METAL TO THE METALS-FESTIVAL 2003 - TAG 2 MIT TAAKE   PROFANITY    EWIGES REICH   ATANATOS   ZARATHUSTRA   ENDSTILLE    USW.  
16.08.2003 @ Gasthof Haushofer

Samstag:

Nach einer etwas arg kurzen Nacht wurde ich von umsichtigen Nachbarn rechtzeitig per Auto-HiFi geweckt, bevor sich mein Zelt ob des strahlend schönen Hochsommertages in eine Sauna verwandelte. Glücklicherweise blieb mir bis zur ersten Band, die um die Mittagszeit spielen sollte, noch ein bisschen Zeit, meine Lebensgeister zu erwecken.

Festivaltag Nummer Zwei wurde von HUMAN SCUM eröffnet, denen die ehrenvolle Aufgabe zuteil wurde, alle bis dahin noch im Bett gebliebenen – in Anbetracht der vorherrschenden Außentemperaturen ein Kunststück – aufzuwecken. Das taten die vier Herren dann auch recht enthusiastisch, aber teilweise holperte der gebotene Grindcore mit einem gewissen Death-Einschlag hörbar, was man getrost dem (relativ) frühen Beginn zurechnen kann.
Den Burschen von DISTASTE merkte man die “Strapazen” des ersten Festivaltages deutlich an und gleich zu anfangs erzählte Frontmann Armin von einem sehr ausgiebigen Bierfrühstück. Nichtsdestotrotz wurde eifrig geblastet, gegrindet und manchmal gegrooved wie sich das für Death/Grind eben so gehört und mit einer sehr eigenwilligen JON BON JOVI-Coverversion wurde das – trotz hohen Alkoholpegels – sehr tighte Set etwas aufgelockert. Zwischen den Liedern gab's mehr oder weniger tiefgründiges von Grunzer Armin, der sich dann auch zu einer Aussage gegen Nazis im Black Metal hinreißen ließ. Vor lauter Spaß am Spielen, den das Trio augenscheinlich hatte, übersahen DISTASTE ein bisschen die Zeit und überzogen ihre Spielzeit um geschlagene 20 Minuten.
Die Salzburger POSSESSION absolvierten ihren Gig nüchtern und sehr solide. Irgendwie wollte bei dem eher im Midtempo gehaltenen Old School-Death Metal der vier aber nicht so wirklich Stimmung aufkommen, obwohl der Sound passte und die Performance sehr routiniert wirkte. Anscheinend konzentrierte sich das Zuschauerinteresse zu diesem Zeitpunkt eher auf die Frühstücks- beziehungsweise Mittagessensbeschaffung und so blieb die Halle eher spärlich besucht.
Auch die folgende Band, MORBID BREED konnte nicht so wirklich die Massen anziehen. Die vier Oberösterreicher gaben bei sehr akzeptablen Sound eine ganz interessante Mischung aus Death und Thrash Metal mit einigen anderen Einflüssen zum besten, anscheinend wirkte sich jedoch das mangelnde Interesse seitens des Publikums negativ auf die Motivation aus, denn hie und da unterlief der Band der eine oder andere kleine Schnitzer.
Bei LEGIONS DESCEND war erstmals an diesem Tag in der Halle was los. Das Quartett aus Oberösterreich knüppelte frisch fröhlich vor sich hin und bot den Zuschauern durchaus abwechslungsreiche, technisch ausgereifte Songs aus der Todesblei-Ecke. Trotz aller Kompromisslosigkeit und Härte fand man auch Zeit, ab und zu einen kleinen Meldodie-Part einzustreuen, im Allgemeinen ging's allerdings recht rasch dahin. Obwohl die beiden vorhergehenden Bands aus der gleichen Sparte wie LEGIONS DESCEND kommen, schienen die vier Herren mit ihrer Auslegung des Blut-und-Beuschl-Themas deutlich besser beim Publikum anzukommen und die Band dankte es mit einer sehr energetischen Performance.
Leider konnten IMPRECATED DESTINY nicht an die Leistung ihrer Vorband anschließen und nach zwei Tracks eher durchschnittlichen Death Metals tat ich es einem Großteil der Leute gleich und verließ die Halle zwecks (dringend notwendiger) Nahrungsaufnahme.
Als erste Black Metal-Band am Samstag, war es dann an ASMODEUS für ein bisschen musikalische Abwechslung zu sorgen. Die Vier-Mann-Combo wusste mit ihrem sauber vorexerzierte Black Metal eindeutig die Leute zu unterhalten, die sich nach so viel Death Metal-Kost augenscheinlich sehr über die “klassische” Performance der Steirer freuten. Trotz der Rohheit der Songs wurde der Technik einiges an Bedeutung beigemessen und der passende Sound sorgte zusätzlich dafür, dass der Gig die nötige Tightness besaß.
Zwar nicht minder technisch beschlagen, doch eher den musikalischen Wurzeln des Black Metal verschrieben, zeigten sich dann die Polen BESATT. Das Trio bretterte sein rauhes, kompromissloses Set ins von ASMODEUS gut vorbereitete Publikum, das den kraftvollen Einsatz mit einer sehr guten Stimmung dankte.
Die beiden folgenden Bands, ENDSTILLE und
ZARATHUSTRA, zeigten ziemlich
übereinstimmende Auffassungen darüber, wie Black Metal zu klingen hat und
lieferten jeweils sehr aggressive, schnelle und rohe Sets ab, womit sie
nahtlos dort fortsetzten wo ihre beiden Vorgänger aufgehört hatten. Trotz
einiger Parallelen in Stil, Spielweise und Performance gelang es beiden
Formationen jeweils für sich Akzente zu setzen und somit unterschiedliche
Eindrücke zu hinterlassen - ZARATHUSTRA zauberte mit einem Cover von HOBBS
ANGEL OF DEATHs "Lucifer's Domain" sogar noch einen Klassiker aus dem
Ärmel.
Einen ziemlichen Stilbruch stellte dann der Auftritt von ATANATOS dar, wobei sich der schnelle, sehr technische Thrash nach viermal “Knüppel aus dem Sack” als willkommene Abwechslung herausstellte. Allerdings schien der Tontechniker leider mit der Anwesenheit eines Keyboards auf der Bühne – ein Unikum auf dem Festival – überfordert, weshalb selbiges lautstärkemäßig sträflich vernachlässigt wurde. Da genremäßig ein bisschen aus dem Zusammenhang gerissen, mussten sich die fünf Deutschen mit eher verhaltenen Publikumsreaktionen begnügen, obwohl durchaus denkbar ist, dass sie mit ihrer sehr soliden und technisch aufwändigen Show bei geneigteren Zuschauern sehr gut ankommen.
Nach diesem Intermezzo gingen EWIGES REICH wieder zur Tagesordnung über und boten nietenbeschlagenen, corpsebepainteten Old School-Black Metal in Reinform. Trotz der Beteuerungen der Band in Interviews, dass ihr Name keinerlei politischen Hintergrund habe, wurden die fünf Deutschen an diesem Abend aus der ersten Reihe mit “Sieg Heil!” begrüßt, was bei der Band und beim Publikum im Allgemeinen eher Befremdung hervorrief. Auch die gespielte Coverversion von ZYKLON B – eine Band mit einschlägigem Gedankengut, nicht zu verwechseln mit den Norwegern ZYKLON – hinterlässt einen etwas schalen Nachgeschmack, aber rein musikalisch war der Band an diesem Abend nichts vorzuwerfen.

