EMIL BULLS   EKTOMORF    TOUGH MOTION   
09.01.2004 @ Posthof

EMIL BULLS aus dem nahegelegenen Bayern mutieren langsam, aber sicher zu lupenreinen Dauergästen auf Österreichs Bühnen: Nachdem man bekanntermaßen bereits mehrmals hintereinander die Ehre hatte, beim allseits geschätzten FORESTGLADE-Festivals in Wiesen mitzuwirken, stand an jenem Freitagabend also wieder ein Gastspiel im Linzer Posthof auf dem Programm, wo die Band zuletzt im Februar 2002 gehörig abräumte. Und: Die große Halle dieses Venues fühlte sich mit der Zeit auch den Erwartungen entsprechend äußerst gut, wenn auch nicht gänzlich. Wenn man allerdings bedenkt, dass EMIL BULLS ihre Tournee erst sechs Tage zuvor mit einem Gig im Kikas in Aigen/Schlägl, also in einem nur rund 60 Kilometer von Linz entfernt liegenden Ort im oberen Mühlviertel starteten, erreichte meines Erachtens das Besucheraufkommen durchaus ein beachtliches Ausmaß.

Als Local Support waren TOUGH MOTION auserwählt worden, eine fünfköpfige Band aus der Innviertler Metropole Ried, wo sich in den letzten Jahren bekanntlich eine beachtliche Bandszene entwickelt hat. (Und das nicht nur in Bezug auf die Quantität, sondern auch auf die erreichte Qualität.)

Einigermaßen Fachkundigen was das oberösterreichische Musikgeschehen mit Schwerpunkt Underground angeht, ist der Namen dieser Band natürlich längst geläufig, da sich TOUGH MOTION bereits im Frühjahr 1998 formierten, und nicht nur auf einige CD-Produktionen verweisen können, sondern auch auf unzählige Gigs wie beispielsweise im Vorprogramm von PRO PAIN im Juni 1999, oder der Gewinn der Vorausscheidung zum ABC im Jahr darauf zurückblicken können.
Nun, ganz oberflächlich betrachtet könnte man die Behauptung aufstellen, bei dem Quintett habe sich stilistisch gesehen in den vergangenen Jahren nicht sonderlich viel getan: Obwohl zum Zeitpunkt der Gründung der Begriff „New Metal“ wohl noch nicht sonderlich verbreitet war, erscheint diese Bezeichnung zusammen mit dem Überbegriff „Crossover“ zur näheren Beschreibung deren Stils am treffendsten. Der Konsum von Produkten aus dem Hause KORN dürfte an den fünf Herrschaften auch nicht gerade spurlos vorbeigegangen sein, denn mit Sicherheit fungierten deren Werke als eine wesentliche Quellen der Inspiration für TOUGH MOTION. Jedenfalls konfrontierte man die Menge mit einer kraftvollen Ladung groovigen Schwermetalls moderner Prägung, der stellenweise mit Samples merkbar aufgewertet wird, und mit der szeneüblichen Laut-Leise-Dynamik spielt.

Leider gelang es (voerst) nur phasenweise die ersten Reihen zum Mitmachen zu animieren, so dass die Gruppe zu ungewöhnlichen Mitteln griff, und die bewegungswilligen Fans mit Gratis-CDs belohnte, was sich natürlich denkbar positiv auf das Feedback auswirken sollte. Schließlich wurde Performance mitgefilmt, um Material für eine Videoproduktion sicherzustellen, und daher waren die Jungs verständlicherweise besonders an entsprechenden Resonanzen interessiert. Abschließend sei noch anzumerken, dass die Performance der Rieder durchaus im grünen Bereich anzusiedeln war, auch wenn man für diese Art von Musik sicherlich keinen Originalitätspreis gewinnen wird.

