METALFEST VIENNA 2 / TAG 2: SAXON   IN FLAMES   GOD DETHRONED   NAPALM DEATH   U.V.A.  
24.08.2003 @ Arena

Der zweite Tag begann für mich zum Glück etwas später. In aller Frische - Red Bull sei dank - wurde der Napalm Records Stand wieder auf Vordermann gebracht, bevor sich bereits zu Mittag die ersten Besucher am Gelände einfanden. Noch deutlich weniger als am Vortag, merklich unausgeschlafen trottete man gleich zur Mainstage, auf welcher GOD DETHRONED am zweiten Tag den Opener gaben.
Das holländische Quartett war seit je her nicht nur ein Garant für hervorragende Veröffentlichungen - bis auf den einen oder anderen kleinen Ausrutscher, siehe "Into The Lungs Of Hell" - sondern auch für energiegeladene Auftritte, spielerisch einwandfrei, voller Elan und Spielfreude. Endlich wieder mit einem fixen Line Up zu Gange, konnte weder die Mittagshitze noch die etwas lustlosen Besucher ("Are you still drunk from yesterday, huh?" - O-Ton Sattler) das sympathische Quartett um Fronter Henri Sattler davon abhalten, ein hervorragend ausgewähltes Pflichtprogramm abzuliefern - sowohl alt ("Boiling Blood") als auch neu ("The Warcult") wurden in die Menge geschmettert, die mit der Zeit endlich aufzuwachen schien. Ein (verwunderlicherweise bereits zu dieser Uhrzeit) grandioser Sound tat sein übriges, um die Show gelingen zu lassen, zumal die Liveperformance wiederum hervorragend war, sowie auch das Material der letzten Veröffentlichung live um einiges mehr an Druck und GOD DETHRONED-typischen Charme verliehen bekam, als noch auf der Platte selber.
Verwunderlich nur, dass die Holländer einen derart früh angesetzten Platz am Billing verpasst bekommen haben, angesichts dieser Performance und dem mehr als starken Material währe ihnen durchaus auch ein Platz weiter oben gerecht geworden...
[Macabre]

Noch bevor GOD DETHRONED sich die Ehre gaben, waren auf der Painstage bereits SITH zu gange. Entweder war ich an diesem Tag noch nicht sonderlich aufnahmefähig oder der Sound war schuld, aber irgendwie konnten mich die fünf Wiener mit ihrer Performance so gar nicht überzeugen, weshalb ich ziemlich bald gen Mainstage strebte.
[Christoph]

GOD DETHRONED - live hervorragend, dennoch: Es gab einen negativen Beigeschmack, für den ich weder die Band, noch die Soundtechniker, noch das Personal der Arena zur Verantwortung ziehen kann... Die Rede ist von meiner lieben Kollegschaft aus dem Earshot-Forum, insbesondere PUNISHMENT-Vokalist Andi, welche mir permanent ins Ohr sabberten, ja nicht GRAVEWORM zu verpassen, ich würde es angesichts der Keyboarderin mehr als nur bereuen.
Nun gut, da ich ja immerhin zugegen war, um mir etwas anzusehen, warf ich eben auch einen Blick auf die Südtiroler Gothic/Black-Metaller - und ich muss zugeben, ein gewisser Teil der Band bekam mehr Aufmerksamkeit meiner Augen, als meiner Ohren, obwohl GRAVEWORM auch musikalisch durchaus zu gefallen wussten.
Schon sonderbar, dass so manche Band auf CD nun gar nicht das "gewisse Etwas" zu transportieren weiß, live hingegen durchaus sehens- und hörenswert ist. Insbesondere der charismatische Frontmann Stefan Fiori lotete alle möglichen Stimmvariationen aus, präsentierte sich auch wie der Rest der Band energiegeladen und motiviert - trotz melancholischem, melodiösem Grundton beinhart und aggressiv. Verwunderlich vorallem, dass auch Sabine Mair hinterm Keyboard ständig in Bewegung war - und zwar derart, dass so mancher Gaffer in der ersten Reihe es mit der Angst zu tun bekam, dass ihr hübscher Kopf nicht lange auf dem nicht minder ansehnlichen Körper verbleiben würde.
Kurzum: GRAVEWORM wussten live zu gefallen, boten eine hervorragende Show und konnten ihr Material mit etwas mehr Energie und Druck versehen, als auf den Veröffentlichungen, sodass auch das Publikum seine Sache ordentlich machte und dem Quintett mindestens genau so viel Elan entgegenbrachte, wie die Band selber.
(Aus bereits oben angedeuteten Gründen scheint meinem lieben Kollegen entgangen zu sein, dass der Sound alles andere als angemessen war und vor allem besagte Keyboarderin trotz engagiertem Stageacting sträflich vom Tontechniker vernachlässigt wurde. Des weiteren gestalteten sich die Ansagen zwischen den Songs etwas seltsam, da anscheinend vergessen wurde das Echo und den Hall auf der Stimme zurückzudrehen. - Christoph) (Dies ist nun mal Geschmackssache, mir persönlich gefällt ein in den Hintergrund gesetztes Keyboard besser - daher gefielen mir GRAVEWORM live auch besser als auf Platte ;) - Macabre)
[Macabre]

