NEBULA   WINNEBAGO DEAL  
24.11.2003 @ Arena

Es liegt in der Natur der Sache, dass Stonerrocker öfters mal etwas langsam sind und wen wundert es da, dass sie sich wie am 24.11. einmal verspäten. Macht ja nichts, aber dass 20 Uhr als Beginn angegeben ist und die erste Band dann weit nach 21 Uhr die Bühne besteigt… nein, also ich red’ lieber nicht weiter… würd’ ich aber, hätte ich seit gestern nicht ein NEBULA-Poster im Zimmer hängen, welches man am Eingang für nichts bekam. Nette Geste.

Die erste Band, WINNEBAGO DEAL, waren mir persönlich nicht bekannt, was angesichts der kaum zu verleugnenden Tatsache, dass die singende und gitarrenspielende Hälfte massiv von Zakk Wylde´s Stageacting beeinflusst ist, eigentlich stark verwundern muss. Ausgerüstet wie Meister Zakk mit Les Paul und Mikro wirbelte der Blondschopf aus Oxfordshire sich in Extase und sein drummender Kollege schaffte eben das auch im Sitzen. Kurz gesagt eine äußerst energetische Bühnenshow des Duos, das musikalisch irgendwo zwischen Seattlebands wie den MELVINS oder MUDHONEY, frühen MOTÖRHEAD und dem breitwandigen, weit runtergestimmten und stark verzerrten Live-Sound FU MANCHU´ anzusiedeln ist.

Nach der von WINNEBAGO DEAL gebotenen Wall of Sound ging es nun etwas diffiziler zu Werke: NEBULA entführten uns in ihr Sound-Universum und konnten mich überraschen. Von ihrem Werk „To The Center“ hatte ich die drei ehemaligen FU MANCHU-Mitglieder doch etwas anders in Erinnerung.
Zunächst überraschte mich der Gitarrensound: nicht so dick und undurchdringlich wie erwartet, sondern schwach verzerrt und wahnsinnig transparent klang Eddie Glass’ Gibson. Ein wunderbarer Sound, der so sich so anhörte, als hätte Jimmy Page seinerzeit „Led Zeppelin II“ mit einer SG aufgenommen. Eine weitere Überraschung war, dass die Songs zwar natürlich noch immer stark nach BLACK SABBATH klangen, doch wahrscheinlich durch den drahtigeren Sound der Gitarre und die zahlreichen Soloeinwürfe auch an die HENDRIX EXPERIENCE erinnerten… irgendwie. Und irgendwie klangen viele Solos, die mit dem besonders häufig eingesetzten Wah gespielt wurden, original genau wie ST. VITUS’ Dave Chandler unverkennbar kreischender Solierton. Zum Glück verfiel Eddie aber nicht in Dave´s Monotonie, sondern bewies, dass er ein vielseitiger Saitenhexer ist. Den Hendrix-Vibe hätte ich mir trotzdem nicht erwartet…
Aber der Grund dafür ist wohl auch in den teilweise recht flockig daher kommenden Basslinien Mark Abshires zu suchen… vielleicht sollte ich mir einfach auch nur die nach „To The Center“ entstandenen Releases besorgen und meine Verwunderung über die Differenz zwischen NEBULA, wie ich sie von Platte kenne, und NEBULA, wie sie live sind, wäre weggefegt.
Keinen Zweifel, welcher Einfluss übermächtig auf ihn einwirkt, ließ Drummer Ruben Romano aufkommen: Bonzo (LED ZEPPELIN) prägt den Mann hinter den niedrig hängenden Toms, und sonst wohl niemand. Optisch ist der Gute übrigens ein Original, was auch auf die anderen zwei Nebulaner zutrifft (Basser Mark zum Beispiel war vor dem Gig beim Merchandise-Stand stilvoll mit Poncho bekleidet herumgestanden).
Wenn wir schon wieder bei den Saiteninstrumentalisten der Band sind, möchte ich noch einmal den tollen Sound erwähnen und dabei darauf hinweisen, dass weder Mark seinen Bass, noch Eddie seine Gitarre gewechselt hat. So g’hört sich das für bodenständige Rock’n’Roller.
Sowas sieht man heute selten…

Die zahlenden Gäste wussten das dargebotene Programm zu schätzen, es wurde fleißig Kopf geschüttelt und zwischen den Songs nach mehr gebrüllt. Brave Wiener.

www.nebulamusic.com

Kronos
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Beitrag vom 29.11.2003
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