LIFE OF AGONY   BREED 77   FONY  
29.10.2003 @ Rockhouse

Man kann es schon als kleine Sensation betrachten, dass uns LIFE OF AGONY diesen Herbst einen Besuch abstatteten. Die Vorfreude war groß, die Karten dementsprechend heiß begehrt. Denn nach der Trennung im Jahre 1999 fielen diverse Bandmitglieder eher durch verunglückte Soloprojekte als durch kreativen Output auf. Das es dann so schnell gehen würde konnte wohl keiner erwarten. Live CD und ausgedehnte Tour rund um den Globus sind, denke ich, nur der erste Schritt wieder zurück zu alter Stärke. Die Kräfte bündeln und bandeigene Finessen zu einem guten Gesamtergebnis vereinen. Denn auch die Leute, die LIFE OF AGONY noch nicht kennen, werden von ihrer nach wie vor eigenständigen Interpretation des Crossover begeistert sein.

Die Vorbands BREED 77 und FONY sind eigentlich unbeschriebene Blätter für mich. Halbvoll war es im Rockhouse trotzdem schon, und beide Bands lieferten einen soliden Job ab. Von der Musikrichtung gut auf den Hauptact abgestimmt, präsentierten sich diese zwei eher jüngeren Bands in beträchtlicher Spiellaune. Schlussendlich gaben FONY den Forderungen des Publikums nach, und räumten die Bühne für LIFE OF AGONY. Kurz nach halb elf ging es dann endlich los. Als die ersten Töne von “River Runs Red“ erklangen, war bereits alles geklärt: Kollektiver Bewegungswahn quer durch den übervollen Saal. Ein Kracher nach dem anderen schoss aus den Boxen, “This Time“, “The Other Side Of The River“, “Weeds“, um nur einige zu nennen. Generell war das Set sehr “River Runs Red“-lastig. Einziges Manko war der Verzicht auf “Let´s Pretend“, das doch die meisten Gäste erwartet hatten. Das Micro hätte die Technik theoretisch viel leiser einstellen können, denn eigentlich sangen so gut wie alle mit. Es wurde eine derartige Spielfreude an den Tag gelegt, und Sänger Keith Caputo war eigentlich der einzige, der sich bewegungstechnisch etwas zurückhielt. Kleiner Mann dennoch ganz groß, denn stimmlich gab es absolut nichts zu bemängeln.

Wer bei dieser Re-union von “Ausbeutung“ oder “noch mal schnell abcashen“ spricht, dem steht die Tatsache gegenüber, das schon bald ein neues Album aufgenommen wird. Wie ernst sie es wirklich meinen werden die folgenden Monate zeigen. An diesem Abend präsentierten sich LIFE OF AGONY, als ob sie nie weg gewesen wären, gut gelaunt und spielfreudig, und dadurch mit großen Schritten zurück zur Spitze.
[duderino]

Manchmal werden also doch noch Träume wahr, denn mit einem Comeback einer meiner absoluten Lieblingsband hätte ich nicht wahrlich gerechnet, ehe Anfang dieses Jahres die ersten Meldungen auftauchten, welche die ersten Reunion-Shows in den USA ankündigten, und bald darauf wurden auch zwei Österreich-Termine fixiert. Da ich bereits zwei Mal die riesengroße Ehre hatte, diese Ausnahmeformation live zu erleben, nämlich im Rahmen des unvergesslichen Underground Festivals 1996 in Wels, und einige Monate später mit u.a. SCHWEISSER und STUCK MOJO im Schl8hof, konnte ich mir diese Show natürlich nicht entgehen lassen. Ehrlich gesagt war aber die Skepsis, ob das Quartett wirklich wieder in der Alpenrepublik gastieren würden vorerst durchaus groß, wenn man sich die abgesagte Tour im Herbst 1997 in Erinnerung ruft, aber schlussendlich gelang es wohl einen reibungslosen Ablauf der Tournee zu gewährleisten, und der Verfasser dieser Zeilen durfte nach knapp sieben Jahren wieder in den Genuss einer Show von LIFE OF AGONY kommen.