Am frühen Nachmittag durften die jungen Abtenauer LIZARD BEAUTY wiedermal ihr Können unter Beweis stellen, und stellten dem (für diese Tageszeit) gar nicht so spärlich erschienen Publikum u.a. einige musikalische Kostproben aus ihrer aktuellen Demo-CD „Through the darkest night“ (U.a. Titelsong) vor. Obwohl der Sänger wiederum einen nicht gerade nüchternen Eindruck machte, und der Gig wegen groben Soundprobleme gar kurz unterbrochen werden musste, hat der zelebrierte Power/True Metal der Jungs hörbar seine Reize, und kann als Versprechen für die Zukunft durchgehen.
[Hutti]

Bei unverändert strahlend blauem Himmel stürmten die Trolle aus Finnland die Mainstage, um vor der Bühne ordentlich gute Laune zu verbreiten. Die sechs Finnen, die ja trotz des tragischen Todes ihres Gitarristen Teemu "Somnium" Raimoranta im März dieses Jahres alle Live-Konzerte im Sommer spielten, heizten den Fans mit Klassikern wie "Jaktens Tid" noch zusätzlich ein. Anscheinend war nun auch der Mann am Mischpult aufgewacht und versorgte FINNTROLL mit einem deutlich besseren Sound als zuvor GRAVEWORM. Andernfalls wäre der rasante Folk Metal der Trolle, der zeitweise vom Keyboard lebt, wahrscheinlich bei weitem nicht so gut rübergekommen. Nach einer guten Dreiviertelstunde - Nachruf auf das verstorbene Bandmitglied inklusive - endete die finnische Tanzveranstaltung allerdings schon wieder. Viel zu kurz dachten sich die Fans, doch alle noch so vehement vorgebrachten Zugabe-Wünsche wurden von der regen Umbauarbeit der Stagecrew, die den Auftritt von WITHIN TEMPTATION vorbereitete, abgewürgt.
[Christoph]

Rechtzeitig zu DAYS OF LOSS konnte ich mich von meiner Verkaufstätigkeit losreißen und bekam gleich die Fortsetzung des PARENTAL ADVISORY-Auftritts tags zuvor geboten - musikalisch thrashiger als die Kollegen, ein kleines aber feines Moshpit war dennoch garantiert.
Schlagzeuger Benni hat bekanntlich mittlerweile zum Tieftöner gewechselt und ließ es sich auch nicht nehmen, Vokalist Ol-Lee stimmtechnisch zu unterstützen - ein guter Schachzug, denn somit erreichte man mehr Abwechslung als zuvor, blieb zugleich aber nachwievor im bodenständigen Old School-Death verhaftet. Aggressiv und straight sind wohl die besten Wörter, um die Darbietung der Wiener zu beschreiben - die Bezeichnung "eine härtere Version von PANTERA" eine andere.
Auch zwischen den Stücken gab man sich nicht wortkarg, das sympathischen "Meidlinger-L" - welches bereits von ALKBOTTLE saloonfähig gemacht wurde - tat neben den üblichen Blödeleien sein übriges, um das Publikum für sich zu gewinnen. Insbesondere die Frage nach den "drei magischen M's" - welche an die männlichen Anwesenden gerichtet war - ist wohl mittlerweile ein Klassiker, und so war es auch nicht verwunderlich, dass das Publikum mit Speedy "Metal, Bier ... und Muschi!" mitgröhlte und dass damit nicht unbedingt seine Katze gemeint war, dürfte angesichts der Wanddekoration des DOL-Proberaums naheliegend erscheinen.
DAYS OF LOSS - trotz immensem Spaßfaktor keine Witzpartie, abwechslungsreich und spielerisch topfit, und stets auf der Suche nach den drei magischen M's, auch wenn Met statt Bier hierbei wohl eher angebracht wäre...
[Macabre]

