SIRENIA   BATTLELORE   EDENBRIDGE   TRAIL OF TEARS   SALTATIO MORTIS  
19.05.2003 @ Planet Music

Eröffnet wurde der Abend von den Deutschen SALTATIO MORTIS, die sich mittelalterlichen Einflüssen verschrieben haben und relativ gut mit IN EXTREMO vergleichbar sind.
Mit verschiedensten Instrumenten wie Flöten, Dudelsack, Drehleier, Trommeln, sowie mittelhochdeutscher/altdeutscher Sprache (klärt mich jemand auf, wie man das korrekt nennt?) und viel Humor zogen sie das etwas spärlich gesäte Publikum sofort auf ihre Seite und banden es gleich mit ins Konzert ein. Die mit einem Augenzwinkern vorgetragenen Ansagen zwischen den Songs inkludierten auch so manche humorvolle Stichelei gegen den Leierspieler, der natürlich prompt nach einer Anspielung auf sein Alter und seine Vergesslichkeit das falsche Lied ansagte – ob nun Absicht oder nicht, lachen musste jeder und so hatten SALTATIO MORTIS ein einfaches Spiel und sowieso schon gewonnen.
Außerdem klingen sie live fast besser als auf CD, und machen definitiv auch mehr Spass als zum Beispiel IN EXTREMO.

Gleich im Anschluss waren BATTLELORE, auf die ich schon sehr gespannt war, mit ihrem „True Arctic Fantasy Metal“ an der Reihe. Enttäuscht wurde ich nicht, der Sänger sprang dreckbeschmiert mit Brustpanzer und einer Axt auf die Bühne, und die anderen Mitglieder waren ebenfalls interessant verkleidet.
Nach dem ersten Song wurde die Axt des Fronters zur Seite gelegt und nun war ein riesiges Schwert an der Reihe. Während ich versuchte, mich irgendwie vom Sänger fernzuhalten, da es kein angenehmes Gefühl ist, wenn einem mit einer Axt oder einem Schwert vor der Nase herumgefuchtelt wird, überlegte ich schon gespannt, welche Waffe wohl beim dritten Lied zum Einsatz kommen würde, und ob am Ende des Konzert ein ganzes Waffenarsenal auf der Bühne liegen würde. Doch leider war dann wieder die Axt an der Reihe, schade. Ein Streitkolben hätte noch gut dazugepasst.
Obwohl die Zuschauer am Anfang teils noch etwas kritisch wirkten, was wohl vielleicht auch am Bühnenoutfit gelegen haben könnte, so fand doch der Großteil Gefallen an BATTLELORE. Gespielt wurde sowohl ältere Songs als auch Material vom neuen Album, darunter auch mein Favorit „Buccaneers Inn“. Leider war’s auch viel zu schnell wieder vorbei, aber hoffentlich beehren uns die Tolkien-Fans bald wieder einmal.

Und als es dann endlich Zeit für SIRENIA wurde, kristallisierte sich schon heraus, dass sie der eigentliche Headliner des Abends waren, da sie schon sehnlichst erwartet wurden, was vielleicht auch nicht zuletzt an der hübschen Sängerin lag, die klarerweise alle Blicke auf sich zog. Irgendetwas war jedoch komisch, aber mir wollte nicht einfallen, was es war. Es dauerte eine kleine Weile, bis mir dann endlich auffiel, dass der Geiger fehlte, und der Schlagzeuger ein anderer war: den Drummer hatte man sich kurzfristig von TRAIL OF TEARS ausgeliehen, um die noch folgenden Konzerte nicht - wie in Nürnberg -absagen zu müssen. Grund für die vorzeitige Abreise von Schlagzeuger und Geiger waren Probleme mit der Booking Agency, die die Band anscheinend ziemlich hängengelassen hatte.
Schade jedenfalls, aber der Rest der Band ließ sich während dem Konzert nichts anmerken, die Stimmung war super und auch das geforderte „Sister Nightfall“ wurde gespielt. Lustig war auch der dunkelhaarige Gitarrist, der mir zuvor irgendwie noch nie wirklich aufgefallen war und der total zerschlagen und fertig aussah - so als ob er jeden Augenblick zusammenbrechen würde - und dann plötzlich wahnsinnige Luftsprünge während des Spielens machte.
Auf alle Fälle haben sich SIRENIA sowie natürlich der Aushilfs-Schlagzeuger ein großes Lob verdient, dass sie trotz allem spielten – und vor allem trotz allem gut spielten, und sich die Laune nicht verderben ließen.

