METALFEST VIENNA 2 / TAG 1: BLIND GUARDIAN   PARADISE LOST   MASTIC SCUM    OBSCENITY U.V.A.  
23.08.2003 @ Arena

Alle Jahre wieder kommt bekanntlich nicht nur das Christkind sowie der Jahresausgleich vom Finanzamt, sondern neuerdings neben dem etwas anderen Weihnachten - Anti-Xmas - und den No Mercy-Festivals im Frühjahr nun auch das Metalfest Vienna, welches dieses Jahr bereits zum zweiten Mal stattfand.
Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr waren einige geplant, umgesetzt wurden (aus den verschiedensten Gründen) leider nicht alle - insbesondere das leidliche One-Way-Ticket musste auch diesmal wieder her, doch darüber wird es demnächst auf unseren Seiten ein Interview mit sowohl Stefan Hattinger (Rock The Nation), als auch den Verantwortlichen der Arena geben, um etwas Licht in die Dunkelheit zu bringen...
Dennoch: Verbesserungen haben durchaus statt gefunden, so wurde das Metalfest diesmal auf eine Dauer von zwei Tagen ausgedehnt, was nicht nur mehr heimischen Bands, sondern auch einer größerer Anzahl an etablierten Acts die Möglichkeit gab, in Wien aufzuspielen und somit den Erschienen die Langeweile eines gewöhnlichen Wochenendes zu vertreiben.
Auch für qualitativ hochwertigeres Catering wurde gesorgt, und das auch noch zu durchaus akzeptablen Preisen - für Vegetarier war allerdings nicht viel vorhanden, "Allesfresser" hingegen konnten aus einer breiten Auswahl an Semmeln, Würsteln, Fleisch, Pizzen und ähnlichem wählen. Auch wenn hier als Zahlungsmittel der Euro nicht direkt akzeptiert wurde, gestalteten sich die Wartezeiten meiner Erfahrung nach äußerst kurzweilig - und man wurde vor allem nicht von einem unfreundlichen, ungustiösen Standelbetreiber betreut, wie noch im letzten Jahr.
Für's leibliche Wohl gesorgt, und auch akustisch größtenteils gut versorgt, konnte man sich auch diesmal mit ausreichend Merchandising eindecken - zumindest, wenn die Brieftasche noch genug hergab. So waren diesmal neben den bandeigenen Ständen unter anderem auch Napalm Records sowie drei weitere Anbieter vertreten, die sowohl CDs / Platten, als auch Gewand zu größtenteils humanen Preisen anbaten - einziger Nachteil hierbei: Das auf fünfzig Stück limitierte "Notfallsticket", welches zum kurzzeitigen Austritt aus dem Gelände berechtigte, galt leider nicht dafür, seine Einkäufe im Auto zu verstauen ;)
[Macabre]

Wie auch schon im Vorjahr war die stilistische Bandbreite der engagierten Bands relativ breit gefächert, auch wenn die "harte Fraktion" gerne etwas mehr in Richtung AMON AMARTH, NAPALM DEATH und Co. gesehen hätte - statt den Ikea-Verkäufern von IN FLAMES vielleicht DISMEMBER, oder - wenn es schon etwas "neuartiges" sein muss, dann wenigstens SOILWORK. Aber nun gut, allen kann man es bekanntlich nicht recht machen, und immerhin war jeder bereits im Vorfeld über das Billing informiert...
[Macabre]