WITHIN TEMPATION - mit "Ice Queen" momentan ein Dauerbrenner auf MTV, VIVA und Co., fragt mich jedoch bitte nicht, warum... Die knappe Stunde, die den Niederländern zugestanden wurde, gestaltete sich nicht nur für meine Ohren als Qual, auch ein Großteil der Besucher verzog sich während des Auftritts auf ein kühles Blondes in den Schatten und bewunderte die Geschmacklosigkeit von der Ferne. Auffallend nervtötend präsentierte sich vorallem das Happy-Gedudel von Sängerin Sharon den Adel, welche der Geisteskranken aus "Evil Dead I" gleich zwischen den beiden Engelsstatuten hin und her irrte und somit wenigens einen geringen Unterhaltungsfaktor darstellte.
Allerdings - man muss dem Quintett zugestehen, dass sie live doch etwas mehr überzeugen konnten, als noch auf dem mehr als gewöhnungsbedürftigen aktuellen Longplayer "Mother Earth" - und zumindest sie hatten offensichtlich ihren Spaß am Auftritt, dennoch gibt es meiner Meinung nach eine Reihe an stilistisch ähnlichen Bands, welche in sämtlichen Belangen mehr Qualitäten auffahren können und vorallem Sängerinnen, welche stimmlich abwechslungsreicher und energetischer zu agieren wissen... Man merkte eindeutig, dass WITHIN TEMPATION einem zwanghaften Hype unterliegen, als dass sie ihren Status mit der Zeit - und vorallem mit einer Unmenge an Auftritten - erarbeiten mussten, und daher auch nur einen positiven Zuspruch von einer geringen Anzahl der Anwesenden bekamen.
[Macabre]

Wie man aus Macabres Zeilen lesen kann, gibt es nicht wenige, die mit den Niederländern WITHIN TEMPTATION nichts anfangen können, aber wenn man die Spielzeit auf VIVA und Co. sieht beziehungsweise auch die Werbung für das aktuelle Album "Mother Earth" auf RTL, komme ich zum Schluss, dass es bereits erste Fanscharen gibt und sich bezüglich der Band eben die Geister scheiden. Für Knüppelfanatiker oder Metaller mit Abneigung gegen Frauengeträller mag die Band natürlich nervtötend wirken, aber es gibt auch andere, die sowohl mit hartem Metal als auch mit WITHIN TEMPTATION was anfangen können - das sah man im Publikum, wo auch Fans mit Death Metal-Shirt beim Auftritt der Gothic Metaller mitbangten. Hier möchte ich Macabre also widersprechen, zudem wohnten der Darbietung alles andere als wenige Leute bei, es war also relativ voll, nicht nur vorne im Sandbereich direkt vor der Bühne, sondern auch bis hinten auf dem Gras standen welche. Gut, ob die hinteren Reihen nur gelangweilt zuschauten oder es ihnen gefiel, bleibt dahingestellt. Jedenfalls wurden vor Beginn des Sets Säulen (wie z.B. auf dem Cover von TRISTANIAs "Beyond The Veil" sichtbar) und zwei große Engelsstatuen aufgestellt, welches schon mal positiv bezüglich Bühnenbild auffiel. Jubel kam auf, als die Jungs zu spielen begannen und Frontfrau Sharon die Bühnte enterte. Die Setlist beinhaltete "Caged", "The Promise", "Deceiver Of Fools", "Never-ending Story", eine Coverversion, deren Titel mir leider entfallen ist (Kate Bush, glaube ich...war aber nicht weltbewegend), eine Akustikballade und der Titelsong "Mother Earth". Hie und da kamen Flammen aus dem Boden, im Takt züngelnd, sogar die Engel hatten solche Effekte installiert. Sängerin Sharon gab ihr bestes, tanzte und bangte, was - das gebe ich zu - oft seltsam aussah, aber schließlich ist es ja ihre Sache, wie sie sich auf der Bühne bewegt. Weiters muss ich anmerken, dass mir WITHIN TEMPTATION wirklich gut gefiel, besonders die epische Keyboardarbeit und der sympathische Auftritt der Niederländer, aber gesangstechnisch wirkt es manchmal nicht rein, als ob die Töne nicht vollständig getroffen werden würden, oder aber Sharon klingt allgemein nerviger und kommt an eine Tarja (NIGHTWISH) oder Vibeke (TRISTANIA) nicht heran. Weiters unterliegt die Band ja einer Wandlung - das neue Album ist vom Gesang poppiger, während Sharon auf dem Vorgänger noch engelhafter (irgendwie auch besser) sang und zusätzlich von einem Grunzer unterstützt wurde, was das Material allgemein härter machte. Jedenfalls waren WITHIN TEMPTATION für mich wegen Musik und Bühnenshow eines der Highlights des Metalfests und beim obligatorischen Schlusssong "Ice Queen" erreichte die Stimmung sowieso ihren Höhepunkt. Also bin ich hier anderer Meinung als Macabre, es gab keine "geringe Anzahl an WITHIN TEMPTATION-Anhängern" und dass die Fans der Band beim Auftritt von NAPALM DEATH erschrocken das Weite suchten, halte ich ebenfalls für einen kompletten Blödsinn, da die Vorgängerfans ja nicht DJ BOBO hören oder sonstwas, sondern sich doch alle bewusst sind, dass sie sich hier auf einem Metalfestival befinden, wo auch Deathbands usw. aufgeigen...zudem man auch Metaller sah, die zu WITHIN TEMPTATION UND NAPALM DEATH, OBSCENITY oder MASTIC SCUM bangten. Als finales Statement möchte ich noch sagen, dass Geschmäcker glücklicherweise verschieden sind und jeder/e das hören soll und darf, was er/sie will - jedem, das seine. (Durchaus richtig - nur ist es Faktum, dass ich beobachtet habe, wie vorallem jene, die in der ersten Reihe bei WITHIN TEMPTATION standen, sich während NAPALM DEATH schnellstens verzogen haben. Nichts gegen unterschiedliche und breitgefächerte Geschmäcker, aber es gibt eben auch Geschmäcker, die nicht ALLES beinhalten ;) Insbesondere Sharons Stimme kann ich wirklich nichts abgewinnen - während TRISTANIA oder vorallem NIGHTWISH durchaus mehr als nur zu gefallen wissen... Anm. Macabre)
[Leander]

