ESTATE   PENSIVE LANE    330ML(E)   CENTAO   GOATSKIN    SIRUPOP    BLISSTONIA    SPIELTRIEB  
31.05.2003 @ Buchkirchen

Das Undergroundfest in Wels ist mittlerweile tot. Leider ist das traurige Gewissheit. Aber das heißt nicht, dass in der Umgebung nichts geht. Das JUDGEMENT NIGHT Festival ist das beste Beispiel dafür. Ich will nicht schon wieder vorgreifen, aber hier haben sich einige Leute etwas Sinnvolles überlegt. Um zuerst Organisatorisches anzusprechen: ein Eintagesevent, gespickt voll mit einer Auslese aus österreichischen Klassebands aufzuziehen, heißt nicht gleichzeitig, Erfolg zu haben. Anderweitige Faktoren, wie etwa Publikum, Stimmung, Rahmenprogramm, Camping, darf man nicht außer Acht lassen. Funktionell auf alle Blickpunkte einzugehen ist oftmals schwierig. Ein Sammelsurium aus vielen Teilen gilt es zu berücksichtigen. Durch mein relativ frühes Eintreffen am ersten Tag, konnte ich mir schon einen guten Überblick über die oben genannten Erfolgsfaktoren schaffen. Die fairen Preise des Vorjahres (2 € pro Getränk) erfreuten einen gleich aufs Erste. Chill-Out-Bereich und Fußballwiese gab es ebenfalls wieder. Zusätzlich wurde das ganze durch ein Volleyballnetz erweitert. Eine sehr heimliche und familiäre Atmosphäre, nicht zuletzt durch die Location, einem Bauernhof in Buchkirchen.

Diesmal startete das Zweitagesfest schon mit einer Alternative-Party am Freitagabend. Allseits bekannte Töne wurden den hungrigen Musikbegeisterten zum Fraß vorgeworfen. Ein bunter Mix aus Hits der Alternativ-abteilung. Und so fanden sich nach und nach immer mehr Leute ein, und dankten es mit teilweise exzessivem (!) Tanz. Ein Mann ist hier ganz besonders hervorzuheben. Wie von der Tarantel gestochen machte er die Tanzfläche zu seiner eigenen Showbühne, und zog somit die meisten Blicke auf sich. Ein klein wenig mehr Leute hätten es noch sein können, doch insgesamt ein sehr guter Auftakt für die Wochenendfeier.

Samstag war Bandtag, und diesen eröffneten SPIELTRIEB aus St. Pölten. Eine 6er Combo mit Sänger und Sängerin. Geboten wurde sanfter Pop. Diese noch sehr junge Band versuchte ihr Bestes, nur hatten sie halt die Opener-Position, und da tun sich bekanntlich viele Bands schwer. Die Halle war relativ leer, und so glaubte der ein oder andere, dass der Soundcheck noch läuft. Der Gitarrist fand sogar Platz, einen Ausflug in die Mitte der Halle zu unternehmen. Man bemühte sich, dennoch gab es keinen richtigen Draht zum Publikum.

Pünktlich um 19:00 ging es mit den Oberösterreichern von BLISSTONIA weiter. Mussten die Perger zu Beginn des Sets doch noch mit erheblichen Soundproblemen kämpfen, fielen in weiterer Folge die guten Songstrukturen auf. Mittlerweile befanden sich auch einige Leute mehr in der Halle. Ob es durch den heftig einsetzenden Regen war, sei einmal dahingestellt. Ich denke nicht, denn die vier klangen zu harmonisch und professionell für einen einfachen Regenüberbrücker. Die Regungen des Publikums konnte man zwar nicht als “Abrocken“ bezeichnen, doch ein anständiges Wippen der vorhandenen Gemeinde machte die Zustimmung deutlich. Eine gelungene Performance, so würde ich es bezeichnen. Ende Juli soll dann endlich die CD auf den Markt kommen, auf welche sich, auf Grund einer kleinen Umfrage meinerseits, schon sehr viele Leute freuen.

Fortgesetzt wurde mit SIRUPOP. Eine Band aus Wien mit Fahrtrichtung Pop. Existiert die Band erst seit 2002, so wurden schon zahlreiche Gigs in In- und Ausland absolviert. Paris und die Schweiz, um nur einige Namen zu nennen. Neben dem Gewinn des Antenne Newcomer Bewerbes 2003, stehen sie außerdem im Finale des diesjährigen Emergenza-Bandcontests. Tourpartner waren unter anderem MADRUGADA, TOCOTRONIC und READYMADE. An den starken Endspurt der vorhergehenden Band wurde leider nicht angeknöpft und so plätscherte die Stimmung bei der Allgemeinheit ein wenig dahin. Die Band setzte zwar voll und ganz auf Athmosphäre, sowohl bei Musik als auch bei den Texten, doch so richtig wollte es nicht klappen. Sehr positiv fielen meiner Meinung nach die Samples auf, zumal ich es doch eher ungewöhnlich bei einer Popband finde, mit einer solchen Elektronik zu agieren. All the best for Emergenza.

Als nächstes waren GOATSKIN an der Reihe. Sie sind längst nicht mehr nur in unseren Landen bekannten. Auch in England, Deutschland, Italien, Schweden, und sogar Amerika gibt es Fangemeinden. Geboten wurde “New Metal“ mit einigem Schuss Gefühl. Nachdem 2001 der neue Bassist zur Band stieß, gab es im Herbst des Jahres 2002 das bislang letzte Demo der Oberösterreicher. Der Druckpegel wurde gleich mal nach oben geschraubt, und im Zuge dessen die Anzahl der Anwesenden ansprechend erhöht. Ein bunter Schnitt durch alle Phasen der Bandgeschichte. Von schweren Metal-riffs bis hin zu Punkrock-elementen wurde alles geboten. Eine Prise Eigendynamik streute Vokalist Oliver drüber. Ein breit gefächerter Musikstil, und die unglaubliche Stimme des Sängers küren sie zu einem Abräumer des heutigen Abends. Eine sehr dynamische Rockshow einer großartigen Band, aus der gar nicht mehr so kleinen Rocknische Traun.

