SEEDS OF SORROW    MONOLITH DEATHCULT   THE CROWN  
23.11.2003 @ Arena

Ungewöhnlich früh lockte die Wiener Arena diesmal das Kollektiv der tendentiell langhaarigen Musikfreunde zu einem gemütlichen Beisammensein bei Bier und lauter Musik. Sichtlich gezeichnet von den abendlichen Aktivitäten des Vortages fand sich nach und nach eine gute Hundertschaft an Interessenten ein, um gemeinsam darauf zu warten, dass sich endlich die Türen zur kleinen Halle öffnen würden.

Die Lokalmatadoren SEEDS OF SORROW hatten es dann ein bisschen arg eng auf der Bühne, da Drummer Tom sein Schlagzeug noch vor dem der beiden anderen Bands aufbauen musste, was schon auf einer größeren Bühne teilweise etwas problematisch sein kann. Durch das bis zur Bühnenkante reichende Drumkit war also nicht mehr wirklich viel Platz für die anderen vier Herren, wodurch sich die Bühnenshow notgedrungen auf eher verhaltenes Headbangen beschränkte. Nichtsdestotrotz legte sich das Quintett ordentlich ins Zeug und prügelte seine Death Metal-Kracher ins anwesende Volk. Selbiges schien aber entweder vom seltsamen Bühnenaufbau oder dem alles andere als dezenten Sound etwas verschreckt und traute sich noch nicht mal zur Bühne hin; zwischen den Songs wurde jedoch brav applaudiert. In gewohnt solider Qualität taten die fünf Herren eine halbe Stunde lang ihr bestes, das Publikum trotz der ungewöhnlich frühen Stunde in Stimmung zu bringen; der nicht allzu transparente Sound und vor allem die Lautstärke arbeitete aber ein bisschen gegen sie. Nicht fehlen durfte natürlich das fast schon obligatorische MEGADETH-Cover von "Symphony Of Destruction".

Nicht mehr ganz so beengt und außerdem nur zu viert spielten dann MONOLITH DEATHCULT auf. Die Niederländer legten gleich mal einen ordentlichen Zahn zu und strapazierten die Arena-PA mit ratternden Blastexzessen und von rollenden Double Bass-Attacken getragenen, schwer groovenden Parts. Inzwischen traute sich das Auditorium – den wild werkenden holländischen Knüppelbuben in sicherer Entfernung wähnend - wieder ein bisschen näher zur Bühne, um sich von den beiden Gitarristen und dem mit einem Sechssaiter fretless bestückten Bassisten schwindlig spielen zu lassen. Leider war's auch wirklich notwendig etwas genauer hinzusehen, da die fingerbrecherischen Soli und das aufwendige Riffing der Saitenartisten fast völlig in dem hauptsächlich lauten Sound-Mischmasch verschwammen. Wie schon bei den SEEDS zuvor wirkte das Publikum etwas zurückhaltend, teilweise auch ein bisschen von der entfesselten Klangwand überfordert, aber auch MONOLITH DEATHCULT bekamen ihre Mühen zwischen den Liedern angemessen gedankt.[Christoph]

Nach der brachialen Show von MONOLITH DEATHCULT war der Headliner des vom Nachmittag zum Abend fortgeschrittenen Tages dran dem Publikum seine Version von Death´N´Roll frisch ins Gesicht zu rotzen. Genau das taten die Schweden THE CROWN dann auch.
Mit „Face Of Destruction/Deep Hit Of Death“ vom neuen Album „Possessed 13“ legte die Band los. Nun, mich hat ja besagtes, neues Album nicht wirklich vom Hocker geworfen; umso ärgerlicher war es, dass der Schwerpunkt auf neuem Material lag. (Was übrigens nicht nur ich so zu sehen schien…) So gab es vom neuen Album auch noch „Zombified“, „Cold Is The Grave“, und „Kill `Em All“.
Glücklicherweise wurden einige Songs vom Meisterwerk „Deathrace King“ sowie vom 2001er Album „Crowned In Terror“ gespielt. So gab es unter anderem „Deathexplosion“, „Blitzkrieg Witchkraft“, „Total Satan“, „Crowned In Terror“, „Under The Whip“ und „World Below“ zu hören.
Meine Zweifel an der Qualität der Songs vom neuen Album wurden live durchaus zerstreut und ich ließ mich eines besseren belehren. Dass jedoch das meiner Meinung nach neben „Deathrace King“ beste Album, „Hell Is Here“, bis auf den letzten Song des jungen Abends, nämlich „1999 (Revolution 666)“, sträflichst vernachlässigt wurde, stellt einen großen Schwachpunkt dar. Der von einigen Anwesenden heftigst geforderte Klassiker „Angels Die“ wurde geflissentlich ignoriert und nicht einmal eines Kommentars gewürdigt. (Wenn ich mich recht erinnere gab es das Stück als die Band im Dezember 2000 im Rahmen der Anti X-Mas Tour in Wien zu Gast war, was auch schlicht und einfach nichts daran ändert, dass das Stück gefehlt hat…) Die gut fünfminütigen, heftigen Rufe nach einer Zugabe ignorierte die Band dann auch noch – enttäuschend irgendwie.
Ungeachtet meiner Zweifel ob der Songauswahl, muss ich feststellen, dass der Sound äußerst annehmbar, ja nahezu gut war ;-).
Dass die Band ihr Material live gut präsentiert und rockt wie eine Horde wildgewordener Pitbull Terrier ist hinreichend bekannt.
Ein äußerst witziges Bild gab diesmal der zurückgekehrte Frontman Johan Lindstrand ab, der mit seiner gefällten Mähne, dem größer gewordenen Bauch, den Monsterkotletten sowie dem bis zum Nabel offenen schwarzen Hemd an Elvis kurz vor dessen Ableben erinnerte. Das monströse Organ des Shouters wieder zu den Songs zu hören war jedenfalls eine Freude. Die restliche Band war spielerisch ebenso in Form, wirkte jedoch irgendwie angeschlagen. Ob das nun an der momentan Bandsituation, der frühen Uhrzeit oder der Müdigkeit durch einige Zeit on the road lag, wird sich nicht klären lassen.
Nun gut, alles in allem hätte ich mir mehr von diesem Konzert erwartet, aber was nicht ist, ist nicht, und in diesem Falle fehlten nicht nur ein paar Songs. [Gore]


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www.thecrownonline.com

Christoph
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Beitrag vom 03.12.2003
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