Während draußen WITHIN TEMPTATION aufgeigten, fand ich bei den Slowenen PROSPECT in der Halle Zuflucht. Zwar bin ich kein sonderlicher Power Metal-Freund, aber das Quintett konnte mich durch ihr musikalisches Können durchaus begeistern. Es machte einfach Spaß dem Gitarristen und dem Bassisten dabei zuzusehen, wie sie um die Wette spielten und auch die Spielfreude der anderen Bandmitglieder war durchaus sehenswert.
[Christoph]

Diese geringe Anzahl an WITHIN TEMPATION-Anhänger staunte jedoch nicht schlecht, als die britischen Heroren NAPALM DEATH die Bühne enterten und in gewohnt brachialer Manier ihren Siegeszug antraten. Da fiel vielen nicht einmal die Absenz von Jesse Pintado auf - waren Fronter Barney und Mönchsbirne Shane Embury schon eine Augenweide für sich, präsentierte sich auch die Songauswahl mehr als äußerst erlesen.
Angefangen bei den - sagen wir einmal: "auf den Punkt gebrachten" - Nummern der ersten Alben wie "Deceiver", "Life?" oder der Kultnummer schlechthin, "Scum", bis hin zu den neueren, bereits ausgefeilteren Stücken wie "Greed Killing", "If The Truth Be Known", "Pride Assassin" sowie denen des aktuellen Longplayers "Order Of The Leech" oder auch "Enemy Of The Music Business", wurde wohl so ziemlich alles geboten, was sich ein NAPALM DEATH-Fan innerhalb einer Spielzeit von fünfzig Minuten nur so wünschen kann - viel besser hätte man es nicht machen können, außer, man hätte "Harmony Corruption" von A bis Z durchgespielt, und hinten nach noch "Conservative Shithead", "Greed Killing" und natürlich "Scum" draufgepackt...
Als einziger negativer Beigeschmack präsentierte sich Barneys Ansage gegen Jörg Haider vor "Nazi Punks Fuck Off" - nicht weil ich den Kärntner Landeshauptmann in Schutz nehmen will, sondern weil ich denke, dass derart unqualifizierte Äußerungen von jemanden, der in der Österreichischen Politik wohl kaum sonderlich bewandert ist, einfach kein Publikum verdienen. Ein "Fuck Off" wäre zumindest meiner Meinung nach bei einigen anderen Politikern eher angebracht, aber nun gut...
NAPALM DEATH - nicht nur auf den zahlreichen Veröffentlichungen Kult (und das zu Recht!), sondern auch live immer wieder ein ungestümes Monstrum, unvorhersehbar und brachial...
[Macabre]