Eröffnet wurde das Metalfest am Samstag (nach dem Einlass um 13 Uhr) von MYSTIC CIRCLE auf der Mainstage, sowie STAND ABLAZE innerhalb der heiligen Hallen. Wie viele Besucher, die sich noch zwecks Einlass anstellten, konnte auch ich MYSTIC CIRCLE zum Großteil nur akustisch mitverfolgen, da ich mit meiner Zweitbeschäftigung bei Napalm Records noch etwas eingedeckt war. Man mag zu den Deutschen stehen, wie man will - diesmal agierten sie auf jeden Fall weniger peinlich als noch auf den letzten Konzerten, die ich von ihnen mitverfolgen durfte. Gut, auch MYSTIC CIRCLE haben das Wort "Klischee" beinahe gepachtet und reichten somit beinahe an eine Black/Death-Version von MANOWAR heran, konnten aber zumindest in Punkto Sound und Songmaterial einige Punkte gewinnen. Insbesondere die neueren Stücke des aktuellen Albums "Open The Gates Of Hell" wiesen durchaus Qualitäten auf, zumal das Trio trotz spärlich anwesendem Publikum eine ansehnliche Spielfreude an den Tag legte.
Nach etwa einer halben Stunde infernalischem, aber dennoch melodischem Geprügel, entschloss ich mich, mir einmal die Painstage zu Gemüte zu führen, auf der gerade BLOODFEAST aus der Steiermark zu Gange waren - und ich kann euch sagen, mir gefallen sie selbst nach Jahren Szeneaktivität noch immer nicht. Zugegeben, es sind hierbei durchaus technisch versierte Musiker am Werken, jedoch fehlt es ihnen nachwievor an einer gewissen Eigenständigkeit - während die Albumtitel der beiden letzten Demos von CANNIBAL CORPSE und DEICIDE abgekupfert wurden, erinnert das Trio musikalisch an eine mindere Kopie von GOD DETHRONED oder auch SOUL REAPER und konnte auch live - trotz akzeptablem Sound - nicht wirklich mitreißen. (Die Fake-Vampirzähne des BLOODFEAST-Sängers, die mir beim Fotographieren aufgefallen sind, verdienen eindeutig das Prädikat "seltsam"! - Christoph)
[Macabre]

Für mich wurde das Metalfest durch STAND ABLAZE entjungfert - MYSTIC CIRCLE hat mich im Vorhinein nicht wirklich interessiert. Ich verfolgte die Deutschen nur für wenige Minuten, bemitleidenswert begannen sie ihr Set vor null Leuten, konnten sich aber im Laufe ihres Gigs doch einige erspielen, sodass immerhin eine Handvoll Fans mitbangte. Positiv fiel auf, dass der Auftritt nicht mehr so kindergartenmäßig wie früher (mit leuchtenden Hörnern usw.) ausfiel, sondern ziemlich eingespielt und knüppelnd rüberkam. Gut, wie gesagt wohnte ich aber hauptsächlich STAND ABLAZE bei, die ich schon damals in Windischgarsten gesehen hatte. Die Mannen rund um Hartroll samt Sängerin spielten ihr Set souverän runter, wobei der Sound ein wenig matschig klang, aber man dennoch gut die oft mit Applaus angefeuerten Soli Hartrolls durch die Painstage dudeln hörte. Die Mischung aus Power Metal mit CHILDREN OF BODOM-Einflüssen, wobei der Bassist ab und zu mitgrunzt und -kreischt ist nicht so 08/15-mäßig und kann somit durch Originalität punkten. Jedenfalls gefiel mir der Gig sehr gut, beim kommenden Total Eclipse Festival in Windischgarsten kann man die Band erneut bewundern.
[Leander]

NAGLFAR waren dazu verdammt, als zweite Band auf der Mainstage vorstellig zu werden. Zwar ließen sich eindeutig mehr Fans aus dem Schatten vor die Bühne locken, als bei MYSTIC CIRCLE zuvor, die vorherrschenden Temperaturen taten aber der Stimmung leider nicht wirklich gut. So solide die Performance der fünf Schweden auch war, konnte leider aller Aufwand den nicht einwandfreien Sound wett machen. Leider wollten die Gitarren dem Schwarzmetall des Quintetts nicht den nötigen Druck verleihen und auch die melodischen Passagen wirkten teilweise etwas schal. Wie sich später herausstellen sollte, hatten die Schweden leider den schlechtesten Sound der Mainstage an diesem Tag erwischt, was ihre Leistung allerdings auf keinen Fall schmälern soll.
[Christoph]

Zeitgleich konnten sich die Steirer MIDGARD über eine gesteckt volle Halle freuen. All jenen, die wie ich vor der gnadenlosen Sonne in die Halle geflüchtet waren, wurde überaus solider, melodischer Death Metal mit gesundem Thrash-Einschlag geboten. Die vier Gleisdorfer, die als Ersatz für ENDOOMED angereist waren, erhöhten die Hallentemperatur merklich, denn der gute Sound und das Können der Musiker wollte dem zahlreichen Publikum doch so recht gefallen.
[Christoph]

