NIGHT IN GALES   CUSTARD   ORDEN OGAN   MANDRAKE ...  
20.01.2004 @ Schützenhalle Oeventrop

Es war die Premiere und die zündete gleich wie eine Rakete: Das Winternachtstraumfestival (WNT) im sauerländischen Oeventrop war ein voller Erfolg, das Konzert der Oranisatoren um die Band ORDEN OGAN ging voll auf - ein arschtretendes Metal-Festival vom Feinsten.

Die besten Bands des deutschen Underground – dieses Motto hatte sich das Orga-Team auf die Fahnen geschrieben. Und sie kamen – zwar ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber an zwei Tagen rockten (fast) ausnahmslos richtig starke Bands die Schützenhalle.
Um das WNT für ein großes Publikum interessant zu machen, und damit die Underground-Bands vor möglichst vielen Leuten zocken konnten, hatte man sich zusätzlich noch die Deal-Bands AGATHODAIMON, die aber ausfielen, NIGHT IN GALES und CUSTARD als Headliner mit ins Boot geholt.

Gleich die erste Band OSYRIS war ein absolut würdiger Opening-Act. Die Jungs boten treibenden, aber melodischen Thrash-Metal und verdammt viel Druck und geilen Gesang. Einer der absoluten Festival-Höhepunkte.
Schon jetzt fielen zwei Dinge auf, die sich durchs ganze Festival ziehen sollten: Zum einen war schon zu diesem frühen Zeitpunkt, nämlich um 18 Uhr, die Halle gut voll, und zum Zweiten hatte das Team der sauerländischen „Sound-Division“ einen absoluten Sahne-Sound gezaubert: druckvoll, transparent und laut!

Als nächstes durfte dann die laut Bild-Zeitung „ekligste Band Bonns“ auf die Bretter: JACK SLATER bombardierten die Besucher mit heftigstem Death-Metal, ultrafiesen Grunz-Kreisch-Vocals und kranken, aber lustigen Ansagen („Hört nicht auf das, was der Typ am Mikro sagt. Der hat eh keine Ahnung. Ihr Fucker!“). Und spätestens beim tight runtergezockten „Stripped, Raped and Strangled“ war auch dem Letzten klar, woher die Haupteinflüsse der Band stammen. Nichts für Zartbesaitete!

Es gab weiter auf die Nüsse! Mit SPECTRE DRAGON stand schon die nächste Thrash-Kapelle am Start, die mit leichter ARCH ENEMY- und IN FLAMES-Schlagseite durch die PA knüppelte. Sehr guter Auftritt!

Für ein wenig Entspannung sorgte dann EVENLESS, die mit teilweise melancholischem, teilweise treibendem Rock und guten, klaren Vocals überzeugten. Für EVENLESS war das WNT übrigens gleichzeitig die Release-Party für ihre neue CD „Songs From The Basement“.

Auch bei den gothic-lastigen THARSYS (mit Frau am Mikro) hatten die Headbanger etwas Verschnaufpause. Sie waren dabei allerdings die erste Band, die mich persönlich nicht überzeugen konnte: Ziemlich stranger Gesang vom männlichen Part, dafür ziemlich dünner, wenn auch sauberer vom weiblichen und recht simples Songmaterial konnten an die starken Auftritte der vorherigen Bands nicht ganz anknüpfen. Dennoch waren auch für THARSYS die Publikumsreaktionen gut (was eventuell auch auf Geschmacksverwirrung des Autors hindeuten könnte).

Als kurz darauf BÄD INFLUENCE (mit Frau an der Gitarre) die Bühne enterten, war aber wieder Schluss mit Ausruhen. Power Metal mit schön rauen Vocals, sehr tight und sauber gespielt, Headbanging vor und auf der Bühne: Metaller, was willst Du mehr? Ein weiterer Höhepunkt.

Die NIGHT IN GALES waren danach der erste Headliner des Festivals, und schafften es mit ihrem Death/Gothic Metal immerhin, die Stimmung beim mittlerweile ziemlich ausgepowerten Publikum zu halten. Musikalisch muss zu den fünf Jungs eh nicht viel gesagt werden, und auch die Live-Performance war überzeugend.
Damit ging der Freitag zu Ende, allerdings leider nicht ohne einen ziemlich großen Wermutstropfen für alle Beteiligten: AGATHODAIMON mussten ihren Gig, der am Samstag stattfinden sollte, wegen eines Todesfalles in der Familie des Drummers absagen. Zu diesem Zeitpunkt bemühte sich das Orga-Team um ORDEN OGAN bereits um einen Ersatz, leider ohne Erfolg. So kam es also am Samstag zu einigen Umstellungen im Billing: Für AGATHODAIMON rückten CUSTARD auf die Headliner-Position, und die Lücke im Billing füllten BÄD INFLUENCE mit einem reinen Cover-Gig.

