jeden einzelnen mitzureissen. Da ich mich nur ungern wiederhole, möchte ich an dieser Stelle auf den Bericht vom OPETH-Konzert in Graz verweisen, Fotos sind ebenfalls dort zu finden. Zusätzlich wäre nur noch zu sagen, dass die Atmosphäre noch aufgeladener war als in Österreich. Sie sind und bleiben einfach eine wahnsinnig tolle Live-Band der ganz anderen Sorte.

Im John Dee geigten anschließend OPETHs Landmänner RUNEMAGICK auf, und seit langem gelang es mir wieder mal, einen halbwegs guten Platz im Saal zu ergattern. Speziell die Dame am Bass fiel einem sofort auf, die durch beindruckende Bassgewitter zu überzeugen wusste. Ich bin mir jetzt nicht mehr ganz sicher, ob nicht RUNEMAGICK damals mit OLD MAN’S CHILD 1998 oder 99 in Österreich waren, wenn sie es jedoch waren, haben sie sich seitdem extrem verbessert, und sind auch um einiges finsterer geworden.

Allerdings wurde bereits während des Gigs klar, dass die meisten Leute nur noch auf IMMORTAL warteten und deswegen RUNEMAGICK früher verließen. Der Durst rief, und da ein Sitzplatz auch wieder mal eine gute Idee war, musste die VIP-Lounge wieder herhalten, die sich jedoch schlagartig leerte, als draußen die ersten Klänge von IMMORTAL ertönten.

Auch ich folgte diesem Ruf, beziehungsweise ich versuchte es, denn nun war es soweit, dass auch das Rockefeller zum Bersten gefüllt war. Es war unmöglich, sich bis zum Fotograben vorzuarbeiten, weswegen ich es vorzog, mir den Weg über die Stiege in den zweiten Stock der Gallerie zu erkämpfen. Das Bild, das sich mir von dort oben bot, war überwältigend. Erst da wurde sichtbar, wie viele Leute eigentlich anwesend waren. Wie ein brodelnder Kessel sah das Ganze aus, es war echt beeindruckend. Eigentlich hätte ich nicht gedacht, dass IMMORTAL in ihrer Heimat SO beliebt sind. Das Publikum spielte verrückt, feuerte an, schrie mit, die Leute rasteten total aus. Ein wirklich würdiger Headliner.

Nach dem obligatorischen norwegischen Nachspiel, also mehr oder weniger das Besäufnis nach Schließen der Lokalitäten ging’s auf zum Flughafen, mussten wir doch unseren Flug in die Heimat um 7 Uhr Früh erwischen (der nach genau 0 Stunden Schlaf höchst amüsant war). Obwohl das Inferno noch einen Tag länger dauerte, und mit Bands wie DERIDE, CADAVER, THE ALLSEEING I, SOILWORK, SHADOWS FALL, EXMORTEM, RAISE HELL, CHILDREN OF BODOM, MADDER MORTEM und NECROPHAGIA aufwarten konnte, wovon ich einige gern gesehen hätte, so war doch die Wacken-ROADSHOW mit LORDI und AMON AMARTH in der Heimat verlockender. Fazit: Kann einiges. Mittlerweile war ich doch schon auf so einigen verschiedenen Festivals, und ich kann nur sagen, dass es sich beim Inferno um das bestorganisierteste handelt. Man hatte wirklich an alles gedacht, und ich habe wirklich fast keine Kritikpunkte.

Sitzplätze hätten es zwar ruhig mehr sein dürfen, und vielleicht hätte man auch Essen außerhalb der VIP-Lounge anbieten sollen (was allerdings nicht sehr ins Gewicht fällt, da man sich ja mitten in der Stadt befand). Das John Dee ist vielleicht fast schon ein bisschen zu klein für all die Leute, und es war etwas stressig, andauernd von einer Band zur nächsten zu hetzen, da sich ja alles zeitversetzt abspielte: eine Band unten im John Dee, ca 5 Minuten Pause, die nächste Band oben im Rockefeller, 5 Minuten Pause, nächste Band wieder unten im John Dee. Wobei wieder positiverweise mehr oder weniger null Wartezeit entstand, was ja auch seine Vorteile hat.

Was man auch unbedingt positiv herausheben muß, war die Pressefreundlichkeit, denn so was kommt einem nur selten auf einem Festival unter. Am Fotograben wurde man jedes Mal freundlich begrüßt, wenn Leute im Weg standen, wurde einem sogar der Weg freigemacht. Die Securities waren ebenfalls total freundlich und nicht so penetrant wie es sonst oft auf Konzerten vorkommt. Es gab ein Programmheft, in dem alles Wissenswerte über Unterkunft, Sightseeing, Nachtleben und Restaurants nachzulesen war.

Was ebenfalls ohne Zweifel wichtig ist, sind die Toiletten. Es waren mehr als genug vorhanden, die auch wie das restliche Gelände zwischen den Festivaltagen gründlich geputzt wurden. Und, sogar um halb Zwei in der Früh gab es noch Klopapier, das grenzt schon fast an Luxus! Wartezeiten gab es eigentlich so gut wie nie, weder an Bars, Toiletten und am Eingang schon gar nicht. Die Stimmung war super, es gab keine einzige Schlägerei oder Auseinandersetzung, alles lief total friedlich und familiär ab.

Was soll man sagen, ein Vorzeigefestival, an dessen Organisation sich so mancher Veranstalter ein Beispiel nehmen sollte. Wen also nächstes Jahr zu Ostern die Reiselust packt: Das Inferno ist auf jeden Fall einen Trip ins schöne Norwegen wert.



FOTOS + E-CARDS
www.infernofestival.net

Anita

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Beitrag vom 28.04.2003
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