CRUSADE    HUMAN PESTICIDE    MORITURUS  
07.05.2004 @ Unplugged

Nach über drei Jahren Bühnenabstinenz luden die Wiener Metalcoreler CRUSADE unter dem Motto „Cored To Death“ ins Unplugged ein, in dem seit kurzem wieder Metal Konzerte stattfinden. Dass der Name CRUSADE nicht ganz in Vergessenheit geraten sein dürfte, oder zumindest die Werbung zur Veranstaltung gefruchtet haben dürfte, zeigte sich in der für ein Underground Konzert durchaus ansprechenden Besucherzahl. So war das Unplugged also locker gefüllt.

Als Opener sahen sich, ohne angekündigt gewesen zu sein, die Wiener Sicko Metaller MORITURUS. Die Band war kurzfristig für die Steirer DELETE eingesprungen, die sich zwei Tage vor dem Gig aufgelöst hatten. In bereits reichlich alkoholisiertem Zustand wankten die vier auf die Bühne. Was mich in erster Linie wunderte war, dass die Band ohne Keyboard auf der Bühne stand. Egal, soll sein.
Nun, der etwas illuminierte Zustand der Burschen schlug sich jedoch weniger in der spielerischen Leistung nieder, als man erwarten hätte wollen. Die gewohnt schrägen Ansagen von Frontman Elias waren noch ein wenig – sagen wir – beschwingter, wobei sich Basser Moritz und Zweitgitarrero Julian relativ statisch gaben, was nicht gerade aufputschend wirkte... Neben ein paar Songs der letzten CD „Spieluhrwerk“, dem älteren – meiner Meinung nach – echt guten Song „Insane“, der die Band irgendwo zwischen Melodic Death und PINK FLOYD präsentiert, gab es auch ein neues Lied, das, wenn ich mich richtig erinnere, auf den verheißungsvollen Titel „Mach´s mir, Leder-Uschi!“ gehört hat. Ähm ja, der Titel hat auf jeden Fall für einen ordentlichen Lacher im Publikum gesorgt. Alles in allem, wie gesagt, eine durch den gehobenen Alkoholpegel nicht 100% saubere, aber immerhin unterhaltsame und musikalisch ansprechende Performance.

An die zweite Stelle waren wegen des Ausfalls von DELETE die ebenfalls aus der Steiermark kommenden Brutal Deather HUMAN PESTICIDE gerückt. Die Performance der vier war technisch einwandfrei und wusste auch die Anwesenden vor die Bühne zu holen, die mit dem melodischen und zumindest alkoholgeschwängerten Sound von MORITURUS nichts anzufangen wussten. Selbst einige Mähnen kreisten während des Auftritts der Steirer. Musikalisch präsentierte sich die Band wie CANNIBAL CORPSE zu viert und ein wenig brutaler bzw. tendierte etwas mehr in Richtung DYING FETUS, DEEDS OF FLESH und Co. Technisch und von der Performance-Seite war die Band definitiv und vor allem objektiv gesehen mehr als ok, jedoch machen auch sie aus mir keinen Brutal Death Fan. Ich bleibe lieber bei meinen alten Death Metal Scheiben, und wenn Florida drauf steht, dann nehme ich tendenziell die Sachen bis 95 oder so... Egal, ich schweife ab – nachdem sich einige der Anwesenden überzeugen ließen, bleibt nur zu sagen: Thumbs Up!

Als Headliner standen die Veranstalter CRUSADE auf dem Programm. Nach dem Geholze zuvor ging es bei ihnen etwas gemäßigter und Groove-orientierter zu. Für Neuzugang Christoph am Schlagzeug, der den zu PUNISHMENT gewechselten Drummer Lugi ersetzt hat, stellte das Konzert das erste richtige Konzert mit der Band dar (von einem inoffiziellen DOL-Raum-Gig abgesehen…).
Der Anfang des Gigs stellte die Band gleich auf die Probe, da der erste Song gleich dreimal begonnen werden musste. Beim ersten Anlauf verabschiedete sich nach ein paar Takten ein Gitarrengurt, beim zweiten wollte ein Becken nicht mehr gerade stehen und legte sich kurzerhand auf das Schlagzeug, was vor Versuch Nummer drei zu einem amüsierten Kommentar von Fronter Martin führte. Es sei ohnehin der beste Song gewesen und nachdem alle guten Dinge drei sind, klappte dieser Anlauf dann. Was schnell auffiel, war die vorhandene Bühnenerfahrung des Fronters und Gitarristen - die zwei boten genau die Bewegung und Bühnenpräsenz, die bei MORITURUS fehlte. Der Bassist gab sich, wie schon von vergangenen Auftritten bekannt, ein wenig sediert in der Gegend umherwippend. Drummer Christoph schien manchmal mit seinem Drumkit zu kämpfen, machte seine Sache aber sonst auch gut. Da es sich um einen quasi Comeback-Auftritt handelte, wurde die frisch veröffentlichte MCD „Loathed Existence“ heftig beworben und schließlich wurde auch ein Exemplar samt einem großen Bier an einen besonders aktiven Zuseher verlost.
Wenn ich mich nicht täusche, wurde nur neues Material zum Besten gegeben. Die Songs waren generell recht groovig, wirkten aber stellenweise rhythmisch recht schräg und gelegentlich verwirrend. Zum Schluss versuchte sich die Band als Zugabe an punkigem Metal mit spanischen Texten (abgeänderte Version von "Guantanamera"), was einen gewissen Unterhaltungsfaktor hatte und zum Schluss noch mal für Party sorgte.
Für eine Band, die eine derart lange Livepause eingelegt hat, also ein guter Einstand, wenn auch die/der eine oder andere Panne bzw. Patzer da waren, entwickelt die Band sicher bald zu der Power, die sie vor ihrer Pause live versprüht hatte.


FOTOS + E-CARDS
www.crusade.at

Gore
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Beitrag vom 12.05.2004
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