Der nächste Act hörte auf den Namen CENTAO. Sie waren der kurzfristige Ersatz für KONTRUST. Ein wahrer Local act, kommen sie doch alle aus der Welser Umgebung. Die Meinungen die ich mir vor dem Gig über die Band einholte, waren doch sehr unterschiedlich. Umso größer war dann auch die Spannung. Der Posing-faktor war meines Erachtens nach relativ hoch, was das Stage-acting und die allgemeine Optik betrifft. Nichts desto trotz kamen sie von Anfang an gut bei der Audienz an. Das Quartett spielte sich durch Songs von ihren zwei bisherigen Veröffentlichungen “Rising“ und “Straight within“. Solider New Metal, so kann man ihre Darbietung beschreiben. Den Leuten gefiel es, und etwas getanzt wurde obendrein. Mit Sicherheit eine der aufstrebendsten Bands unseres Landes.

Dann gabs etwas Verwirrung, denn 330ml(e) tauschten den Headlinerslot mit ESTATE und spielten somit schon als drittletzte Band. Am Nachmittag schon, traute ich meinen Ohren nicht, als die Band beim Soundcheck war. Der Sänger besitzt, ohne Übertreibung, fast exakt die selbe eindringliche Stimme wie Brian Molko von PLACEBO. Auch musikalisch schlagen sie in eine ähnliche Kerbe. Die Band kann ebenfalls schon auf bemerkenswerte Auftritte zurückblicken. Taubertalfestival, Donauinselfest, Two Days A Week in Wiesen, um nur einige zu nennen. Außerdem gewannen sie den Emergenza-Bandcontest in Jahr 2001. “Threethirty Emely“, so der richtig ausgesprochene Name. Geboten wurde solider, gefühlvoller Rock, aber auch tieftraurige Balladen. Da sie die eigentliche Headlinerposition inne hatten, spielten sie auch das längste Set von allen Bands. Störend wirkten die ständigen Bemühungen des Sängers, das Publikum zu animieren, was sich mit Fortdauer auch auf die Stimmung niederschlug. Vielleicht fehlen einfach nur ein paar Ohrwürmer um ganz groß zu werden. Dicht drann sind sie in jedem Fall, denn der Auftritt war professionell und emotionsgeladen.

Und nun kamen PENSIVE LANE dran. Eine Gruppe die in ihren Fundamenten schon seit 1999 besteht. Im Jahr 2002 wurden sie Vierter beim, wie schon erwähnten, Emergenza-Bandcontest. Im März 2003 erschien ihre EP “Sweet Promises“. Von da an konnten sie dann durchstarten. Zahlreiche Clubshows und Festivals wurden abgespult. Heute hatten sie das Publikum von der ersten Minute an unter Kontrolle. Durch ihre angenehm freundliche Art konnten sie die meisten überzeugen. Britrock a la COLDPLAY und TRAVIS, von seiner feinsten Seite. Melodie und Stimmung drängten sich immer wieder in den Vordergrund. Die stimmungsvolle Atmosphäre während ihres Sets bescherte ihnen permanenten Applaus. Hoffentlich machen sie weiter so, wie bisher.

Und dann kam der Headliner. ESTATE übernahmen diese Aufgabe. Zusammengewürfelt aus Salzburg, Wien, Linz konnten sie schon einige Gigs mit Bands wie CIV, SUCH A SURGE und D.R.I. verbuchen, außerdem einen Auftritt beim Bizarre-Festival in Weeze im Jahr 2001. Vor kurzem supporteten sie SNAPCASE, ein Band mit der man sie, denke ich, ziemlich gut vergleichen kann. Druckvoller Hardcore mit allen Ecken und Kanten. Es wurden zwar, unumstritten, immer weniger Leute, doch die Qualität dieses Auftrittes stand zu jeder Zeit außer Frage. Der Sound schnellte druckvoll aus der Anlage. Man hatte das Gefühl, der Sänger will einen von der ersten Sekunde an auffressen. Hochangespannt schoß er an der Bühnenfront seine Shouts in die Halle. Die Anstrengung war ihm sichtlich ins Gesicht geschrieben. Es gab kein stumpfes Abgeschruppe, keine planlosen und eintönigen Ansagen. Durch die Abwechslung die sie in ihr Set einbauten wuchs der Autritt immer weiter und weiter. Die runden, uhrwerkartigen Drumsounds und Gitarrenbretter taten ihr übriges zu einer großartigen Hardcore-show. Wenn sie sich in dieser Form weiterentwickeln sind die Jungs schwer zu schlagen. Und damit ich meine nicht nur in Österreich.

FAZIT: Ein gut organisiertes Konzept, entprechend umgesetzt, ergibt eine Spitzenveranstaltung. Allseits bekam das JUDGEMENT NIGHT Festival einen Riesenanklang, sowohl bei Fans, als auch bei den Bands. Wenn die Rahmenbedingen weiter so gut funktionieren, wächst hier eine feste österreichische Festivalgrösse heran. CU next year!


FOTOS + E-CARDS
www.judgementnight-festival.at

matl
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Beitrag vom 20.06.2003
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