Die steirischen Bombastmetaller VISIONS OF ATLANTIS sollten zeitgleich mit NAPALM DEATH auftreten, was als fast schon perfekte Gigplanung angesehen werden durfte, da diese beiden Band musikalisch wohl Welten trennen, und so die Entscheidung, welchen Gig man beizuwohnen gedachte, nicht sonderlich schwer fiel. VISIONS OF ATLANTIS mühten sich auf alle Fälle redlich und besonders Sänger Christian legte sich besonders ins Zeug, aber man hatte dem Anschein nach mit massiven Soundproblemen und daraus resultierenden mit Abstimmungsschwierigkeiten zu kämpfen. (Die Keyboardparts gingen im Gesamtsound etwas unter.) Dennoch ließ die talentierte Band nichts unversucht, um die Gunst der Hörerschaft zu buhlen, und ihr aktuelles Werk „Eternal Endless Infinity“ ausgiebig vorzustellen („Lovebearing Storm“, "The Quest“ etc.), aber auch brandneue Kompositionen nicht außen vor zu lassen, und durfte sich hinterher auch an ansprechenden Resonanzen seitens der Fans erfreuen. Trotz der erwähnten Troubles hinterließen VISIONS OF ATLANTIS augenscheinlich bei der Audienz also einen durchaus guten Eindruck.
[Hutti]

BLUTMOND machten derweil dort weiter, wo DAYS OF LOSS aufgehört hatten und taten ihr bestes, ihre Zugehörigkeit zur Blut-und-Beuschl-Fraktion deutlich zu machen. Das Salzburger Quartett, das für die Oberösterreicher CEPHALIC eingesprungen war, bot der eher spärlich gefüllten Halle sehr soliden Death/Trash. Durchwegs eher im Midtempo-Bereich angesiedelt, überzeugten die fünf Akteure durch eine ordentliche Portion Groove, was vom anwesenden Publikum kopfnickend honoriert wurde.
[Christoph]

Die - im wahrsten Sinne des Wortes - Show von LETZTE INSTANZ nutze ich, um mit DEFENDER KFS-Gitarrist Gore sowie Vokalist Metzler über die Möglichkeit einer Coverversion des Kulthits "Nightrocker" (DAVID HASSELHOFF) zu diskutieren, wobei sich herausstellte, dass insbesondere Metzler diesem Gedanken durchaus positiv gegenüber stand, während Gore aus unerklärbaren Gründen Hemmungen zeigte, mit Brusthaar-Toupet, hautengen Jeans, lässigem, roten Hemd sowie zu großer Sonnenbrille auf die Bühne zu latschen. Der Gute hat wohl nie seine Jugend zu Alf, Knight Rider und Batman & Robin genießen dürfen, während Metzler und ich wohl eindeutig auf einer Wellenlänge lagen. Beim Fachgeplänkel über die komplette Knight Rider-Staffel verging die peinliche Darbietung auf der Mainstage zum Glück relativ schnell und das Earshot-Diskussionsforum traf sich rechtzeitig zum Co-Headliner IN FLAMES...
(Wie schon Kollege Leander vorher treffend erwähnt hat, sind Geschmäcker glücklicherweise verschieden und deshalb attestiere ich der LETZTEN INSTANZ durchaus einen nicht unbeachtlichen Unterhaltungswert. Nicht, dass mich die deutsche Truppe zu Begeisterungsstürmen hingerissen hätte, aber meinem Empfinden und den Publikumsreaktion nach, war die Show alles andere als "peinlich". - Christoph)
[Macabre]

Der Vollständigkeit halber, und weil es bekanntermaßen selbstverständlich eine Frage des Geschmackes darstellt, ob man die Show einer Band als peinlich oder eben nicht empfindet, möchte ich schon ein paar Worte zur Darbietung der Dresdner LETZTE INSTANZ, die bekanntlich erst durch die Absage von LACUNA COIL aufs Billing rutschten, verlieren: Ob eine Band dieser musikalischen Ausrichtung streng genommen auf einem Festival, das vom Konzept ganz klar als „reines“ Metalhappening ausgerichtet ist, nicht etwas deplaziert wirkt, kann sicherlich diskutiert werden. Nichtsdestotrotz boten die abgefahrenen Deutschen eine durchaus ansehnliche Show, die Leuten, die generell mit dem lyrischen Konzept, dem Image und natürlich dem Sound der Band etwas anfangen können, durchaus als befriedigen konnte, was auch die ganz ordentliche Stimmung in den ersten Zuschauereichen erklärte, wenngleich die Animationsversuche von Sänger Robin nicht unbedingt immer allerorts fruchteten. Neben Songs vom letzten Werk „Kalter Glanz“ („Das schönste Lied der Welt“; „Kalter Glanz“ etc.) wurden auch schon einige Appetizer zum kommenden Werk „Götter auf Abruf“ („Salve te“ etc.) angeboten. Auch wenn die Darbietung der Deutschen eine Spaltung der Audienz in zwei Lager mit sich brachte, wie bei kaum eine andere Band an diesem Wochenende, vertrete ich doch die Meinung, dass der moderne, elektronische Sound mit Folk-Anleihen bereicherte Sound der LETZTEN INSTANZ doch für etwas Kontrast sorgte, und auch zu gefallen wusste.
[Hutti]

