ROCK AM RING II: RED HOT CHILI PEPPERS   ANTHRAX   IN FLAMES   MNEMIC...  
05.06.2004 @ Nürburgring

Mal ehrlich. Die Eifel hat es in sich. Wer hatte schon mal das passende Wetter bei Rock am Ring? Ich nicht. Jedes Mal Regen. Jedes Mal? Nein, vergangenes Jahr nicht. Da war doch was. Stimmt, der Jahrhundertsommer mit 360 Grad im Schatten und gegarte Vögel, die vom Himmel fielen. Sonst immer nur Regen. Wieso sollte es also dieses Jahr besser sein. Außer am dritten Tag, dann schien die Sonne. Dafür war die sternenklare Nacht darauf umso kälter, Grippegefahr. Nun gut, irgendwas ist ja immer.

Mit ein Höhepunkt des ganzen Tages und schon gleich der Opener waren HOOBASTANK. Einzigartige Show, die die Amis abgeliefert haben. Zwar sind sie nicht wirklich bekannt für Extrem-CD-Produziering. Dafür sind die Stücke auf den Alben gut und werden live nur noch besser. Sänger Doug Robb stachelte das Publikum mit seiner Agilität an. Auf den Punkt gebracht spielten die fünf Musiker ihre Weisen "Crawling In The Dark" und "Running Away" – teilweise mit Mitsing-Effekt. Klar, dass die Fans die Band nicht gehen lassen wollten. Aber irgendwann hat etwas immer ein Ende. MNEMIC und EKTOMORF enttäuschten auf dem Talent Forum. Nicht wegen ihres Könnens. Der Mann hinterm Mischpult war wieder mal taub. Weniger bei den Ungarn EKTOMORF, mittlerweile schon fast Stammgäste beim Summerbreeze in Abtsgmünd, denn bei MNEMIC. Diese Band hat „Mechanical Spin Phenomena“ eine geile Scheibe abgeliefert und lässt viele Mitstreiter im KORN-Genre im Regen stehen. Aber so eine schlechte Abmischung hatte Sänger Michael nicht verdient. Das sensationelle Stück „Blood Stained“ ging komplett unter, bei „Ghost“ sah’s auch nicht besser aus. Schade.
Das gleiche Schicksal ereilte IN FLAMES. Wie kann man nur so taub sein. Auch deren Sänger ging unter, viel zu weit nach hinten gemischt. Eine geniale Show hat die Band auf alle Fälle abgeliefert. Musikalisch perfekt. Die Riffs passten auf den Punkt, die Soli kamen exakt auf Einsatz. Wer sich auf eines der besten Lieder von IN FLAMES freute, „Cloud Connected“, wurde herb enttäuscht. Der geniale und homogene Refrain wurde von den Gitarrenklängen übertönt. Enttäuschung pur.
Es ging aber besser. ANTHRAX hatten einen hervorragenden Sound, alles stimmte. Lag vielleicht auch an einem ausgedehnteren Soundcheck. Der lohnte sich. Scott Ian, auf den die gesamte Meute vor der Bühne wartete, entließ all seine aggressive-virtuose Genialität an den sechs Saiten. Keine Frage: Die älteren Stücke kamen am besten an. Darunter „Bring The Noise“. Diese Band hat Kultstatus, wie eben MOTÖRHEAD. Sie sind Mitbegründer dieser Musik, die heute als weiterentwickelte Form durch die Charts geistert. Wieso ANTHRAX aber bei ihren neuen Stücken in die Power-Ecke gehen, bleibt dem Fan der älteren Tage verschlossen. Der will nämlich nicht im Refrain „Olé“ in Blind-Guardian-Manier singen.

Auf Platte muss man sie nicht mögen. Aber live sind sie einfach eine Klasse für sich: NICKELBACK. Bei Rock am Ring begeisterten Chad Kroeger und Co. die Massen. Sie haben ein Händchen dafür, wie sie ihre Albumstücke mit einer ausgeprägten spielerischen Ästhetik aus den Boxen pressen müssen, damit ihre Arbeit auch jeden erreicht. Wie schafft es diese Band nur, solch homogene Auftritte hinzulegen. Ihr Auftritt bei Rock am See in Konstanz anno 2002 war nur als ein positiver Live-Ausrutscher zu erkennen. Falsch. Diese Band gibt auf der Bühne immer alles und überzeugt. Liegt auch an einem sehr sympathischen Chad Kroeger. Sein Organ lässt keine Wünsche offen. Seine Nuancen haben Übergänge in den Stimmlagen, die als solche nicht zu erkennen sind. Vielmehr variiert er in solch minimalen Abstufungen und baut diese zu einer voluminösen gewaltiger Kraft auf. Gelungen.

Weniger Glück mit der Stimmlage hatte am Samstag Anthony Kiedis, bekannt als Sänger der RED HOT CHILI PEPPERS. Er vergriff sich so oft im Ton, dass einem die Lust vergehen konnte. Musikalisch, kein Thema. Da haben die Amerikaner wieder den Vogel abgeschossen. Auch wenn die Liedauswahl keine homogene Linie in sich hatte. Dies Band kann doch eigentlich zwei Stunden spielen und einen Hit an den anderen reihen. Wieso sie aber zwischendrin Stimmungstöter einstreuten, ist ein Rätsel. Auf alle Fälle war es für Kiedis wohl schwer, die Tonlage immer zu halten. Vergangenes Jahr beim Southside-Festival hat er eine bessere Show hingelegt. Kann ja mal passieren. Die Fans hat es nicht wirklich groß gejuckt.

Während die einen schon in Richtung Party-Zelt gegangen waren, haben sich die anderen noch beim Late-Night-Special von IN EXTREMO vergnügt. Die Band wusste, es wird mitgefilmt. Um so mehr haben sich das Letzte Einhorn, Yello Pfeifer und Dr. Pymonte ins Zeug gelegt. Viel Feuer, viel Geknalle, viel Feuerwerk. Das war eines Late Night Specials würdig – passend zum Bühnenaufbau, wie immer mit Galgen und so weiter.
Musikalisch war es wieder ein Ohrenschmaus, den IN EXTREMO ablieferten. Fan vom neuen Material muss man nicht sein, es hat Lücken. Doch angesichts der Gesamtstimmung an diesem Abend, war auch das egal. Die Nacht war kühl, aus dem Off kamen Dudelsackklänge, der Geruch des Feuers lag in der Luft. Dr. Pymonte setzt sein Harvenspiel zum „Vollmond“ an, der romantische Refrain holt einen mitten rein ins Geschehen. Das ist Stimmung, das macht Spaß. Danke, IN EXTREMO.
www.rock-am-ring.de

Philipp
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Beitrag vom 22.06.2004
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