NEVERMORE   DEAD SOUL TRIBE  
03.10.2003 @ Planet Music

Das angekündigte Paket ARCH ENEMY / NEVERMORE stellte wohl für viele Leute eine interessante Kombination zweier renommierter Bands dar. So war am Abend des 3. Oktober rechtzeitig zu Konzertbeginn eine große Schar Fans gestellt. Angesichts der Tatsache, dass nur zwei Bands spielen sollten, verhältnismäßig viele – da es sich jedoch nicht um irgendwelche Bands handelte, aber auch wiederum verständlich. Was jedoch das Gros der Anwesenden im Vorhinein nicht wusste, war die Tatsache, dass ARCH ENEMY just tags davor die Tour abgebrochen hatten. Auf der Homepage der Band ist ein Statement von Gitarrist und Bandkopf Michael Amott zu finden. Als Ursache für den Abbruch der Tour wird angegeben, dass der Bus von blutsaugenden Insekten unbekannter Art heimgesucht worden war, was in der Folge die Band schwer in Mitleidenschaft zog.

Nun ist es bei einem Package, das aus zwei Bands besteht, nicht schwer, dass durch das Ausfallen von 50% genau die Band nicht spielt, die für manche der Grund gewesen wäre, das Konzert zu besuchen. Ich sage „gewesen wäre“, da einige Leute von der Absage enttäuscht wieder den Heimweg antraten.
Dass diejenigen danach trotzdem einen beeindruckend guten Abend versäumten, ist eine andere Geschichte. Nun wäre eine ersatzlose Absage nicht tragbar gewesen, nichtsdestotrotz war es dem Veranstalter möglich kurzfristig Ersatz aufzutreiben. DEAD SOUL TRIBE – die Band rund um Ex-PSYCHOTIC WALTZ Sänger Devon Graves - war nun mit von der Partie. Viele Anwesende werden den Namen zum ersten Mal gehört haben und ich muss auch gestehen, vor dem Konzert außer dem Namen bisher noch nichts von der Band gehört zu haben. Das aktuelle Album „A Murder Of Crows“ erzielte jüngst Höchstplatzierung in Magazinen wie ROCK HARD und HAMMER, was noch nicht für Qualität sprechen muss, es aber in diesem Fall definitiv tat! Stilistisch war die Band gar nicht unpassend, denn die Musik der vier rockte äußerst gut. Der Eindruck, den DEAD SOUL TRIBE live vermittelten, ließ das Ganze so klingen, wie wenn die Wüstenrocker KYUSS (R.I.P.) einen Sound, der den softeren NEVERMORE Nummern entstammen könnte, gespielt hätten – sprich hart rockende Musik, schwere Grooves und eine sehr eingängige Melodieführung. Ebenso wusste die instrumentelle Leistung zu überzeugen, und zwar nicht nur mich, denn die Reaktionen des Publikums auf die Band können durchaus als euphorisch bezeichnet werden. Besonders gut wurde die alte PSYCHOTIC WALTZ-Nummer „Skeleton“ aufgenommen. Über das vorgetragene Songmaterial kann ich mangels Kenntnis des Albums leider nicht viel sagen, spreche aber hiermit eine ausdrückliche Empfehlung in die CD hineinzuhören aus – ich werde es alsbaldig tun!

Unter lauten NEVERMORE-Rufen enterten die fünf Amis frenetisch bejubelt die Bühne, um gleich mit „Inside Four Walls“ vom „Dead Heart In A Dead World“ Album klarzumachen, wo es für den weiteren Abend lang gehen sollte. Da seit Jahren Probleme mit der Besetzung des Postens der zweiten Gitarre bestehen, holte sich die Band für diese Tour mit Steve Smyth von TESTAMENT ein bekanntes Gesicht als Zweitgitarrist an Bord. Dieser machte seine Sache definitiv gut, was aber auch nicht anders zu erwarten war. Was das Zusammenspiel und die technische Darbietung angeht, wurde gezeigt, wo der Hammer hängt. Besonders der etatmäßige Gitarrist Jeff Loomis demonstrierte eindrucksvoll, dass er einer der Besten im härteren Metalsektor ist. Aber auch Drummer Van Williams lieferte eine energiegeladene Darbietung, die nicht von schlechten Eltern war und die so einigen Drummern Neid ins Gesicht zaubern dürfte. Auch gibt es nicht viel, was über den extrovertierten Frontman Warrel Dane noch nicht gesagt worden wäre – jedenfalls bestätigte er auch an diesem Abend erneut seine Stellung als Ausnahmesänger.
Hätte man anfangs glauben können, Müdigkeit würde sich möglicherweise einstellen und der euphorische Beifall würde mit der Zeit leiser, so wäre dies eine falsche Annahme gewesen, denn NEVERMORE wurden nach allen Regeln der Kunst abgefeiert und je länger das Konzert dauerte, umso lauter wurde der Jubel. Mit mittlerweile fünf Alben, die alle eine Klasse für sich bilden, war es schon durchaus schwer eine Setlist zu finden, die jeden glücklich machen würde. Der Schwerpunkt der Songauswahl lag auf dem „Dead Heart In A Dead World“ Album, von dem neben dem genannten „Inside Four Walls“ auch „The Heart Collector“, „Engines Of Hate“, „The River Dragon Has Come“, „Narcosynthesis“ und das SIMON AND GARFUNKEL-Cover „The Sound Of Silence“, welches als letzte Zugabe gespielt wurde, zum Besten gegeben wurden. Aber auch ganz neues und weit älteres Material fand Berücksichtigung, so wurden des Weiteren der Titeltrack des neuen Albums „Enemies Of Reality“, „Who Decides“ und „Tomorrow Turned Into Yesterday“ - alle drei vom neuen Opus - gespielt. Letzteres erwies sich als besonders livetaugliche Hymne, da hier nahezu die gesamte Halle lautstark den Refrain mitsang. Auf die Stimmung muss ich wohl demnach nicht weiter eingehen. Es ist auch klar, dass die Band durch die einmaligen Resonanzen an diesem Abend äußerst motiviert und spielfreudig war. Alte Trümpfe wie „The Seven Tongues Of God“ und „In Memory” rundeten die Sache ab. Dass nicht jeder Wunsch berücksichtigt werden kann, ist klar, weswegen für den einen oder anderen ein paar Songs wie zum Beispiel „Dreaming Neon Black“ oder „What Tomorrow Knows“ fehlten. Aber egal, alles in allem war dieses Konzert, so wie man sich ein Konzert nur wünschen kann. Nach drei Zugaben war dann eine Show, die viel zu kurz gedauert hatte, endgültig zu Ende.

Abschließend muss ich erstens feststellen, dass die Absage von ARCH ENEMY zwar ärgerlich war, es aber trotzdem ein erstklassiger Abend war. Die Schweden werden voraussichtlich im Februar auf einer Headliner-Tour durch Europa live zu sehen sein. An einer Entschädigung für die enttäuschten Fans wird derzeit gearbeitet - schaut also vielleicht in der nächsten Zeit immer wieder auf die Homepage der Band. Zweitens wäre es vielleicht gar nicht schlecht in Zukunft öfters kleinere Packages und nicht nur Monstertouren mit bis zu zehn Bands serviert zu bekommen, da sich dann die Spielzeit pro Band nicht nur auf 30 Minuten reduziert und mehr als ein Pflichtprogramm runtergespult werden kann.

www.nevermore.tv

Gore
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Beitrag vom 06.10.2003
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