Während BLUTMOND zuvor mit NAPALM DEATH gleichzeitig auf der Mainstage vor recht spärlichem Publikum spielen musste, hatte sich die Halle bei PLENTY SUFFERING doch deutlich gefüllt. Schließlich sprechen die Steirer mit ihrem melodischen Death Metal mit der einen oder anderen Trash-Anleihe ein etwas anderes Auditorium an, als die LETZTE INSTANZ. Während noch am Vortag die meisten Bands mit Keyboard auf der Painstage einen eher unterdurchdschnittlichen Sound abbekommen hatten, konnten PLENTY SUFFERING mit ihrer Performance rundum zufrieden sein. Man wusste gekonnt die Anwesenden über die 30-minütige Spielzeit hinweg mit teils melodischem, teils bitterbösem Todesblei zu unterhalten, auch wenn das Stageacting ein bisschen reduziert wirkte.
[Christoph]

Als nächstes waren die Oberösterreicher OLEMUS auf der Painstage an der Reihe, die ich mittlerweile schon wirklich oft gesehen habe...so war der Gig nichts Neues, aber doch wie immer ein Erlebnis. Sänger Robert agierte diesmal in einem weißen Anzug, nach dem Intro der aktuellen CD "Egod" ging es auch schon los, wobei songmäßig wieder zwischen "Egod" (z.B. "Es ist ich") und dem Vorgänger "Passionfall" ("Dead heart goddess", "Bleeding") gewechselt wurde. Der Sound war optimal, nur fielen die 30 Minuten Spielzeit vor gefüllter Halle natürlich viel zu kurz aus. Leadgitarrist rechnete noch mit einem Song, doch Robert verließ schon die Bühne, mit den Worten "Wir müssen jetzt abbrechen, sonst verpassen wir unsere Lieblingsband" oder einer vom Inhalt ähnlichen Aussage. So machte sich die Band also zu IN FLAMES auf und ich tat selbiges.
[Leander]

Schweden - das wunderschöne Land im hohen Norden, in dem sich vollbusige Blondinen mit Kiri und Vetebröd laben, im beim Ikea gekauften Stockbett "Gutfik" ihr Nickerchen machen, tagein und tagaus "Wickie" laufen haben, ihren Kindern Michel und Lina aus Astrid-Lindgrens Büchern Geschichten vorlesen und ihr Haar zu IN FLAMES schütteln. Eine Ansammlung von Vorurteilen, das gebe ich gerne zu, aber denen wurde die Band durchaus gerecht.
Gekleidet wie eine Heerschaar von IKEA-Verkäufern präsentierte sich das Quintett vor einer riesigen Schweden-Flagge (Frage: Welche Vermutung würde wohl aufkommen, wenn die BÖHSEN ONKELZ eine Deutschland-Flagge hissen würden?) und schien irgendwo zwischen "Clayman" und "Reroute To Remain" festgefahren, oder habe nur ich Klassiker wie "Lunar Strain", "Starforsaken" und "Ever Dying" vermisst? (Nein, nicht nur du! - Christoph)
Aber nun gut, man merkte eindeutig, dass IN FLAMES für einen Großteil der Festivalbesucher der wahre Headliner waren - und auch das Team aus dem Earshotforum war sich einig, dass die Schweden die wohl unterhaltsamste Band dieses Tags waren - oder zumindest die Band, zu der man die meisten Assoziationen aufstellen konnte... Angefangen bei Pogo-Dancing, Sylvester Stallones Kultfilm "Over The Top" (Ist eigentlich noch wem aufgefallen, dass ex-PUNISHMENTler Peda dem kleinen, doofen Kind äußerst ähnlich sieht?) bis hin zu - no na! - Ikea waren sämtliche Themen dabei, die sich im Vorstellungsbereich eines leicht (hüstel) angeheiterten, männlichen Homo Sapiens mit einem IQ-Quotienten geringfügig über dem Promillegehalt liegend befinden. Auch die zwei äußerst kreativen Leuchtbuchstaben "I" und "F" (Vermutung: IN FLAMES) ließen das unglaubliche kreative Potential unserer Leser aufscheinen, hierbei aber ins Detail zu gehen, würde doch sehr weit führen (und stellenweise keine FSK 16-Freigabe erhalten)...
IN FLAMES, tack förklarar alla lekfullhet - bara dit finns närmast Ikea-närbutik? Blåsa mej omkull!
[Macabre]