Im Anschluss war ich schon extrem auf den Auftritt von STERNENSTAUB gespannt. Das Demo "Astronomica" begeisterte und ich war neugierig, wie Gründer Bernd Grünwald (Gitarre), GOLDEN DAWN-Mastermind Stefan Traunmüller (Vocals, Bass) und GOLDEN DAWN-Klampfer Karim E. Kienzle (Leadgitarre) ihren ersten Gig absolvieren würden. An den Keys agierte Stefans Freundin Sophie, hinter der Schießbude saß Lukas von CEPHALIC, der den auf dem Summer Breeze mit DARKWELL aufgeigenden Moritz Neuner ersetzte, welcher normal auch bei STERNENSTAUB mitwirkt, aber aufgrund der Zeitgleichheit der beiden Festivals doch nicht mitmachen konnte. Man merkte den Jungs die Anspannung an, wobei ihnen auch die Technik einen Strich durch die Rechnung machte - das Basskabel war zu kurz, das Pedal des Keyboards hatte einen Wackelkontakt und krachte, weiters kam die Frau hinterm Mischpult nicht zurecht, was dazu führte, dass man anfangs die Vocals kaum hörte beziehungsweise das Keyboard außer bei Solostellen überhaupt nicht auszumachen war. Dargeboten wurden die Songs "Distant Spheres", "The Mind's Eye", "Eternal Slumber", "Darkness and Stars", überhaupt alle der noch immer nicht releasten "Destination: Infinity", außer dem Titelsong und "Frozen Tears". Trotz der vorhin genannten Schwierigkeiten ging der Gig gut über die Bühne und gefiel, fürs "erste Mal" durchaus zufriedenstellend. Dennoch hätte die Mischerin die Augen öffnen sollen und erkennen "oh, da ist ein Keyboard", da durch die schlechte Mischung der die Musik STERNENSTAUBs ausmachende Bombast relativ unterging.
[Leander]

Die Finnen AMORPHIS enterten dann - ausgestattet mit einem deutlich besseren Sound als NAGLFAR - als dritte Band des Tages die Mainstage. Das inzwischen deutlich angewachsene Publikum wurde quer durch die - bei 13 Jahren Bandgeschichte nicht unbeachtliche - Diskographie geführt, wobei der leichte Schwerpunkt auf neuere Songs durchaus verständlich war. Insgesamt wurde durchaus abwechslungsreicher und progressiver Metal mit Folkelementen gezeigt, der in punkto Härte im Gegensatz zu den zwei vorigen Bands aber eindeutig einen Gang zurückschaltete, allerdings durfte natürlich die eine oder andere fetzige Passage nicht fehlen. Dem Publikum gefiel's, was sich sehr positiv auf die Spielfreude der Band auswirkte.
[Christoph]

Bei einem kurzen Ausflug zur Painstage, die Halle hatte sich nach MIDGARD wieder etwas geleert, wurde ich von LORDS OF DECADENCE empfangen. Die vier Wiener setzten dort fort, wo ihre Vorband aufgehört hatte: Abwechslungsreicher Death-Thrash mit einer Portion Melodie, gepaart mit Spielfreude und solider Technik. Leider war ich erst gegen Ende der Spielzeit gekommen und hab' somit nur mehr die letzten drei Lieder der Band mitgekriegt.
[Christoph]

Draußen wurde derweil das Banner von DIE APOKALYPTISCHEN REITER gehisst und nach längerer Umbaupause wurden die Fans mit "Seid Willkommen" begrüßt. Verstärkt durch einen Gitarristen, konnte sich Frontmann Fuchs nun voll und ganz dem Singen widmen. Und das tat er dann auch recht leidenschaftlich. Er machte mal singend, mal kreischen die ganze Bühne unsicher und wenn da nicht der Fotograben gewesen wäre, hätte er dem Moshpit vor der Bühne sicher einen kurzen Besuch abgestattet. Aber auch der Rest der Band tat das seinige dazu, die tolle Stimmung noch weiter anzuheizen. Die beiden Saitenzupfer wollten partout nicht stillstehen und auch Keyboarder Dr. Pest, ausgestattet mit Ledermaske und Peitsche, lieferte - wenn er nicht gerade in die Tasten griff oder stoisch auf seinen Einsatz wartete - die eine oder andere S/M-Einlage mit Sänger Fuchs. Bei sehr ansprechendem Sound wurde zu Liedern wie "Du kleiner Wicht", "Metal Will Never Die" und natürlich "Reitermania" kräftig getanzt, gebangt und mitgegröhlt. Es ist kaum verwunderlich, dass sich die REITER mit ihrer gelungenen Mischung aus Black Metal und Folklore, Melodie und Härte eine breite und treue Fanbasis aufgebaut haben, die in ihrer Schrägheit der Band um nichts nachsteht.
Das Interview, dass ich eigentlich mit REITER Volk-Mann hätte führen sollen, kam leider nicht zustande, wird aber ehebaldigst nachgeholt.
[Christoph]

