METAL TO THE METALS-FESTIVAL 2003 - TAG1 MIT RAGNAROK   TSJUDER   SEEDS OF HATE   INCUBATOR   SANGUIS    USW.  
15.08.2003 @ Gasthof Haushofer

Der Österreichische Festivalsommer hatte 2003 mit Veranstaltungen wie dem Kaltenbach Open Air, dem Skeleton Bash und dem Vienna Metalfest einiges zu bieten, so auch die zweite Auflage des “Metal To The Metals”-Festivals in Brunn bei Straßwalchen.

Freitag:

Schon etwas spät aus Wien weggekommen, gestaltete es sich nach Verlassen der A1 als etwas schwierig, Straßwalchen, Brunn und schließlich den Gasthof “Haushofer” zu finden. Spät, aber doch wurde ich dann von meiner Mitfahrgelegenheit – danke an dieser Stelle nochmal an Phil fürs Mitnehmen! - bei dem direkt an der B1 liegenden Landgasthof abgesetzt, aus dessen Scheune es schon sehr verdächtig lärmte. Leider hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits die Schwarzmetallkapellen ESCHATON (vormals DOMINUS SATANAS) und BLESSMON verpasst und das Set von LUCIFERI EXCELSI, die bei meinem Eintreffen gerade werkten, konnte ich mir aus zeltaufbautechnischen Gründen leider nur zur Hälfte zu Gemüte führen.
Beim Betreten der Halle, die vor dem Umbau augenscheinlich als Kuhstall/Scheune gedient hatte, fiel mir als Erstes auf, dass der Sound für die doch recht “rustikale” Location eigentlich ganz gut war. Leider stellte sich bei genauerem Hinhören heraus, dass das Schlagzeug – vor allem eine der beiden Bass Drums - nicht optimal abgenommen war. Auch der Gesang war etwas zu präsent, was dem teilweise melodischen Black Metal von LUCIFERI EXCELSI nicht besonders gut tat. Hinzu kamen die einen oder anderen Ungenauigkeiten im Timing, die allerdings auf einen unzureichenden Bühnen-Sound zurückzuführen gewesen sein könnten. Alles in allem ein eher mittelmäßiger Gig der vier Oberösterreicher, aber für mich ein passabler Einstieg ins Festival-Wochenende.
PERISHED - nicht zu verwechseln mit den Black/Pagan Metallern aus Norwegen - hatten mit ähnlichen Soundproblemen zu kämpfen wie die Band davor, absolvierten ihren Auftritt aber etwas überzeugender. Allerdings gelang es dem Quintett nicht wirklich, das bislang eher spärliche Publikum mit ihrem solide vorgebrachten Death Metal besonders zu begeistern.
Als ich mich der Running Order zwecks Nachmittagsgestaltung zuwandte, musste ich mit Bedauern feststellen, dass für Samstag die Norweger URGEHAL und für Sonntag PURGATORY aus Deutschland abgesagt hatten. Ich hatte dann auch reichlich Zeit, den weiteren Tagesverlauf zu planen, da sich die nächste Band, VARGSRIKET, nicht gerade beim Aufbauen beeilte. Doch das Warten lohnte sich durchaus, denn die Wiener boten eine einwandfreie Show und knüppelten eine gute Dreiviertelstunde lang ihren kompromisslosen, sehr schnellen und technisch einwandfreien Black Metal in die Menge. Während das Publikum bis dato zwar anwesend, aber augenscheinlich nicht so in Mitmach-Laune war, kam jetzt das erste Mal so richtig Stimmung in der Halle auf. Die beiden Männer an Bass und Gitarre würgten ihre Instrumente sehr gekonnt, wobei sie es sich nicht nehmen ließen, nebenbei noch ordentlich herumzuposen und auch das zwischendurch eingestreute, sehens- und hörenswerte Drumsolo unterstrich die Form des Trios.
Zwar vor etwas weniger Publikumm, aber bei gleichbleibend guter Stimmung präsentierten PUNISHMENT aus Wien ihren “Ass-kicking Death Metal”. Das Quartett ging's nicht ganz so schnell und auch ein bisschen weniger technisch an als die Band davor, dafür packten sie den Groove aus und konnten mit sehr beatlastigen, schweren Riffs einige Leute zu ziemlich wilder Bewegung animieren. Trotz der sehr soliden Performance und der tiefen Gitarren fiel das Fehlen eines Tieftöners doch auf, durch den der Sound wahrscheinlich ein bisschen voller und noch etwas fetter rübergekommen wäre.
