FROM SUN TILL GRAVE...AND BACK - MIT EYETOLEGY SOLE LA MAGRA TWILIGHT  
06.09.2003 @ Planet Music

Dieses Jahr steht in puncto Konzerten ein heißer Herbst und Winter ins Haus und wie man das beim Sport eben so macht, ist vor den Highlights ein bisschen "Aufwärmen" angesagt. Dazu bot sich just in der ersten Septemberwoche bereits ein kleines Konzert im Planet an, zu dem vier Bands aus Wien und Umgebung geladen waren.

Als erste ließen sich TWILIGHT bitten, um unter dem - etwas irreführenden Namen - "From Sun Till Grave...And Back" aufzugeigen. Vor (grob) geschätzen 80 Interessenten wurde feiner (Hard) Rock geboten, den die vier jungen Herren durch die eine oder ander Funk-Anleihe mit einer ordentlichen Portion Groove verfeinerten. Die Wiener zeigten trotz eher verhaltener Publikumsreaktionen eindeutig Spielfreude und wussten auch technisch durchaus zu überzeugen. Auf der soliden Riffarbeit von Gitarre und Tieftöner aufbauend und mit dem nötigen Drive von der Rythmussektion, gelang dem Quartett eine einwandfreie Performance und auch das unbestreitbare Talent des Sängers sorgte für eine gewisse Breitentauglichkeit. Unterstützt wurde das ganze durch einen mehr als passablen Sound, die Gitarre jedoch hätte ruhig ein bisschen lauter sein können - ein Umstand der sich im Laufe des Abend leider nicht wirklich besserte!

Deutlich mehr Fans zogen dann die Niederösterreicher LA MAGRA an, die mit ihrem "Vampyric Metal" (Eigendefinition) wohl auch ein bisschen mehr zum Thema des Abends passten. Themenbezogen und imagefördernd geschminkt und gekleidet enterten die sechs Akteure die Bühne, wobei der eine der beiden Gitarristen mit seinem Aufzug - einer Kombination aus Priesterkutte, medizinischem Mundschutz und Kopftuch - sicher ein Blickfang war. Leider endete die Extravaganz der Truppe beim optischen Auftritt, denn in der folgenden knappen halben Stunde wurde eher durchschnittliches geboten. Zwar wirkte das Sextett durchaus motiviert und lieferte eine solide Show ab, sehr mitreißend war der gebotene Gothic Metal mit weiblichen Vocals jedoch nicht wirklich. Die durchwegs sehr melodischen Songs fielen - beabsichtigt oder nicht - sehr keyboardlastig aus und auf Dauer wirkten die getragenen Melodien etwas schleppend. Leider konnten die musikalischen Leistungen der Beteiligten, insbesondere der Gitarristen und der Sängerin, die Performance nicht mehr herausreißen, doch LA MAGRA das Können oder die Ambitionen abzusprechen wäre schlichtweg falsch. Das Publikum honorierte jedenfalls den Einsatz der Niederösterreicher gebührend. Vielleicht hätte man bei etwas besserem Sound mehr überzeugen können, denn wie auch bei der Band zuvor, kamen die Gitarren etwas zu kurz während Keyboard und Gesang sehr präsent waren. Außerdem schien die Anlange insgesamt etwas überfordert, was sich in teilweise sehr beunruhigendem Knacken der Lautsprecher äußerte.

Auch SOLE durften sich über recht viel Zuspruch seitens des Publikums freuen. Deshalb gab man sich gleich über 45 Minuten hinweg - also deutlich länger als die beiden vorigen Bands - die Ehre und zwar mit einer recht eigenen Mischung aus härterem Rock mit Keyboard und einem Touch Melancholie. Musikalisch gingen es die vier Niederösterreicher ein bisschen schlichter an als zuvor LA MAGRA, wobei dieser Eindruck auch daher rühren kann, dass der Gitarrist seiner Aufgabe als Sänger teilweise mehr Bedeutung zumaß. Das machte er allerdings ganz ordentlich und die zeitweise eingestreute Gesangsuntersützung seitens der Keyboarderin wirkte stimmig, in den höheren Stimmlagen haperte es dann aber doch ein bisschen. Außerdem täte der Band ein zweiter Gitarrist sicher nicht schlecht, wirkten doch die Parts, wo die Gitarre zugunsten des Gesangs ganz aussetzte, doch ein bisschen leer - solcherart Pausen sind als Stilmittel natürlich in Ordnung, sollten allerdings nicht zu oft vorkommen! In puncto Songstruktur war durchaus Abwechslung angesagt, wobei das Keyboard hier eine tragende Rolle hatte, teilweise fehlte aber ein bisschen der Drive. Nichtsdestotrotz müssen sich auch SOLE nicht verstecken, da sowohl Spielfreude als auch Eigentändigkeit vorhanden und ausbaufähig sind.

Als letzte Band des Abends hatten sich die Marchfelder EYETOLEGY angesagt. Nach den ersten drei Bands, die musikalisch als doch - mehr oder weniger - gemäßigt zu bezeichnen sind, schienen die fünf Herren mit ihren - wie sich dann herausstellte, ziemlich verqueren - kräftig durchgetrashten Blut-und-Beuschl-Kreationen doch etwas aus dem Zusammenhang gerissen. Dieser Umstand trug jedoch nicht unwesentlich dazu bei, dem Auftritt eine gewisse Note zu verleihen. Eingangs verwunderte das Quintett die Anwesenden durch ein Intro, das sich ziemlich nach "Teletubbies meet The Happy Tree Friends" anhörte. Die dann gebotene Trash-Metal-Todesblei-Legierung erwies sich als eine sehr elastische, aber nichtsdestotrotz scharfkantig-bösartige. Bei den Mid-Tempo-Passagen wurde der Groove ausgepackt, nur um ihn bei den schnellen Parts vor sich her zu jagen. Dieses Wechselspiel gepaart mit einer Abneigung gegen gerade Rythmen ergab eine sehr potente Mischung. Dass sowas nur funktioniert, wenn alle Beteiligten ihre Instrumente angemessen "bedienen" können, versteht sich von selbst. Die rege Aktivität des Pulks vor der Bühne - hie und da flammte mal ein kleiner Moshpit auf, der sich jedoch nie besonders lange hielt - spornte die (laut Homepage) "fünf adretten jungen Burschen" ordentlich an und deswegen dauerte es nicht lange, bis sich EYETOLEGY nach etwa vierzig Minuten Spielzeit noch zu einer Zugabe überreden ließen. Leider war der Tontechniker augenscheinlich auch bis zur letzten Band nicht dafür zu haben, den Gitarren etwas mehr Volumen und Druck zu verleihen und auch die Drums wirkten erstmals an diesem Abend nicht komplett in die Musik integriert; wie auch bei den anderen Bands trübte dies aallerdings in keinster Weise den Auftritt des "Headliners".

Fazit: Alles in allem ein netter Abend, wenn auch das Line Up vielleicht nicht 100%ig ausgewogen war. Jedenfalls bieten die vom Planet Music veranstalteten "lAut!"-Konzerte - das "From Sun Till Grave...And Back" war das erste dieser Konzerte im Herbst - eine gute Möglichkeit neben den diversen Bandcontests, (einheimische) Nachwuchsbands näher kennenzulernen und zu unterstützen.


FOTOS + E-CARDS


Christoph
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Beitrag vom 14.09.2003
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