Ein schweres Los hatten IMPURITY gezogen, mussten sie doch die Halle bespielen, während Co-Headliner IN FLAMES die Mainstage enterte. Trotzdem wirkten die fünf Steirer nicht unmotiviert und spielten einen soliden Gig, der in puncto Sound und Performance weit besser rüberkam, als der Support-Auftritt bei SIX FEET UNDER eineinhalb Monate zuvor. Wirklich viel hab ich dann leider auch nicht mitbekommen, weil ich dann - wie viele andere auch - doch noch einen Blick nach draußen geworfen hab.
[Christoph]

Durchaus bemerkenswert war der Auftritt der Salzburger TANQUERAY. Gekleidet in Schottenröcken (bei der Bassistin war's eine schottengemusterte Hose) enterten die fünf die Painstage, um das spärliche (auch hier waren IN FLAMES "schuld") Publikum mit ihrem sehr ungewöhnlichen Folk Rock/Metal zu verblüffen. Mühelos wurden schottische Folklore-Elemente mit harten Gitarrenriffs verknüpft, während der Geiger recht beschwingt dazu fiedelte. Bei sehr akzeptablem Sound bot das Salzburger Quintett sicherlich einen der ungewöhnlichsten Auftritte des ganzen Metalfestes.
[Christoph]

TANQERAY aus Salzburg hatten ein schweren Stand an diesem Abend, da sie zur selben Zeit die Bühne enterten, als auf der Mainstage der Gig von IN FLAMES bereits eine knappe Stunde im Gang war. Dennoch lies sich die sympathische Folk Metal-Formation aus der Mozartstadt davon nicht entmutigen, und spielte zum mittelalterlichen Tanz auf. Im Prinzip unterschied sich diese Darbietung nicht sonderlich von jener auf selber Stelle im Vorjahr, und ich erlebte auf der Tribüne verweilend ein echtes Deja-vu-Erlebnis. Neben Stücken vom „With A Smile“-Album, und neuem Stoff („We Love Life“) blieb die bewährte ROLLING STONES-Coverversion „Symphaty For The Devil“ auch diesmal freilich nicht außen vor.
[Hutti]

Während IN FLAMES noch rockten, verließ ich die Mainstage, um die Mit-Welser EYE OF BETRAYER zu sehen. Dieser Gig war der letzte mit Sängerin Kerstin, die sich dazu entschloss, die Band zu verlassen und die Jungs rund um Oliver (Vocals), Jürgen (Gitarre), Stefan (Bass), Budi (Keys) und Clemens (Drums) sich nun entscheiden, ob sie sich nach einer neuen Sängerin umsehen (was nicht so leicht sein dürfte) oder ob sie ganz auf Frauengesang verzichten. Kerstins Stimme war ein fixer Bestandteil und man hat die Songs so im Ohr, allerdings würde Oliver mit seinem abwechslungsreichen und qualitativ hochwertigen Gesang auch ohne weiteres alleine die Mikros anschreien können. Dargeboten wurden die üblichen Songs samt E.A.V. Coverversion "Liebe, Tod und Teufel", neu war allerdings das Outfit - die Band verkleidete sich als Mönche, was optisch wirklich gut und originell aussah. Weiters passte die Mischung des Keyboards und ja, es war hörbar, was bei vielen anderen Bands auf der Painstage leider unterging - die Mischerin sah wohl, dass da auch ein Keyboarder rumstand, aber man hörte ihn bis auf Einzelfällte nicht. Der Auftritt verlief wie immer routiniert, nur eben zu kurz, wie eigentlich alle Bands auf der Painstage, die ich mir ansschaute, was aber bei so vielen Acts eben sein muss - Spielzeit auf 30 Minuten beschränken.
[Leander]