Die Wiener Trash Metal-Kapelle NO.WAY!, die unterdessen auf der Painstage zu werke gingen, konnte mich bei meinem kurzen Abstecher in die Halle nicht wirklich begeistern. Die vier Akteure hatten neben einem eher unterdurchschnittlichen Sound mit einigen Timing-Schwierigkeiten zu kämpfen. Zwar mangelte es augenscheinlich nicht an Spielfreude, die Defizite konnte aber auch aller Enthusiasmus nicht wirklich ausgleichen.
[Christoph]

Nun war es an den Wikingern AMON AMARTH das sehnsüchtig wartende Publikum vor der Mainstage in Bewegung zu bringen. Mit "Death In Fire", dem Opener von ihrer Aktuellen CD "Versus The World", fegten die fünf Schweden auf die Bühne und brachten eine Menge Köpfe in Bewegung. Wie gewohnt gut gelaunt bretterten sie quer durch die Diskographie und zauberten mit "Sorrow Throughout The Nine Worlds" sogar den Titeltrack von ihrer ersten MCD aus dem Ärmel. Da man von AMON AMARTH eigentlich hundertprozentig solide und tighte Live-Performances gewohnt ist, verwunderte es umso mehr, dass sich dieses Mal der eine oder andere merkliche Holperer einschlich. Das schien allerdings auch der Band selbst aufgefallen zu sein, denn Frontmann Johann Hegg entschuldigte sich für die Schnitzer mit dem Hinweis auf die Hitze, die man nicht gewohnt sei wenn man "aus dem Norden käme". Nichtsdestotrotz gaben Fans und Band ihr bestes und spätestens bei "Victorious March" brodelte es vor der Bühne ordentlich.
[Christoph]

Wer nicht nur fleißig unsere Berichte durchliest, sondern auch zumindest ab und an im Forum zugange ist, sollte darüber informiert gewesen sein, dass um Punkt 18:00 ein kleines Forum-Treffen beim Napalm-Stand angesetzt war. Und tatsächlich: Trotz offensichtlich fortgeschrittenem Alkoholpegel fanden einige den Weg und so konnte man sich nun endlich mal auch in Realität anflegeln - selbst Stefan von Rock The Nation schaute einmal kurz vorbei, dürfte aber die versprochenen Cola-Whiskey auf Rechnung des Hauses vergessen haben ;)
Da ich die zeitgleich angesetzten DEFENDER KFS nicht verpassen wollte (dass der liebe Herr Gore mir auch immer in meine Pläne pfuschen muss...), wurde aus dem Treffen nur ein kurzes Stell-dich-ein, was aber auch nicht sonderlich schlimm war, rannte man sich immerhin noch mehrmals über den Weg und fand tags darauf während des Auftritts der Ikea-Fraktion von IN FLAMES auch mehr als genügend Zeit, um sich gemeinsam köstlich zu amüsieren.
DEFENDER KFS hatten bisher sehr oft Probleme, ihr äußerst starkes - und vor allem spielerisch vertracktes - Material live auch wirklich gut umzusetzen, da die guten Tontechniker selten mitspielten. Da machte leider Gottes auch der Auftritt am Metalfest keine Ausnahme, da vorallem Metzlers Stimme insbesondere während der cleanen Passagen beinahe vollständig unterging, als auch die Backings von Gore kaum zu hören waren. Dennoch: Ein gelungener Auftritt in sämtlichen übrigen Belangen, man zeigte sich nicht nur spielerisch in Höchstform und perfekt aufeinander eingestimmt, sondern konnte nebst dem üblichen, aber durchaus zu gefallen wissenden Gepose auch mit einem grandiosen Basssolo begeistern.
Einzig und allein die Tatsache, dass ein Großteil des Materials dem anwesenden Publikum noch unbekannt war - spielte man immerhin mit "Halls Of Fire" nur ein altes, bereits veröffentlichtes Stück, sowie mit dem krönenden Abschluss "Dead Embryonic Cells" einem Cover von SEPULTURA - trübte die Stimmung ein klein wenig, aber mit etwas Glück sollte das neue Material noch in diesem Jahr auch käuflich zu erwerben sein.
[Macabre]