Leider endete das “Metal To The Metals”-Festival 2003 hier für mich. Eigentlicht war geplant gewesen, nach der letzten Band die Heimreise anzutreten, da es aber nach EWIGES REICH schon kurz vor drei Uhr Früh war und mit PROFANITY und TAAKE noch zwei Bands anstanden, wurde beschlossen, schon jetzt die Zelte abzubrechen. Mir wurde dann später zugetragen, dass der Gig von PROFANITY toll und der von TAAKE – die übrigens erst um sechs Uhr früh noch gespielt haben sollen - durch die Starallüren des Sängers etwas getrübt gewesen sein soll.

Fazit: Ein nettes kleines Festival mit tollen Bands und einer ziemlich kultigen Location mit vernünftigem Catering und vielfältigem Merchandise. Die Atmosphäre war im großen und ganzen in Ordnung, nur verhielten sich gewisse Gruppen Fans aus nicht nachvollziehbaren Gründen ungewöhnlich aggressiv. Auch finde ich es für wenig angebracht, Politik welcher Ausprägung auch immer plakativ mit Metal zu verbinden. Trotz alledem hat mir das Wochenende sehr gut gefallen und ich hoffe stark, dass es im nächsten Festival-Sommer wieder eine Station in Straßwalchen gibt.
www.metaltothemetals.net

Christoph
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Beitrag vom 12.10.2003
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