Auch aus der Todesblei-Sektion, aber an Groove eher wenig interessiert, zeigten sich dann CEPHALIC rund um die auch bei AMORTIS tätigen Brüder Lukas (Drums) und Roman (Gitarre). Hier regierte wieder das Geknüppel und zwar in Reinform, was bei einem differenzierten und ausgeglichenen Sound an sich kein Problem gewesen wäre. Doch leider zeigte sich die Anlage etwas mit dem High-Speed-Gebolze der vier Herren überfordert und so verkam das an sich sehr fetzige Set von CEPHALIC teilweise zu einer Klangmauer. Dass durch die kurzfristige Rekrutierung des neuen Sängers Armin - seines Zeichens auch Schlagzeuger von ESCHATON und Fronter von DISTASTE und somit gleich mit drei Bands beim Festival vertreten – alle Songs in Windeseile eingespielt worden waren, fiel nicht weiter auf, etwaige Details der Lieder und der Wiedererkennungswert einzelner Nummern wurden jedoch Opfer des nicht ganz optimalen Sounds.
Nach so viel Death Metal war dann mal wieder was Schwarzmetallisches an der Reihe. Bei SANGUIS füllte sich die Halle wieder merklich, sind die Steierer doch inzwischen keine Unbekannten in der Österreichischen Szene mehr. Ihr schneller, böser Black Metal mit der einen oder anderen melodischen Anreicherung schien das Publikum mehr anzusprechen als die Todesblei-Kapellen zuvor. Außerdem konnte anscheinend auch der Mischer mehr mit den blas(t)phemischen Hymnen des Quintetts anfangen und so gestaltete sich die Spielzeit von SANGUIS klangtechnisch deutlich besser.
Etwas aus dem Zusammenhang gerissen wirkten dann die Thrasher INCUBATOR. Die Halle, die sich in der Umbaupause stark geleert hatte, wollte sich partout nicht wieder füllen und selbst das spärliche Publikum wirkte von den beatlastigen Songs mit den schweren Thrash-Riffs nicht wirklich begeistert und dass das ganze Set dann noch ziemlich Schlagseite in Richtung Bass bekam, wirkte sich nicht sonderlich positiv aus. Die fünf Akteure ließen sich allerdings nichts anmerken und spielten recht beschwingt und solide ihre Nummern herunter.
Als eindeutig publikumstauglicher als ihre Landsleute zuvor präsentierten sich dann SEEDS OF HATE. Man sorgte mit sehr rohem Black Metal für einige Bewegung vor der Bühne, doch leider war den vier jungen Herren an diesem Abend die Technik nicht hold und als selbige dann nach einigen Holperern vorübergehend ganz aussetzte, war das der allgemeinen Stimmung nicht wirklich förderlich. Die Band verließ nach Beendigung ihrer Show sichtlich verstimmt und kurz angebunden die Bühne, obwohl so mancher der Anwesenden gerne noch mehr gehört hätte.
Durch die Absage von URGEHAL zum Co-Headlinder avanciert, fuhren TSJUDER musikalisch dort fort, wo die von der Technik im Stich gelassenen SEEDS OF HATE aufgehört hatten. Traditionell mit Killernieten und Corpsepaint bewaffnet enterten die drei Norweger zu fortgeschrittener Stunde die Bühne, um die Lebensgeister der Anwesenden noch einmal ordentlich wach zu rütteln. Und einschlafen wäre wohl bei dem entfesselten Knüppelinferno schwer möglich gewesen. Mit schnellem, technisch fundiertem Black Metal brachte das Trio noch einmal ordentlich Bewegung in die Menge vor der Bühne, doch leider war meine Aufnahmefähigkeit zu diesem Zeitpunkt nicht mehr die beste, weshalb ich die brutal-perfekte Performance eher am Rande mitbekam.
Auf diesen “Aufwecker” folgte eine lange Umbauphase und eine noch längere Wartezeit, in der überhaupt nichts passierte. Als RAGNAROK dann schließlich um halb drei Uhr Früh endlich auftauchten, merkte man schon deutlich, dass der lange Festivaltag seinen Tribut forderte und sich der allgemeine Enthusiasmus schon ein bisschen in Grenzen hielt. Nach einer Viertelstunde kompromisslos vorexerziertem Schwarzmetalls, das nicht mehr ganz die Mobilisierungs-Qualität von TSJUDER besaß, wurde das Schlafbedürfnis leider übermächtig und ich musste mich in Richtung Zelt verabschieden. Am nächsten Morgen hab ich dann in Erfahrung bringen können, dass die Show der Norweger “ganz okay” gewesen sein soll.
Glücklicherweise schien Straßwalchen an diesem Wochenende der einziger Ort in der ganzen Umgebung gewesen zu sein, wo es nicht den ganzen Tag durchgeregnet hat – Trockene Grüße an die Frequency-Besucher!
www.metaltothemetals.net

Christoph
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Beitrag vom 12.10.2003
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