HULTSFRED FESTIVAL MIT: MASSIVE ATTACK   TURBONEGRO   DAVE GAHAN   LADYTRON   IN FLAMES   CAVE IN   SCHNEIDER TM   BADLY DRAWN BOY   PARIS  
12.06.2003 @ Hultsfred, Schweden

Das Hultsfred Festival in Schweden gehört, neben dem Roskilde, zu den wohl besten Festivals Skandinaviens. Auf insgesamt 6 Bühnen spielten an den 3 Tagen um die 140 Bands. Weiters gab es noch Open Air Kino, Skater Rampen, ein DJ Dance Zelt (Tekkno, Goa, usw.) und viel Werbung (im speziellen für als auch gegen den Euro, da Schweden im Herbst über einen Beitritt zur gemeinsamen Währungsunion abstimmt). Wenn man sich an die Eigenheiten des hohen Nordens erstmal gewöhnt hat (nur 4 Stunden Nacht, Alkoholausschank nur innerhalb der dafür vorgesehenen „Käfige“, das Fahnen schwingende Publikum) kann es sich aber zu einem ganz besonderen Festivalerlebnis entwickeln.

Begonnen hat für mich der erste Tag mit PARIS. Würde sie mal als die Schwedenvariante unsere ECHOPHONIC bezeichnen. Bei zwei Sängerinnen und süßlichem Pop Rock liegt der Vergleich doch sehr nahe. Danach folgte, nur mit einer Akustikgitarre und Mundharmonika bewaffnet, BADLY DRAWN BOY. War ganz nett, hätte mir aber trotzdem GOTO80 anschauen sollen die zeitgleich spielten und von der Schwedischen Presse nach ihrem Auftritt als die neuen ATARI TEENAGE RIOT gefeiert wurden. Als erstes Highlight des Donnerstags stellten sich CAVE IN heraus. Mit ihrem aktuellen Album „Antenna“ haben sie endgültig ihre Noise Wurzeln abgelegt und sind etwas melodischer und eingängiger geworden. Manche würden es wohl auch kommerzieller nennen.

Danach folgten IN FLAMES auf der Hauptbühne welche kurzfristig den Slot für LINKIN PARK, die krankheitsbedingt absagen mussten, übernehmen durften. Mit ihrem selbstgemachten LINKIN FLAMES T-Shirts und den Ansagen, dass sie ja eigentlich viel besser als LINKIN PARK sind, bewiesen sie wenigstens Humor. Wie jede andere schwedische Band auch bzw. aufgrund des Nationalstolzes schienen sie beim Publikum recht gut angekommen zu sein obwohl sie neben NASUM und CULT OF LUNA zu den wohl eher „härteren“ Bands des Wochenendes zählten. Für mich bedeutete der IN FLAMES Auftritt aber nur „Ohren zu“ und an der Bühne vorbeikämpfen um rechtzeitig bei SCHNEIDER TM zu sein. Obwohl er zwischen den Extremen – popig, süßer Melodien und zerhackten, Frickelsound - hin und her wechselte und dazwischen viel gefiepstes, verzerrtes und zurückgekoppeltes bot war es doch eine interessante Performance, wenn auch nicht das was ich mir aufgrund des "Zoomer" Albums erwartet hätte. Und seine Version des SMITH Klassikers „There is a light that never goes out“ würde wahrscheinlich auch stundenlangen Diskussionsstoff um Sinnhaftigkeit und Daseins-Berechtigung liefern.

Fragen, die sich auch ein DAVE GAHAN stellen sollte, der im Anschluss auf der Hauptbühne (!) auftrat. Mir wurde jedenfalls schlagartig bewusst, wie das ein gewisser Kurt Cobain mit dem Ausspruch „It´s better to burn out than to fade away“ gemeint hat. Mr. GAHAN schien sich der Tatsache jedoch selbst vollkommen bewusst zu sein, dass sein Soloalbum schal wie das Bier des Festivalhauptsponsors Åbro schmeckt und das Festivalpublikum ohnehin nicht wegen seinem Soloprojekt hier ist. Daher wurde nach dem Schema der zweit kleinsten Primzahl ausgehend seine eigenen (schlechten) Songs mit (genialen) DEPECHE MODE Hits („Personal Jesus“, „Walking in my shoes“, „I feel you“, „Never let me down again“) alternierend rübergebracht. Das kaum beachten des Publikums seiner ´eigenen´ Songs ließ ihm schließlich zu den letzten Mitteln greifen: er entledigte sich seines Hemdes! Als das auch nicht mehr zu nutzen schien stellte er sich an den Bühnenrand und fing an mit dem Po zu wackeln um wenigstens etwas Stimmung reinzubringen. Also noch tiefer und grindiger geht wohl nicht mehr...

Danach folgten TURBONEGRO und wie könnte es anders sein: Hank und seine Mannen haben halb Hultsfred in Grund und Boden gerockt. Das komplette Programm bestand aus einer Aneinanderreihung ihrer Hits: „Are you ready (for some darkness)“, „Fuck the world“, „Don´t say motherfucker, motherfucker“, „Turbonegro must be destroyed“. Dazu noch das typische TURBONEGRO Gepose auf der Bühne, norwegische Ansagen an die Turbojugend, Hanks Bierbauch, viel Denim... einfach nur Kult!

Auf den Weg zurück zur Hauptbühne habe ich noch bei den RAVEONETTES vorbeigeschaut. Die hätten auch mehr zu bieten als das „Attack of the ghost riders“, aber leider überschnitt sich deren Auftritt mit MASSIVE ATTACK, deren Konzert zu den absoluten Hightlights aller drei Tage zählte. Da sich im speziellen 3-D als großer Kriegsgegner ausspricht wurde auch die Bühnenshow an diese Thematik angelehnt. Dabei wurden Aufstellungen über die Militärausgaben einzelner Staaten bis hin zu den Kosten für diverses Kriegsgerät (vom Panzer bis zur Handgranate) über eine, die gesamte Bühne umfassende, Videoleinwand projiziert und von Songs wie „Karmacoma“, „Inertia Creeps“, „Special Cases“ und „Teardrop“ perfekt untermalt. Wahrhaftig ein Gesamtkunstwerk für Augen und Ohren!

Zum Ausklingen lassen des Tages entschied ich mich anschließend für die britischen LADYTRON. Mir ist zwar noch immer nicht klar, wozu man von den insgesamt 6 Bandmitgliedern 4 mit mindestens 2 Keyboards oder sonstigem Verzerrequipment ausstatten muss, aber es taten alle sehr beschäftigt und hauten in die Tasten bzw. drehten an den Knöpfen. Auch wenn die zweite Sängerin ein Gesicht wie nach 70 Tagen Regenwetter aufsetzte und sich mit ihrem Sprüchen mehr als zickig dem Publikum gegenüber verhielt konnte es die Stimmung im Zirkuszelt selbst gegen 3 Uhr früh nicht vermiesen. Nach dem auch hier bei uns bekannten Nummern „Playgirl“ , „He took her to a movie“ und „Seventeen“ verabschiedeten sie uns mit dem TWEET Cover von „Oh my“ in die Nacht. Naja, nicht ganz. Immerhin war es kurz nach halb vier und schon wieder hell...


FOTOS + E-CARDS von:
[ HULTSFRED FESTIVAL 2003 ]
[ PUBLIKUM ]
www.hultsfred.tv

Stiga
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Beitrag vom 25.06.2003
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