PUNGENT STENCH   GOREROTTED   HYPNOS   GODNOSE  
29.11.2003 @ Arena

Ich war richtig erfreut die große Halle der Arena endlich mal wieder gut gefüllt vorzufinden, war das doch seit dem diesjährigen Metalfest nicht mehr der Fall gewesen. Wie es derzeit aussieht wird dieses Konzert eine der vorerst letzten großen Metalveranstaltungen im ehemaligen Auslandsschlachthof in der nächsten Zeit gewesen sein, da ja zum Beispiel die traditionell hier stattfindenden X-Mass- und No Mercy-Touren seit letztem beziehungsweise diesem Jahr ins Planet Music abgewandert sind.

Die erste Band des Abends, GODNOSE, begann recht bald nach Einlass; eher ungewöhnlich, da man inzwischen vor allem von der Arena anderes gewohnt ist. Von der Show der drei Australier habe ich leider fast gar nichts mitbekommen und auch keine Fotos machen können, da ich zur selben Zeit auf das Interview mit GOREROTTED gewartet beziehungsweise selbiges dann auch geführt habe. Bei dem wenigen, was ich an optischen und akustischen Eindrücken bei einem kurzen Blick in die Halle erhaschen konnte, ist es mir leider unmöglich wirklich was über die Band zu sagen, aber der punkige Hardcore des Trios wollte irgendwie so gar nicht in meine musikalische Abendplanung passen. Den verwunderten bis desinteressierten Gesichtern im eher noch spärlichen Publikum zu entnehmen, ging es aber nicht nur mir so.

Von HYPNOS habe ich leider auch nur mehr die letzten zweieinhalb Songs gesehen, was mir dann doch arg leid tat, denn die Tschechen rockten ordentlich! Wie auch GODNOSE zuvor zu dritt fuhr man jedoch eine ganz andere musikalische Schiene, was von den Anwesenden deutlich enthusiastischer aufgenommen wurde und so war doch einiges mehr an Bewegung in der Halle, als ich diese nach Absolvierung meiner Interview-Pflichten wieder betrat. Ähnlich wie MONOLITH DEATHCULT, die am Sonntag davor THE CROWN supportetet hatten (Review siehe hier), boten die drei Herren - Drummer Pegas und Bassist/Sänger Bruno waren beide früher bei KRABATHOR tätig - pfeilschnellen, extrem präzisen Brutal Death, der dann und wann aus seiner Raserei in treibende, schwere Riffs verfiel um sich postwendend wieder in High Speed-Parts zu verlieren. Ich weiß zwar nicht, mit welchem Sound HYPNOS bis zu meinem Eintreffen gesegnet oder geschlagen waren, das Ende des Sets war auf jeden Fall klanglich ganz stimmig.

Gleich zu sechst erschienen dann GOREROTTED nur um nach einer längeren Umbaupause – Kabelwechsel inklusive – und einem Soundcheck gleich wieder zu verschwinden. Glücklicherweise nicht für lange und wie sich ehebaldigst herausstellen sollte, hatte sich das Warten wirklich gelont! Das Londoner Sextett entfesselte nämlich eine der energischsten und abgedrehtesten Shows, die ich bisher gesehen habe. Mit fast schon manisch anmutender Intensität prügelten sie eine Death/Grind-Kreation nach der anderen ins begeisterte Auditorium. Der unbändige Bewegungsdrang der beiden Sänger übertrug sich direkt auf die Menge vor der Bühne und die Stagediver hatten Hochsaison. Aber auch außerhalb der Moshing-Zone machte sich ganz offentsichtlich Zustimmung breit und die allgemeine gute Laune stachelte die Engländer noch zusätzlich an. Insbesondere Sänger Mr. Gore, zuständig für die Kreischparts, spulte Kilometer auf der Bühne (und den Monitorboxen) ab und kam einmal, auch mangels anderer Beschäftigungsmöglichkeiten, das Publikum besuchen. Obwohl ausgiebig Songs von der brandneuen Scheibe "Only Tools And Corpses" (Review siehe hier) gespielt und auch mit Material vom Debüt "Mutilated In Minutes" nicht gegeizt wurde, war die außergewöhnliche Performance der sechs Herren leider allzu bald vorbei – bei einer durchschnittlichen Songdauer von unter 4 Minuten kaum verwunderlich! Die Band verließ nach etwas über einer halben Stunde trotz vehementer Forderungen nach mehr nach einer Zugabe die Bühne, was allerdings vielleicht auch am Zeitplan lag. Der brechende Sound mit dem die Londoner ausgestattet wurden, war zwar nicht unbedingt differenziert, aber transparent genug um alle Instrumente einzeln hervorzuheben und die Band gleichzeitig komplett klingen zu lassen. Einzig die Sache mit dem Gesang von Neuzugang The Wilson, der auch den Tieftöner bedient, klappte leider überhaupt nicht, woraufhin das für ihn bestimmte Mikro circa in der Hälfte des Sets kurzerhand entfernt wurde.

