SOPHIA   JANSEN  
28.02.2004 @ Alter Schl8hof

In dem Glauben, dass die Meute sich vor den Schlachthoftoren stapelt, erreiche ich Wels. Trotz massiver Radiowerbung eines einschlägigen bekannten österreichischen Alternativradiosenders, schafften es erstaunlich wenig Leute an diesem Abend in den Schlachthof.

Den Anfang machte der deutsche Singer/Songwriter Markus Maria JANSEN. Unter einem leuchtenden Drahtgeflecht performend, schleuderte er innovativste deutsche Texte in die Konzerthalle, begleitet lediglich von einem Kontrabassisten. Das Dargebotene lässt sich, denke ich, ganz gut im Umfeld von ELEMENT OF CRIME ansiedeln. Alemannisches Sonwritertum, ganz im Sinne eines BECK Hansen oder TOM WAITS, verfeinert mit schrägen Jazz-Elementen und ein wenig elektronischem Schnickschack. Außerdem hat der Mann ein ausgesprochen gutes Gespür für ausgefallene Arrengements. Das Ganze blieb dennoch relativ zugänglich und unterhaltsam. Daumen hoch für diesen Supportact.

Nach der obligatorischen Umbaupause ging es relativ zügig mit der Hauptband weiter. SOPHIA standen nun am Programm.

Kurze Vorgeschichte: Robin Proper-Sheppard gründet Anfang der Neunziger ein Industrial-Goth-Trio namens THE GOD MACHINE und übersiedelt von sunny California ins regnerische London. Ein Bandmitglied stirbt an den Folgen eines Hirntumors und die Band splittet. Der Hauptprotagonist braucht lange, um sich vom Schock zu erholen und verarbeitet selbigen in zwei Soloplatten. Das neueste SOPHIA-Album nennt sich „People Are Like Seasons“ und wird mit Kritikerlob überschüttet. In der adäquaten Fachpresse wird Proper-Sheppard des öfteren als Eigenbrödler, als Querdenker und sturer Bock bezeichnet. Aussagen wie diese schüren natürlich die Hoffnung auf eine grandiose Live-Show, zumal diese auch zwischen Duo und Orchestergröße schwanken kann.

Als die Band die Bühne betrat und den ersten Song anstimmte, wunderte ich mich über den starren, fast bösen Blick Richtung Links außen im Publikum. Eine sitzende Fünfmann-Gemeinde tuschelte mehr oder weniger leise vor sich hin, das Konzert wurde unterbrochen und die Übeltäter zurechtgewiesen. Ab nach hinten, keinen Ton mehr, reden könnt ihr zu Hause, so kam das Ganze rüber. Ein wenig arrogant und unantastbar wirkte er, der Mann hinterm Mikro. Nahtlos ging es weiter, nämlich unter dem Motto: „Jeder Ton und jedes Foto mit Blitz ist ein Gesundheitsrisiko!“

Die Songs spiegelten im Allgemeinen die selbe starke Schwere und Tiefe wieder, welche sich bereits auf Platte ausmachen lassen. Melancholische Stücke wie „Fool“ oder „Swore To Myself“ dominierten das Set. Das interessanteste Stück, aufgrund seiner vielen Veränderungen, war wie zu erwarten „Desert Song No. 2“. Zur Hälfte der Show kam dann das langerwartete, lässig poppige „Oh My Love“. Darauffolgend lockerte das rockige „If A Change Is Gonna Come” die Performance ein wenig auf. Alles in allem war das Set zwar sehr gut, nur erdrückt einen auf Dauer so viel Schwermütigkeit und Tiefgang.
www.sophia-music.com

matl
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Beitrag vom 13.03.2004
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