Zunächst aber durften am Samstagnachmittag vor wiederum bereits ziemlich voller Halle die Black Metaller MELODIES OF STORM auf die Bühne, die der Autor aber leider, wie auch die Power Metaller TORIAN und die Prog-Rocker SALOME`S DANCE, verpasste. Gespräche mit Zuschauern und Musikern ergaben aber, dass vor allem TORIAN schwer geil gewesen sein müssen, und auch MELODIES OF STORM und SALOME`S DANCE eine klasse Show hingelegt haben müssen. Auch die Bands selbst waren mit ihren Auftritten zufrieden.

Pünktlich zu WOOD standen dann aber wieder alle vor der Bühne und schüttelten – sofern vorhanden - die Mähne zu modernem, groovendem Rock, der das musikalische Spektrum des WNT um ein Element erweiterte. WOOD rocken!

Wild wurd´s danach mit GUERILLA, die herbe Sounds in der Schnittmenge aus Death und Thrash Metal in die Menge feuerten und mit einem großen Moshpit belohnt wurden.

Dann kamen BÄD INFLUENCE (immer noch mit Frau an der Gitarre) zu ihrem zweiten Auftritt. Und die Stimmung war auf dem Siedepunkt. Gemeinsam mit diversen Gastsängern zockte man Klassiker wie „Creeping death“, „King of the Kill“ oder „Mother“ affengeil runter. Zweites Sternchen für BÄD INFLUENCE!

Anschließend gelang ABSENCE das Kunststück, beim größten Teil des Publikums die überschäumende Stimmung zu halten. Ihre Mischung aus lupenreinem Thrash und Elchtod der Marke IN FLAMES machte ordentlich Druck und war technisch sehr gut dargeboten. Konsequenz: Headbanger ohne Ende!

Die hatten MANDRAKE dann zwar nicht in der Zahl, trotzdem zockten die Gothics einen ordentlichen Gig runter. Für einen großen Teil des Publikums war ihr – im Vergleich zu den vorangegangenen Bands – recht ruhiger Gothic-Metal auf die Dauer zwar etwas langweilig, aber MANDRAKE hatten durchweg starke Songs am Start.

Dann kam mit den Lokalmatadoren ORDEN OGAN (mit Frau an der Querflöte) so was wie der heimliche Headliner auf die Bretter. Nach einem umjubelten Soundcheck und einem atmosphärischen Intro rockten ORDEN OGAN von Beginn an alles weg. Die Fans reagierten enthusiastisch auf die sehr eigenständige Mischung aus melodischem, schnellem Power Metal á la BLIND GUARDIAN und sehr atmosphärischen, melancholischen Akkustik-Klängen. Bereitwillig ließ man sich zu Mitsingspielchen animieren, Stagediver enterten im Minutentakt die Bühne, und alle schüttelten die Köpfe. Es soll sogar eine Besucherin gesichtet worden sein, die ein Kind von Sänger/Gitarrist Seeb wollte. Na sowas. Für den Orden war das eigene Festival übrigens ebenfalls CD-Release-Party. Stolz präsentierte man das Debut-Album „Testimonium a.D.“, das auch gleich guten Absatz fand. Kein Wunder bei einem Einstiegspreis von gerade mal fünf Euro. Überhaupt waren die Preise beim WNT sehr fair: 14 Euro Eintritt für beide Tage, und Getränke kosteten einen Euro. Und da auch die Ersatz-Headliner CUSTARD mit sehr coolem Power Metal und noch coolerem Gesang zu überzeugen wussten, bleibt zu hoffen, dass das geplante „Sommernachtstraum-Festival“ auch wirklich stattfindet und wiederum so viel Unterstützung von allen Seiten erhält wie das WNT. Weitere Infos zum Festival und zu den Bands gibt´s auf der offiziellen Homepage www.winternachtstraum.com.


Patrick Strauß
www.winternachtstraum.com

Philipp
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Beitrag vom 08.02.2004
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