Eines der Hightlights des Festivals stellte für mich der Auftritt von VANITAS dar. Die Niederösterreicher wurden von ihren Fans förmlich auf die Bühne getragen und dort von Song zu Song wie auf einer Welle weitergeschwappt, wodurch sich Sänger Schärfi aufgrund der Sprechchöre die berechtigte Frage stellte, ob es nicht besser wäre, die Band auf der Mainstage eröffnen zu lassen und MYSTIC CIRCLE in die Halle zu verfrachten, da die Painstage bei VANITAS wirklich extrem gefüllt war. Abgesehen davon, dass die Mischerin mit Keyboards kaum umzugehen wusste und fast alle Bands mit Keys verpfuschte, war diesmal doch relativ ok gemischt. Besonders der Gitarren- und Drumsound kam druckvoll herüber und Songs wie "Absurde Existenz" sind ohnehin live richtige Knaller. Ich hatte VANITAS vorher bereits zwei Mal gesehen, doch noch nie ohne Sängerin Maria Dorn, weswegen ich freudig quasi einen kompletten Gig verfolgen durfte. Bei so viel Qualität der Musik und Texte, ausgestrahlte Sympathie und Fanbasis dürfte die Band noch einiges erreichen, ich würde es ihnen jedenfalls wünschen. (Als Zugabe griff man dann auf den Sonntag vor und bot den Fans ein sehr überzeugendes GRAVEWORM-Cover von "It's A Sin", das ja wiederum ursprünglich von den PET SHOP BOYS stammt! - Christoph)
[Leander]

Hierauf hieß es für mich, ein Interview mit MASTIC SCUM zu führen, von welchen zu einem etwas späteren Zeitpunkt auch noch die Rede sein wird. Dadurch war ich bis 19:30 eingedeckt, kam somit rechtzeitig zu PARENTAL ADVISORY (Painstage), respektive DESTRUCTION auf der Mainstage wieder ins Gelände. Ich entschied mich, die erste halbe Stunde von DESTRUCTION zu spritzen, war der Sound zum einen nicht sonderlich berauschend und zum anderen habe ich die Deutschen bereits mehrmals live gesehen, das Wiener Quartett rund um Cowboy Otto jedoch schon lange nicht mehr.
Dass ich die absolut richtige Entscheidung getroffen habe, bewiesen PARENTAL ADVISORY mit ihrem kurzen, aber gewaltigen Auftritt dann auch mehr als eindeutig. Seit ich die Jungs das erste (und bisher einzige) Mal gesehen habe, ist viel Wasser die Donau hinabgeflossen, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die Band ordentlich gemausert hat und somit das akzeptabel anwesende, dafür aber frenetische Publikum durchwegs in der blutigen Klaue hatte. Sic - stimmgewaltig wie eh und je - flog förmlich über sein Griffbrett, während sich Basser Inhumate in bester Alex Webster-Manier die Seele aus dem Leib schüttelte, von Gitarrero Otto ganz zu schweigen, welcher einem Giftzwerg gleich über die Bühne fegte und bei der zwei bekannten Wienern gewidmeten Schlussnummer sogar die unmenschlichen Leadvocals beisteuerte. Auch der Neuzugang hinterm Kit - ex-DEFENDER KFS Maschine Beisser - war heute in bester Laune und Verfassung, prügelte sich gemächlich in Rock Star-Manier mit Handtuch um die Schultern durch das Set, dass es nur so eine Freude war. Kein Wunder also, dass sich bei perfektem, druckvollem Sound und derart starkem Songmaterial bereits während der ersten Nummer ein Moshpit vor der Bühne bildete - mein Dank geht hierbei an Mister Punisher himself sowie Peda, welche es trotz mehrmaligen Versuchen nicht geschafft haben, mir die Seele aus dem Leib zu trampeln.
[Macabre]

