DECONSTRUCTION TOUR 2004  
27.05.2004 @ Arena

Wie jedes Jahr öffnete auch heuer wieder die Wiener Arena ihre Pforten um dem Open Air Spektakel der DECONSTRUCTION-TOUR Platz zu bieten. Bereits im Vorfeld kündigte sich durch das bevorstehende Line Up das einschlägige Publikum bereits von selbst an.
Da die DECONSTRUCTION–TOUR immer ein bunt gemischtes Angebot an bekannten, teilweise auch Newcomer-Bands der Hardcore-, Punk- und Ska-Szene liefert, war man heuer etwas wegen dieser fehlenden Abwechslung bereits im Vorhinein enttäuscht. Viele entschieden deshalb ihre Anwesenheit den anderen zu ersparen.

Im Register der diesjährigen DECONSTRUCTION–TOUR waren Bands die gerade erst in Wien zu Besuch waren (BEATSTEAKS, ANTI FLAG), oder bereits zur Genüge dem Publikum vorgestellt wurden (SLACKERS, BEATSTEAKS, ANTI FLAG, PENNYWISE, PULLEY) und somit kaum Vorfreude erblühen ließen. SNAPCASE die anfangs eingeplant waren, traten zum Leid vieler Fans nicht auf, genauso wie die von vielen erhofften YELLOWCARD, die leider erst bei späteren Terminen der DECONSTRUCTION–TOUR eine Geige mitspielen, da Wien heuer wieder einmal Tourstart war. Somit war ein Heer von trinkfesten ANTI FLAG- und PENNYWISE-Kids vorprogrammiert.

Um 14 Uhr wurden die Tore geöffnet und um 15 Uhr spielten bereits die BEATSTEAKS, die ich leider wegen des Ansturmes volltrunkener Minderjähriger am Eingang verpasste. Von seriöser Quelle erfuhr ich jedoch später von dem Auftritt der ebenso besoffenen BEATSTEAKS, die aber trotzdem ihrem Ruf als gute Liveband gerecht wurden.
Den Anschluss machten THE MOVEMENT, die kaum beeindruckten und auch dem Publikum nicht gerecht wurden.
Ein kaum anderes Bild ergab sich bei 1208, die zwar bei einigen Songs die Verstärkung des Publikums bekamen, mehr aber auch nicht. Eine Skateshow sorgte für eine geringe Auflockerung und so manchem verhalf diese zu einem der raren Sitzplätze am Rasen der Arena. An dieser Stelle muss den DJs der DECONSTRUCTION–TOUR, zwei fetten Männern im Hasenkostüm, Respekt für ihre exzellente Musikauswahl ausgesprochen werden. Zudem weiß ich nun, was ich beruflich anstreben werde.
Die lang erwarteten MXPX boten darauf definitiv eine der besten Shows des Tages, die vor allem der guten Liveperformance der Pop-Punker zu verdanken ist.
Bei der nächsten Band, den SLACKERS, stand Ska aus New York auf der Speisekarte. Geboten wurde ein überragender Auftritt der gutgekleideten, exzellenten Musiker. Das Publikum konnte sich nicht halten und es wurde das ganze Set hindurch geskankt was die Kniescheiben hergaben. Durch die musikalische Leistung und die Publikumswirksamkeit der Band sicher der beste Auftritt des Tages.
PULLEY hatten es somit schwer, das bereits aufgeheizte Publikum zu halten und kratzten eher mit Ach und Krach die Kurve, ohne wirklich zu begeistern.
Mit ANTI FLAG folgte eine Band, die in den letzten Jahren bereits mehrmals Wien besucht und sich dabei ein kleines Heer an Anhängerschaft erspielt hatte. Bereits beim Betreten der Bühne tobte das Publikum und mit „ Fuck – Bush"–Parolen wurde weitere Sympathie aufgebaut, wobei es auch zu einer Gleichsetzung des Kärntner Landeshauptmannes mit dem amerikanischen Staatsoberhaupt kam. Den Höhepunkt fand ihr Auftritt im Heraufbitten des REDLIGHTSFLASH-Frontmans der Arm in Arm mit dem ANTI FLAG-Bassisten zum „Unity"-Denken aufrief. Der Hintergrund dabei war aber eher das bald auf AF – Records erscheinende Album von REDLIGHTSFLASH, eine beachtliche Leistung für eine österreichische Band. Musikalisch war ANTI FLAG mehr als mies und auch ihr „Fuck Bush/Authority/etc.“-Image wirkte etwas gekünstelt und aufgesetzt.
Im Anschluss folgten STRIKE ANYWHERE, die sich in der Vergangenheit bereits auf zwei mager besuchten Konzerten in Wien bewiesen, jedoch in unseren Breiten noch nicht ganz so bekannt sind wie in Amerika. STRIKE ANYWHERE boten eine gute Show, mehr aber auch nicht.
Der in der Vergangenheit bereits zur Genüge gesehene Headliner PENNYWISE konnte meiner Meinung nach den Status eines Headliners nicht gerecht werden, als mittelmäßige Band mit einer mittelmäßigen Show.
Um 23 Uhr war der Umzug auch wieder vorüber und träge wankten die, die noch gehen konnten zur letzten U-Bahn. Und wer weiß, vielleicht liegen immer noch einige, dösend in mitten eines Gemisch ihrer Magensäfte und Vorverdautem friedlich am heiligen Rasen innerhalb der Arena-Gemäuer.


Nemo
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Beitrag vom 01.06.2004
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