ROCK AM RING III: LINKIN PARK   AVRIL LAVIGNE   TOTEN HOSEN   STARSAILOR...  
06.06.2004 @ Nürburgring

Rock am Ring bietet ja immer viel. 93 Bands. Zum Preis von 105 Euro. Jede Band lässt sich ja ohnehin nicht sehen. Viele geile Truppen spielen zeitgleich auf den drei Bühnen. Leider. Anheizer für eine der Bands des Tages, LINKIN PARK, war AVRIL LAVIGNE.
Sie hat ihre Sache nicht schlecht gemacht. Was will man von dieser kleinen Göre auch anderes erwarten, als dass sie ihre Sache gut macht. Sie ist mit ihren restlichen Bandmitgliedern ein homogenes Gefüge, das gemeinsam die Hits über die Verstärker aus den Boxen entlässt. Kein Unterschied zu den Albumversionen. Auch nicht, was Avrils Stimme betraf. Auch dabei differiert sie nicht zur CD. Sie macht ihre Sache gut, heizte das Publikum gut an. Was danach aber folgte, da kann die noch junge AVRIL LAVIGNE nicht mithalten. Obwohl es auch LINKIN PARK noch nicht so lange wie etwa MOTÖRHEAD oder ANTHRAX gibt, haben sie mindestens eine genau so große Fanschar. Wenn nicht größer. Die Amis machen eben Mainstream, charttauglich. Sie bringen einen Elan auf die Bühne, die sofort auf die Meute davor überschwappt. Es ist die Mischung aus Mitsing-Qualität und einer melodiösen Härte die diese Band ausmacht. Und natürlich das Zwischenspiel der beiden Sänger, was dem Ganzen eine Abwechslung gibt. Aber nicht genug. Denn LINKIN PARK müssen sich langsam etwas Neues einfallen lassen. Der Songaufbau ist ewig der gleiche. Ruhiger Beginn, Refrain eben zum Mitsingen und hart-melodisch, danach wieder die Ruhepause in der Strophe. Schema F.
Ein Geheimtipp waren wieder einmal STARSAILOR. Eine grandiose Band, von der man noch viel hören wird. Ihr Stil liegt irgendwo zwischen SUEDE, R.E.M. und den früheren RADIOHEAD im Neo-Glamrock. Sänger und Gitarrist James Welsh heizte mit seinen drei Bandkollegen dem Publikum ein, immer mit einem Hauch englischer Musiktradition. Wie soll’s auch anders sein, wenn STARSAILOR von der Insel kommen. Diese Band war ihr Geld wert. Auch INTERNATIONAL PONY. Okay, die Veranstaltung hieß Rock am Ring, Doch die Stimmung bei dieser Hamburger Elektro-Band war relaxt, wie bei keiner anderen Band während des gesamten Festivals. Mittanzen war angesagt bei den Beats. Kein Raster für die Lieder, die drei Musiker würfeln ihre einzelnen Elementen zu einem immer wieder homogenen Gefüge zusammen. Genial, welch ausgelassene Stimmung vor ausgewähltem Publikum.
Voll war es natürlich auch bei den TOTEN HOSEN. Da dieses punkige Urgestein aber überall anzutreffen ist und schon millionenfach über diese Band geschrieben wurde, sparen wir uns die Zeilen. Nur soviel: Sie sind einfach ganz normal. So normal, dass sie sich an diesem Mittag nicht scheuen, auf einem Campingplatz auf der Ladefläche eines Lasters aufzutreten. Cool.
Einen gelungenen Abschluss an diesem Tag brachte MOLOKO dar. Sie ist schräg, weiß aber zu begeistern. Elektrolastig, wie zuvor INTERNATIONAL PONY. Es war einfach gelassen, nicht aggressiv, relaxt. MOLOKO hat eben einen Mix aus dieser Elektro-Alternativ mit extremem englischen Touch im Repertoire, was einem Easy-Listening gleich kommt. Entschweben und adé sagen zu Rock am Ring. Wieder einmal waren drei Tage um, wegen denen es sich zu frieren lohnt, wegen denen es sich der Aufregung über geschlossenen Campingplätze fast lohnt, wegen denen sich aber kein stundenlanges Anstehen an Festival-Bändchen-Ausgaben lohnt. Aber nächstes Jahr kann ja alles besser werden. So wie im vergangenen Jahr, hoffentlich.
www.rock-am-ring.de

Philipp
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Beitrag vom 22.06.2004
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