IN EXTREMO  
16.07.2004 @ Honberg Tuttlingen

Das Mittelalter ist nicht nur eine faszinierende Geschichtsepoche, die in unzähligen Büchern beschrieben wird. Vor einigen Jahren hat sie Einzug in der gitarrenlastigen Musik gehalten und damit einen neuen Stil geschaffen. Die Symbiose aus der Aufarbeitung mittelalterlicher Texte, traditionellen Instrumenten, gepaart mit verzerrten E-Gitarren rief eine eigene, eingeschworene Fangemeinde hervor.
IN EXTREMO gehören zu den Vorreitern dieses Genres und tauchten die Jahrhunderte alte Kulisse des Tuttlinger Honbergs in ein fast wahrheitsgetreues Ambiente.


Zugegeben, Heavy Metal kämpft auch nach Jahrzehnten des Bestehens mit einem zweifelhaften Ruf. Längst haben aber unzählige Bands bewiesen, dass es nicht nur auf Krach und „Schlimmer-geht’s-immer“ ankommt. Zwar gibt es immer noch den rauen Death und Black Metal. Doch auch selbst diese Stile sind durch symphonische Komponenten bereichert worden und nehmen starken Bezug zur Klassik auf. Das alte Ansehen der Satansmusik ist längst überholt. Die intellektuelle Aufwertung des gesamten Genres hat sich durch alle Stile hindurchgezogen. Siehe IN EXTREMO. Die Berliner Musiker widmen sich mit Vorliebe alt- und hochdeutschen Original-Texten. Die gilt es erst einmal zu verstehen, bevor die authentische Musik dazu komponiert wird. Die ist eine Mischung aus Romantik und Gitarrengewitter, mit steter Untermalung selbst gebauter Instrumente wie Dudelsack, Laute und einer hand-gerechten Version der Harfe. Wenn Dr. Pymonte diese anstimmt, weiß das Publikum, dass ein Hit folgen muss. „Vollmond“ heißt der Chartbreaker mit jedoch neudeutschem Text, der IN EXTREMO in den letztendlichen Mittelpunkt der Massenmedien rückte. Denn dieses Stück steht symbolisch für das Album „Sünder ohne Zügel“, in dem die Band eine durchweg romantische und harmonische Ader bewies. Der aktuelle Silberling „7“ geht davon schon wieder leicht weg und strich an Qualiäten ein – was Fans der härteren IN EXTREMO-Klänge und Anhänger des Albums „Verehrt und angespien“ mit dem Kracher „Herr Mannelig“ aber wieder befriedigen dürfte.



Es stehen eben Profis auf der Bühne, wenn IN EXTREMO sie betritt. Alles andere würde enttäuschen. Diese Band hat schon jeden Club Deutschlands von Innen gesehen. An Live-Erfahrung fehlt es ihr nicht. Wer sie auch in der elften Show sieht, wird keinen Unterschied zu den voran gegangenen zehn merken – egal ob auf titanischen Bühnen wie bei Rock am Ring oder auf dem Honberg. Punktgenau kommen die Einsätze der Musiker, ist jedes Riff, jedes Solo getroffen. Zur Erinnerung: Hier stehen sieben Musiker auf der Bühne, vom Gitarristen über Dudelsackspieler zum Drummer und Sänger, die ein komplexes Gefüge aus mittelalterlicher Musik im Sinne der Spielmannsleute zusammensetzt. Viel Feuer, der provisorische Galgen am Bühnenrand, ein Sänger, der keine Stargrenzen zum Publikum zieht. Das macht diese Truppe aus, deswegen wird sie verehrt, aber nicht angespien. Metal mit Intellekt.



www.inextremo.de

Philipp
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Beitrag vom 05.08.2004
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