(THE RETURN OF) MONSTERS OF DEATH: DEW-SCENTED   SHADOWCAST   SEEDS OF SORROW    SPRAWLCOSM    REVENANTS DAWN   
24.05.2003 @ Planet Music

Wie schon so oft brach ich auch an diesem Abend gen 20. Bezirk auf, um meine Ohren im Planet verwöhnen zu lassen. Neben den fünf Akteuren waren außerdem eine Verlosung sowie ein kleiner Metalmarkt angepriesen worden, wobei sich letzterer mit vier Standln - CCP Records und Dew-Scented-Merchandise inklusive - als wirklich klein herausstellte. Als ich die Halle dann eine Viertelstunde nach Beginn betrat war ich etwas überrascht selbige fast leer vorzufinden und Band spielte auch noch keine. Ein Blick auf die Running Order klärte mich dann darüber auf, dass man anscheinend der Tatsache, dass Pünktlichkeit im Allgemeinen nicht gerade zu den Tugenden der Metaller zählt, Rechnung getragen hatte und die erste Band nicht wie angekündigt um 19.30 sondern um 20.15 spielen sollte.
So wurde REVENANTS DAWN die unverhoffte Ehre zuteil, vor gut hundert Leuten zu eröffnen. Schon nach dem ersten Song stellte sich heraus, dass die aus Ex-SEPTICEMIA und Ex-BEYOND PURITY-Members bestehende Band außerdem mit einem, für einen Opener wirklich guten Sound gesegnet war. Zwar waren die Gitarren bisweilen ein bisschen zu leise und der Gesang etwas zu laut, aber alles in allem ist man von Openern soundmäßig leider anderes gewohnt. Auffallend war auch die mit Schlagzeugerin und Bassistin für eine Death Metal Band doch recht ungewöhnliche Besetzung. Musikalisch punkteten REVENANTS DAWN mit ihrem eingängigen, schnellen Todesblei eindeutig bei den Anwesenden, die die Mischung aus Blastattacken mit bangkompatiblen Mid Tempo-Intermezzos und der einen oder anderen melodischen Einlage durchaus goutierten. Die ca. 30-minütige, sehr solide Performance war auf jeden Fall ein gelungener Auftakt zum Themen-Abend "Monsters Of Death" und lässt für die bald erscheinende Demo der Band einiges hoffen.
Als nächstes waren SPRAWLCOSM an der Reihe, die angeblich nach diesem Auftritt dem Live-Geschehen den Rücken kehren wollen. Sollte dem so sein, haben sich die drei Herren würdig verabschiedet, denn die gebotene Show war beeindruckend. Es ist schwer in treffende Worte zu fassen, was SPRAWLCOSM dem Auditorium in den guten 45 Minuten Spielzeit darboten, aber "eigen" trifft es ganz gut. Zwar wirkte das Trio aus Sänger, Gitarrist und Bassist ein bisschen einsam auf der Bühne - Keyboard, Samples und Schlagzeug kamen vom Band -, aber dieser Eindruck wurde durch die sehr routiniert wirkende Performance und das faszinierende Stageacting wettgemacht. Auch wenn ich eher kein Freund von zu viel Elektronik und schon gar nicht von Drumcomputern bin, muss man SPRAWLCOSM zugestehen, dass ihre Songs sehr gut arrangiert und abgestimmt waren, wenn auch bisweilen die Einspielungen etwas zu laut und die Gitarre etwas zu leise war. Wahrscheinlich wäre auch der Platz mit 2 weiteren Bandmitgliedern etwas eng geworden, denn der Sänger erwies sich als außerordentlich umtriebig und gab seinen Part stehend, kauernd und einmal sogar liegend, teils gesprochen oder clear gesungen, teils gekreischt und verzerrt zum Besten. Im letzten Drittel des Sets wurde er kurzzeitig durch eine Sängerin ersetzt, was sich als nicht unpassend aber eher unspektakulär herausstellte. Der Mann an der Gitarre spielte alles und jeden schwindelig ohne sich dabei wirklich für sein Instrument zu interessieren und sein fast schon manisch anmutendes Saitenspiel trieb spätestens nach einem mehrminütigen Solo den anwesenden Klampfern die Tränen in die Augen. Das Publikum schien insgesamt ziemlich gebannt zu sein und wirkte während den Lieder fast ein bisschen stoisch, zwischen den Songs wurde aber brav Applaus gespendet. Live-Musik und doch keine Live-Musik, faszinierend aber auf jeden Fall!