Es folgten EKTOMORF aus unserem östlichen Nachbarland, Ungarn. Diese stellten vor dieser Darbietung für mich persönlich ein gänzlich umschriebenes Blatt dar, und dementsprechend gespannt harrte ich der Ereignisse. Um die Band und deren bisherigen Werdegang kurz vorzustellen, sei erwähnt, dass diese bereits seit gut zehn Jahre existiert, es bisher auf immerhin vier Veröffentlichungen brachte, und seit September letzten Jahres bei Nuclear Blast unter Vertrag steht. Was folgte, lässt sich am besten wie folgt beschreiben: EKTOMORF legten gleich dermaßen gnadenlos los, so dass sich jeder, der vermutete, EMIL BULLS würden nur eine stilistisch ähnlich ausgerichtet Band mit auf Tour nehmen, getäuscht zeigte, denn die Ungarn bewegen sich stilistisch am ehesten im Dunstkreis von Bands wie SOULFLY, MACHINE HEAD oder auch PRO PAIN, mit denen sie in Kürze übrigens eine gemeinsam Tour (inklusive Gigs in Österreich) bestreiten werden, was bedeutet, dass der Name EKTOMORF für kompromisslos-brutalen Thrashcore steht, bei welchem man aber jegliche melodische Komponente wahrlich vergeblich sucht. Dass solch ein Sound geradezu prädestiniert dafür ist, um Fans aus der Reserve zu locken und dementsprechend mitzureißen, erscheint nachvollziehbar, und die Herren wurden auch niemals müde, die Audienz zu mehr Anteilnahme zu bewegen, wofür man sich auch stets artig bedankte. („Your are so fucking great“)In ihren Texten übt das Quartett übrigens, wie Recherchen ergaben, nicht nur Kritik an gesellschaftlichen Missständen, sondern man setzt sich, da selbst dieser Volksgruppe zugehörig, verstärkt für die Rechte der Roma ein. Auf alle Fälle eine beachtliche, vor Brachialität nur so strotzenden Show der aufstrebenden Magyaren, die mit zwei Fremdkompositionen ein würdigen Abschluss fand: Zum einen „A Hard Day`s Night“ (BEATLES), das freilich äußerst eigenwillig interpretiert wurde sowie „Split“ von SEPULTURA.

Im Anschluss daran wurden die letzten Vorbereitungen für den Gig der EMIL BULLS getroffen, der naturgemäß für einen Großteil der Anwesenden der Hauptgrund ihres Erscheinens darstellte.

Und: Mit dem von der letzten CD bekannten Intro sollte die Show der Bayern endlich beginnen, und schon der thrashige angehauchte Opener „Porcelain“ (Titeltstück des Albums) verleitete die Fans in den vorderen Reihen zu Begeisterungsstürmen. Eine gute Ausgangsbasis für den weiteren Verlauf der Show, und der sympathischen Band um Frontmann Christ gelang es auch, die Anfangseuphorie über die Dauer des gesamten Gigs zu retten. Neben einigen Songs vom bereits erwähnten aktuellen Album sowie einigen brandneuen Kompositionen, wurde die Setlist auch diesmal nicht ihrer unverzichtbarsten Bestandteile beraubt: Gemeint sind damit natürlich die wohl geläufigsten Stücken der Band, die auf mehreren Compilations enthalten sind: „Smells like Rock `n`Roll“ und „Leaving you with this“. Auch in Punkto Stageacting agierte man alles andere als zurückhaltend oder zu passiv, sondern man schöpfte vielmehr aus dem Vollen, und gab dementsprechend Gas, und es war wahrlich jeder Zeit zu spüren, dass der Elan und die Spielfreude der Jungs keineswegs aufgesetzt, sondern leidenschaftlich und echt erschien. EMIL BULLS haben sich nicht nur in kommerzieller Hinsicht längst etabliert, sondern auch auf musikalische Ebene ihre eigene stilistische Nische gefunden, und sind längst nicht mehr alleinig mit der Schablone New Metal zu kategorisieren. Ganz nebenbei agiert man auf einem kompositorischen Niveau, von dem so manche konkurrierendere Band nur träumen kann. Natürlich durfte auch ein ausgedehnter Zugabenblock nicht fehlen, wo u.a. das unvermeidliche „Take On Me“ (A-HA) sowie der unsterbliche MEGADETH-Klassiker „Symphony Of Destruction“ zum Zug kamen. Danach bewiesen die Bayern, die zum Teil von einem DJ verstärkt wurden, Mut zur Improvisation, in dem man ein Medley altbekannter Hits zum Besten gab, die allesamt aber nur kurz angespielt wurden („Paranoid“; „Sad But True“). Auch die vorbildhafte Wertschätzung, die den Fans entgegengebracht wurde, sollte hier lobend Erwähnung finden, da die EMIL BULLS allen, die mittels mitgebrachtem Booklet nachweisen konnten, im Besitz der letzten Platte zu sein, oder diese CD vor Ort erwarben, ihre DVD kostenlos zur Verfügung stellten. Einige Impressionen von dieser Veranstaltung sind auf der Posthof-Homepage unter unten angegeben Link ersichtlich.
bilder.posthof.at/20040109/page.htm

Hutti
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Beitrag vom 21.01.2004
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