EDENBRIDGE hatten ein nettes Heimspiel und wurden sehr gut aufgenommen und freudig begrüsst. Und das erste Mal verstand ich, dass sie wirklich große Ähnlichkeit mit Nightwish haben – jedenfalls die Klänge, die ich beim Hinabgehen der Treppe vernahm. Die Stimmung war recht gut, und erreichte ihren Höhepunkt, als es plötzlich Probleme gab, der Gitarrist etwas verlegen eine kleine Rede hielt und dann überraschenderweise „Sweet Home Alabama“ auf der Gitarre anstimmte. Fast schon Lagerfeuer-Stimmung.
Wenngleich ich auch nicht überwältigt war, so sind EDENBRIDGE durchaus sehenswert, aber dank steigenden Temperaturen und müden Beinen zog es mich erst mal wieder an unseren Sitzplatz zurück.

Was mich von Anfang an erstaunte, war die Tatsache, dass TRAIL OF TEARS als Headliner fungierten... Seit ihrem letzten Besuch in Österreich (1999 mit SIEBENBÜRGEN und TRISTANIA) haben sie so manche Veränderung durchgemacht. Die Sängerin wurde ausgetauscht (was sich irgendwie nicht ganz positiv auswirkt), und offenbar möchte man nun dem üblichen Gothic-Metal-Klischee entkommen: TRAIL OF TEARS haben an Härte zugelegt und erinnerten mich nun irgendwie ziemlich stark an MOONSPELL, was die nun schwarzgefärbten Haare auch noch zusätzlich begünstigten.
Die neue Sängerin war mir etwas suspekt. Erstens wirkte sie, als ob sie auf Drogen wäre, und zweitens war ihr Gesang – oder besser gesagt, die höher gesungenen/gewimmerten/gekreischten/gejaulten Parts davon – etwas eigenartig, worauf mein Körper mit Gänsehaut reagierte. Obwohl man auch noch anmerken muß, dass sie, wenn etwas tiefer singend, eine durchaus angenehme und kräftige Stimme hat. Aber das mich irgendwie an Alienlaute erinnernde Herumgeflöte war einfach nur unangenehm.
Der Saal hatte sich drastisch geleert, und nur noch ein paar eingefleischte Fans hielten bis zum bitteren Ende durch – unterstützt durch die Leute von BATTLELORE und SIRENIA, die in der ersten Reihe Stellung bezogen hatten und noch am meisten Stimmung machten.
Überraschenderweise kam nach einigen Songs dann noch ein zweiter Sänger auf die Bühne, bei dem mich gleich der Verdacht überkam, dass es sich hier um den werten Herren von GREEN CARNATION handelte – was sich später auch bestätigte.
So richtig hatten mich TRAIL OF TEARS noch nie überzeugt – weder 1999, wo sie irgendwie einfach nicht eigenständig genug und noch sehr sehr unsicher waren, und den jämmerlich missglückten Gig in Wacken 2001 will ich lieber gar nicht erst erwähnen – und irgendwie schafften sie es auch dieses Mal trotz Veränderung von Album zu Album nicht, sie klingen zwar jedes Mal anders, aber irgendwie immer nur nach einer anderen Band, und nie nach etwas Eigenständigem.
Alles in allem jedoch ein gelungener Abend, der dank der bunten Mischung der Bands wenigstens keine Langeweile aufkommen ließ.



FOTOS + E-CARDS
www.napalmrecords.com

Anita
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Beitrag vom 28.05.2003
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