Dass DESTRUCTION anlässlich ihres 20-jährigem Bestehens am Metalfest ordentlich Gas geben würden, war zu vermuten - nur leider machte ihnen (wie auch auf der kommenden CD) der Sound (leider gewollt) einen Strich durch die Rechnung. Keine Ahnung, wieso Thrash zwanghaft roh und quasi "unproduziert" klingen muss, damit er für Mastermind Schmier geil klingt, mir persönlich haben jedenfalls die glatt polierten Alben ("The Butcher Strikes Back" & "The Antichrist") sowie der dazugehörige Livesound (u.a. auf den Nuclear Blast Festivals mit CREMATORY und KATAKLYSM) besser gefallen, da meiner Meinung nach gerade durch einen derartigen Sound insbesondere die alten Stücke mehr Reiz bekamen. Aber nun gut, den mittlerweile mehr als zahlreich anwesenden Fans gefiel's trotzdem, und das sprach wohl für das Trio.
Überaus gut gestaltete sich neben der gewohnten Performance auch die Songauswahl, die sowohl alte Klassiker, als auch die neueren "Hits" ("The Butcher Strikes Back") sowie den einen oder anderen Teaser des kommenden Albums "Metal Discharge" beinhaltete.
Ein großes Lob möchte ich in Richtung Neuzugang Marc aussprechen, welcher dem vor etwa einem Jahr ausgestiegenen Schlagwerker Sven mittlerweile durchaus das Wasser reichen kann, auch wenn der Drumsound nun wirklich absolut nicht nach meinem Geschmack war. Dennoch: DESTRUCTION sind eine der grandiosesten Thrashpartien dieses Planeten und sind vorallem live immer wieder ein Schauspiel - die Publikumsreaktionen haben jedenfalls bewiesen, dass der gute, alte Thrash noch lange nicht tot ist.
[Macabre]

Während auf Mainstage noch die Legende DESTRUCTION lärmte, sollte im Saal ein mächtiger Feuersturm über das Publikum hereinbrechen. Und: Einmal mehr sollten FIRESTORM eine Show auf's Parkett zaubern, die gleichermaßen routiniert wie leidenschaftlich erschien, und für bekennende Anhänger der Band, wenn man von der kurzen Spielzeit absieht, eigentlich keinerlei Wünsch offen lies. Trotz der bereits genannten Tatsache, dass FIRESTORM zeitgleich mit DESTRUCTION auf der Bühne standen, ließen es sich zahlreiche Freunde des traditionellen Metals nicht nehmen, dieser Darbietung beizuwohnen, und die vorderen Reihen feierten die Band gar nach allen Regeln der Kunst ab, so dass man fast den Eindruck gewinnen konnte, es handle sich hierbei um Lokalmatadore, und nicht um eine Formation aus dem nördlichen Niederösterreich. Die Setlist beinhaltete neben unzähligen Stücken vom neuen Werk „Back from hell“ („Back from hell“; „Heading for tommorow“ usw.) freilich auch wieder in Form von DURAN DURAN`s „Wild boys“, das wiederum mit Textzitaten aus RAMMSTEIN`s „Sonne“ versehen wurde, auch eine Fremdkomposition. Fazit: Beeindruckende Show mit beachtlichem Feedback!
[Hutti]


Tot hingegen präsentierten sich PARADISE LOST - beinahe unvorstellbar, dass sich jene Briten für Meilensteine wie "Lost Paradise" oder "Gothic" verantwortlich zeichnen. Über die Jahre hinweg sind die Inselmänner immer weiter von ihrem ursprünglichen Sound abgewichen, konnten dennoch zeitweise einige starke Songs abliefern - die Liveperformance wurde mit der Zeit jedoch immer langweiliger, eintöniger und uninteressanter.
Selbst zu ihren Anfängen war bei PARADISE LOST on stage eher Stillstand angesagt, was man aber am Metalfest zu Gesicht bekam, ließ so manchen Anhänger aus den frühen Tagen schier verzweifeln. Nicht nur, dass absolut kein altes Stück gespielt wurde, schien das Quintett sich mittlerweile auch zu gut, über eine längere Dauer nur ein geringes Maß an Bewegung zu zeigen. Es schien beinahe so, als liefe die Musik über Tonband durch die Boxen und anstatt der Band seien lebensgroße Pappfiguren auf der Bühne aufgestellt worden - sorry, aber das ist meiner Meinung nach wirklich nicht notwendig! Siebzig Minuten Langeweile, hie und da mal eine kurze Bewegung der Gitarristen - und das wars dann auch schon. Hey, Ozzy gleicht einem wandelnden Zombie und ist weitaus mehr in Bewegung, als die komplette Partie zusammen - und es kann mir wirklich keiner erklären, dass insbesondere das Material von "Draconican Times" oder auch des aktuellen Outputs "Symbol Of Life" (angesicht dieses Konzertes ein mehr als unpassender Titel) nicht etwas mehr an Euphorie seitens der Band verdient und auch ermöglicht hätten. PARADISE LOST - einfach nur ärgerlich und pure verschwendete Zeit...
[Macabre]

