IRON MAIDEN   MURDERDOLLS  
08.06.2003 @ Stadthalle Wien

Mit einem quasi "Best-Of"-Programm gastierten die Altmetaller IRON MAIDEN nebst dem etwas unpassend gewählten Support MURDERDOLLS letztes Wochenende in der Wiener Stadthalle - für so manch andere Band selbst mit neuem Album im Gepäck oft ein finanzielles Risiko, machte sich für die eisernen Jungfrauen die Sache durchaus bezahlt; zwar nicht ausverkauft, trotz relativ hohen Ticketpreisen dennoch sehr gut besucht, bewiesen die Engländer einmal mehr nicht nur, dass guter, alter Heavy Metal sowohl spieltechnisch als auch als Stimmungsmacher weit mehr zu bieten hat, als jede beliebige andere Stilrichtung, sondern auch, dass IRON MAIDEN (fast) immer [korrigiere: absolut immer – Gore] ein Garant für Metal der obersten Güteklasse darstellen.

Wie bereits angesprochen, eröffnete der SLIPKNOT-Ableger (wenn man das so nennen will) MURDERDOLLS für die Legende - und obwohl der Support weder stilmäßig zum Hauptact passte, noch auch nur in die Nähe der Qualität der Engländer kam, so schien doch vereinzelt Stimmung aufzukommen. Hie und da wurden zwar doch bereits nach den ersten Tönen "Maiden, Maiden, Maiden!"-Chöre laut, und angewidert ob des etwas einseitig gelenkten Sounds (überaus dominante Bassdrum, dünne Gitarren, äußerst zaghafter Gesang) - welcher übrigens den Leistungen der MURDERDOLLS auf CD ganz und gar nicht gerecht wurde - verzogen sich so manche gen Merchandising- oder Bierstand, um dort ihre Gelüste zu stillen. Dennoch: Besser als die beim letzten Konzert engagierten SPIRITUAL BEGGARS waren die MURDERDOLLS auf jeden Fall, zumal auch gesagt werden muss, dass sie neben einer zumindest energiegeladenen Show auch durchaus starkes Songmaterial im Gepäck hatten. Leider vermochte der oben angesprochene miese Sound dies nicht unbedingt rüberzubringen. [Dem muss ich heftigst widersprechen, denn wenn man die Reaktionen auf die SPIRITUAL BEGGARS im Jahre 2000 mit denen auf die jungen Amis vergleicht, zeigt sich wohl wer da die passendere Band war. Mike Amott und Co wissen auf jeden Fall echt zu rocken und der schwere 70ies Sound der Bettler passte jedenfalls weit besser zu den Jungfrauen als der der Amihüpfer – Gore]

Äußerst kurz gestaltete sich - überraschenderweise - die Umbauphase, welche lediglich eine halbe Stunde in Anspruch nahm und somit bereits gegen 20:45 die aufwendig gestaltete Bühne für das Sextett aus England frei gab - IRON MAIDEN. Konstant seit 26 Jahren einer der wichtigsten Bestandteile der Szene, unterstrichen sie diesen Status einmal mehr, bewiesen mit ungeheurer Spielfreude und Agilität ihr Können. Ab den Anfangstönen des Openers "The Number Of The Beast" hatten sie die kochende Halle fest in ihren Krallen. Altes Eisen? Weit gefehlt! Allein Fronter Bruce Dickinson legte nicht nur eine perfekte Gesangsleistung an den Tag, sondern auch eine spielerische Interaktion mit dem Publikum, sodass deutlich zu erkennen war, dass IRON MAIDEN nach den "Patzern" mit Bailey am Mikro nicht nur wieder zu einer gnadenlos rollenden Maschine, sondern auch zu einer perfekt harmonierenden Einheit geworden sind - besser denn je.
Vom Opener "The Number Of The Beast" bis hin zum grandiosen Finale "Run To The Hills" wurde ein grandios gewählter Querschnitt - bei dem wohl jedem das Wasser im Mund zusammenlief - durch beinahe die komplette Schaffensphase der Jungfrauen geboten. Dass einige Klassiker jedoch fehlten, scheint in Anbetracht der unglaublichen Fülle von Hits äußerst verständlich. "Ausfall" gab es keinen, zumal auch der exklusiv präsentierte Song namens "Wildest Dreams" vom kommenden Album "Dance Of Death" (für September zu erwarten) einen weiteren Klassiker der Musikgeschichte versprach. Köstlich hierzu der Kommentar von Bruce Dickinson, dass IRON MAIDEN kein Problem damit hätten, wenn einer der Konzertbesucher "just by incident" mit einem Aufnahmegerät diesen Song mitschneiden würde und bereits jetzt über das Internet vertreiben würde.
Aber nicht nur dem überaus sympathischen Fronter, vor allem auch Hauptsongwriter Steve Harris war die Spielfreude in Form eines permanenten Dauergrinsens förmlich ins Gesicht geschrieben. Konditionell und musikalisch ohne Konkurrenz, bot man auch für das Auge nur das Beste. So wechselte das Bühnenbild nahezu bei jedem Song passend zum jeweiligen Albumcover, welche allesamt von der wohl legendärsten Figur der Musikgeschichte geziert wurden: Eddie. Kein Wunder daher auch, dass selbiger bei "The Clairvoyant" leibhaftig über die Bühne marschierte und sich dann auch noch bei „Iron Maiden“ ein riesiger Eddie-Schädel aus der Versenkung erhob, in den ein riesiges Plastikhirn eingepflanzt wurde. IRON MAIDEN ohne Eddie - unvorstellbar. [Wahrlich genial, die Show, du sagst es – ein wandernder Eddie und eine Riesenfigur bei der Bandhymne sind sowieso Pflicht ;-) – Gore]
Es erübrigt sich wohl zu sagen, dass die Halle nicht nur nach einer Zugabe verlangte, sondern sich auch nach den Schlussakkorden von "Bring Your Daughter ... To The Slaughter", „Two Minutes To Midnight“ sowie "Run To The Hills" beim Sextett mit einem tobenden Applaus bedankte.

Alles in allem ein hervorragender Abend, der meines Erachtens nicht einmal von der deplatziert wirkenden Vorband oder den überhöhten Merchandising-Preisen getrübt werden konnte - zumal es vor der Halle so und so schwarz zu billigeren Preisen Shirts zu erstehen gab. Bleibt nur zu hoffen, dass IRON MAIDEN ihr Versprechen halten und im November mit einem hoffentlich durchwegs starken Album zurückkehren und nach dieser grandiosen Show noch ein Schäufelchen nachlegen - Ed's not dead yet... [Ach ja, dass es selbst Songs wie „Die With Your Boots On“ oder „22 Acacia Avenue“, die es schon ewig nicht mehr live gab, hast du noch vergessen. Jeder, der nicht dort war, hat eindeutig etwas versäumt! - Gore]

Ich möchte mich des weiteren noch entschuldigen, dass es uns nicht möglich war, Fotos vom Konzert zu schießen - der Mitarbeiter, der für eine Karte akkrediert war, hatte leider auf dem Weg zur Halle einen Unfall und sowohl mir als auch Kollege Gore war es in der kurzen Zeit leider nicht möglich, eine brauchbare Kamera aufzutreiben, wir geloben für November Besserung. [Dem ist nichts hinzuzufügen – Maiden werden kommen und wir werden dort sein. So be it - Gore]

www.ironmaiden.com

Macabre
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Beitrag vom 11.06.2003
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