JAZZFEST WIESEN MIT: MORCHEEBA   CALEXICO   MOLOKO   KOSHEEN   THE ROOTS   INTERNATIONAL PONY   AQUALUNG   CAFE DRECHSLER  
18.07.2003 @ Festivalgelände, Wiesen

Das Jazzfest ist in den letzten Jahren auch schon zu einem fixen Bestandteil des Wiesenschen Festivalsommers geworden. Während am Vortag bei DIANA KRALL das gutbetuchte Publikum noch auf Sitzplätzen unterkam, musste man am Freitag überhaupt schon froh sein, wenn man eine Karte ergattern konnte. Completely sold out. Aber auch kein Wunder bei diesem Programm!

Dabei ein absolutes Highlight herauszupicken fällt schwer, da sich das Dargebotene kontinuierlich zu steigern vermochte und dabei der lockere Low-Jazz der Wiener Formation CAFE DRECHSLER genauso passte, wie die elektronische gute-Laune-Musik von INTERNATIONAL PONY, die erheblich dazu beitrug, über den zuvor von AQUALUNG zugefügten Herzschmerz mit „Strange and beautiful“ hinwegzukommen. Die East Coast Hip Hopper THE ROOTS, vielen wahrscheinlich aufgrund ihres Songs „Yout got me“ mit ERYKAH BADU ein Begriff, können wohl auch auf einen gelungenen ersten Österreich-Auftritt zurückblicken.

KOSHEEN drängten nach dem gitarrenlastigen Eröffnungssong die Frage auf, inwieweit es sich dabei noch um die KOSHEEN handelt, die ich zu kennen glaubte. Diese Drum´n Bass Anleihen, die Breakbeats und elektronischen Spielereien auf denen ein KOSHEEN-Song aufzubauen pflegte, fehlten gänzlich, ebenso wie der Kollege am E-Cello. Zwischen ihren bewährten Hits wie „Catch“, „Suicide“ oder „Hide you“ kamen Alternative-Gitarren-Pop-Songchen auf die das Publikum – wahrscheinlich ähnlich irritiert wie ich - kaum eine passende Reaktion parat hatte. Irgendwie ein Hin- und Herpendeln zwischen zwei Welten. Mal abwarten, was das kommende Album so bringt, aber die aktuelle Single „All in my head“ kann wohl schon als Anzeichen gewertet werden, dass man sich nicht allzu viel erwarten sollte.

Die darauf folgenden MOLOKO waren wohl der Publikumsmagnet schlechthin. Wenn man sich nicht zu sehr von der Garderobe der Frontfrau Roisin Murphy ablenken ließ, konnte man eine geniale Show, eine sichtlich gut gelaunte Band und ein mehr als zufriedenes Publikum erleben, wurden doch alle in die Band gesteckten Erwartungen durch das Spielen aller relevanten Songs von „Fun for me“ über „Sing it back“ und „The time is now“ bis hin zur aktuellen Single „Forever more“ erfüllt. Obwohl an „The Flipside“ könnte ich mich jetzt nicht erinnern. Dennoch: geniale Band und wohl der eigentliche Headliner dieses Festivaltages.

Diese hochgesteckte Latte in der Publikumsgunst konnte weder von MORCHEEBA noch von CALEXICO erreicht werden. Die Jungs aus Amerika spielten zwar ein gutes Set, dennoch wollte der Funke nicht so wirklich ins Publikum überspringen. Wahrscheinlich weil CALEXICO leider die ganz großen Hits fehlen. MORCHEEBA bot ebenfalls eine solide Show mit einer immer lächelnden und Witze reißenden Frontfrau. Aber irgendwie schien jeder im Publikum nur auf „Rome wasn’t built in a day“ zu warten, das leider erst als Zugabe geboten wurde. Leider schaffte es (aufgrund der späten Stunde?) nicht mehr jeder bis ans Ende auszuharren.

Ein gelungener Festivaltag, bestes Wetter, ein grandioses Line Up und ein gemütliches Publikum, daß den ganzen Tag vorwiegend damit verbrachte in der Wiese zu liegen (oder in der Hängematte abzuhängen) und guter Musik zu lauschen, obwohl der Name "Jazzfest", wie wir mittlerweile daraus gelernt haben, nicht wörtlich zu nehmen war.


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www.wiesen.at

Stiga
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Beitrag vom 28.07.2003
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