Nach den Schweden leerte sich das Festivalgelände unheimlich schnell, SAXON lag wohl außerhalb der für den Otto Normal-Metaller akzeptablen Musikberieselung, auch wenn die Briten seit Jahrzehnten für eine Unmenge an Partyliedern sorgen - "Solid Ball Of Rock", "Denim And Leather", "Crusader" oder auch "Wheels Of Steel" zählen auch heute noch zum Pflichtprogramm eines jeden Metal-DJs und somit war es in meinen Augen irgendwie ein Trauerspiel, dass IN FLAMES einen derartigen Siegeszug antraten, SAXON hingegen kaum Bedeutung beigemessen wurde und das insbesondere anbetrachts der Tatsache, dass die Zeiger meiner Uhr noch weit vor Mitternacht standen (also auch keine Ausrede von wegen "Ich muss morgen aber in die Hackn..."!).
Dementsprechend war es auch nicht besonders verwunderlich, dass die Briten ihr Set - noch dazu bei äußerst schlechtem Sound - relativ lustlos herunterzockten und bereits nach einer knappen Stunde ohne Zugabe die Bühne verließen. Die, die gegangen waren, interessierte es sowieso nicht und den Anwesenden war's zum Großteil auch herzlich egal - dennoch: Auch wenn SAXON nicht täglich auf meinem Plattenteller laufen, haben sie mehr Respekt und Anerkennung verdient, als ihnen am Metalfest zugeteilt wurde. Sie waren eine der ersten "harten" Partien, haben die Szene einschneiden geprägt und meines Wissens ist kein einziges wirklich schwaches Album in ihrer umfassenden Discographie vertreten - ohne SAXON wären wir um einige alte Klassiker ärmer, aber wer bereits nach IN FLAMES abzieht, kann das natürlich nicht wissen - enttäuschend!
[Macabre]

Als sich das Festival bereits dem Ende zuneigte, und zahlreiche True Metal-Fans und Altrocker sehnsüchtig im Freien dem Gig der Briten von SAXON entgegenfieberten, erlebten die nicht wenigen Besucher vor der „Painstage“ noch ein letztes, echtes Festivalhighlight in Form des Gigs der Stuttgarter Formation END OF GREEN, die zwar leider wie alle Bands auf der Painstage nur ein halbe Stunde lang ihre Songs live präsentieren durfte, aber dennoch zu überzeugen vermochte. Sänger Michael wollte mit seiner Mütze wohl Ville Vallo optische Konkurrenz machen, aber das wäre schon die einzigste Parallele zum Schaffen von HIM, denn END OF GREEN segeln in den unruhigen Gewässers des „Depressed subcores“ (Eigendefinition). Ein Begriff, der für eine erfrischen eigenständiges sowie emotionales und schwermütiges Konglomerat aus New/Alternative und Gothic Metal/Rock-Elemtenen steht, und live besonders gut zur Geltung kommt, und auch dementsprechend gut angenommen wurde.
Obwohl der Schwerpunkt natürlich beim Material des aktuellen Werkes „Last night on earth“ lang, fanden (trotz der knapp bemessenen Spielzeit)auch Titeln älteren Datums Berücksichtigung. Dem Jubel und der Forderung nach Zugaben folgten noch tröstende Worte seitens der Band, dass man ja eh wieder kommen werde.
[Hutti]

Anschließend hieß es dann noch, den mühsam aufgebauten Stand abzubauen, die übriggebliebene Ware im Auto zu verstauen und noch ein letztes Bierchen zu trinken, bevor sich ein zwar anstrengendes, aber durchaus ereignisreiches und unterhaltsames Wochenende dem Ende neigte.
Abschließend möchte ich noch eine kurze - obligatorische - Dankesliste loswerden, ein Danke an jene Personen abgeben, ohne die das Wochenende nicht derart glatt verlaufen wäre:
- Karl, Zechi und Heidi von Napalm Records (Bangt das fucking Kopf!)
- die anwesenden Forumposter (Peda, N-Core, Mr. Z, die Trolle, Butcher, Slayer, Reanima, die fiese Salmonelle, Punisher und all jene, die sich unverschämterweise aus meinem Gehirn verflüchtigt haben)
- Gore für die Hilfe mit der Digicam
- Christoph für die Fotos, Bericht und Mithilfe bei Napalm Records
- Stefan und Kerstin (Rock The Nation)
- Malus (Arena)
- Make (eigentlich grundlos, aber es hat mich gefreut, dich wieder einmal zu sehen)
- last but not least die wohl größten SAXON-Fans, Irena und Mile
Ich glaube, ich spreche für alle, wenn ich sage, dass auch das diesjährige Metalfest als gelungen zu bezeichnen ist, und auch wenn nicht alles nach Wunsch der Besucher lief, auf eine Fortsetzung 2004 gehofft wird.(Letzterem ist so nichts mehr hinzuzufügen! - Christoph)
[Macabre]

FOTOS + E-CARDS von:
[ METALFEST VIENNA TAG 1 U. 2: SAXON, IN FLAMES,BLIND GUARDIAN, PARADISE LOST U.V.A. ]
[ METALFEST VIENNA TAG 2: SAXON, IN FLAMES, GOD DETHRONED, NAPALM DEATH, U.V.A. ]
www.metalfest.at

Macabre
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