Nachdem PARADISE LOST, deren Show mir persönlich ehrlich gesagt schon zugesagt hatte, ihre Darbietung frühzeitig beendetet hatten, eilte ich zur Painstage, um nach über drei Jahren wieder Zeuge einer Show der Sickos von FREUND HEIN zu werden, die heuer ja schon ein ausgedehnte Europatournee absolvieren durften. Nachdem FREUND HEIN in der Vergangenheit stets auch den optischen Aspekt einer Show nicht aus dem Auge verloren haben, und dementsprechend für Action gesorgt haben, durfte man jedenfalls gespannt sein, welche abgefahrenen und witzigen Einlagen das Sextett aus Niederösterreich diesmal wohl vom Stapel lassen würde. Nun, im Gegensatz zu früher scheinen sich FREUND HEIN nun vermehrt um musikalische Belange zu kümmern, und das was die Herren an diesem Abend boten, verdient wohl die Prädikate brachial, unkonventionell, aber auch vielschichtig. Die Selbstdefinition ihres Stiles, die sich „Death-Rock-Grindcore-Metal“ nennt, der phasenweise von Keyboardklängen unterlegt wird, trifft wohl den Nagel auf den Kopf, und dieser gewagte Stilmix entfaltete sich gerade live naturgemäß besonders gut. Sänger Hein grunzte, kreischte und schrie sich durch die 30 Minuten andauernde Darbietung, und bewies einmal mehr seinen Sinn für (etwas schrägen) Humor, indem er zwischendurch diverse Haustiere nachahmte (Schwein usw.), und den Gig nur mit einer Unterhose bekleidet absolvierte. Man kann vom eigenwilligen Sound von FREUND HEIN halten, was man will, aber live on stage sind jedes Mal als ein außergewöhnliche Ereignis zu betrachten.
[Hutti]

Richtig Gas und Spielfreude hingegen boten die Salzburger MASTIC SCUM - live bisher ein jedes Mal eine Augenweide, machte auch der Auftritt auf der Painstage kurz vor elf keine Ausnahme, und - um es gleich vorweg zu nehmen - selbst NAPALM DEATH wurden vom sympathischen Vierer gnadenlos an die Wand gespielt.
Spielerisch in Höchstform, perfekt aufeinander abgestimmt und wie immer publikumsnah, bretterten die Jungs ihr Programm wie gewohnt mit immenser Spielfreude dem sichtlich begeisterten Publikum hingegen und machten zugleich auch einfach nur Spaß. Ist insbesondere "Scar" bereits ein Album mit tadellosem Sound, hervorragendem, abwechslungsreichem Songmaterial und ungebändigter Energie, konnten die Crossover-Grinder live noch eins draufsetzen, schienen - permanent unter Strom - nahezu losgelöst von sämtlichen Ketten. Insbesondere Sänger Will konnte sich live sowohl stimmlich als auch performancetechnisch besonders gut entfalten, wanderte einem aufgezogenen Duracell-Huhn gleich über die Bühne, während sowohl die Rhythmus- als auch die Leadsektion ihr bestes gab, um den Auftritt mit Prädikat "wahnsinnig" abzuschließen.
Tadelloser Sound, Energie, Spielfreude und Spaß ohne Ende, sowie hervorragendes Material, welches insbesondere live nicht selten an die besseren Tage von NAPALM DEATH (insbesondere zu "Harmony Corruption" Zeiten) erinnerte - MASTIC SCUM konnten nur gewinnen, das Publikum dankte mit ebenso zahlreicher Bewegung.
[Macabre]

