CENTAO   EYE OF BETRAYER    NOOTROPIC   GOATSKIN    DAY ZERO  
24.05.2003 @ Alter Schl8hof

Börni Kreindl, seines Zeichens weit über die Stadtgrenzen von Wels bekannter Gitarrist bei unzähligen Projekten/Bands (u.a. SOUND THEATRE etc.), gebar wohl unter Eindruck der aus der Kriegsregion Irak gelieferten, schrecklichen Fernsehbilder, und des dort vorherrschenden Elends, die Idee dieser Benefizveranstaltung, deren Einnahmen direkt an die (UN-)Kinderhilfsorganisation UNICEF gehen sollten. Unterstützung erhielt er dabei von zahlreichen Firmen und Institutionen der Umgebung, die entweder Gewinne für die Tombola zur Verfügung stellten, oder anderwärtig zum Gelingen des Events beitrugen. Auch fünf mehr oder weniger bekannte und aus dem Großraum Wels und Umgebung stammende Bands stellten sich in den Dienst der guten Sache.

Den Anfang machten die Lokalmatadore DAY ZERO, die bekanntermaßen im heurigen Jahr beim YBC immerhin das Semifinale erreicht hatten. Die Mannschaft um Ex-ZENITH ZERO-Shouter Güga wirkte äußerst bemüht, wenngleich der mäßige Besucherandrang nicht gerade eine zusätzliche Motivationsschub bedeutete. DAY ZERO gaben dennoch ihr Bestes, und stellten den wenigen Zuschauern zahlreiche Songs ihrer aktuellen Demo-CD „time tells“ („Beautiful day“; „What`s pain“ usw.) vor. Stilistisch gesehen kann der Sound der in der Vergangenheit mehrfach umbesetzen Gruppe wohl als Alternative Metal/Rock (Eigendefinition: „Bio metal“) durchgehen, wobei im Hause DAY ZERO hörbar ein Augenmerk auf vielseitige Kompositionen gelegt wird, indem manchmal auch balladeske Töne angeschlagen werden (inkl. Inanspruchnahme einer Akustikgitarre), aber eben phasenweise auch eine härtere Gangart forciert wird. Sänger Güga, selbst Vater eines Sohnes, der den Gesamtsound mit seiner emotionell, melodischen Gesangsarbeit wesentlich prägt, wurde im Laufe der Show auch nicht müde, mehrfach auf die Wichtigkeit dieser Benefizaktion hinzuweisen.

Es folgten GOATSKIN aus Traun, die für die Eferdinger Trasher SPEARHEAD einsprangen, und einmal mehr, um es gleich vorwegzunehmen, mit einem famosen Gig beeindrucken konnten, der sicherlich zu den absoluten Highlights dieses Abends zählte. Die Musik von GOATSKIN weist eben einen Hauch von Unverkennbarkeit und damit Eigenständigkeit aus, was heutzutage bei Gott nicht als Selbstverständlichkeit anzusehen ist. Mitreißender und facettenreicher Alternative Metal at its best eben, wobei vor allem die unverwechselbare Stimme ihre Frontmanns Oliver wesentlich dazu beiträgt, dass das musikalische Gesamtkunstwerk so dermaßen zu gefallen weiß. Neben Tracks von der empfehlenswerten 2000er CD „Last sunbeam („Last sunbeam“ u. „Do you care?“) wurden dem Publikum auch jede Menge neue Songs präsentiert. („My device“ etc,) Auch in punkto Stageacting machen sich die bei unzähligen Gigs der Band im In- und Ausland gewonnen Erfahrungen bemerkbar.

NOOTROPIC (EX-NEFAZODONE) aus Grieskirchen sind (zusammen mit LO PRO EDGE) quasi als die legitime Nachfolgeband der aufgelösten New Metal-Band RAMPAGE zu verstehen, wo Sänger/Gitarrist Alex Zilinski, Bassist Andreas Neubacher und Drummer Roman Lugmayr bisher ihre Kreativität auslebten. Versucht man bewusst Gemeinsamkeiten den Sound der beiden Bands betreffend zu orten, so ist zu bemerken, dass beide Formationen in etwa in die selbe musikalische Richtung tendier(t)en, aber NOOTROPIC insgesamt eine Spur facettenreicher und melodiöser agieren und mehr Mut zu Experimenten zeigen, und zudem auch die Dienste einer Sängerin in Anspruch nehmen, die sich die Gesangsarbeit mit Gitarrist Alex teilt, und das musikalische Erscheinungsbild natürlich zusätzlich bereichert. Eine gewisse spieltechnische Versiertheit, und dementsprechend abwechslungsreich Songstrukturen sind genauso wenig zu überhören, wie ein Hang zur Refrains, die sich als wahre Ohrwumer entpuppen. Wenn man bedenkt, dass die Band sich erst Anfang dieses Jahre formierte, überrascht die Klasse von Kompositionen wie „Lifestyle“ doch, und bei engagierter Weiterverfolgung deren Ziele und Verfeinerung des Stils, darf attestieren werden, dass dieses Gruppe mit Sicherheit das Zeug hat, noch einiges zu erreichen.