Sobald GOREROTTED die Bühne verlassen hatten, begannen die Roadies eifrig alles für den Auftritt des Headlinders herzurichten. Schließlich sollte das Konzert mitgeschnitten werden und das gefilmte Material wird in digitaler Form als Bonus-DVD für das nächste PUNGENT STENCH-Album kompiliert. Dann endlich traten Reverend Mausna, Don Cochino und Rector Stench angetan in Priesterroben auf die Bühne, wo sie begeistert empfangen wurden. Gitarrist Don Cochino begrüßte das Publikum ganz artig und versprach einen Querschnitt durch dem musikalischen Werdegang der Band und "viel nacktes Fleisch!" Und er hatte wirklich nicht zuviel versprochen! PUNGENT STENCH packten bei diesem Konzert, das den Abschluss einer kleinen Tour durch Holland und Deutschland mit einem Zwischenstop in London bildete, alle Klassi(c)ker aus und spielten sich quer durch die Tracklists von "For God Your Soul...For Me Your Flesh", "Been Caught Buttering", "Dirty Rhymes & Psychotronic Beats", "Club Mondo Bizarre" und "Masters Of Moral - Servants Of Sin". Ausgestattet mit einem ausgezeichneten, differenzierten, aber nicht steril wirkenden Sound lief das Trio bei der Zelebrierung von Songs wie "Pungent Stench", "Shrunken And Mummified Bitch" und "Viva La Muerte" zur Höchstform auf und die Stimmung in der Halle steigerte sich von Lied zu Lied. Spätestens bei "Splatterday Night Fever" brodelte die Menge, zu "La Bamba" wurde kräftig mitgesungen und ausgelassen wurde der "Klyster Boogie" getanzt. Mit steigenden Temperaturen entblätterten sich Don Cochino und Reverend Mausna zunehmend und absolvierten die letzten Songs nur mehr in Schuhen und Stringtanga. Insgesamt fiel das Stageacting der Musik entsprechend morbid-ironisch und – unterstützt durch eine sehr stimmige Ausleuchtung und einer Videowall im Hintergrund – sehr facettenreich aus und zum Abschluss des Konzertes ließ es sich Don Cochino nicht nehmen, mit seinem Instrument sehr, sehr intim zu werden. Nach knappen 75 extravaganten Minuten Show – eine Zugabe inklusive – verabschiedeten sich PUNGENT STENCH trotz der eindringlichen Wünsche des Publikums gen Backstageraum. Die drei Herren konnten auf jeden Fall sehr mit sich zufrieden sein, da der Abend eindrucksvoll bewiesen hat, dass die Band trotz fast siebenjähriger Absenz immer noch einer der österreichischen Top-Metal Acts ist.

Fazit: Ein wirklich toller Konzertabend mit einer Stimmung, wie sie die Arena schon des längeren nicht gesehen hat! Irgendwie schade, dass es Österreichs bekannteste Metalband braucht, um einmal mehr als 500 Leute zu einem Konzert zu bringen, vor allem wenn man bedenkt, dass Wien sich wirklich nicht über das Fehlen von (hochkarätigen) Veranstaltungen beklagen kann. Aber sei es, wie es sei, dieser Abend wird sicherlich einigen Leuten in sehr positiver Erinnerung bleiben.


FOTOS + E-CARDS
www.pungentstench.net

Christoph
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Beitrag vom 07.12.2003
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