Bestens "aufgewärmt" für die deutsche Todesblei-Fraktion OBSCENITY, konnte ich leider nur einen kurzen Blick auf BLIND GUARDIAN werfen, die zeitgleich mit MASTIC SCUM in Gange waren. Der Unterschied war doch gewaltig, aber etwas Erholung vor OBSCENITY hatte ich doch nötig.
BLIND GUARDIAN machten Stimmung wie gewohnt, und konnten wiederum mit einem hervorragendem Livesound punkten - leicht episch angehaucht, boten sie eine würdige Headliner-Show und insbesondere Hansi Kürsch konnte auch live stimmlich überzeugen. Auch wenn die Deutschen angesichts ihres durchwegs mehr als nur starken Backkatalogs nicht viel falsch machen konnten und auch die Stimmung im Publikum dementsprechend passte, war ich jedoch heute nicht wirklich in Stimmung für "Imaginations From The Other Side" und Co., verzog mich daher wieder gen Painstage...
[Macabre]

OBSCENITY - eine der dienstältesten deutschen Death Metal-Bands, seit je her ein Garant für gute Musik, bekam ich dennoch am Metalfest das erste Mal live zu Gesicht. Was mich gleich bei den ersten Tönen verwunderte, war, dass Fronter Oliver Jauch live viel mehr aus sich herausholen konnte, stimmlich weitaus mehr Druck, Energie und spielerische Aggression versprühte, als auf sämtlichen Veröffentlichungen.
Wo MASTIC SCUM aufhörten, setzten die Deutschen an und trieben das kurz vor zwölf Uhr bereits sichtlich ausgelaugte Publikum wiederum zu Höchstleistungen an - von alt ("Human Barbecue", "Disgrace Over You") bis hin zu neu ("Cold Blooded Murder") wurden beinahe sämtliche Klassiker geboten, die die schier endlose Hitliste OBSCENITYs zu bieten hat. Live eine Augenweide, holzte das Quintett sein Material in typischer Ami-Manier runter, bot den Anwesenden sowohl was für's Auge als auch Ohr.(Apropos Ami-Manier: Schon bei ihrem letzten Auftritt in Wien, als Support von SIX FEET UNDER Anfang Juli, haben OBSCENITY den Headliner des Abends eindeutig ausgestochen! - Christoph)
OBSCENITY können sich durchaus damit rühmen, sowohl live als auch auf den Veröffentlichungen zur Oberliga der Szene zu gehören - dennoch war ich dankbar, dass nach etwa einer halben Stunde schluss mit lustig war und ich mich endlich auf den Heimweg machen durfte, war ich immerhin schon seit kurz vor neun Uhr früh am Gelände zu Gange...
[Macabre]

Man sollte meinen, zu Tag eins sei gesagt, was gesagt werden müsse - weit gefehlt. Man verzeihe mir, wenn ich schon wieder etwas vom Thema abschweife, aber die Heimfahrt mit der U-Bahn gestaltete sich wohl mehr als erwähnenswert, gesellte sich immerhin mein lieber Kollege Peda (ex-PUNISHMENT) zu mir, dem man die Promille förmlich ansah - und dementsprechend lustig drauf war.
Fragt mich bitte nicht, was ihn dazu verleitete, im Umkreis von Spittelau sämtlichen Kurier-Behältern an den Kragen zu gehen, und warum er sich in Anlehnung an das "Ich bin Corrrrrrnholio"-Gekreische von Beavies ("Beavies und Butt-Head Do America") ständig als die "Flügel Satans" bezeichnete, oder auch warum er jeden in der U-Bahn fahrenden mit "Haaaaa, Haaaaa, ich scheiß auf euch alle!" begrüßte (einige Omas waren sehr angetan), aber wenigstens hielt er mich damit wach und bei Laune...
[Macabre]

FOTOS + E-CARDS von:
[ METALFEST VIENNA TAG 1 U. 2: SAXON, IN FLAMES,BLIND GUARDIAN, PARADISE LOST U.V.A. ]
[ METALFEST VIENNA TAG 1: BLIND GUARDIAN, PARADISE LOST, MASTIC SCUM, OBSCENITY U.V.A. ]
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Beitrag vom 05.09.2003
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