Nun war es an SEEDS OF SORROW, die inzwischen doch beachtliche Menge zu unterhalten. Und das taten sie dann auch. Bei dem Wechselspiel von eingängigen Mid Tempo-Parts und schnellen Blastpassagen kam das erste Mal an diesem Abend richtig Stimmung auf und es entstand sogar kurzzeitig ein kleiner Moshpit, der sich aber alsbald wieder auflöste. Über 40 Minuten zollten SEEDS OF SORROW dem Motto des Abends mehr als ordentlich Tribut und prügelten den Anwesenden ihren Death Metal technisch einwandfrei um die Ohren. Auch hier war der Gesang teilweise etwas zu präsent und die Gitarren ein bisschen zu leise, aber der nicht makellose Sound schien weder Publikum noch Band übermäßig zu stören. Als Schmankerl und zu Ehren von Dave Mustaine wurde noch "Symphonies Of Destruction" eingeschoben, sehr zur Freude der Fans.
Mit den SEEDS schien sich auch ein Großteil des Publikums verabschiedet zu haben, denn als SHADOWCAST die erste Akkorde anstimmten, wollte sich die Halle partout nicht wieder füllen.
So gaben die vier Herren ihren keyboardlastigen, mit vielen Samples versetzen CyberClassic Space Metal vor vielleicht 50 Leuten zum Besten. Nach ihrem doch sehr ansprechenden Einstand als Vorgruppe von IMMOLATION und CRADLE OF FILTH im April (siehe Review ), schien diesmal nicht alles so glatt zu laufen. Zwar wirkten SHADOWCAST nicht unmotiviert, was angesichts des geringen Zuspruchs nicht weiter verwunderlich gewesen wäre, aber irgendwie fehlte an diesem Abend ein bisschen die Power. Die cleanen Gesangspassagen waren manchmal nicht ganz einwandfrei und das Fehlen eines Bassisten, der eventuell ein bisschen mehr Druck bringen könnte, fiel bei dem eher unterdurchschnittlichen Sound auch ins Gewicht. Nichtsdestotrotz hat die Band einen eindeutigen Wiedererkennungswert und vielversprechende Live-Kapazitäten und auch wenn die Musik vielleicht nicht jedermanns Sache ist, ist sie aufgrund ihrer Eigenständigkeit sicher eine Bereicherung für die österreichische Metalszene.
Auch beim Headliner DEW-SCENTED sammelte sich nur eine eher kleine, dafür umso besser gelaunte Gruppe Fans, um zu den Klängen der deutschen Brutal-Thrasher zu bangen und zu moshen. Und Brutal Thrash war bei DEW-SCENTED wirklich Programm: Bei der Härte, Geschwindigkeit und Kompromisslosigkeit mit der die fünf Deutschen ihren Thrash vortrugen, ließ sich die Grenze zum Death/Thrash nur durch den cleanen Gesang ziehen. Die Stimmung war mindestens so gut wie bei SEEDS OF SORROW obwohl nur mehr knapp die Hälfte der Leute übrig waren. Die Band dankte dem Publikum mit einem makellosen dreiviertelstündigen Auftritt auf höchstem technischen Niveau, gekrönt von einem Slayer-Cover von "War Ensemble" als Zugabe.

Fazit: Für 14 Euro ein interessantes Line Up, wobei die Kombination von Death und Thrash mit 2 elektronik-lastigen Bands wie SPRAWL(COSM) und SHADOWCAST sicher etwas gewagt war. Unerklärlich ist mir der rapide Publikumsschwund nach der Hälfte des Konzerts, da es ja eigentlich nicht gang und gebe ist, eine Veranstaltung nur wegen einer Band zu besuchen. Auch die Gerüchte über irgendwelche ominösen "Gegenveranstaltungen" werden sich hoffentlich bald klären, da die (viel zitierte) österreichische Szene sicher alles andere braucht als kindische Rivalitäten.
www.dew-scented.de

Christoph
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Beitrag vom 05.06.2003
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