HULTSFRED FESTIVAL MIT: RADIOHEAD   DANDY WARHOLS   THE DATSUNS   QUEENS OF THE STONE AGE   COUNTING CROWS   CULT OF LUNA   THE HELLACOPTERS   THE STREETS   BURNING BRIDES  
13.06.2003 @ Hultsfred, Schweden

Eröffnet wurde die Hauptbühne am Freitag von den COUNTING CROWS. Die durften in Schweden um einiges bekannter sein als hier bei uns, da die Festivalbesucher mehr Lieder als, die von unserem Hitradio Ö3 gehypten, „Mr. Jones“ und „Big Yellow Taxi“ kannten und auch lautstark mitsangen. Musikalisch baut wohl jeder COUNTING CROWS Song auf dem gleichen, seichten College-Pop-Rock-Mitsing-Schema auf. Dazu noch ein paar Texte über Amerika oder amerikanische Mädchen (aber Hauptsache irgendein Bezug zu Amerika) und fertig ist der nächste Hit. Ganz nett für ein Festival, ganz nett zum nebenbei hören aber leider alles nach dem Schema „kennst du einen Song, kennst du alle“. Und außerdem: bin ich der einzige dem Sänger Adam aufgrund seiner Frisur irgendwie an Sideshow Bob von den Simpsons erinnert?

Beim Vorbeigehen an der zweitgrößten Bühne hörte ich das BOBAN MARKOVIC ORKESTAR welches vielleicht einigen von der Wiener Festwochen-Eröffnung bekannt vorkommt. Bei den Schweden ist es sichtlich gut angekommen (wie man an den Fotos erkennen kann).
Nach einer viertel Stunde HELLACOPTERs ging ich, weil schlechter als erwartet, weiter zur Theater Bühne um mir CULT OF LUNA anzusehen. Die waren mir bis dato unbekannt – sind aber so etwas von genial! Der Sound dunkel, tief, schleppend und depressiv durch dem das Geschreie von Sänger Klas wie eine Kreissäge durchschneidet. Klingt irgendwie nach Hardcore meets MY DYING BRIDE. Leider war die Bühnenbeleuchtung genauso düster wie ihre Musik und daher gibt es keine Fotos. Unbedingt mal das aktuelle Album „The Beyond“ anhören!

Nach einem verlängerten Nachmittagsschläfchen das mich leider den Auftritt von PRONG verpassen ließ (ich könnte mich jetzt noch steinigen dafür!) war ich dann pünktlich zu den QUEENS OF THE STONE AGE am Festivalgelände zurück. Ja, aber das hätte ich mir ruhig sparen können. Das war wohl der schlechteste Gig den ich jemals gesehen hab (und ich hab sie mittlerweile 4 x gesehen!). Kein Druck, kein Bass, alles sehr lieblos rübergebracht und eine furchtbare Songauswahl! Daß die von Mark Lanegan gesungenen Songs zu den schlechtesten QOTSA-Songs zählen ist ohnehin schon bekannt, aber wie viele außer seinem „Hanging Tree“ wollen sie ihm denn noch singen lassen? Bei diesem Gig waren es mindestens fünf! Sollten sie ihn wirklich als fixes Mitglied aufnehmen und ALLE Gesangsparts übernehmen lassen wird das wohl das Ende der QUEENS bedeuten! Als kleines Trostpflaster brachten sie als Zugabe „Regular John“ von ihrem gleichnamigen, und wohl bis jetzt noch immer, besten Album.

Danach folgten die DANDY WARHOLS die mit ihrer aktuellen Scheibe „Welcome to the monkey house“ auf die charmanteste Art spröden '80er Jahre Charme rüberzubringen versuchten. Das ganze Set war sehr minimalistisch, ruhig und zurückhaltend gehalten und Sänger Courtney Taylor - Taylors Mimik und Gestik waren so ziemlich das einzige was zum Publikum sprach. Naja, ein Dandy halt. Da Schweden auch ein Vodafone-Land ist brauch ich wahrscheinlich nicht erklären wie es bei „Bohemien like you“ abging. Geniale Band, gediegene Performance, gute Alben und die wohl beste Coverversion ever von AC/DCs „Hells Bells“. Schön, dass sie nach dem Werbehit dennoch weiter machen, obwohl sie es wahrscheinlich nicht mehr nötig hätten.

Danach folgte wohl die Band überhaupt: RADIOHEAD. Den schwedischen Medien zufolge war die Erwartungshaltung der Besucher RADIOHEAD gegenüber sehr hoch. Waren sie doch die teuerste Band des gesamten Festivals und haben mit ihrem aktuellen Album „Hail to the thief“ wieder einen Meilenstein in der Musikgeschichte gesetzt. Sowohl stilistisch als auch was die Verkaufszahlen betrifft. Auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner gebracht ist es für mich aber nur ein Album auf dem die Kluft zwischen Genialität und Gülle sehr nahe beieinander liegt. Mit Sicherheit ist es aber etwas schlichter und weniger fordernd als die Vorgänger.
Diese Schlichtheit ist natürlich auch bei der Performance vorauszusetzen (hab sie immerhin auch schon mal live gesehen). Im Mittelpunkt stand natürlich Thom Yorke. Thom Yorke vor dem Mikrofonständer, Thom Yorke mit Gitarre und Thom Yorke vor dem Piano sitzend (und spielend). Dazu dezente Beleuchtung und kein Videowall-Animations-Schnick-Schnack. Nur die Musik. Viel vom neuen Album. Die Singles bis zu „Ok Computer“ und kein „Creep“ oder „Fake plastic trees“. Alles wie erwartet. Eigentlich vorhersehbar, oder?

Deshalb machte ich mich schon während des RADIOHEAD Gigs auf zur nächsten Bühne um die DATSUNS aus Neuseeland zu sehen und die waren der Kracher des Tages. It´s just Rock ´n Roll Baby but I like it! Die DATSUNS, das sind einfache Riffs und Melodien, 70iger Jahr Glamour, viele Gitarrensolis und dazu Songtitel wie “Motherfucker from Hell” oder “Freeze Sucker”. Das obligatorische Bühne- und Instrumente-Zerstören am Ende darf dabei natürlich auch nicht fehlen; damit ja jeder weiß, wann es aus ist. Die DATSUNS sind wohl das Beste was derzeit unter neuseeländischer Sonne so heranwächst!

Weniger aufregend im Vergleich dazu waren THE STREETS. Einen Hit („Let´s push things forward“) und ein in den Himmel hoch gelobtes Album machen noch keine gute Live Band. Deshalb entschied ich, mir als letzte Band des Abends die BURNING BRIDES anzusehen und schwankte danach, noch immer mit Philadelphia Garagen Rock in den Ohren, dem Sonnenaufgang entgegen. Es war ja schon wieder halb vier…


FOTOS + E-CARDS
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Stiga
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Beitrag vom 26.06.2003
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