MONSTER MAGNET   THE QUILL  
27.03.2004 @ Planet Music

Nachdem ich in Wacken den Auftritt der vier Schweden THE QUILL kläglichst vernachlässigt hatte, bekam ich nun endlich die Gelegenheit, das Arschtrittquartett live zu erleben. Klingen die Labelkollegen des folgenden Hauptacts MONSTER MAGNET auf ihrem aktuellen Longplayer „Hooray! It’s A Deathtrip“ so Seventies-lastig wie BLACK SABBATH oder LED ZEPPELIN zu ihren besten Tagen, kommen sie live doch etwas anders rüber. Klar, die Riffs und Melodien sind dieselben, aber der Gitarrensound ist etwas weniger trocken (was eventuell auch am Vergleich PA versus meine Stereoanlage liegen kann) und vor allem Sänger Magnus Ekwall klingt wesentlich 80er-mässiger: geht er auf CD als Chris Cornell trifft auf irgendwen anderen durch, so klang seine Stimme beim Auftritt im Planet Music wie der Heldentenor eines YNGWIE MALMSTEEN-Vokalisten…
Anderer Sound hin oder her, die Nummern rocken von der Bühne aus präsentiert mindestens genauso gut wie vom Plattenteller. Druckvoll und mit Spielfreude umgesetzt wurden größtenteils Songs vom oben bereits angesprochenen, letzten Herbst erschienenen Silberling dargeboten. Vorzeigestückln wie „Spinning Around“, „American Powder“ oder „Come What May“ sind mit ihrer erdigen Ausrichtung und eingängigen Refrains ja auch wirklich perfekt für schweißtreibende Liveshows. Allerdings muss man kritisch anmerken, dass Sänger Magnus nicht wirklich die Entertainerqualitäten etwa eines Dave Wyndorf besitzt. Er versuchte zwar immer wieder das Publikum anzuheizen, was ihm ja auch teilweise gelang (die schon recht volle Halle des Planet Music ging sogar erstaunlich gut mit mit der Schwedenpartie), aber hier wirkt er doch etwas unsicher im Sattel verglichen mit anderen Hardrockgrößen. Genauso war das als Reminiszenz an Page/Plant (LED ZEPPELIN… Apropos Led Zed: Christian Carlsson tauschte für „Hammerhead“ seine Les Paul gegen eine doppelhalsige SG; ganz so wie seinerzeit Jimmy Page) oder Gillan/Blackmore (DEEP PURPLE) zu verstehende Gesangs/Gitarrenduell zwischen Eckwall/Carlsson etwas seicht… Hier zeigte sich, dass THE QUILL zwar zweifelsohne eine der besseren Bands unserer Tage und ihres Genres sind, aber halt doch nicht ganz das Zeug zum Klassiker haben. Was für die grandiosen MONSTER MAGNET nicht zutrifft. Und so reiche ich die Feder an Hansi… [Kronos]

Erwähnenswert finde ich, dass die zwei Bands hervorragend zueinander passten. THE QUILL bieten mit ihrem erdigen, teilweise musikalisch sehr anspruchsvollen Stoner Rock die ausgeklügelte Interpretation der 70er, wohingegen MONSTER MAGNET doch mitunter auch Richtung Charts und roter Teppich tendieren, was natürlich die Headliner-Position, ganz abgesehen von Name und Bestehen der Band, mehr als rechtfertigt.
So wartete ich doch eine nicht unbeachtliche Zeit im gemütlichen, penibel gepflegten Fotograben auf Dave Wyndorf + Band. Aber so einige zusätzliche Bühnenelemente wie zwei Podeste fürs Posing und andere nicht weniger wichtige Accessoires sorgten dann doch für eine ungewöhnlich lange Überbrückungszeit. Mittlerweile war natürlich schon die Hölle los, und der Mob kam allmählich auf Hochtouren, als nun doch endlich der Mainact die Bühne betrat.

Gleich für die, die es nicht besser wissen, zeigte man beim ersten Song mit "Bummer" Flagge und präsentierte sich sodann als die wohl coolste und zugleich unsympathischte Band der Welt: Ein Genuss! "You think that I'm the one who fucked your mom - that's not me" - Jawohl, und so ging es auch weiter. Posing ohne Ende, eine Mimik, bei der sogar Jack Nicholson vor Neid erblassen würde, und Joga-Einlagen, die fast an Gogo für Homos erinnerte - ist nicht negativ gemeint, trifft die manegereifen Balanceakte Dave Wyndorfs aber wohl am besten - ließen die Quintessenz des Rocks in diesen vier Wänden inkarnieren: Sex, Drugs, Sweat, Tinnitus & Rock 'n' Roll. MONSTER MAGNET sind definitiv eine Live-Band, das stellten sie hiermit eindrucksvoll unter Beweis und die Masse war gefügig, hätte schlimme Sachen angestellt, ein Blick von Dave hätte schon genügt. Aber auch die anderen Bandmitglieder erfüllten ihre Rolle als Co- und Backgroundposer prächtig. Es folgte eine nette Auswahl aus Songs der aktuellen Platte wie "Supercruel", "Unbroken" oder "Radiation Day" und altbewährten Gassenhauern wie eben "Bummer" und natürlich "Spacelord".

Auf den Soundtrack von "Karlsplatz - zwischen Entzug und Desinfektionsmittel" der letzten viertel Stunde möchte jetzt Kronos noch näher eingehen. Ich bin weg und verbleibe mit erhobenen Daumen für eine tolle Leistung einer großartigen Band! [Hansi]

Naja, "näher eingehen" ist vielleicht zuviel, nur kurz erwähnen, dass nach "The Right Stuff" als erster Zugabe mit "Spine Of God" ein alter und dementsprechend noch sehr psychedelisch angehauchter Rausschmeißer untermauerte, dass MONSTER MAGNET für klassisches Rock'n'Roll-Entertainment stehen: bei dem von einer perfekt harmonierenden Band untermalten Monolog von Dave Wyndorf wurde zu guter letzt noch eine Gitarre zerschlagen, zerstückelt und zerrissen und der Menge zum Frass vorgeworfen. Als Eröffnung der Kommentar-Diskussion schlage ich daher folgende Frage vor: Wer hat die Tonabnehmer, wer den Hals, wer den Rest der Gitarre gefangen? [Kronos]



FOTOS + E-CARDS


Hansi

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Beitrag vom 30.03.2004
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