Und: Die beiden durchaus fähigen Supportacts BREED 77 und FONY hatten angesichts dieses Headlinerkalibers einen denkbar schweren Stand, und besonders die Klasse von FONY wurden vom Publikum in keiner Weise gewürdigt, was garantiert nichts mit deren Musik zu tun hatte, sondern schlicht einfach damit zu erklären ist, dass wohl 100 % der Anwesenden wegen LIFE OF AGONY erschienen waren, und sich dementsprechend verhielten. Und dann waren es endlich so weit: LIFE OF AGONY betraten die Bühne, und von der ersten Sekunde stand die Fans im restlos ausverkaufen Rockhouse Kopf. Sänger Keith Caputo, der ja seinerzeit die Band verlies, um eine Solokarriere zu starten, wirkte zwar etwas benebelt, überzeugte aber in stimmlichen Belangen auf allen Linien. Auch der Rest der Band wirkte beachtlich motiviert und spielfreudig, obwohl man die Audienz keineswegs von ihrem Können überzeugen musste, da diese der Band ja ohnehin aus der Hand fraß, und jeden Song frenetisch bejubelte. Was die Songauswahl angeht, so sei angemerkt, dass es doch überraschte, dass so zahlreiche Stücke vom Debut „River runs red“ dargeboten wurden: Neben u.a. dem Titelstück, dem tollen „This time“; „Method of groove“ durften freilich auch die bewährten Klassiker „Through And Through“ und „Underground“ nicht fehlen. Dieser Umstand schafft natürlich jede Menge Stoff für Diskussionen und Spekulationen, und zumindest ich wage daraus zu schließen, dass die folgende LIFE OF AGONY-Veröffentlichung eher Vergleiche mit dem Debut zulassen wird, und nicht ganz so eingängig wie „Ugly“ oder gar „Soul Searching sun“ ausfallen wird.

Aber auch die Tracks der erwähnten beiden Alben wurden keineswegs vernachlässigt: „Seasons“ durfte genauso die Hörerschaft in Begeisterungstürme versetzen, wie „Lost at 22“, „I regret“, das wunderbare emotionale „How it would be“ oder der Oberhammer „Other side of the river“. Obwohl das Material von „Soul Searching Sun“ bedingt durch die bereits erwähnte Tourabsage im Dezember 1997 noch nie in live in Austria zu hören war, versuchte man dennoch bei der Zusammenstellung der Setlist einen repräsentativen Überblick über das bisherige Schaffen der Band zu bieten, und vom letzten regulären Werk kamen zwar einige Stücke u.a. „Hope“, „Heroin Dreams“ und natürlich „weeds“ zum Einsatz, aber ein Großteil der dargebotenen Stücke stammte dennoch vom Debut, was eher untypisch ist, und den Verdacht erhärtet, dass den Jungs von LIFE OF AGONY die Stücke ihres Erstlings mittlerweile mehr zusagen als das Material der Folgealben, und sich ein dementsprechend heftiges Werk in Ausarbeitung befindet. Augenzeigen konnten jedenfalls mit Fug und Recht von einem großartigen Konzerterlebnis berichten. Auch meine Erwartungen wurde der Gig mehr als gerecht, wenngleich ich auch nicht unerwähnt lassen möchte, dass ich (und zahlreiche weitere KonzertbesucherInnen) vor allem „Let`s pretend“ schmerzlich vermisst habe, das wohl zuden Hits der Band schlechthin zählt. Auch „Ugly“ und „My mind is dangerous“ hätte ich gerne gehört, aber man kann bekanntlich nicht alles haben.

Ob sich LIFE OF AGONY des schnöden Mammons wegen und oder aus Gründen der Vernunft etc. wiedervereinigt haben, ist für mich eigentlich von sekundär Bedeutung. Viel wichtiger erscheint mir nämlich, dass die Gruppe in absehbarer Zeit ein Album folgen lässt, das den bisherigen drei Veröffentlichungen qualitativ zumindest Paroli bieten kann, und man die Band mit ebendiesem Album im Gepäck in naher Zukunft, und nicht erst wieder in sieben Jahren, wieder in Form einer Tour in Österreich zu Gesicht bekommen wird.
[Hutti]
www.lifeofagony.com

matl
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Beitrag vom 16.11.2003
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