Es folgten einmal mehr EYE OF BETRAYER aus Wels, deren unermüdliches und konsequenter Drang zur Weiterentwicklung und Erweiterung ihres Soundspektrums sich schön langsam bezahlt macht. Immerhin konnten doch einige Gigs in ganz Österreich an Land gezogen werden, und eine Wiener Agentur kümmerte sich fortan um die Belange des Managements. Der Gig selbst entsprach mehr oder weniger den Erwartungen: In Sachen Stageacting konnte man insofern mit einem Novum aufwarten, in dem Sänger Oliver, der auch bei seinen Ansagen darauf verwies, dass religiöser Fanatismus der Hintergrund vieler Krieg sei, mittels einer Peitsche und einem umgehängten Bündel Dynamit, diese Haltung auch symbolisch zu verdeutlichten versuchte. Des weiteren fiel auf, dass der Dark/Gothic Metal des Sextetts auch Leute anzusprechen scheint, die eigentlich anderwärtige Hörgewohnheit pflegen, d.h. mit Metal normalerweise wenig bis nichts am Hut haben. (Eine Beobachtung, die übrigens vom Schlagzeuger der Band, Clemens Pierer, im Rahmen eines Interview für einen Lokalsender am selben Tag auch bestätigt wurde.) Neben mittlerweile bestens bekannten Stücke wie „Reflection of despair“, „The warlocks brave bride“ oder „Katharsis“ wurde auch so manche Stück jüngeren Datums der Audienz, die zu diesem Zeitpunkt zahlenmäßig etwas angewachsen war, vorgestellt. Die Veröffentlichung der angekündigten und längst überfälligen CD der Band dürfte auch nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

Den Schlusspunkt durften CENTAO setzten, die im letzten September beim „Welsrock“ ein sehr solide Performance abgeliefert hatten, und das Quartett, das diesmal ohne ihren (verletzungsbedingt ausgefallenen) Standardschlagzeuger Christoph auskommen musste, der von seinem Bruder, Zan (PLASTICUBE) ersetzt wurde, ließen wiederum nichts anbrennen, und gab zu später Stunde noch einmal gehörig Gas. CENTAO sind meines Erachtens zu den heimischen Vertretern der New Metal-Szene zu zählen, welchen man man mit Fug und Recht jede Menge Potential und dementsprechende Zukunftsperspektiven bescheinigen kann. Wobei auch bei dieser Formation neben der unbestrittenen Fähigkeit, wirklich klangvolle und teils gar hitverdächtig Stücke zu kreieren, auch die Gesangsarbeit des Sängers Mathias Dietinger, der übrigens im Hauptberuf als Radiomoderator fungiert, eine wesentliche Rolle spielt. Neben einigen Stück vom Erstling „Rising“ („Secrets to hide“; “Illuminate“) wurden auch zuhauf Nummern der brandneuen EP „Straight within“ („Sorry“; „defend“) (Der Titelsong dieser EP, der selbstverständlich auch dargeboten wurde, ist bekanntlich auf dem „Rock on“-Sampler zu hören.) zum Besten gegeben. Alles in allem eine klasse Darbietung einer aufstrebenden Band, die bestimmt ihren Weg machen wird.

Fazit: Lob und Respekt gebührt dem Veranstalter für dieses Ereignis, das eben einem guten Zweck dienen sollte, und insgesamt auch professionell aufgezogen wirkte, wenn auch leider die Fans davon nicht ausreichend Notiz nahmen, und eben nicht so zahlreich wie erwartet erschienen. Bleibt nur zu hoffen, dass zumindest beim Losverkauf bei der Tombola ein schöne Summe lukrieren werden konnte, die helfen soll, das Leid von durch langjährige Wirtschaftsanktionen und Kriegswirren gebeutelten Kindern etwas zu lindern.

www.unicef.at

Hutti
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Beitrag vom 31.05.2003
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